Die Auswirkungen digitaler Kommunikation auf die Schriftsprache. Charakterisierung von Kommentaren auf Facebook, YouTube und in Blogs


Masterarbeit, 2016

72 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsstand

3. Ziele und Anlage

I. El lenguaje de los redes sociales: Zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit

4. Das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit im digitalen Raum
4.1. Übersicht zur Computer vermittelten Kommunikation (CVK)
4.2. Allgemeine Charakteristika der lenguaje en la Red

5. Was sind soziale Netzwerke?
5.1. Facbook
5.2. YouTube
5.3. Blogs
5.4. Identität der Online-Community

II. Grundlagen, Begriffe, Methoden

6. Versuch einer textlinguistischen Einordnung des Kommentars

7. Allgemeine Merkmale gesprochener und geschriebener Sprache
7.1. Formen von Kohäsion und Kohärenz
7.2. Gesprächswörter, Gliederungssignale und Partikel
7.3. Thema-Rhema-Abfolge
7.4. Deiktika yo und

8. Motivation und Fragestellung
8.1. Forschungsmethode und Analyseschema
8.2. Korpora

III. Korpusanalyse - Charakteristika der Kommentare

9. Sprache der Kommentare in den sozialen Netzwerken
9.1. Kommentare Blogs
9.1.1. Lifestyle
9.1.2. Fashion
9.1.3. Food
9.1.4. Zusammenfassung
9.2. Kommentare YouTube
9.2.1. Lifestyle
9.2.2. Fashion
9.2.3. Food
9.2.4. Zusammenfassung
9.3. Kommentare Facebook
9.3.1. Lifestyle
9.3.2. Fashion
9.3.3. Food
9.3.4. Zusammenfassung

IV. Zusammenfassung, Auswertung und Ausblick

10. Zusammenfassung und Auswertung der Ergebnisse

11. Stellenwert und Bedeutung des Kommentars in den sozialen Netzwerken

12. Literaturverzeichnis

13. Anhang

1. Einleitung

Die Kommunikation via Computer ist mittlerweile im beruflichen sowie im privaten Bereich zum festen Bestandteil des alltäglichen Lebens geworden. Aufgrund der fortschreitenden technologischen Entwicklung kann man mittlerweile jederzeit und überall weltweit mit anderen Menschen in Kontakt treten. Möglich ist das vor allem durch die Weiterentwicklung des Computers, der mittlerweile in Form von Laptops, Tablets oder Smartphones in jede Tasche passt. Ein weiterer wichtiger Baustein ist der Ausbau und die Weiterentwicklung des Internets. Dank des mobilen Datennetzwerkes, der zahlreichen Hotspots in Cafés, Restaurants und Zügen, kann sich jeder mit einem entsprechenden Endgerät in das Internet einwählen und über verschiedene Interaktionsdienste wie WhatsApp, Skype und Co. mit anderen vernetzen. Grundsätzlich zeigt sich, dass mit der zunehmenden Technologisierung des alltäglichen Lebens auch der Bedarf an Kommunikation, Austausch und Selbstdarstellung steigt, der durch die Entwicklung innovativer Interaktionsdienste des Web 2.0 gedeckt wird. Gerade soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und YouTube stillen das Bedürfnis nach Vernetzung von Freunden, Bekannten, Kollegen und den unkomplizierten Austausch von Daten. Ferner ermöglichen digitale Auftritte von Tageszeitungen, Magazinen, Blogs sowie von sozialen Netzwerken den Nutzern ihre Meinung, Kritik oder Wünsche durch das Hinterlassen eines Kommentars einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Grundsätzlich zeigt sich, dass die digitale Kommunikation wesentliche Veränderungen im Sprachgebrauch hervorgebracht hat. Dazu zählen vor allem Neologismen, Differenzen in der Syntax sowie im Schriftbild. Die jüngste Forschung ist sich einig, dass die gravierendsten Veränderungen im Spannungsfeld zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit liegen. Das Resultat: In der schriftlichen Kommunikation sind zunehmend Charakteristika gesprochener Sprache zu finden. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen digitaler Kommunikation auf die Schriftsprache. Die Ausführungen konzentrieren sich auf das Phänomen ,Kommentare‘ in der Computer vermittelten Kommunikation (CVK). Zur Untersuchung der ,Sprache‘ von Kommentaren werden die Plattformen Blogs, Facebook und YouTube in den Bereichen Lifestyle, Fashion und Food genauer betrachtet, mit dem Ziel charakteristische Merkmale des schriftlichen Sprachgebrauchs in Abhängigkeit der jeweiligen Themen festzuhalten. Abschließend wird es im letzten Teil der Arbeit eine Zusammenfassung zum Stellenwert des Kommentars in der digitalen Kommunikation geben.

