Chancen und Risiken der Blockchain Technologie im Schuldscheinmarkt


Hausarbeit, 2020

42 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Umfang der Arbeit

2. Das Schuldscheindarlehen
2.1 Direktes Schuldscheindarlehen
2.2 Indirektes Schuldscheindarlehen
2.3 Bewertung

3. Die Blockchain-Technologie
3.1 Öffentliche Blockchain
3.2 Private Blockchain
3.3 Chancen und Risiken der Blockchain
3.4 Bewertung

4. Blockchain beim Schuldscheindarlehen
4.1 Chancen
4.2 Risiken
4.3 Bewertung

5. Diskussion

6. Fazit

Anhang und Anlagen

Literaturverzeichnis

Für meine Großeltern, die mir schon früh ein Vorbild im Bereich Nachhaltigkeit und der damit verbundenen Innovation waren.

Vorwort

Viele Jahre bevor Fintechs ihren Einzug in der Bankenbranche feierten, war es Bill Ga­tes, der Gründer von Microsoft, der darauf aufmerksam machte, dass es Banking bedarf, aber nicht zwangsläufig einer Bank. Heute ist diese These nur noch bedingt tragfähig. Selbstverständlich ist bekannt, dass sich die Ökosysteme der Bankenbranche mit Zah­lungsdienstleistern wie Paypal oder Apple Pay grundlegend verändern werden. Es hat sich aber auch gezeigt, dass die Banken sehr wohl erkannt haben, das neue Informati­onssystem dazu genutzt werden können, um die Value Proposition des Kunden noch besser zu bedienen. In diesem Hinblick sei auf die Entwicklung von Onlinebanken wie der ING oder von N26, welches zwischenzeitlich eines der wenigen deutschen Einhör­ner ist, verwiesen. Beide Institute haben das Geschäftsmodell einer Bank durch ausge­klügelte Digitalisierungsstrategien grundlegend revolutioniert.

Aber auch in anderen Bereichen der Finanzbranche ist eine regelrechte Experimentier­freude mit neuen Technologien zu beobachten. Blockchain ist hier als eine der bedeu­tendsten Technologien zu nennen. Sie findet überall dort Anwendung, wo ein Austausch von Werten bzw. Daten stattfinden und Vertrauen sichergestellt werden muss. Das Schuldscheindarlehen kann als ein solcher Bereich skizziert werden. Gerade um dem starken Konkurrenzdruck im Unternehmenskundengeschäft standzuhalten, gab es von einigen Banken immer wieder Bestrebungen das Geschäftsfeld zu digitalisieren. Die Blockchain-Technologie war schlussendlich hierfür die optimale Lösung.

Es ist daher umso verwunderlicher, dass in der Fachliteratur zu diesem Themengebiet noch sehr wenig zu finden ist. Oftmals wurden lediglich die Chancen und Risiken der Blockchain beleuchtet oder die Anwendungsfelder angerissen. Eine detailliertes Chan­cen- und Risikoprofil der DLT-Technologie am Beispiel eines Schuldscheins gibt es allerdings noch nicht. Die vorliegende Arbeit setzt daher genau dort an.

An dieser Stelle ist es mir noch ein Bedürfnis, meinem Dozenten an der FOM Hoch­schule Herrn Steffen Wiemann für seine hochgeschätzten Ratschläge sowie wertvollen Anregungen zu danken. Ein besonderes Dankeschön gilt auch den vielen Experten aus der Praxis, die mir eine Vielzahl von Unterlagen bereitwillig zukommen ließen und mich bei der Vertiefung meiner Kenntnisse im Bereich der Blockchain-Finanzierung besonders unterstützten.

