Zwei Theorien in der funktionalen Sprachbeschreibung sollen in dieser Arbeit auf einen narrativen Text des Khoekhoegowab angewandt werden: die Functional Grammar von Simon C. Dik und die Grammatik von Szenen und Szenarien von Wolfgang Schulze. Diese beiden Ansätze sollten aufgrund der Berücksichtigung der Sprachenvielfalt universell auf Sprachen anwendbar sein. Obwohl die Sprache schon seit langem erforscht wird, dürften kognitiv basierte moderne Ansätze vergleichsweise gering zur Interpretation der Daten genutzt worden sein.
Deshalb stellen sich folgende Fragen, die Kerngegenstand der Arbeit sein sollen: Sind die beiden Theorien in Bezug auf einfache Sätze auf die im Süden Afrikas gesprochene Sprache Khoekhoegowab anzuwenden? Welche weiteren Schlüsse ergeben sich durch die Anwendung der beiden Theorien im Khoekhoegowab?
Zur Klärung dieser Fragen soll zunächst die Sprache Khoekhoegowab näher beschrieben werden, bevor ein narrativer Volkstext mithilfe der beiden Theorien beschrieben wird. Anschließend wird ein Khoekhoegowab-Kindertext für Grundschüler analysiert. Abschließend soll ein Vergleich der beiden Texte anhand der vorher ausgearbeiteten Zahlen vorgenommen und die Resultate weiter interpretiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung in die Thematik
1.1 Hintergrund der Arbeit
1.2 Methodisches Vorgehen
2 Kognitiv-linguistische Theorie
2.1 Kognitiv-linguistische Grundlagen
2.2 Der einfache Satz
3 Die Sprache Khoekhoegowab
3.1 Allgemeines und sprachliche Situation
3.2 Kurze Sprachbeschreibung
4 Linguistische Analyse des narrativen Textes
4.1 Vorbereitung des Textes
4.2 Zahlen zum Text und deren Interpretation
5 Linguistische Analyse eines Kindertextes
5.1 Vorbereitung des Textes
5.2 Zahlen zum Text und deren Interpretation
6 Vergleich der beiden Texte
7 Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Strukturierung einfacher Sätze in zwei narrativen Texten des Khoekhoegowab mithilfe kognitiv-linguistischer Theorien zu analysieren und kontrastiv zu vergleichen, um genreabhängige Charakteristika und den isolierenden Sprachbau der Khoisan-Sprache zu untersuchen.
- Anwendung der Functional Grammar (FG) und der Grammatik von Szenen und Szenarien (GSS) auf Khoekhoegowab-Daten.
- Untersuchung des isolierenden Charakters der Sprache und der Wortstellungstypologie.
- Kontrastive Analyse eines primär mündlichen Sagentextes und eines schriftlichen Kindertextes.
- Erforschung der Rolle von Zero-Anaphern und transitiven gegenüber intransitiven Strukturen.
- Untersuchung von zielgruppenspezifischen Registervariationen in der Sprachverwendung.
Auszug aus dem Buch
4.2 Zahlen zum Text und deren Interpretation
Um eine repräsentative Textkohäsion zu erreichen, ist eine Länge von mindestens 300 Tokens notwendig, da dadurch einerseits zumindest minimale Vielfalt gegeben ist und textstrukturelle Komponenten wie Anaphern auftauchen. Aus diesen Gründen ist die Länge von 394 Tokens eine repräsentative Textlänge. Diese 394 Tokens verteilen sich auf 149 phonologische Types, was einem Token-Type-Verhältnis von 2,64 entspricht. Dieses Verhältnis ist ein Indikator für den Morphologisierungsgrad einer Sprache. Der relativ hohe Wert zeigt, dass die Sprache nicht sehr flektierend oder agglutinierend, sondern tendenziell eher isolierend vorgeht. Die Anzahl der Lemmata beträgt 102, das bedeutet, dass das Token-Lemma-Verhältnis bei 3,86 liegt, was wiederum einen relativ hohen Wert darstellt. Dies bedeutet, dass der Text auf lexikalischer Ebene wenig elaboriert, also wenig variationsreich ist. Das Type-Lemma-Verhältnis von 1,46 zeigt ebenfalls, dass Khoekhoegowab eine Sprache mit wenig Morphologie ist, da das Lemma nicht viele Ausprägungen im Text vorweisen kann. Insgesamt sind in dem Text 76 einfache Sätze festzustellen, was ein Token-Einfache Satz-Verhältnis von 5,18 zur Folge hat. Die minimale grammatikalisch korrekte Form für einen indikativischen Präsenssatz würde fünf Elemente beinhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung in die Thematik: Die Einleitung beleuchtet die Grenzen der Schulgrammatik und führt in die gebrauchsbasierten, kognitiven Ansätze zur Sprachbeschreibung ein.