2. Forschungsstand

Die Forschung zur Computer vermittelnden Kommunikation ist, gemessen an der technologischen Entwicklung von Computer und Internet, noch relativ jung. In den 80er Jahren erschienen die ersten Publikationen, die sich mit dem Phänomen Computer und den Auswirkungen der technologischen Nutzung auf die Sprache beschäftigten. Ein wichtiger Meilenstein war unter anderem die Kategorisierung der Kommunikation nach synchronen und asynchronen Kommunikationsmitteln. Dabei spielt die zeitliche Dimension der Interaktion per E-Mail, Chat o.ä. zwischen zwei oder mehreren Netzwerkakteuren eine wichtige Rolle. Dieses Konzept stellt eine Art Grundgerüst für die Forschung digitaler Kommunikation dar, das jedoch aufgrund neuerer Erkenntnisse bspw. durch C. Dürscheid weiterentwickelt wurde. Koch/Oesterreicher haben in der Forschung zur digitalen Kommunikation eine wichtige Position inne: Ihre Entwicklung der dichotomen Oppositionspaare „medial mündlich“ und „medial schriftlich“ sowie konzeptionell schriftlich“ und „konzeptionell mündlich“ sind bezüglich der Erkenntnisse von Veränderungen in der Schriftsprache als Grundstein zu betrachten. A. Storrer und C.Dürscheid haben auch in der Forschung zur computer vermittelnden Kommunikation ihren wesentlichen Teil beigetragen. A. Storrer hat sich vor allem mit den sprachlichen Auswirkungen der Chat -Kommunikation beschäftigt. Zudem hat sie wichtige Ergebnisse zur Funktionsweise des Hypertextes sowie zu den die Auswirkungen auf das Leseverhalten festhalten können. C. Dürscheid hat sich u.a. mit der Kategorisierung kommunikativer Gattungen und Kommunikationsformen sowie dem Phänomen Netzsprache beschäftigt. Im Spanischen Sprachraum haben sich vor allem A. Pano und A. Rueda zur Forschung digitaler Kommunikation hervorgetan. Mit ihrer Publikation „Dialogar en la Red“ (2008), betrachtet A. Pano die Kommunikation der Interkationsdienste EMail, Chats und Foren und stellt allgemeine Charakteristika fest. A. Rueda beschäftigt sich dahingegen mit ihrer Publikation „Cómo se ,habla' en los cibermedios“ (2011) mit der Umgangssprache in Weblogs und digitalen Zeitschriften, wobei sie Veränderungen der Sprache im digitalen Raum festhält. 2013 haben beide Linguistinnen gemeinsam die Publikation „El español coloquial en las redes sociales“ (2013) veröffentlicht und beschäftigen sich darin erstmals mit den Sprachveränderungen, die durch die Kommunikation via sozialer Netzwerke entstanden sind.

Grundsätzlich zeigt sich, dass einige Bereiche der digitalen Kommunikation gut erforscht sind. Die größte Schwierigkeit besteht jedoch darin, die im Zuge der rapiden technologischen Entwicklung entstandenen Sprachveränderungen festzuhalten und zu untersuchen. Insbesondere die Forschung zur Kommunikation und Interaktion via sozialer Netzwerke steckt noch in den Kinderschuhen und bedarf weiterer zielgerichteter Analysen.

3. Ziele und Anlage

Der zugrunde liegende Gedanke der angestrebten Untersuchung besteht in der Annahme, Sprecher würden ihre Sprache dem jeweiligen Kanal bzw. Plattform und Thema anpassen. Aus diesem Grund besteht das Ziel der vorliegenden Arbeit in dem Versuch, anhand einer Korpusanalyse charakteristische Merkmale von Kommentaren in den sozialen Netzwerken Blogs, YouTube und Facebook in den Bereichen Lifestyle, Fashion und Food herauszuarbeiten und festzuhalten. Die Arbeit ist in vier große Teilbereiche untergliedert. Der erste umfasst hauptsächlich die theoretischen Ansätze von Koch/Oes- terreicher sowie von A. Storrer zum Spannungsfeld von Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Darüber hinaus werden Aspekte der CVK und deren Einfluss auf die sich entwickelnde ,Internetsprache' betrachtet. Anschließend werden allgemeine Charakteristika der lenguaje en los redes sociales festgehalten. Des Weiteren wird im ersten Teil der Begriff des sozialen Netzwerks herausgearbeitet. Ebenso werden die Netzwerke Facebook, YouTube und Blogs vorgestellt sowie die Zugehörigkeit der Online-Community betrachtet. Der zweite Abschnitt ist den Grundlagen, Begriffen und Methoden gewidmet. Dabei werden zunächst theoretische Grundlagen zur gesprochenen und geschriebenen Sprache thematisiert. Dazu gehören Mittel der Kohäsion und Kohärenz, Gesprächswörter, Gliederungssignale und Partikel sowie die Thema-Rhema-Abfolge. Darüber hinaus werden die Deiktika yo y tu gesondert erörtert, da sie im mündlichen Sprachgebrauch eine Sonderstellung inne haben, die sich im Schriftbild wiederfindet. Darüber hinaus werden die Hypothese und das Ziel der angestrebten Analyse vorgestellt, als auch die Vorgehensweise für die empirische Untersuchung. Damit einhergehend werden die Schritte zur Erstellung der Korpora umrissen. Der dritte Teil widmet sich ausschließlich der Analyse der gesammelten Sprachmaterialen von Blogs, YouTube und Facebook der Themenbereiche Lifestyle, Fashion und Food. Im Abschnitt vier werden die Daten zusammengefasst und ausgewertet, mit dem Ziel wesentliche Charakteristika von Kommentaren sozialer Netzwerke festzuhalten. Abschließend wird ein Ausblick über den Stellenwert des Kommentars in den sozialen Netzwerken gegeben.