Rheinstetten, den 14. Februar 2020

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Peer-to-Peer-Netzwerk im Vergleich (eigene Grafik)

Abbildung 2: Genehmigungsfreie und -pflichtige Blockchain (eigene Grafik)

Abbildung 3: Chancenprofil der Blockchain-Technologie (eigene Darstellung)

Abbildung 4: Risikoprofil der Blockchain-Technologie (eigene Darstellung)

Abbildung 5: Chancenprofil der Blockchain - SSD (eigene Darstellung)

Abbildung 6: Risikoprofil der Blockchain-Technologie - SSD (eigene Darstellung)

Abbildung 7: Zeitreihe der Gründung v. Schuldschein-Plattform-Initiativen seit 2016

Abbildung 8: Branchen Spotlight Banken und Versicherungen II

Abbildung 9: Entwicklung der SSD-Transaktionen seit 2008

Abbildung 10: Finanzierungsalternativen im Vergleich (eigene Darstellung)

Abbildung 11: Gesetzlicher Rahmen der SSD-Vergabe (eigene Grafik)

Abbildung 12: Verkettung der Transaktionsblöcke in der Bitcoin-Blockchain

Abbildung 13: Gartner - Hype Cycle for Blockchain Technologies

Abbildung 14: Impact der Blockchain-Technologie auf die Industrie

Abbildung 15: Möglichkeiten der Blockchain-Technologie auf die Industrie

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Ausprägungen der Blockchain (eigene Darstellung)

Tabelle 2: Chancenkatalog der Blockchain (eigene Darstellung)

Tabelle 3: Risikokatalog der Blockchain (eigene Darstellung)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Umfang der Arbeit

Der Wunsch des Menschens, Transaktionen ohne Intermediär durchzuführen, ist nicht neu. Bereits im Jahr 1999 formulierte US-amerikanische Wirtschaftswissenschafter Mil­ton Friedman die Idee von s.g. kryptografischen Transaktionssystemen.1 Mit der Ent­wicklung des Bitcoin und dessen rasanter Wertsteigerung wuchs auch das Interesse an der dazugehörigen Technologie.2 3 Auch im Banksektor erhielt das Thema eine enorme Aufmerksamkeit. Schließlich stellten die digitalen Währungen deren Daseinsberechti­gung in Frage. Aus dieser Not machte der Bankensektor jedoch eine Tugend und ent­deckte die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Blockchain-Technologie für sich. Dies spiegelt auch eine Umfrage des Bundesverbands Informationswirtschaft wieder. Dort gaben lediglich 6% der befragten Banken und Versicherungen an, dass die Blockchain- Technologie ihr aktuelles Geschäftsmodell bedroht. Vielmehr sieht der Sektor die Blockchain als eine Möglichkeit der Effizienzsteigerung sowie Anpassung der Produk- 3 ten und Dienstleistungen (vgl. Abb. 8).

Beim Schuldscheindarlehen (in der Folge SSD) kann diese Transformation gut beo­bachtet werden. Im Jahr 2017 platzierte die LBBW gemeinsam mit der Daimler AG das erste SSD über eine Blockchain. Diesem Trend folgten zuletzt immer mehr Banken, was die Zukunftsfähigkeit der Technologie - aber auch dieses Anwendungsbereichs - unterstreicht. Welche Chancen und Risiken sich aus solchen Transaktionen ergeben, ist bisher allerdings nur bedingt bekannt. Deshalb widmet sich die folgende Seminararbeit genau diesem Thema.

Der Aufbau der Arbeit wurde in sechs Kapitel untergliedert. Drei der sechs Kapitel schließen mit einer Bewertung, die den Rahmen der Seminararbeit eingrenzen. Um die Chancen und Risiken der Blockchain beim SSD herauszuarbeiten, ist es zudem notwen­dig, die Begrifflichkeit des SSD zu definieren. Anschließend werden die unterschiedli­chen Arten der Blockchain-Technologie beschrieben und die damit auftretenden Mög­lichkeiten und Grenzen erläutert. Bevor das Thema in der Diskussion kritisch behandelt wird, werden die Chancen und Risiken der Blockchain-Technologie beim speziellen Fall des Schuldscheins herausgearbeitet. Dazu wurden veröffentlichte Experteninter­views und Fachbeiträge analysiert und aufbereitet. Die Ausarbeitung schließt mit dem Fazit.

