Das Thema, das in dieser Hausarbeit betrachtet wird, behandelt das Problem der Sprache in den Mythen über das Jenseits bei Platon. Es geht um die Frage, inwiefern die Seelen wahre Kenntnis erwerben können, wenn sie sich der Sprache nach dem Tod bedienen. Während der Seminardiskussionen wurde mehrmals das anscheinende Paradoxon bzw. der Widerspruch erwähnt, dass Platon, wenn er sich über das rein geistige Wissen äußert, immer Verben verwendet, die der sinnlich-sichtbaren Welt angehören, wobei am Ende alles Wissen falsch wäre. Daraus ergibt sich die Frage ob die vom Körper vollkommen befreiten Seelen noch irgendeine Sprache sprechen können.
Die Hausarbeit ist in drei Teile gegliedert: Zuallererst ist es nötig, diese Passage in "Phädon" über die vom Körper vollkommen befreiten Seelen, sowie die anderen wieder durchzugehen, in denen Sokrates bzw. Platon misstrauisch gegenüber einer Kenntnis zu sein scheinen, die sich auf Wörter und deren Bedeutungen verlassen. Zweitens ist dann eine Betrachtung der Mythen über das Jenseits möglich, um sich anzuschauen, ob oder was es für eine Sprache gibt, und inwiefern die Seelen sich ihrer bedienen. Drittens bleibt nur, die daraus gesammelten Überlegungen und Ergebnisse zu resümieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das reine und körperlose Denken der Seele
3. Über die Sprache bei Platon
3.1. Platons Sprachskeptizismus
4. Die Mythen über das Jenseits
4.1. Unterschiedliche Seelen in unterschiedliche Mythen
4.2. Die noch Sprachen gebrauchenden Seelen
4.3. Seelen, die ohne Sprache und ohne Körper endlich ein wahres Wissen über die Sachen selbst erwerben
5. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht das Paradoxon, ob Seelen bei Platon nach dem Tod noch Sprache verwenden können, um wahre Erkenntnis zu erlangen, obwohl Platon der Sprache gegenüber skeptisch eingestellt ist. Dabei wird analysiert, inwiefern die Mythen über das Jenseits Platons Sprachskeptizismus widerspiegeln.
- Analyse des Sprachskeptizismus in Platons philosophischen Dialogen.
- Untersuchung der Rolle der Sprache in den Jenseitsmythen.
- Differenzierung verschiedener Seelenzustände im Jenseits.
- Klärung der Frage, ob wahre Erkenntnis ohne sprachliche Mittel möglich ist.
- Teleologische Bedeutung der Mythen für das Verständnis von Gerechtigkeit und Wissen.
Auszug aus dem Buch
3. Über die Sprache bei Platon
Dieses Kapitel behandelt die Sprache bei Platon, insbesondere wird hier die Darstellung auf seinen in verschiedenen Dialogen deutlich werdenden Sprachskeptizismus beschränkt. Demgegenüber wird die Erörterung der Wortrichtigkeit im Kratylos nur kurz geschildert, um einen Kontext für Platons Misstrauen gegenüber der Kraft der Sprache bereitzustellen. Alles läuft also im Kratylos-Dialog darauf hinaus:
“In order to be able to establish his own views on language, theory of knowledge and ultimately ontology, Socrates is bound to refute the theories of conventionalism and naturalism.”
Einerseits behauptet Kratylos, der die naturalistische Sprachtheorie vertritt, dass es von Natur aus eine Richtigkeit der Wörter gibt –ὀνόματος ὀρθότητα εἶναι [...] φύσει πεφυκυῖαν–, wobei die wahre Natur des Gegenstands durch ihre Etymologie unterrichtet werde. Andererseits verteidigt Hermogenes die konventionelle Sprachtheorie. Danach sei die Richtigkeit der Wörter nichts anderes als Vertrag und Übereinkunft –συνθήκη καὶ ὁμολογία–, oder anders gesagt, es gibt Namen durch Brauch und Gewohnheit –[τὰ ὀνόματα πεφυκέναι] νόμῳ καὶ ἔθει. Am Ende des Dialogs zeigt es sich deutlich, dass die φύσει-Theorie so widersprüchlich wird, dass nicht nur Sokrates sie zurückweist, sondern dass auch “sogar Kratylos Sprachgebrauch und Gewohnheit zu Hilfe nehmen müsse.”