I. El lenguaje de los redes sociales: Zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit

4. Das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlickeit im digitalen Raum

Das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit hat sich durch die zunehmende Digitalisierung schriftlicher Kommunikation nachhaltig verändert. Betrachtet man die Schrifterzeugnisse von E-Mails, Beiträgen in Foren oder in sozialen Netzwerken, zeigt sich deutlich, dass darin immer häufiger Charakteristika gesprochener Sprache zu entdecken sind. Koch/Oesterreicher widmen sich seit den 80er Jahren dem Spannungsfeld von Mündlichkeit und Schriftlichkeit und haben dabei aufbauend auf die Ausführungen von Ludwig Söll die dichotome Kategorisierung von Konzept „geschrieben/gespro- chen“ und Medium „phonisch/graphisch“ geprägt (vgl. Koch/Oesterreicher 1985, 17; 2011, 3). Daraus ergeben sich die Oppositionspaare „medial mündlich“ und „medial schriftlich“ sowie „konzeptionell schriftlich“ und „konzeptionell mündlich“, die eine Vielzahl unterschiedlicher Kommunikationssituationen widerspiegeln (vgl. Storrer 2011, 3)1. Dabei folgt das Medium „phonisch/graphisch“ einer strikten Dichotomie, das Oppositionspaar „graphisch/schriftlich“ hingegen wird als „Kontinuum zwischen extremen Ausprägungen der Konzeption“ betrachtet (vgl. Koch/Oesterreicher 1985, 17; 2011, 4). Das hat zur Folge, dass es zu Abstufungen zwischen der Nähe- und Distanzsprache kommt, die durch die zahlreichen Faktoren der Varianz innerhalb einer Kommunikationssituation beeinflusst werden. Dementsprechend können in einem Gespräch, in dem mindestens zwei Interaktionspartner beteiligt sind und abwechselnd die Gesprächsrollen des Produzenten und des Rezipienten einnehmen, eine Vielzahl an Kommunikationsbedingungen entstehen, welche die Versprachlichungsstrategien beeinflussen. Dazu zählen der Kontext, emotionale, soziale Bezüge sowie personale, räumliche und zeitliche Rahmenbedingungen. Daraus ergeben sich die Pole Nähe und Distanz, zwischen denen eine breite Skala an Parametern die Kommunikationssituation bedingen und bestimmen (vgl. Koch/Osterreicher 1985, 22; 2011, 6). Der Nähepol bewegt sich im Rahmen der maximalen kommunikativen Nähe „gesprochen“ und umfasst die Parameter: „Privatheit, Vertrautheit, starke emotionale Beteiligung, Situations- und Handlungseinbindung, Referenzbezug auf die Sprecher- origo, physische Nähe, maximale Kooperation bei der Produktion, hoher Grad der Dialogizität, freie Themenentwicklung, maximale Spontanität“. Dagegen bewegt sich der Distanzpol im Rahmen maximaler kommunikativer Distanz „geschrieben“, darunter zählen: „Öffentlichkeit, Fremdheit, hohe Monologizität, keine emotionale Beteiligung, Situations- und Handlungsentbindung, kein Referenzbezug auf die Sprecher- origo, physische Distanz, keinerlei Kooperation bei der Produktion, reine Monologizität, Themenfixierung sowie maximale Reflektiertheit“ (Koch/Oesterreicher 2011, 10).

Betrachtet man die schriftliche Kommunikation im Internet, so zeigt sich, dass diese zunehmend in den Handlungsbereich der gesprochenen Sprache übergeht. Daraus folgt, dass sich neue Muster innerhalb der Schriftsprache entwickeln, die die Eigenschaften der Nähesprache wie Spontanität, geringe Planung, hohe Dialogizität und Emotionalität aufweisen (vgl. Storrer 2011, 5). A. Storrer hat aufbauend auf den von Koch/Oesterrei- cher entwickelten Konzepten das Oppositionspaar „interaktionsorientiertes“ vs. „textorientiertes“ Schreiben entwickelt. Ihr Ziel ist es, die Nähe- und Distanzsprache mit den unterschiedlichen Schreibstilen von Internetnutzern in Verbindung zu bringen und zu differenzieren. Dabei geht sie davon aus, dass sich das interaktionsorientierte Schreiben am Nähepol befindet, wobei der Fokus auf die Interaktion des Netzwerk-Akteurs liegt. Dieser wechselt nämlich während der Interaktion zwischen der Rezipienten- und Produzentenrolle, um im Zuge der Kommunikationssituation auf andere Beiträge von weiteren Netzwerk-Akteuren zu reagieren. Dabei ist die Schnelligkeit von größerer Bedeutung als die Prägnanz und Elaboriertheit der Äußerungen. Das hat zur Folge, dass neue Formulierungstraditionen sowie grafische Konventionen entstehen, die die paraverbalen sowie körpergebundenen Kommunikationssignale aufgreifen und in einer gänzlich neuen Art medial realisieren. Daraus folgt, dass das interaktionsorientierte Schreiben aus dem Moment heraus passiert und der dabei entstehende Text nicht für das nachträgliche oder mehrmalige Lesen geschaffen ist (vgl. Storrer 2011, 6). Im Gegensatz dazu, ist das textorientierte Schreiben darauf ausgelegt ein schriftsprachliches Produkt zu erschaffen, welches nachträglich oder mehrmalig rezipiert werden kann. Gleichzeitig hat es die Eigenschaft über den laufenden Kommunikationszusammenhang Bestand zu haben und auf eine Rezeptionssituation und nicht eine Interaktion zwischen Autor und Leser ausgelegt zu sein. Demnach entspricht das entstandene Produkt den schriftsprachlichen Normen, grammatischen Standards sowie einem Strukturierungsmuster (vgl. Storrer 2011, 6).

Grundsätzlich gibt es in der Sprachforschung noch keine festen Begriffe, die die ,Ver- schmelzung‘ von Schriftlichkeit und Mündlichkeit benennen. In einer Abhandlung der Universidade de Sao Paulo bezeichnen die mitwirkenden Linguisten I.G. Fernández und P.A. Seemann dieses Phänomen als escritorial „[...] término resultante de la integración de elemtenos de la oralidad y de la escritura [...]“ (2009, 156). Ähnlich konstatiert V. Romero bezüglich seiner Abhandlung zur Ciberlenguaje juvenil, dass es sich dabei um eine Hybridform zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit handeln würde (vgl. 2012, 4). Der Begriff der Hybridität stammt ursprünglich aus der Biologie und bezeichnet oberflächlich betrachtet eine Kreuzung zweier Komponenten. Die Begriffe escritorial oder auch Oraliteralität 2 greifen diesen Grundgedanken auf und bezeichnen demnach eine neue Gattung, die hauptsächlich im schriftlichen Sprachgebrauch des Internets zu finden ist. Charakteristisch für diese neue Schriftform ist u.a. die Wiedergabe von Lautreduktionen, Initialkürzungen von Worten, Tippfehlern oder Ausdrucksfehlern aufgrund der geringen Planung des Diskurses (vgl. Shchipitsina 2012, 159).