2. Das Schuldscheindarlehen

Bereits seit dem Jahr 2008 kann eine steigende Volumina und Anzahl der Transaktionen beim Schuldschein beobachtet werden (vgl. Abb. 9)4. Der Schuldschein als rechtliches Konstrukt ist aber keineswegs eine neuartige Finanzierungsform. Die erste rechtliche Grundlage des Deutschen Schuldscheins wurde schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelegt. In den 1930er Jahren erhielt das SSD noch einmal vermehrt Aufmerksamkeit. In dieser Zeit wurden Banken und Versicherungen vom Deutschen Reich dazu angehalten, den öffentlichen Haushalt zu finanzieren. Der Schuldschein wurde damals überwiegend zur Finanzierung von reichseigenen Gesellschaften genutzt. Nach dem zweiten Weltkrieg waren es erneut die Banken und Versicherungen, welche die Kreditwirtschaft mit Hilfe des Schuldscheins ankurbelten. Bis zur Jahrtausendwende blieb das Volumen konstant und stieg dann kontinuierlich an.5

Das Schuldscheindarlehen ist ein urkundenbasiertes Finanzinstrument, welches zur mit­tel- bis langfristigen Investitionsfinanzierung genutzt wird.6 7 Das Darlehen vereint die Charakteristika eines klassischen Kredits, einer Anleihe sowie eines Konsortialkredits. Durch seine einfache Struktur als bilaterale Platzierung (nach dem BGB) unterliegt es weder der Wertpapierprospektpflicht noch fällt es unter die komplexen Auflagen der MiFID-II-Regularien. Üblicherweise beträgt die Kredithöhe rund 50 Mio. EUR bis 250 Mio. EUR. Durch die zuletzt steigende Digitalisierung des Darlehens stellt die Emission 7 eines SSD über 10 Mio. EUR aber keine Seltenheit mehr dar.

Der Schuldschein ist kein Wertpapier im klassischen Sinne. Wäre dies der Fall, könnte das Recht aus dem Papier, nur mit dem Besitz am Papier durchgesetzt werden. Dies ist beim SSD nicht der Fall. Hier kann das Recht auch unabhängig vom Besitz des Schuld­scheins geltend gemacht werden.8 Auch in anderen Punkten unterscheidet sich das Schuldscheindarlehen von artverwandten Finanzierungsformen wie dem klassischen Bankdarlehen oder der Schuldverschreibung (vgl. Abb. 10). So wird ein Schuldschein­darlehen durch die starke Stellung der Versicherungsgesellschaften als Kapitalgeber nur an Unternehmen allerbester Bonität vergeben. Dies hängt damit zusammen, dass Versi­cherungsgesellschaften bei Anlage ihres Deckungsstocks gesetzliche Vorschriften beachten müssen.9 Der deutsche SSD-Markt beläuft sich auf ein Volumen von rund 26 Mrd. EUR. In der Praxis wird zwischen zwei Arten des Schuldscheins unterschieden.

2.1 Direktes Schuldscheindarlehen

Ein direktes Schuldscheindarlehen liegt immer dann vor, wenn der Darlehensvertrag direkt zwischen dem Darlehensnehmer und den beteiligten Kapitalgebern geschlossen wird. In einem solchen Fall fungiert die Bank lediglich als Arrangeur. Sie ist für die Suche der Investoren, die treuhänderische Verwahrung und Verwaltung der Sicherhei­ten sowie der Zusage einer Festübernahme verantwortlich. Mit der Vereinbarung der Festübernahme mit dem Kreditinstitut soll das Risiko, dass nicht alle Teilbeträge des Schuldscheins platziert werden können, abgesichert werden. Der Betrieb muss beim direkten SSD nach Platzierung der jeweiligen Teilbeträge mit jeder Kapitalsammelstelle einen separaten Darlehensvertrag abschließen. Dies unterscheidet das indirekte vom direkten Schuldscheindarlehen im Wesentlichen.

Bei den Darlehensverhandlungen zwischen den Kapitalgebern und dem Unternehmen, kann es zudem vorkommen, dass nicht alle Teilbeträge des Schuldscheins identisch ausgestattet sind. Diese können zwischen der Laufzeit, den Volumina und den damit direkt verbundenen Konditionen variieren. Somit trägt das kapitalsuchende Unterneh­men das Risiko der Fristentransformation und läuft somit Gefahr bei Auslaufen eines kürzeren Teilbetrags keine Anschlussfinanzierung zu erhalten. Zusätzlich geht mit die­sem Wagnis auch das Zinsänderungsrisiko einher. Aussagen zum Effektivzins können folglich erst nach vollständiger Refinanzierung der gesamten Darlehenslaufzeit getrof­fen werden.10

