Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Politik - Region: Afrika

Die Ursachen der Kongokriege. Über die notwendige Berücksichtigung von motivierenden und ermöglichenden Faktoren

Titel: Die Ursachen der Kongokriege. Über die notwendige Berücksichtigung von motivierenden und ermöglichenden Faktoren

Hausarbeit , 2019 , 14 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Severin Pehlke (Autor:in)

Politik - Region: Afrika
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Kongo ist seit über zwei Jahrzehnten kein nachhaltiger Frieden eingekehrt: Die beiden großen Kongokriege haben das Land schwer in Mitleidenschaft gezogen und im Ostkongo herrscht bis heute ein unübersichtlicher Bürgerkrieg. In dieser Arbeit wird gezeigt, dass eine solche Gewaltspirale nur durch das Zusammenwirken und die gegenseitige Verstärkung von ethnisch- kulturellen, institutionellen und ökonomischen Faktoren zu erklären ist. Das Konzept der „Ursachen innenpolitischer Gewalt“ nach Bussmann, Hasenclever und Schneider dient dabei als Eingrenzung des analytischen Rahmens. Im Verlauf der Arbeit werden die motivierenden und ermöglichenden Dimensionen der ethnisch-kulturellen, institutionellen und ökonomischen Konfliktursachen herausgearbeitet.

Bei der Analyse innerstaatlicher Kriege und gewaltsamer Rebellion müssen stets motivierende und ermöglichende Faktoren einbezogen werden. Bei einem einseitigen Fokus auf die Kapazität von gewaltsamer Rebellion – wenn nur darauf geachtet wird welche materiellen Faktoren sie ermöglichen – verkennt man ethnisch-kulturelle Differenzen, historische Faktoren und externe Einflüsse, die einen Konflikt mitbegründen. Andererseits würde eine Beschränkung auf motivierende Ursachen ebenfalls zu kurz treten: Wenn nur danach gefragt wird, warum eine Bevölkerungsgruppe gewaltsam rebelliert, übersieht man systemische und materielle Umstände, die innerstaatliche Kriege auslösen und fördern können, wie beispielsweise eine florierende Kriegsökonomie, die keine friedlichen Erwerbsmöglichkeiten zulässt.

Der viel zitierte britische Wirtschaftswissenschaftler Paul Collier beschränkt sich mit seiner ‚Feasibility‘-Hypothese auf ein singuläres, ökonomisches Analysemodell, das einen Fokus auf die Kapazität gewaltsamer Rebellion legt: „It seems to me that the key insight into rebellion comes not from asking why it happens but how it happens“ (Collier 2009: 133). Colliers Ansatz soll in dieser Arbeit widerlegt werden. Eine solch eindimensionale Perspektive verklärt die Komplexität innerstaatlicher Konflikte – besonders im Falle der Demokratischen Republik Kongo.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Rahmen

2.1 Colliers ‚Feasibility‘ - Hypothese

2.2 Ursachen innenpolitischer Gewalt nach Bussmann et al.

3. Die Kongokriege

3.1 Historischer Hintergrund

3.2 Kriegsverlauf

3.2.1 Der Erste Kongokrieg (1996-1997)

3.2.2 Der Zweite Kongokrieg (1998-2003)

3.2.3 Aktueller Krieg im Ostkongo

3.3 Motivierende und ermöglichende Ursachen der Kongokriege

3.3.1 Identität

3.3.2 Politische Institutionen und Ressourcen

3.3.3 Ökonomie

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Ursachen innerstaatlicher Konflikte am Beispiel der Kongokriege. Ziel ist es, die einseitig ökonomische „Feasibility“-Hypothese von Paul Collier zu widerlegen und aufzuzeigen, dass komplexe Bürgerkriege nur durch das Zusammenspiel von motivierenden und ermöglichenden Faktoren – wie Identität, politische Institutionen und ökonomische Anreize – verstanden werden können.

  • Kritische Auseinandersetzung mit der ökonomischen Theorie der Konfliktentstehung
  • Analyse der Rolle von Identität und ethnischen Konfliktlinien
  • Untersuchung staatlicher Institutionen und politischer Machtverhältnisse
  • Bedeutung der Kriegsökonomie und Ressourcenkontrolle als Triebfeder
  • Historische Aufarbeitung der Kongokriege seit 1996

Auszug aus dem Buch

3.3.1 Identität

Die Anwendbarkeit des Analysebereiches „Identität“ beschränkt sich bei den Kongokriegen auf kulturelle Konfliktlinien zwischen ethnischen Gruppen, eine religiöse Dimension ist nicht vorhanden. Bei der Beteiligung Ruandas am ersten und zweiten Kongokrieg dienten unter anderem ethnische Konfliktlinien als Motiv und Legitimation für die Interventionen. Die Flucht ruandischer Hutu in die östlichen Provinzen der DR Kongo im Jahr 1994 stellt für Kigali bis heute ein sicherheitspolitisches Risiko dar, weil die „Genocidairés“ von dort ungehindert Vergeltungsschläge gegen die Tutsi Regierung Paul Kagames durchführen können. Der ethnische Konflikt zwischen Hutu und Tutsi, der sich von Ruanda bis in den Ostkongo ausbreitete, war ein zentraler Auslöser des ersten Kongokrieges, wie bereits in Abschnitt 3.2.1 erläutert wurde. Nachdem Laurent-Desiré Kabila im Mai 1997 die Macht übernommen hatte, entwickelte sich in der kongolesischen Bevölkerung ein verstärkter Groll gegen die Tutsi Bevölkerung in den Provinzen Nord und Süd Kivu (Guy 2008: 98). Kabila reagierte auf diese Dynamik, indem er ruandische Tutsi von staatlichen und militärischen Positionen entfernte.