4.1. Überblick zur Computer vermittelte Kommunikation (CVK)

Unter Computer vermittelter Kommunikation (CVK) 3 versteht man die Kommunikation und Interaktion zwischen Menschen, die mittels eines Computers mit anderen Menschen in Kontakt treten (vgl. Adroutsopoulos/Ziegler 2003, 251). Die CVK besteht im Wesentlichen aus zwei Komponenten: Dem Computer (dazu zählen auch andere technologische Endgeräte wie Laptop, Tablet, Smartphone oder Smartwatch) sowie den Interaktionsdiensten E-Mail, Chats, Kurznachrichten usw., die die Kommunikation zwischen Mensch und Computer ermöglichen. Das vordergründige Ziel: Die Überbrückung zeitlicher sowie räumlicher Differenzen (vgl. Dürscheid 2005, 5).

Bereits in den 80er Jahren wurde in der Linguistik die Kommunikation und Interaktion von Mensch und technischem Medium thematisiert, wobei auch die zeitliche Produktion des Sprachmaterials im Fokus stand. Dabei entstand ein theoretisches Modell, das zwischen synchronen (zeitgleich) und asynchronen (zeitversetzt) Kommunikationsformen unterscheidet (vgl. Beißwenger 2007, 37). Der asynchronen Kommunikation wird u.a. das Schreiben von E-Mails - beide Gesprächspartner können erst zeitversetzt auf das Eintreffen der elektronischen Post reagieren - zugeordnet. (vgl. Haase u.a. 1997, 53). Zur synchronen Kommunikation gehören u.a. Gesprächssituationen via Chat, da diese in ,Echtzeit‘ stattfinden können (vgl. Haase u.a. 1997, 56). In der jüngsten Forschung stößt diese ,klassische‘ Kategorisierung auf Widerspruch, da zunehmend die zeitliche Wahrnehmung von Kommunikation über Interaktionsdienste als relativ betrachtet werden kann. C. Dürscheid konstatiert, dass die Chat -Kommunikation als „quasi-synchron“ angesehen werden sollte, da die Gespräche in „quasi-Echtzeit“ nicht aber synchron verlaufen würden, da die Kommunikationspartner am anderen Ende des Empfangsgeräts nicht ad hoc in den Äußerungsprozess, beispielsweise durch Räuspern o.ä., ihres Gesprächspartners eingreifen können wie in einer Face-to-Face-Kommunikation. Aus diesem Grund schlägt sie bezüglich der Differenzierung asynchroner und synchroner Kommunikation vor, zusätzlich den Faktor der Simultanität in Betracht zu ziehen (vgl. Dürscheid 2005, 8). Hingegen rät A. Pano dazu, ganz und gar von der Dichotomie asyn- chron/synchron abzusehen, da die Betrachtung der zeitlichen Verhältnisse aufgrund der vielfältigen Kommunikationsdienste und der fortschreitenden Technologisierung nur noch relativ sei. Aus diesem Grund setzt sie sich dafür ein, den Fokus auf die Beziehung und Tonalität zwischen den Gesprächsteilnehmern zu legen, da diese Indikatoren weitaus mehr Aufschlüsse über die Kommunikationsvorgänge geben (vgl. Pano 2008, 36).

Unabhängig von der vorherrschenden Dichotomie asynchron/synchron zeigt sich, dass Interaktionsdienste eine unabdingbare Komponente der CVK darstellen. Zu den mittlerweile klassischen Interaktionsdiensten gehört die E-Mail sowie der Chat, der sich aufgrund der rapiden technologischen Entwicklung stetig verändert. Den Grundstein für die Chat -Kommunikation legte der finnische Student Jarkko Oikarinen in den 80er Jahren, als er den Internet-Relay-Chat (IRC) entwickelte. Der IRC stellt einen Verbund von IRC - Servern dar, welcher durch einen eigenständigen Internetdienst mit einer speziellen Client-Software betrieben wird. Aufbauend auf diese Technologie wurden weitere Chat Anwendungen entwickelt. Dazu gehören: Web-Chats (diese werden mit Hilfe gängiger WWW-Browser genutzt), Online-Chats (werden von großen Providern mit einer speziellen Client-Software betrieben) (vgl. Storrer 2001, 2) sowie 3D- Chats, in denen Nutzer einen Avatar gestalten und ihn in einer virtuellen Welt ,Handlungen‘ ausführen lassen können. Eine Erweiterung der Chat -Kommunikation stellt u.a. das Programm Skype dar, das zusätzlich Videotelefonie sowie Dateiübertragungen ermöglicht. Weitere Interaktionsdienste sind: Foren, Gästebücher, Newsgroups, Short Message Service (SMS), aber auch der Instant-Messaging -Dienst WhatsApp, der ausschließlich für die Benutzung auf Smartphones konzipiert wurde. Gleichzeitig bilden vor allem soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Instagram einen Meilenstein in der internetbasierten Kommunikation, da diese Plattformen einen unkomplizierten Austausch von Daten, Videos, Fotografien und Informationen ermöglichen4.