2.2 Indirektes Schuldscheindarlehen

Das indirekte Schuldscheindarlehen findet in der Praxis häufiger Anwendung, da der Bewilligungs- und Auszahlungsprozess effizienter und kostengünstiger gestaltet werden kann. Der Darlehensvertrag wird hier lediglich mit der arrangierten Bank geschlossen.11 Das hat den Vorteil, dass das Unternehmen die Konditionen nicht mit jedem Geldgeber einzeln aushandeln muss. Zudem bieten Banken das entsprechende Know-how und Netzwerk an um eine standardisierte Platzierung zu ermöglichen. Mit den Kapitalsam- 12 melstellen werden Einzelabtretungsverträge vereinbart. Der Darlehensnehmer hat folglich lediglich bei einer möglichen Investorenveranstaltung (Roadshow) mit den Ka­pitalgebern Kontakt. Die Bank ist über die gesamte Darlehenslaufzeit der Ansprech­partner für die Investoren, oftmals zeichnet sie sogar selbst eine Tranche des SSD.

Das Fristentransformationsrisiko wird durch die Vereinbarung der oben beschriebenen Festübernahme ausgeschlossen. Sofern der Darlehensvertrag mit einer Zinsanpassungs­vereinbarung ausgestattet ist, trägt das Zinsänderungsrisiko der Kunde. Vertraglich sind hier jedoch keine Grenzen gesetzt.12 13

2.3 Bewertung

Der Schuldschein bietet im Vergleich zur Anleihe und zur Schuldverschreibung boni­tätsstarken Unternehmen die Möglichkeit günstig und ohne größeren Aufwand an Li­quidität zu kommen. Durch die einfache Gestaltung des Konstrukts sind die Dokumen­tationspflichten verhältnismäßig gering. Zudem unterliegt das SSD durch seine Form als bilateraler Kredit nur geringen regulatorischen Auflagen. Dies schafft optimale Grund­lagen um das Darlehen zu digitalisieren. Die Finanzierungsform ist überwiegend in Deutschland vertreten und begründet dort auch ihren Ursprung. Die Seminararbeit un­tersucht daher lediglich den deutschen Markt.

In der Praxis überwog bisher die Form des indirekten Schuldscheins. Da grundsätzlich bei allen Plattformbetreibern eine Bank zwischengeschaltet wird, ist nicht mit einer Veränderung der Marktstruktur zu rechnen. Das direkte SSD spielt demgemäß eine un­tergeordnete Rolle in der vorliegenden Ausarbeitung. In diesem Zusammenhang muss zusätzlich angemerkt werden, dass die direkte Platzierung eines SSDs durch den Darle­hensnehmer bei einer Versicherung, einer Pensionskasse oder einem Fonds14 aus gesetz­lichen Gründen nicht möglich ist (vgl. Abb. 11). Da es sich bei den Investoren überwie­gend um Unternehmen dieser Branche handelt, wird ein Großteil des Marktes allein deswegen über die indirekte Form abgedeckt.

3. Die Blockchain-Technologie

Grundlage der Blockchain ist die s.g. Distributed-Ledger-Technologie (in der Folge DLT). Bei dieser Technologie werden Transaktionen über ein kryptografisches Verfah­ren in einer Kette digitaler Blöcke zusammengefasst. Die Speicherung der Datenketten erfolgt in einem Hauptbuch (Ledger). Dieses wird dezentral auf einer Vielzahl von un­abhängigen Rechnern gespeichert.15 Vereinfacht wird die Blockchain-Technologie da­her auch als verteiltes Haupt- bzw. Kassenbuch (engl.: distributed ledger) bezeichnet.16 Computer die Teil dieses Netzwerkes sind, werden als Knoten bzw. Nodes bezeichnet. Sie greifen über eine Clientanwendung auf das Netzwerk zu und können so Transaktio­nen prüfen und übermitteln. Das besondere an dieser Technologie ist, dass auf sämtli­chen Nodes die identischen Blockketten gespeichert sind und kontinuierlich miteinander abgeglichen werden. Wurden die Inhalte der Blockchain einmal verifiziert, können sie nicht mehr verändert oder gelöscht werden. Man spricht hier auch von der Single Versi- 17 on of True. Eine Manipulation der Daten ist daher nahezu ausgeschlossen. Das Wesen der klassischen Blockchain lässt sich wie folgt beschreiben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Ausprägungen der Blockchain (eigene Darstellung)

