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Formen der Vergangenheitsbewältigung anhand "Die Unfähigkeit zu trauern" von Alexander und Margarete Mitscherlich

Title: Formen der Vergangenheitsbewältigung anhand "Die Unfähigkeit zu trauern" von Alexander und Margarete Mitscherlich

Seminar Paper , 2002 , 31 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Elisabetta D'Amato (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

In dieser Arbeit wird an Hand der Erläuterungen von Alexander und Margarete Mitscherlich in deren Werk "Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens" das Verhältnis der Deutschen zu den Geschehnissen im Nationalsozialismus, eben deren Form der Vergangenheitsbewältigung, untersucht.
Dieses Buch, ein gesellschaftsanalytisches Werk, ist im Jahre 1967 erschienen.
Es wird analysiert inwieweit beziehungsweise ob sich die Deutschen, wobei hier der Schwerpunkt auf die ehemalige BRD gelegt wird, überhaupt mit den damaligen Ereignissen und ihrer Mitschuld daran auseinandersetzen, inwiefern also eine Vergangenheitsbewältigung stattfand. In diesem Buch werden die "psychischen Prozesse in großen Gruppen, als deren Folge sich Freiheit oder Unfreiheit der Reflexion und der Einsicht ausbreiten" , näher betrachtet. Es soll der Versuch unternommen werden, mit Hilfe psychologischer Interpretation "einigen Grundlagen der Politik näherzukommen". Interpretiert werden soll also das, was Politik macht, nämlich menschliches Verhalten in großer Zahl.
Im Blickpunkt steht jene Generation, die den Nationalsozialismus im Erwachsenenalter aktiv miterlebt hat, die also eine aktive Rolle als Täter oder auch als "Dulder" (oder wie allgemein geläufig, als Mitläufer) spielte und somit als kleine oder große Rädchen im Getriebe der Realisierung der nationalsozialistischen Ideale, unbeachtet der verbrecherischen Methoden, die vorgeblich als Mittel zum Zweck dienten, verhalf.
Gefragt wird nach den unterschiedlichen Umgangsformen dieser Generation mit der NS-Vergangenheit. Die Erziehung, Werte und die Moral dieser Generation spielen eine entscheidende Rolle, um zu verstehen, was diese Generation dazu brachte sich mit den Idealen des Nationalsozialismus oder gar mit Hitler zu identifizieren und diesen Idealen bedingungslos zu dienen.
Die Autoren dieses Buches versuchten eine Antwort auf die Frage zu geben, warum die Trauer um die Millionen Opfer des Dritten Reiches nicht stattfand.
Einleitend folgt eine Biographie der beiden Autoren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographie

2.1. Alexander Mitscherlich

2.2. Margarete Mitscherlich

3. Situation nach dem 2. Weltkrieg

3.1. Bewältigung der Vergangenheit

3.2. Negation der Geschichte

4. Situation vor dem 2. Weltkrieg

4.1. Moral und Wertevorstellungen

4.2. Das Kaiserreich (1900-1914)

4.3. Der 1. Weltkrieg (1914-1918) und der damit verbundene Versailler Vertrag

4.4. Die Weimarer Republik (1918-1933)

4.4.1. Geistige Wegbereiter des Nationalsozialismus

4.5. Antisemitismus

5. „Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens.“

5.1. Zusammenfassung und Erläuterungen zu dem Buch

5.2. Die direkte Konfrontation mit NS-Tätern und Mitläufern und ihre Techniken der Entwirklichung

5.3. Ursachen für den blinden Gehorsam

5.4. Fanatischer Patriotismus

5.5. Politischer und sozialer Immobilismus

5.6. Der Führer als Ich-Ideal

5.7. Ist die Trauerarbeit noch möglich?

6. Fazit

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis der Deutschen zu den Geschehnissen des Nationalsozialismus sowie deren Art der Vergangenheitsbewältigung, basierend auf dem gesellschaftsanalytischen Werk von Alexander und Margarete Mitscherlich, „Die Unfähigkeit zu trauern“. Die zentrale Forschungsfrage beschäftigt sich damit, warum die Trauer um die Opfer des Dritten Reiches ausblieb und welche psychischen Mechanismen bei der Generation der NS-Zeit zur Verdrängung und Verleugnung der eigenen Schuld beitrugen.

  • Analyse der psychosozialen Immobilität der deutschen Nachkriegsgesellschaft.
  • Untersuchung der psychischen Abwehrmechanismen nach 1945.
  • Betrachtung der historischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Weimarer Republik.
  • Die psychoanalytische Bedeutung des „Führers“ als Ich-Ideal.
  • Die Notwendigkeit und Problematik der kollektiven Trauerarbeit.

Auszug aus dem Buch

Die direkte Konfrontation mit NS-Tätern und Mitläufern und ihre Techniken der Entwirklichung

Mitscherlich schildert im ersten Teil des Buches in einem Unterkapitel beispielhaft die psychologischen Auswirkungen der Nazizeit anhand der Krankheitsgeschichte drei seiner Patienten. Die Patienten weisen Krankheitsbilder auf, die Mitscherlich auf psychosomatische Leiden zurückführt. Seine Behandlungsmethode besteht darin, physische Schmerzen durch die Verarbeitung psychischer Leiden der Patienten zu lindern oder diese gar ganz von ihren Schmerzen zu befreien. Alle drei Patienten haben auf ihre Weise die Zeit des dritten Reiches durchlebt.