Darüber hinaus wird deutlich, dass die zunehmende Verwendung technologischer Geräte zur Unterstützung der Kommunikation Auswirkungen auf den Wortschatz und die Sprachverwendung haben. Vor allem Begriffe der Computerterminologie, zumeist Anglizismen, finden zunehmend Eingang ins Deutsche (vgl. Haase u.a. 1997, 52). Gleiches ist auch für das Spanische zu beobachten. Einige Sprachwissenschaftler betrachten diese Entwicklungen argwöhnisch und argumentieren, das Spanische unterläge dem Werteverfall mit der Gefahr, spezifische Termini würden von nicht-anglophonen Sprechern missverstanden und ,zweckentfremdet‘. Daraus, so heißt es weiter, würden letztendlich negative Veränderungen im Bereich der Syntax und Orthographie entstehen (vgl. Devís 2004, 75). Y. Rivas hingegen prägt den Begriff Ciberspanglish und bezeichnet damit die Vermischung aus dem Informatik-Englisch mit dem Spanischen. Charakteristisch dafür ist u.a. die Verwendung englischer Verben, die übernommen und dem Sprachgebrauch angepasst werden. Andere Verben dahingegen werden eins zu eins aus dem Englischen übernommen, z.B.:

- to email = enviar un mensaje electrónico
- hacer un exit = salir
- printear = imprimir
- linkear = enlazar (vgl. Devís 2004, 76).

Andere Sprachwissenschaftler betrachten die Entwicklung des Ciberspanglish als weniger dramatisch, denn:

„[...] las lenguas sufren cambios con el paso del tiempo debido a al creatividad humana, a su capacidad de aprender, a contactos con otros grupos sociales, a innovaciones tecnológicas, a nuevos vehículos de comunicación, etc. Esas variaciones lingüísticas ocurren de forma gradual y afectan a diversos aspectos de una lengua, entre ellos la ortografía.“ (Fernández/Seemann 2009, 155).

Neben den Veränderungen des Wortschatzes ändern sich auch Sprachmuster und gängige Konventionen. Das hat zur Folge, dass sich je nach Interaktionsdienst sprachliche Konventionen verändern aufgrund von Restriktionen. Der bekannte Kurznachrichtendienst Twitter beispielsweise beschränkt das Verfassen von Nachrichten auf derzeit 140 Zeichen, ähnlich steht es um die klassische SMS, die im Durchschnitt nur 160 Zeichen erlaubt. Aufgrund dieser Einschränkungen geht der Nutzer zu einer Art Sprachökonomie über, in Form von Wortverkürzungen, Abkürzungen bis hin zu deren teilweisen Entfremdung. Ebenso verändert die Nutzung von Interaktionsdiensten auch die Rezeption und Partizipation von Informationen. Vor allem soziale Netzwerke vereinfachen den Austausch von Bildmaterial, Dateien und persönlichen Informationen und machen diese für jeden leicht zugänglich. Genauso können Informationen bewertet, kommentiert oder mit anderen Nutzern geteilt werden. Das hat insbesondere nachhaltige Auswirkungen auf die Verarbeitung und Veröffentlichung von Informationen, so dass neue Diskussionsplattformen geschaffen werden, die auch einen erhöhten Meinungs- und Erfahrungsaustausch ermöglichen (vgl. Pano/Rueda 2013, 25).

Des Weiteren prägt die CVK ebenso das Leseverhalten von Internetnutzern, da zwangsweise Schrift deutlich häufiger konsumiert wird, wobei sich zugleich die Leseerwartung und damit einhergehend auch zwangsweise die Struktur von Texten verändert. Dies verdeutlicht insbesondere die Entwicklung des Hypertext -Konzeptes. Unter diesem Begriff versteht man einen computerverwalteten Text, der nicht linear organisiert ist, sondern mittels Hyperlinks computerisierte Verweise verknüpft, so dass beispielsweise Bild-, Ton- und Videodokumente in einem Text eingebunden werden können. Der Hyperlink als solches ist zumeist durch einen bestimmten Begriff sowie durch eine grafische Schaltfläche sichtbar, welche der Leser anklicken kann, um auf den mit dem Text verknüpften Inhalt zuzugreifen. Durch diese Untergliederung von Inhalten gelangt der Leser auf schnellerem Weg zu seiner gewünschten Information (vgl. Storrer 2000).

4.2. Allgemeine Charakteristika der lenguaje de la Red

Wie bereits im Kapitel 4.1. dargestellt wurde, hat die CVK großen Einfluss auf den Wortschatz sowie der Sprachverwendung. Charakteristisch für die ,Internetsprache‘ ist deren Orientierung am Nähe-Pol. In einer Face-to-Face-Kommunikation wird die Nähe durch das direkte Gespräch sowie der körperlichen Nähe zwischen zwei oder mehreren Gesprächsteilnehmern innerhalb eines gemeinsamen Ortes erzeugt. In einer digitalen Kommunikation wird die persönliche Nähe durch den gemeinsamen virtuellen Chat Raum oder den gleichen virtuellen Ort eines sozialen Netzwerkes geschaffen. Ähnlich wie in einer persönlichen Unterhaltung, teilen sich auch in einer Chat -Kommunikation die Sprecher prinzipiell die gleiche Zeit (wenn man davon aus geht, dass es sich um eine synchrone oder auch ,quasi‘-synchrone Form der Kommunikation handelt), da die Nutzer sich gleichzeitig an ihren Endgeräten befinden, um ein Gespräch zu führen (vgl. Storrer 2001, 6). Anders verhält es sich hinsichtlich des Austausches von Informationen und Daten auf Plattformen sozialer Netzwerke. Die Nutzer führen nicht zwangsweise ihre Unterhaltung ,synchron‘, da sie nicht auf eine direkte Rückmeldung des Gesprächspartners angewiesen sind. A. Pano und A. Rueda bezeichnen diese Form der medialen Kommunikation als multifuentes, denn die Netzwerk-Akteure sind nicht auf eine gemeinsame Zeit oder einen gemeinsamen Raum angewiesen. Das heißt, sie können ihre Unterhaltung durch die Möglichkeit der Verlinkung und Vernetzung auf mehreren Kanälen fortführen (vgl. Pano/Rueda 2013, 67).