Das Ausmaß einer innovativen Technologie wird oftmals erst in der Rückblende richtig ersichtlich. Auch die Blockchain und die damit verbundene DLT-Technologie ist ein solches Beispiel. So werden hiermit aktuell lediglich Kryptowährungen assoziiert. Dies würde den Möglichkeiten einer solchen Technik allerdings nicht gerecht. Und so ist es nicht verwunderlich, dass man den derzeitigen Entwicklungsstand der Blockchain mit 18 dem Reifegrad des Internets Mitte der 1999-er Jahre gleichsetzt. Um die Chancen und Risiken dieser Technik erfassen zu können, bedarf es also einen noch tieferen Einblick in die Technologie dahinter. Im Hinblick auf den Schuldschein ist unter anderem die Klärung der Zugriffrechte der Knoten auf die Blockchain essentiell. Viele der vom Dar­lehensnehmer offengelegen Informationen sind schließlich vertraulich. Es wird in der Folge zwischen zwei wesentlichen Typen unterschieden.

3.1 Öffentliche Blockchain

Bei öffentlichen Blockchain-Technologien haben die Teilnehmer in aller Regel die glei­chen Zugriffsrechte. Solche Modelle werde auch Public Blockchain oder Permissionless Blockchain genannt. Erstmals angewendet wurde diese Technologie bei der Kryptowährung Bitcoin. Das Konzept dieser wurde 2008 unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto veröffentlicht (Grundlegende Funktion vgl. Abb. 12). Aber auch an anderen Stellen, bei denen sich die Teilnehmer des Netzwerkes nicht kennen oder vertrauen, findet man ihren Einsatz. Der Zugriff wird oftmals über eine Open Source Software zur Verfügung gestellt.15 16

Entscheidend für die Public Blockchain ist die Dezentralität der Ausgestaltung des Peer- to-Peer-Netzwerks (in der Folge P2P). In diesem Netzwerk findet der Austausch direkt zwischen den Knoten und nicht über einen zentralen Server statt. (vgl. Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Peer-to-Peer-Netzwerk im Vergleich (eigene Grafik)

Quelle: In Anlehnung an Schacht, S., Lanquillon, C., Peer-to-Peer-Netzwerk, 2019, S. 3117

Die Daten im P2P-Netzwerk werden regelmäßig von unterschiedlichen, nicht bestimm­ten Nutzern abgeglichen. Da ein manueller Abgleich mit einem nicht darstellbaren Aufwand verbunden wäre, nutzt man in der öffentliche Blockchain oftmals Algorithmen wie den Proof-of-Work (PoW) oder Proof-of-Stake (PoS). Die Permissionless Block­chain lässt sich überall dort gut Einsetzen wo Transparenz wichtig ist und ein Grundver­trauen fehlt. Neben Kryptowährungen ist der Einsatz der öffentlichen Blockchain auch in anderen Branchen denkbar. In der Lebensmittelindustrie könnte zum Beispiel der Produktionsprozess, der beim Rohstoff beginnt und beim fertigen Produkt endet, für den Verbraucher klar und transparent dokumentiert werden.18

3.2 Private Blockchain

Die private Blockchain unterscheidet sich wesentlich von der Public Blockchain. Sie ist nicht öffentlich und gewährt nur bestimmten Teilnehmern Lese- oder Schreibrechte.19 20 Oftmals wird für diese Form der Blockchain auch die hybride P2P-Netzwerkarchitektur 23 gewählt. Dies setzt voraus, dass der Zugriff auf die Blockchain klar definierter Regeln im Protokoll unterliegt. Andernfalls müsste der Netzwerkoperator durch einen zentralen Administrator dargestellt werden.

In der privaten Blockchain liegt die Autorität in aller Regel nicht bei sämtlichen Netz­werkteilnehmern, sondern lediglich bei einzelnen ausgewählten Personen oder Organi­sationen. Dies führt dazu, dass die Sicherheit der Blockchain durch die Zugriffsberech­tigung limitiert wird. Verfahren zur Eliminierung byzantinischer Fehler finden daher nur selten Anwendung. Kosensalgorithmen wie der PoW werden durch die Zugriffskon­trolle überflüssig. Die Teilnehmer der privaten Blockchain sind sich oftmals bekannt. Ein entsprechendes Vertrauensverhältnis liegt vor. Die Technologie eignet sich daher insbesondere für Unternehmen.

In der Praxis wird häufig auch noch zwischen einer genehmigungspflichtigen und ei­ner genehmigungsfreien Blockchain unterschieden. Hierbei geht es um den Umfang der Lese- und Schreibberechtigungen und nicht die Zugriffsmöglichkeiten an sich. Der Anwender der genehmigungsfreien Blockchain hat sowohl eine Lese- als auch eine Schreibberechtigung. Bei der genehmigungspflichtigen Blockchain sind diese Rechte eingeschränkt. Da beide Ausprägungen sowohl bei der privaten als auch der öffentli­chen Blockchain-Technologie vorkommen können, ergibt sich folgendes Bild:

Abbildung 2: Genehmigungsfreie und -pflichtige Blockchain (eigene Grafik)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Bitkom e.V:, Arten der Blockchain, 2019, S. 1121

3.3 Chancen und Risiken der Blockchain

Die Blockchain-Technologie ist eine verhältnismäßig junge Technologie und wenn man sich an Gartner's Hype Cycle orientiert, mit Sicherheit noch nicht am Ende ihrer Ent­wicklung angelangt (vgl. Abb. 13). Aussagen über langfristige Möglichkeiten und Grenzen sind demgemäß schwer abzuschätzen. Diese Ausarbeitung orientiert sich daher an Expertenberichten oder -interviews. Dazu wurden Datenbanken wie EBSCOhost, die WISO-Datenbank oder auch Google Scholar genutzt.22 Die dort gefundenen wissen­schaftlichen Artikel und Interviews wurden anschließend nach den Chancen und Risi­ken der Blockchain- Technologie analysiert, in einer Excel- Datei aufgearbeitet und final ausgewertet (vgl. Tabelle 2 und Tabelle 3). Durch eine Kategorisierung der Aussagen konnte ein Chancen - und ein Risikoprofil zur Blockchain- Technologie erstellt werden. Beide Profile weis en je fünf Kategorien au f und werden in den folgenden Netzdi a­grammen abgebildet.

Die Sicherheit der Bloc k chain spielt für die Experten eine zentrale Rolle. Sie sehen hier die größte Chance. Der Begriff Sicherheit umfasst in diesem Zusammenhang neben der technologischen Sicherheit durch die P2P -Netzwerkarchitektur23, auch die Vertragssi­cherheit, die sich aus klar definieren Algorithmen wzB. dem Smart Contract erg eben.24 Beim einem Smart Contract handelt es sich um Computerprotokolle, die Vereinbaru n­ gen in einen Code abbilden bzw. automatisch ausführen. Blockchain wird also in alle erste Stell e aus Netzwerk des Vertrauens definiert. als Chance der Blockchain - Technologie angesehen. Neben der Möglichkeit Prozesse komplett neu und hierarchieunabhängig zu gestalten25, steigt auch die Transparenz für alle beteiligten. Zukünftige können Arbeitsabläufe besser nachvollzogen und schneller abgewickelt werden.26 Die Koste nersparnis ergibt sich hier vermutlich aus Personalkoten, Sachkosten, Kosten der Doppelerfas sung und - bearbeitung. Zudem bietet die DLT - Technologie den Vorteil, dass neue Geschäftsmodelle entwickelt und Innovationen vrangetrieben werden können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Risiken der Blockchain -Technologie sind durch Unsicherheit geprägt. Auf der enen Seite bestehen rechtliche Risiken. So sind wichtige Punkte wie die Regulatorik und die geltende Rechtsprechung noch nicht final geklärt. Da es sich bei der Blockchain - Technologi e zudem um eine grenzüberschreitende Technologie handelt, ist auch eine internationale Einigkeit bzgl. der Behandlung von Transaktionen notwendig. In vielen Ländern gibt es zum Beispiel noch keine herrschende Meinung, wann ein Vertrag in der Blockchain ent steht, wenn dieser durch einen autonomen Agenten (wzB. e inen Algo­ rithmus) abgeschlossen wird. Daneben sind Fragen hinsichtlich der Haftung von Enwicklungsgesellschaften und dem Umgang mit illegalen Inhalten sowie Geldwäsche offen.27 28