Der erste hat in einem wochenlangen psychischen Ausnahmezustand- er war an der Kriegsfront- die Phase der Aggression abgeschlossen, er besitzt nur noch affektlose, mühsam erweckbare Erinnerungen. Er ist ein durchschnittlicher intelligenter Mann. Er ist in der NS-Zeit in die Wohnung deportierter Juden eingezogen. Er hat sich nie mit der Frage auseinandergesetzt, was wohl mit seinen jüdischen Vorgängern passiert ist. Um sein Gewissen nicht weiter zu beflecken, ersparte er sich diese Konfrontation mit der Wahrheit, denn es war zu ahnen, dass mit der jüdischen Familie, die zuvor in der Wohnung gewohnt haben, nichts angenehmes passiert ist, das mit dem Gewissen zu vereinen wäre.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik ein, die deutsche Vergangenheit und deren Bewältigung durch die NS-Generation anhand von Mitscherlichs Werk zu untersuchen.

2. Biographie: Dieses Kapitel stellt die Lebensläufe von Alexander und Margarete Mitscherlich dar, einschließlich ihrer medizinischen und psychoanalytischen Hintergründe.

3. Situation nach dem 2. Weltkrieg: Es wird die gesellschaftliche Ausgangslage Deutschlands nach 1945 analysiert, geprägt durch Verdrängung und die Entstehung einer „Mauer des Schweigens“.

4. Situation vor dem 2. Weltkrieg: Dieses Kapitel beleuchtet den geschichtlichen Hintergrund von Kaiserreich bis zur Machtübernahme des Nationalsozialismus, inklusive moralischer und politischer Rahmenbedingungen.

5. „Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens.“: Das Kernkapitel analysiert psychoanalytisch die Unfähigkeit der Deutschen, um die NS-Opfer zu trauern, sowie die Mechanismen des blinden Gehorsams und der Schuldabwehr.

6. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass erst durch eine aktive, kollektive Trauerarbeit eine „entspannte Haltung“ und eine authentische nationale Identität erreicht werden kann.

Schlüsselwörter

Vergangenheitsbewältigung, Nationalsozialismus, Mitscherlich, Psychoanalyse, Verdrängung, Schuld, Trauerarbeit, Kollektives Verhalten, Gehorsam, Drittes Reich, Identität, Psychologie, Nachkriegsgesellschaft, Idealisierung, Abwehrmechanismus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Werk von Alexander und Margarete Mitscherlich „Die Unfähigkeit zu trauern“ und analysiert das psychologische Verhältnis der Deutschen zur NS-Vergangenheit.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zu den zentralen Themen gehören die psychische Verdrängung der NS-Verbrechen, die Rolle des Autoritätsglaubens, die Auswirkungen des Nationalsozialismus auf das Ich-Ideal und die Bedeutung von Trauerarbeit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Hauptziel ist es zu verstehen, warum nach dem Zweiten Weltkrieg die Trauer um die Millionen Opfer des Dritten Reiches ausblieb und wie sich die „Unfähigkeit zu trauern“ in der Gesellschaft manifestierte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die psychoanalytische Methode, um die gesellschaftlichen und kollektiven Verhaltensmuster der Nachkriegsgeneration zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden der geschichtliche Hintergrund, die psychischen Auswirkungen der NS-Zeit, Techniken der Entwirklichung (wie Verdrängung und Projektion) sowie die Rolle der Erziehung und des Patriotismus analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Vergangenheitsbewältigung, Psychoanalyse, Trauerarbeit, Verdrängung, Schuld, Kollektives Verhalten und das Dritte Reich.

Welche Rolle spielt die „Mauer des Schweigens“ bei Mitscherlich?

Die Mauer des Schweigens beschreibt die familiäre und gesellschaftliche Unfähigkeit, das geschichtliche Erbe des Nationalsozialismus aufzuarbeiten, was dazu führt, dass belastende Erinnerungen verleugnet werden.

Was bedeutet das Konzept des „Führers als Ich-Ideal“?

Es beschreibt den psychologischen Prozess, bei dem das Individuum den Führer an die Stelle seines eigenen Gewissens und seiner Ideale setzt, was Gehorsam ermöglicht und kritisches Denken unterdrückt.

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Details

Title
Formen der Vergangenheitsbewältigung anhand "Die Unfähigkeit zu trauern" von Alexander und Margarete Mitscherlich
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Germanistik)
Course
Proseminar: Generationen und Generationenerfahrung nach 1945
Grade
1,0
Author
Elisabetta D'Amato (Author)
Publication Year
2002
Pages
31
Catalog Number
V5391
ISBN (eBook)
9783638132794
Language
German
Tags
Mitscherlich Nationalsozialismus Die Unfähigkeit zu trauern NS-Regime NS-Täter NS-Mitläufer
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Elisabetta D'Amato (Author), 2002, Formen der Vergangenheitsbewältigung anhand "Die Unfähigkeit zu trauern" von Alexander und Margarete Mitscherlich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5391
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