Dass die Ciberlenguaje in die Nähesprache übergeht, ist häufig daran zu erkennen, dass Sprecher Worte und ganze Phrasen umgangssprachlich und häufig in ihrem regionalen Dialekt ins Schriftliche übertragen. A. Pano und A. Rueda sprechen dabei von Netzwerk-Akteuren, die „eskriben komo ablan“ (vgl. Pano/Rueda 2013, 46). Zusätzlich ist die geringe Planung des Diskurses aufgrund der schnellen Reaktionszeiten ein Indiz für die Annäherung an die Mündlichkeit. Obendrein sorgen auch äußere Einflüsse, wie die Verwendung von Tastaturen auf den unterschiedlichen Endgeräten und den daraus resultierenden Tippfehlern für Differenzen in Orthographie und Syntax. (vgl. Castro Roig 2012, 135). Technische Einschränkungen, wie die Restriktion von Zeichen beim Schreiben von SMS oder auch schnelle Reaktionszeiten beim Chat,führen zu einem verstärkten Aufkommen von Wortkürzungen und der Verwendung von Akronymen u.ä. Zu den gängigen Abkürzungen im Spanischen gehören u.a.:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Abkürzungen der Ciberlenguaje

(aus: Tirira, M. (2013): La escritura en las redes sociales. Testimonio.)

A. Pano und A. Rueda konnten außerdem feststellen, dass vor allem regionale Sprachbesonderheiten ins Schriftliche übertragen werden. Dazu zählen beispielsweise die Markierung des seseo / ceceo = desastro s o oder die Auslassung des intervokalischen d = organiz a o (vgl. Pano/ Rueda 2013, 39 ff.). Weitere sprachliche Markierungen sind im Bereich der Graphemik und Lexik zu verzeichnen, beispielsweise durch Auslassungen initialer Silben wie bei buenas = nas; hasta = ta; hola = ola (vgl. Pano/Rueda 2013, 40; Garcia-Cervignon 2011, 44). Häufig werden Grapheme und Laute substituiert,um pho- nische Realisierungen zu verschriftlichen. Einige weitere Merkmale der Ciberlenguaje sind:

- das Fehlen von Zeichen der Interpunktion
- Wiederholung von Graphemen, z.B. holaaaaaaa
- die Wiedergabe von Onomatopoetika/Interjektionen, z.B. hhmmmmm; snif, snif (lautliche Realisierung des Weinens), jejejeje, jijijijijiji (lachen)
- Wiederholung von Satzzeichen, z.B. ¡¡¡Venid pronto!!!
- Verwendung von Majuskeln für die Markierung von Ausrufen, z.B. ¿CÓMO QUE NO? (vgl. García-Cervignón 2011, 44).
- Verwendung von Abkürzungen, z.B. perfe, peli (vgl. Pano/Rueda 2013, 54).
- Verwendung von Lexemen anderer Einzelsprachen, häufig aus dem Englischen, z.B. kisses, hello (vgl. Pano/Rueda 2013, 54; García-Cervignón 2001, 48).
- Auftreten von Kongruenzfehler (vgl. Pano/Rueda 2013, 57 ff.).

Ein weiteres wesentliches Merkmal ist die Verwendung von Emoticons (bestehend aus Satzzeichen) und Emojis (kleine Bildnisse), die ikonographisch sind und unabhängig von der jeweiligen Einzelsprache funktionieren. Der Einsatz von Emoticons und Emojis hilft den Sprechern, Mimik, Gestik und Gefühlsäußerungen, die in einer Face-to-Face- Kommunikation für die Gesprächspartner sichtbar sind, zu komplementieren. Zu den gängigsten Emoticons zählen:

:) Lächeln

:-) strahlendes Lächeln

:-( trauriges Gesicht

:-I Zeichen von Unentschlossenheit (vgl. Rocha Silva 2004, 131)

;-) zwinkerndes Lächeln, um scherzhafte Anmerkungen zu unterstreichen

:-> Markierung eines sarkastischen Kommentars

:-* Küsschen

:-D herzhaftes Lachen

:-p scherzhaft angedeutetes Lachen mit ausgestreckter Zunge

:-O überraschtes Gesicht (vgl. greensmilies 2016, www. A)

Ursprünglich wurden die Emojis in Japan für die Kommunikation innerhalb von Firmen entwickelt. Sie sind fest programmierte Elemente und Bestandteil diverser Anwendungen, Software von Computern, Telefonen oder Application Software (App). Wie bei den Emoticons auch, handelt es sich dabei um Zeichen, die Mimik und Gestik wiedergeben und darüber hinaus auch unterschiedliche Kulturen und kulturelle Konventionen und ethnische Gruppierungen (s. Abb. 2) widerspiegeln.

PEOPLE

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Emoticons mit Abbildung ethnischer Gruppen. (vgl. General-Anzeiger bonn.de 2015, www. B).

Der Einsatz von Emojis und Emoticons ist mittlerweile zum festen Bestandteil der internetbasierten Kommunikation geworden, was zahlreiche Studien und Statistiken zum Gebrauch der Zeichen belegen5.

Ähnlich wie in einem mündlichen Diskurs sind auch in einem virtuellen Gespräch innere Sprachvarietäten zu finden. Das kommunikative Umfeld wird dabei durch den virtuellen Raum gebildet, das auch thematisch durch die unterschiedlichen Arten von Netzwerken, z.B. Xing als Netzwerk für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, differenziert werden kann (vgl. López Sobejano 2012, 156). In mündlichen Diskursen können beispielsweise diatopische Varietäten nachgewiesen werden, wenn Sprecher bemüht sind ihre regionalen sprachlichen Besonderheiten zu verschriftlichen. Diastratische Varietäten können anhand des charakteristischen Sprachgebrauchs einer Sprechergruppe identifiziert werden, durch bestimmte Begriffe, Phrasen o.ä. Gleichzeitig sind diaphasische Variationen feststellbar, wenn Sprecher dazu aufgefordert sind im schriftsprachlichen Bereich, also aufgrund der bewussten Wahl einer bestimmten Plattform oder (Gruppen-)Unterhaltung, zwischen den dort unterschiedlich herrschenden Sprachstilen zu entscheiden (vgl. Koch/ Oesterreicher 2011, 15).