Abbildung 4: Risikoprofil der Blockchain-Technologie (eigene Darstellung)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf der anderen Seite bestehen technische Risiken. Diese ergeben sich oftmals aus der verhältnismäßig kurzen Historie der Blockchain-Technologie . So ist die Skalierung in 31 der Regel zu langsam und der damit verbundene Energieverbrauch zu hoch. Allein die Kryptowährung Bitcoin verbraucht beispielsweise 2,55 GW Strom pro Jahr, was ungfähr dem Stromverbrauch Irlands entspricht.29 Dieser hohe Verbrauch wird von den Autoren und Bef ragten immer wieder als kritischer Punkt aufgeführt, weshalb er hier gesondert unter der Kategorie Reputation/ Nachhaltigkeit zu finden ist. Desweiteren bestehen Schnittstellenrisiken durch die Anbindung von IoT-Daten30 und Restrukturie­rungsprobleme durch den komplexen Aufbau der Blockchain.31

Zwar wird die DLT-Technologie als einer der Trends der Gegenwart bezeichnet, aller­dings ist nach wie vor offen, in wie weit sie sich problemlos in den Alltag integrieren lässt. Bisher handelt es sich bei den meisten Umsetzungen um Pilotprojekte deren Wei­terführung noch offen ist. Dies bringt uns zu den unternehmerischen Risiken, welche sich durch die Produktion von Wegwerfaufwänden32 bis hin zur fehlenden Marktdurch­dringung äußern.33

3.4 Bewertung

Bei der Blockchain handelt es sich um eine relativ junge Technologie, die durch die Digitalisierung stark an Bedeutung gewonnen hat. Häufig wird sie mit dem Begriff DLT-Technologie, welcher die Technik hinter der Blockchain beschreibt, gleichgesetzt. Sie zeichnet sich durch ihre dezentrale Netzwerkarchitektur, die blockweise Verkettung der Daten, die fehlende Möglichkeit der Löschung sowie einem Konsensmechanismus aus. Die Blockchain-Technologie bietet einige Vorteile. Unter anderem kann durch die dezentrale Netzwerkarchitektur ein hohes Maß an Sicherheit - Vertrauen - geboten werden. Mit der Steigerung der Prozesseffizienz gehen zudem auch Kostenersparnisse einher. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass sich diese Vorteile aktuelle noch recht teuer erkauft werden. Dies liegt daran, dass der Energiebedarf der Technologie sehr hoch ist. Zudem gibt es bislang nur wenige rechtliche Grundlagen die den Einsatz der DLT-Technologie regeln. In Praxis wird zwischen der öffentlichen und der privaten Blockchain unterschieden. Für die Platzierung eines SSD wird überwiegend auf eine private, genehmigungspflichtige Blockchain genutzt. Im weiteren Verlauf der Ausarbei­tung konzentrieren wir uns daher auf diesen Teilbereich.

[...]