Die Regierung in Kigali warf Kabila daraufhin vor Trainingscamps für extremistische Hutu Kämpfer zu unterhalten (Guy 2008: 98). Diese Beispiele zeigen, dass die Instrumentalisierung der ethnischen Konfliktlinien zwischen Hutu und Tutsi für die Verfolgung politischer Ziele bei den Kongokriegen stets omnipräsent gewesen ist. Einige Rebellengruppen im Ostkongo definieren sich außerdem über ihre ethnische Zugehörigkeit: Die „Demokratischen Kräfte zur Befreiung Ruandas“ bestehen hauptsächlich aus Angehörigen der Hutu (Borowski, Fischer 2014). Die sogenannten „Mai Mai“- Milizen einen sich in dem „Gedanken des Schutzes der jeweils eigenen Bevölkerungsgruppe“ (Borowski, Fischer 2014). Hier wird deutlich, dass sich die ethnischen Konfliktlinien auf der einen Seite motivierend auf die Kriegsteilnehmer auswirken, auf der anderen Seite erzeugt die Verfeindung der ethnischen Gruppen eine ausgiebige Rekrutierungskapazität für die Durchführung gewaltsamer Rebellion.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung der Problematik in der Demokratischen Republik Kongo und Definition des Ziels, die ökonomische Konflikttheorie anhand der Kongokriege zu hinterfragen.

2. Theoretischer Rahmen: Gegenüberstellung von Paul Colliers „Feasibility“-Hypothese und dem differenzierteren Analysemuster von Bussmann, Hasenclever und Schneider.

3. Die Kongokriege: Detaillierte Darstellung des historischen Kontexts, des Verlaufs der beiden großen Kriege sowie der aktuellen Lage unter Anwendung der zuvor definierten theoretischen Perspektiven.

4. Fazit: Zusammenfassende Bestätigung, dass die Komplexität der Kongokriege multivariater Analysemodelle bedarf und Colliers Ansatz für diesen Fall unzureichend ist.

Schlüsselwörter

Kongokriege, Demokratische Republik Kongo, Feasibility-Hypothese, Paul Collier, Innenpolitische Gewalt, Bürgerkrieg, Kriegsökonomie, Ethnische Identität, Politische Institutionen, Bodenschätze, Rebellengruppen, Ressourcenfluch, Motivierende Faktoren, Ermöglichende Faktoren, Konfliktanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Analyse innerstaatlicher Kriege, konkret am Beispiel der Demokratischen Republik Kongo, und hinterfragt die Ursachen für das Fortbestehen gewaltsamer Konflikte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die politische Instabilität, ethnisch-kulturelle Identitätskonflikte sowie die ökonomische Ausbeutung von Bodenschätzen in Kriegszeiten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die „Feasibility“-Hypothese von Paul Collier zu widerlegen, die behauptet, dass Konflikte primär durch ermöglichende Faktoren und nicht durch Motive entstehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein theoretisch-analytischer Ansatz gewählt, der die „Ursachen innenpolitischer Gewalt“ nach Bussmann et al. auf die reale Situation im Kongo anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Kongokriege sowie eine detaillierte Untersuchung der Identitäts-, Institutionen- und Ökonomie-Dimensionen als Konfliktursachen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Kriegsökonomie, Identität, Staatsschwäche, Ressourcenreichtum und der Vergleich zwischen motivierenden und kapazitiven Faktoren.

Warum spielt die Rolle der Bodenschätze eine so wichtige Rolle im Kongo?

Bodenschätze dienen im Kongo sowohl als finanzielles Motiv für externe und interne Akteure, den Krieg fortzusetzen, als auch als ermöglichende Ressource zur Finanzierung von Waffen und Milizen.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Ethnizität?

Ethnische Konfliktlinien werden als zentrales Instrument zur Mobilisierung von Gefolgschaft und zur Rechtfertigung von Gewalt identifiziert, was die rein ökonomische Perspektive von Collier als unvollständig entlarvt.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Ursachen der Kongokriege. Über die notwendige Berücksichtigung von motivierenden und ermöglichenden Faktoren
Hochschule
Universität Hamburg  (Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Ursachen bewaffneter Konflikte in Afrika
Note
1,3
Autor
Severin Pehlke (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
14
Katalognummer
V538856
ISBN (eBook)
9783346138507
ISBN (Buch)
9783346138514
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ursachen kongokriege über berücksichtigung faktoren
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Severin Pehlke (Autor:in), 2019, Die Ursachen der Kongokriege. Über die notwendige Berücksichtigung von motivierenden und ermöglichenden Faktoren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538856
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  14  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum