Die US-amerikanische Liebeskomödie von Garry Marshall aus dem Jahr 1990 dient als Grundlage für das Thema dieser Hausarbeit. Die besagte Liebeskomödie handelt von einer temperamentvollen Prostituierten, Vivian Ward, welche das Herz des zynischen Unternehmers, Edward Lewis, erobert. Im Folgenden werde ich den Verlauf des Filmes, der sich mit dem Thema der Figur der Frau als Schauobjekt verbinden lässt, vorstellen.
Zunächst wird Laura Mulveys Argumentation vorgestellt und die wichtigsten Begrifflichkeiten ihres Essays herausgearbeitet. Daraufhin werden dann die zuvor erörterten Grundannahmen von Laura Mulveys Theorie, insbesondere der male gaze (1975, 11) auf den Film "Pretty Woman" (1990) angewandt. Anschließend wird die wohl bekannteste Szene dieses Films im Hinblick auf den Raum im Film analysiert. Den Abschluss bildet ein Resümee.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Laura Mulveys Argumentation
3. Male Gaze in Pretty Woman
4. Die Shoppingszene
5. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Film „Pretty Woman“ unter Anwendung der filmtheoretischen Konzepte von Laura Mulvey, insbesondere des „male gaze“ (männlicher Blick), um zu analysieren, wie die weibliche Protagonistin als Schauobjekt konstruiert und durch filmische Mittel inszeniert wird.
- Analyse der Theorie des „male gaze“ nach Laura Mulvey
- Untersuchung der filmischen Blickstrukturen in „Pretty Woman“
- Deutung der körperlichen Verwandlung der Protagonistin
- Analyse der Raum- und Machtverhältnisse mittels filmtechnischer Gestaltung
Auszug aus dem Buch
3. Male Gaze in Pretty Woman
Im Moment des ersten Aufeinandertreffens von Edward und Vivian, ist Edward weniger interessiert an Vivian als Person einer Prostituierten, als an dem Gang seines Autos. An dieser Stelle erkennen wir bereits, dass Edward aus einer kultivierten Welt voller Reichtum stammt und Vivians eklatante Weiblichkeit für ihn nicht mit Attraktivität verbunden ist. An dieser Stelle drückt der Film aus, dass Vivian die Maskerade der Weiblichkeit in einer Weise lernen muss, wie es in Edwards Oberschicht üblich ist.
Nach Pretty Woman’s Normen und Werten, ist man nicht in der Lage einen Ehemann zu finden, solange eine Sicherheitsnadel den Reißverschluss deines Stiefels hält (TC: 00:14:03). Selbst als Vivian Edward in sein Hotelzimmer begleitet, hat er immer noch kein sexuelles Interesse an ihr, sondern überprüft seine Post (TC: 00:18:32). Diese Situation verwirrt selbst die Protagonistin, denn diese versucht den Prozess, den eine Prostituierte normalerweise vollzieht, zu beschleunigen und Edward versucht eben diesen heraus zu zögern, wodurch der Humor in dieser Szene entsteht.
Auch nachdem Edward entscheidet Vivian für die ganze Nacht zu buchen, ist noch kein sexuelles Verlangen von seiner Seite aus zu finden, was bis zu diesem Punkt dem Blick des male gaze entkräftet. Aber dies ändert sich in der Nacht, in der Edward seine Vivian in der Hotel Bar trifft um sie zum Essen auszuführen. Sie trägt das schicke Kleid, welches sie zuvor mit Hilfe des Hotelmanagers erworben hat, ihr Haar ist elegant gelockt und ihr Makeup ist ausdrucksvoll. Dies ist der erste Moment in der Erzählung des Films, in dem der male gaze aktiviert wird. Für den Zuschauer ist der Blick des male gaze seit der Eröffnungszene aktiviert, in der der Blick über Vivians leicht bekleideten Körper in Knie hohen Stiefeln verweilt. Für Edward ist dies der erste Moment in dem er Vivian mit einem ernsthaften Interesse erblickt und ihr seine Aufmerksamkeit schenkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt den Film „Pretty Woman“ vor und führt in die zentrale Problemstellung ein, die weibliche Figur als Schauobjekt zu untersuchen.
2. Laura Mulveys Argumentation: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen von Laura Mulveys Essay „Visual Pleasure and Narrative Cinema“ und definiert den Begriff des „male gaze“.
3. Male Gaze in Pretty Woman: Hier werden die theoretischen Annahmen Mulveys exemplarisch auf Szenen des Films angewandt und die Blickstrukturen sowie die Transformation der Protagonistin analysiert.
4. Die Shoppingszene: Diese Analyse widmet sich der zentralen Szene der äußeren Verwandlung und nutzt filmtechnische Begriffe wie establishing shot, shot/reverse shot und match cut.
5. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Film eine komplexe Mischung aus feministischen und antifeministischen Aspekten darstellt.
Schlüsselwörter
Medienanalyse, Pretty Woman, Laura Mulvey, Male Gaze, Blickstruktur, Psychoanalyse, Patriarchat, Schauobjekt, Voyeurismus, Identifikation, Filmtheorie, Machtverhältnisse, Visuelle Lust, Maskerade, Hollywoodkino.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Hollywoodfilm „Pretty Woman“ unter feministischen Aspekten, insbesondere mit dem Fokus auf die Inszenierung der Frau als Schauobjekt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die filmische Umsetzung von Machtverhältnissen, die Transformation der Identität durch Kleidung und die Wirkung von Blickstrukturen auf das Publikum.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Darstellung der weiblichen Hauptfigur den theoretischen Postulaten von Laura Mulvey zum „male gaze“ entspricht oder diese hinterfragt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine medienkulturwissenschaftliche Filmanalyse durchgeführt, die sich auf psychoanalytische Filmtheorie und formale Aspekte der Filmgestaltung stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung in Mulveys Thesen, die Anwendung auf den Filmcharakter Vivian Ward und eine detaillierte technische Analyse der sogenannten „Shoppingszene“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Male Gaze, Blickstruktur, Schauobjekt, Patriarchat und Filmische Codierung.
Wie bewertet die Autorin die Anwendbarkeit von Mulveys Theorie auf den Film?
Die Autorin stellt fest, dass Mulveys Theorie teilweise widerlegt wird, da die sexuelle Begierde des Protagonisten Edward in der ersten Filmhälfte gezielt ausgeblendet wird.
Welche Rolle spielen technische Gestaltungsmittel in der Analyse?
Technische Mittel wie Kameraperspektiven, Schnitttechniken (z.B. match cut) und Musikeinsatz werden genutzt, um Raumgefühle zu erzeugen und soziale Machtstrukturen im Film zu verdeutlichen.
- Arbeit zitieren
- Christiane Psiorz (Autor:in), 2017, Medienanalyse des Films Pretty Woman auf Grundlage von Laura Mulveys Essay "Visual Pleasure and Narrative Cinema", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538859