1 Vgl. Himmer, K. (2019) Blockchain-basiertes Fundrasing als innovative Alt. d. Unternehmensf., S.1

2 Vgl. Schacht, S., Lanquillon, C. (2019) Blockchain und maschinelles Lernen, S.1

3 Vgl. Genteman, L. (2019), Blockchain in Deutschland - Einsatz, Potenziale, Herausforderungen, S.59

4 Vgl. Preuß, C., Esch, S., Bonnet, J. (2019) Das SSD: Ein Nischeninstrument im Aufschwung, S.8

5 Vgl. Grunow, H.-W., Zender, C. (2018), Finanzierungsinstrument Schuldschein, S.4-5

6 Vgl. Wöhe, G., Bilstein, J.,Ernst, D., Häcker, J. (2013) Grundzüge d. Unternehmensfinanzierung, S. 291

7 Vgl. Preuß, C., Esch, S., Bonnet, J. (2019) Das SSD: Ein Nischeninstrument im Aufschwung, S.4-5

8 Vgl. Grunow, H.-W., Zender, C. (2018), Finanzierungsinstrument Schuldschein, S.7-8

9 Vgl. Wöhe, G., Bilstein, J.,Ernst, D., Häcker, J. (2013) Grundzüge d. Unternehmensfinanzierung, S. 292

10 Vgl. Wöhe, G., Bilstein, J.,Ernst, D., Häcker, J. (2013) Grundzüge d. Unternehmensfinanz., S. 293-295

11 Vgl. Grunow, H.-W., Zender, C. (2018), Finanzierungsinstrument Schuldschein, S.31

12 Vgl. Gille, S., Popovic, T., Fromme, S. (2018) Digitalen Wandel gestalten, S.92

13 Vgl. Wöhe, G., Bilstein, J.,Ernst, D., Häcker, J. (2013) Grundzüge d. Unternehmensfinanz., S. 292

14 Vgl. Grunow, H.-W., Zender, C. (2018), Finanzierungsinstrument Schuldschein, S.15

15 Vgl. Hablizel, M. (2019) Das disruptive Potential der Blockchain-Technologie, S.1

16 Vgl. Schacht, S., Lanquillon, C. (2019), Blockchain und maschinelles Lernen, S. 33

17 Vgl. Schacht, S., Lanquillon, C. (2019), Blockchain und maschinelles Lernen, S. 31

18 Vgl. Schacht, S., Lanquillon, C. (2019), Blockchain und maschinelles Lernen, S. 33-34

19 Vgl. Himmer, K. (2019) Blockchain-basiertes Fundrasing als innovative Alt. d. Unternehmensf., S. 11

20 Vgl. Schacht, S., Lanquillon, C. (2019), Blockchain und maschinelles Lernen, S. 33

21 Vgl. Hansen, P (2019) Online-Konsultation zur Erarbeitung d. Blockchain-Strategie d. BReg, S.11

22 Schwerpunktmäßig wurde nach folgenden Begriffe gefiltert: „Blockchain“, „DLT-Technologie“, „Blockchain-Technologie“, „Schuldscheindarlehen“, „Schuldschein“

23 Vgl. Cap, C. (2019), Grenzen der Blockchain, S.193

24 Vgl. o.V. (2019), Chancen und Risiken der Blockchain -Technologie f ür Finanzdienstleister, S.28 ff.

25 Vgl. Herrmann, W . (2019), Was Entscheider wissen sollten: Blockchain - Chancen und Risiken, o.S.

26 Vgl. Hablizel, M. (2018), Das disruptive Potential der Blockchain - Technologie, S. 90

27 Vgl. Cap, C. (2019), Grenzen der Blockchain, S.194

28 Vgl. Bosch, R., Baumann, K., Gussmann, A. (2018) Potenziale und Risiken der Blockchain in der F i­nanzindustrie, S.39-41

29 Vgl. Cap, C. (2019), Grenzen der Blockchain, S.193

30 Vgl. Herrmann, W. (2019), Was Entscheider wissen sollten: Blockchain - Chancen und Risiken, o.S.

31 Vgl. Klapdor, M. (2017), Chancen und Risiken der Blockchain-Technologie, o.S.

32 Vgl. o.V. (2019), Chancen und Risiken der Blockchain-Technologie für Finanzdienstleister, S.28 ff.

33 Vgl. Beinke, J., Samuel, J., Teuteberg, F. (2018) Diffusion der Blockchain-Technologie im Bankensek­tor - Revolution oder Evolution?, S. 1227

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Chancen und Risiken der Blockchain Technologie im Schuldscheinmarkt
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
42
Katalognummer
V538872
ISBN (eBook)
9783346153630
ISBN (Buch)
9783346153647
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Digitalisierung, Chancen, Risiken, Schuldschein, Finance, Bank, Kredit, Credit, Blockchain, DLT, Technologie
Arbeit zitieren
Manuel Markiewitz (Autor), 2020, Chancen und Risiken der Blockchain Technologie im Schuldscheinmarkt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538872

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