2 Kognitiv-linguistische Theorie: Dieses Kapitel erläutert die relevanten Grundlagen, insbesondere das Figure-Ground-Alignment und die Grammatik von Szenen und Szenarien zur Analyse einfacher Sätze.
3 Die Sprache Khoekhoegowab: Hier erfolgt ein Überblick über die Khoisan-Sprache, ihre soziolinguistische Situation und typologische Merkmale wie Klicklaute und Wortstellung.
4 Linguistische Analyse des narrativen Textes: Die Analyse des Sagentextes erfolgt mithilfe der GSS und FG, wobei besonders der Morphologisierungsgrad und die syntaktischen Strukturen im Fokus stehen.
5 Linguistische Analyse eines Kindertextes: Dieser Abschnitt überträgt die methodischen Ansätze auf einen schriftlichen Kindertext, um Vergleichbarkeit zu schaffen.
6 Vergleich der beiden Texte: Das Kernstück der Arbeit stellt die Ergebnisse der beiden Analysen gegenüber, um genrebedingte Unterschiede in der Sprachverwendung zu identifizieren.
7 Resümee und Ausblick: Zusammenfassend bestätigt die Analyse den isolierenden Charakter des Khoekhoegowab und reflektiert die Anwendbarkeit moderner Methoden auf nicht-indogermanische Sprachen.
Schlüsselwörter
Khoekhoegowab, Khoisan-Sprache, Functional Grammar, Grammatik von Szenen und Szenarien, kognitive Linguistik, narrative Texte, isolierende Sprache, Wortstellungstypologie, Zero-Anaphern, transitive Strukturen, intransitive Strukturen, Sagentext, Kindertext, Sprachbeschreibung, Klicklaute.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die syntaktische Strukturierung einfacher Sätze in zwei verschiedenen narrativen Texten der Sprache Khoekhoegowab.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Anwendung kognitiv-linguistischer Theorien auf Khoisan-Sprachen, die Analyse von Wortstellung und morphologischem Grad sowie der Vergleich zwischen mündlichen Sagen und schriftlichen Kindertexten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Anwendbarkeit moderner funktionaler Grammatik-Modelle auf das Khoekhoegowab zu prüfen und Unterschiede in der Satzstruktur basierend auf Genre und Zielgruppe zu identifizieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden die Functional Grammar (FG) und die Grammatik von Szenen und Szenarien (GSS) in Verbindung mit den Leipzig Glossing Rules für die Annotation der Sprachdaten verwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen, die Beschreibung des Khoekhoegowab, die detaillierte Analyse der beiden ausgewählten Texte sowie einen kontrastiven Vergleich der statistischen Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Khoekhoegowab, isolierende Morphologie, Zero-Anaphern, kognitive Syntaxtypologie und Diskursanalyse.
Warum spielt die Zielgruppe für die Sprachstruktur eine Rolle?
Die Analyse legt nahe, dass Kindertexte aufgrund des noch stattfindenden Spracherwerbs eine explizitere Nennung von Aktanten (weniger Zero-Phrasen) aufweisen, um die Textkohärenz zu sichern.
Wie unterscheidet sich die Wortstellung in den analysierten Texten?
In beiden Texten wird die dominante Wortstellung AOV (Agentive-Objective-Verb) in transitiven Sätzen bestätigt, wobei bei intransitiven Sätzen spezifische lokale oder subjektbezogene Anordnungen variieren.
- Arbeit zitieren
- Lisa Graf (Autor:in), 2016, Die Strukturierung einfacher Sätze in zwei narrativen Texten des Khoekhoegowab, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538846