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird das Problem der Sprache in den Mythen über das Jenseits eingeführt und die Forschungsfrage nach der Erkenntnisfähigkeit seelenloser Wesen gestellt.
2. Das reine und körperlose Denken der Seele: Dieses Kapitel begründet Platons Ansicht, dass der Körper ein Hindernis für den Erwerb wahrer Erkenntnis darstellt und die Seele erst nach der Trennung rein denken kann.
3. Über die Sprache bei Platon: Hier wird der Sprachskeptizismus Platons beleuchtet, indem die Auseinandersetzung zwischen naturalistischen und konventionellen Sprachtheorien im Kratylos kritisch betrachtet wird.
3.1. Platons Sprachskeptizismus: Dieser Abschnitt vertieft die Skepsis gegenüber der Verlässlichkeit von Wörtern und zeigt auf, dass Erkenntnis direkt durch die Dinge selbst gewonnen werden muss.
4. Die Mythen über das Jenseits: In diesem Kapitel wird dargelegt, warum Platon Mythen verwendet, um epistemologische Probleme zu veranschaulichen, die über rein rationale Dialektik hinausgehen.
4.1. Unterschiedliche Seelen in unterschiedliche Mythen: Hier werden die verschiedenen Typen von Seelen und die unterschiedlichen Topographien des Jenseits in den Dialogen verglichen.
4.2. Die noch Sprachen gebrauchenden Seelen: Dieser Teil untersucht Seelen, die auch im Jenseits noch auf rhetorische oder sprachliche Mittel angewiesen sind, um ihre Situation zu bewältigen.
4.3. Seelen, die ohne Sprache und ohne Körper endlich ein wahres Wissen über die Sachen selbst erwerben: Das Kapitel schließt mit der Analyse der Seelen, die durch Reinigung und direkte Erfahrung jenseits der Sprache wahre Erkenntnis erlangen.
5. Schluss: Zusammenfassung der Ergebnisse, die bestätigt, dass wahre Erkenntnis bei Platon ohne die Hilfe der Sprache erfolgt.
Schlüsselwörter
Platon, Sprachskeptizismus, Jenseitsmythen, Seele, Erkenntnistheorie, Körper-Seele-Dualismus, Philosophie, Wahrheit, Rhetorik, Corpus Platonicum, Kratylos, Dialektik, Eschatologie, Wissenserwerb, Körperlosigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Platons Sprachskeptizismus und der Rolle der Sprache in seinen Mythen über das Jenseits.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Erkenntnistheorie, die Philosophie der Sprache, die platonische Eschatologie und die Funktion von Mythen als epistemologisches Werkzeug.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob die Seele nach der Befreiung vom Körper im Jenseits noch Sprache benötigt, um wahre Kenntnis zu erwerben, oder ob dies auf direktem Wege geschieht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse von Primärtexten aus dem Corpus Platonicum in Kombination mit philologischer Exegese und philosophischer Interpretation.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Platons Sprachkritik im Kratylos und im Siebten Brief sowie die unterschiedlichen Schicksale der Seelen in den Jenseitsmythen analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Platon, Sprachskeptizismus, Erkenntnistheorie, Seele, Jenseitsmythen und Körper-Seele-Dualismus sind die entscheidenden Begriffe.
Inwiefern unterscheiden sich die Seelen im Jenseits?
Die Seelen werden nach ihrer moralischen Qualität und der Reinheit ihres gelebten Lebens eingeteilt, was bestimmt, ob sie noch an sprachliche Kommunikation gebunden sind oder wahre Erkenntnis direkt erfahren.
Warum hält Platon Sprache im Kontext der Wahrheit für schwach?
Platon betrachtet Wörter als unzuverlässig und mittelbar; sie bezeichnen nur das "Wie" einer Sache, nicht aber das "Was", welches nur durch direkte geistige Schau zugänglich ist.
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- Rogelio Toledo (Autor), 2019, Die Sprache der Seelen. Die Mythen über das Jenseits als eine Widerspiegelung des Sprachskeptizismus bei Platon, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538878