5. Was sind soziale Netzwerke?

Soziale Netzwerke gehören mittlerweile fest zum Alltag, da sie durch Smartphones, Tablets und Co. von überall abrufbar sind und jeder daran partizipieren kann. Grundsätzlich ist das soziales Netzwerk nicht ohne das Web 2.0 zu erklären, da beide Termini häufig synonym verwendet werden. Dabei ist jedoch strittig, ob es sich dabei tatsächlich inhaltlich um den selben Gegenstand handelt. In einigen Literaturen wird das Web 2.0 differenzierter betrachtet und als ein Konglomerat diverser Begriffe dargestellt, die mit den Themen soziale Netzwerke, den Austausch von Informationen und Partizipation zwischen Menschen in Verbindung gebracht werden (vgl. Runkehl 2010, 9). Das Web 2.0 zeichnet sich dadurch aus, dass es im Gegensatz zum Web 1.0 eine ,soziale Kompo- nente‘ dazu gewonnen hat. Ersteres ist auf die Distribution von Informationen und Daten ausgelegt, welche auf eigenen Servern gespeichert sind. Der jeweilige Anbieter des Servers kann demnach selbst entscheiden, welche Informationen verarbeitet, editiert oder heruntergeladen werden sollen. Das Web 2.0 hingegen stellt den Nutzern alle vorhandenen Informationen zur Verfügung, so dass auch Dritte Zugriff darauf haben (vgl. Runkehl 2010,10). Des Weiteren sind Webseiten des Web 1.0 zumeist statisch und dienen vorrangig der Imagepflege (von Unternehmen o.ä.). Die Webseiten des Web 2.0 hingegen weisen dynamische Elemente auf und bieten neben dem Identitätsmanagement zusätzlich die Möglichkeit des Beziehungsmanagements an (vgl. Runkehl 2010, 11). Dadurch wird den Nutzern eine Interaktion in Form der Distribution von Informationen und Daten ermöglicht (vgl. Cabrera 2012, 27). Zu den bekanntesten Web 2.0 -Anwen- dungen zählen u.a.:

- Wikis - ermöglichen eine öffentliche Editierbarkeit von Datensätzen
- Blogs - wenige Editoren verwalten die Inhalte, jeder Leser kann sie kommentieren
- social networks - zumeist Profilseiten einzelner Personen oder Gruppen mit dem Ziel, Beziehungen zwischen Menschen zu ermöglichen und zu pflegen
- social sharing - Plattformen, die es ermöglichen, Daten (Video- oder Bilddaten) auszutauschen, hochzuladen, zu bearbeiten, zu veröffentlichen und zu kommentieren (vgl. Runkehl 2010, 11 ff.).

Das primäre Ziel sozialer Netzwerke und Web 2.0 -Anwendungen besteht darin, Menschen mit gemeinsamen Interessen zusammenzubringen (vgl. López Sobejano 2012, 151). Aus diesem Grund wurden im Laufe der Zeit Netzwerke entwickelt, die sich auf Interessengebiete bestimmter Gruppen spezialisiert haben. Plattformen wie Facebook, Twitter oder Instagram sind für die breite Masse ausgelegt, dahingegen richten sich Netzwerke wie XING oder LinkedIn nur an eine bestimmte Gruppe, in diesem Fall an Unternehmer, Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die sich miteinander vernetzen können (vgl. López Sobejano 2012, 152 ff.). Die folgende Tabelle zeigt die bekanntesten und am häufigsten genutzten Netzwerke sowie deren thematischen Fokus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Übersicht der international meist genutzten Netzwerke und deren thematischen Schwerpunkte (vgl. Lopez Sobejano 2012, 153 ff.)

Das Grundprinzip sozialer Netzwerke besteht in der Individualisierung und Darstellung des Individuums, dem Austausch von Informationen und dem Beziehungsmanagement. Jeder Netzwerk-Akteur muss zur Nutzung des Netzwerkes ein persönliches Profil anlegen. Welche Informationen (beruflich, privat etc.) verlangt werden, hängt jedoch von der jeweiligen Plattform ab. Facebook beispielsweise lädt dazu ein, so viele Informationen wie möglich preiszugeben, um einen optimierten Austausch und Interaktion zwischen den Mitgliedern zu ermöglichen. Große Aufmerksamkeit kann der einzelne Nutzer beispielsweise durch das Hinzufügen von persönlichem Bildmaterial generieren. Dabei kommt eine wichtige Komponente der sozialen Netzwerke zum Tragen: Die Identitätsbildung des Individuums. López Sobejano äußert sich dazu wie folgt:

„La identidad es evidentemente fundamental en el ámbito digital, pues nos permite formar parte de redes, medios sociales, foros u otros entornos de relación en los que los individuos (o marcas que actúan como individuos) son la fuente de las relaciones y los contenidos y en los que, sin una identidad concreta y diferenciada, es imposible participar“ (López Sobejano 2012, 159).

Zugleich schaffen soziale Netzwerke neue Diskussionsplattformen, auf denen ein erhöhter Meinungs- und Erfahrungsaustausch möglich ist. Produkte können für eine breite Öffentlichkeit getestet und bewertet und kontroverse Zeitungsartikel über Plattformen geteilt und kommentiert werden.

5.1. Facebook

Wie bereits im Vorfeld erwähnt, gehört Facebook zum bekanntesten und meistbenutzten sozialen Netzwerk weltweit (vgl. statista.com 2016, www. D). Gegründet wurde die Plattform von den ehemaligen IT-Studenten Mark Zuckerberg, Eduardo Saverin, Dustin Moskovitz und Chris Hughes von der Harvard Universität. Im Februar 2004 ging die Seite erstmals unter den Namen The Facebook online, noch im selben Jahr wurde sie in Facebook umbenannt (vgl. inventors.about.com 2014, www. E). Facebook beruht auf dem Prinzip des Beziehungsmanagements, also der Vernetzung von Freunden6 sowie dem Austausch von Informationen. Grundsätzlich braucht es für eine aktive Partizipation eine vorherige Registrierung durch das Ausfüllen eines Profil-Formulars, wobei die Details und Fülle der privaten Angaben über eine optimale Vernetzung und Auffindbar- keit durch andere Mitglieder entscheidend ist. Grundsätzlich ist es dem Nutzer jedoch selbst überlassen, ob er sich mittels eines Pseudonyms und ,gefälschter‘ Informationen anmeldet oder wahrheitsgetreue Angaben macht. Essentiell für das Anlegen eines Nutzerprofils ist das Hinzufügen eines Profilbildes, das dabei hilft, die eigene Identität und Individualität darzustellen. Obendrein können unterschiedliche Profileinstellungen darüber bestimmten, ob ausschließlich bekannte Kontakte oder die allgemeine Öffentlichkeit Zutritt zum persönlichen Profil haben dürfen. Die Vernetzung von Freunden oder Bekannten kann ,passiv' über das Hinzufügen von Kontakten durch sogenannte Freundschaftsanfragen geschehen oder ,aktiv‘ durch die eigene Suche nach Kontakten. Der Austausch zwischen den Mitgliedern kann auf unterschiedlichen Wegen vonstatten gehen. Zum einem hat Facebook einen eigenen Chat innerhalb des Netzwerkes eingerichtet, der die persönliche Kommunikation zwischen den registrierten Nutzern ermöglicht. Zum anderen können die Mitglieder mittels eines Eingabefeldes Beiträge, Kommentare oder Dateien posten7 und mit ihren Kontakten teilen. Zudem können diese Beiträge durch unterschiedliche Buttons bewertet werden. Ursprünglich gab es den für Facebook synonym gewordenen gefällt mir-Buttori oder auch ,Like-Buttori der darüber bestimmt, ob der Leser den Beitrag als gut oder auch - irritierenderweise - als schlecht empfindet. Damit die Nutzer die Möglichkeit haben ihre Meinung deutlicher zum Ausdruck zu bringen, hat Facebook neue Emoticons entwickelt (s. Abb. 3). Somit steht den Mitgliedern ein breiteres Gefühlsspektrum für die Bewertung von Beiträgen zur Verfügung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Emoticons zur Bewertung von Beiträgen auf Facebook

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die ,gefällt-miri -Angaben von Beiträgen durchaus sozialkritische oder auch politische Diskussionen nach sich ziehen können, die in der Öffentlichkeit medial bewertet und abgehandelt wurden. Facebook ist demnach nicht nur ein Netzwerk, das den Austausch von Informationen sowie die Pflege und Suche von Kontakten ermöglicht; es ist mittlerweile auch zu einem essentiellen Netzwerk des Meinungsaustausches gesellschaftlicher und politischer Diskussionen geworden.

[...]


1 Detaillierte Ausführungen zum Vierfelderschema sind in dem Aufsatz von Koch/Oesterreicher (1985): „Sprache der Nähe- Sprache der Distanz. Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Spannungsfeld von Sprachtheorie und Sprachgeschichte“. In: Romanistisches Jahrbuch, 36. Berlin/New York: de Gruyter, 15-43 sowie in einer neueren Ausgabe von Koch/Oesterreicher (2011): Gesprochene Sprache in der Romania : Französisch, Italienisch, Spanisch. Berlin [u.a.]: de Gruyter, zu finden.

2 Shchipitsina greift diesen Begriff in ihrem Aufsatz „Stilmischung, Code-Switching & Co.: Hybriditätsar- ten im Internet“ auf und bezieht sich dabei auf das „Vorkommen der Elemente der konzeptionellen Mündlichkeit in formal schriftlichen Texten“ (vgl. Shchipitsina 2012, 158).

3 Weitere Bezeichnungen sind u.a. computer mediated Communication (vgl.Wirth 2005, 68; vgl. Beiß- wenger 2007 ) oder auch medienvermittelnde Kommunikation (Dürscheid 2005, 5).

4 Nähere Ausführungen zum Gegenstand soziale Netzwerke sind unter dem Kapitel 5 zu finden.

5 Das Unternehmen SwiftKey hat sich 2015 der Untersuchung der internationalen Verwendung von Emo- jis gewidmet und insgesamt 16 Einzelsprachen und Regionen untersucht, um einen Überblick zu erhalten, welche Nationen welche Emoticons nutzen und welche Auswirkungen diese auf den Sprachgebrauch haben (vgl. SwiftKey 2015, www. C).

6 Alle registrierten Nutzer von Facebook werden als Freunde bezeichnet, sobald sie mit anderen Kontakten verbunden werden.

7 posten, aus dem Englischen to post = veröffentlichen ist ein weiterer Begriff, der zur Facebook-Termino- logie gehört und mittlerweile auch außerhalb der Kommunikation auf Facebook häufig für die Bezeichnung ,einen Text im digitalen Raum veröffentlichen4 verwendet wird.

Ende der Leseprobe aus 72 Seiten

Details

Titel
Die Auswirkungen digitaler Kommunikation auf die Schriftsprache. Charakterisierung von Kommentaren auf Facebook, YouTube und in Blogs
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
72
Katalognummer
V539104
ISBN (eBook)
9783346138682
ISBN (Buch)
9783346138699
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Facebook, YouTube, Blogs, digitale Kommunikaton, lifestlye, fashion, food
Arbeit zitieren
Sandra Mende (Autor), 2016, Die Auswirkungen digitaler Kommunikation auf die Schriftsprache. Charakterisierung von Kommentaren auf Facebook, YouTube und in Blogs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539104

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