Im Rahmen dieser Arbeit, welche sich mit der Theorie der peripheren Wirtschaft von Raúl Prebisch befasst, beschäftigt sich der Autor exemplarisch mit globalen, auf Individuen bezogenen wirtschaftliche Ungleichheiten als Platzhalter für globale staatliche Ungleichheiten.
Die Theorie der peripheren Wirtschaft analysiert in diesem Kontext die kapitalistische Wirtschaftsordnung und die im internationalen Handel gefestigten Wirtschaftsbeziehungen als Verursacher einer verschlechterten Außenhandelsposition der Entwicklungsländer, welche entwicklungshemmende Maßnahmen nach sich zieht. Weiterhin erkennt die Theorie die Wirtschaftsbeziehungen im internationalen Handel als ein durch die Vormachtstellung der Industriestaaten geprägtes Konstrukt an, welches zum Vorteil der Industriestaaten ausgelegt ist. Der Aufbau dieses Essays sieht vor die Theorie der peripheren Wirtschaft in dem zeitgeschichtlichen Kontext ihres Aufschwungs und ihrer größten medialen Relevanz in den 1970er und 1980er Jahren zu erläutern. Dazu soll sowohl erstmal der Außenhandel im internationalen System der Wirtschaftsbeziehungen beispielhaft am Jahr 1982 als auch die Bedeutung des Außenhandels für die Entwicklungsländer umrahmt werden. Dieses dient der Darstellung der relevanten wirtschaftlichen Umstände zu der Zeit der an Bedeutung gewinnenden exogenen Außenhandelstheorie. Abschließend soll mit besonderem Bezug auf die Computerindustrie erörtert werden, inwieweit die Zusammenhänge der Theorie der peripheren Wirtschaft von Prebisch in der heutigen Zeit noch relevant sind.
Vor der inhaltlichen Vertiefung erfolgt jedoch mit dem Ziel einer eindeutig erfassbaren begrifflichen Rahmenbedingung dieser Arbeit Essays eine klare Begriffsbestimmung des Entwicklungsbegriffes und eine wichtige Begriffsanmerkung zum Entwicklungslandbegriff.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Begriffsbestimmung „Entwicklung“
1.2 Begriffsanmerkung „Entwicklungsland“
2. Umrahmung des Außenhandels im internationalen Wirtschaftssystem
2.1 Bedeutung des Außenhandels für Entwicklungsländer
3. Die Theorie der peripheren Wirtschaft
4. Ist die Theorie der peripheren Wirtschaft noch aktuell? - Das Beispiel der Computerindustrie
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Theorie der peripheren Wirtschaft nach Raúl Prebisch im Kontext der internationalen Handelsbeziehungen und analysiert kritisch deren entwicklungshemmende Annahmen sowie deren heutige Relevanz am Beispiel der globalisierten Computerindustrie.
- Die Strukturen und Charakteristika des internationalen Handels
- Die Abhängigkeit von Entwicklungsländern vom Rohstoffexport
- Die vier zentralen Thesen der Theorie der peripheren Wirtschaft
- Empirische Überprüfung der Prebisch-Thesen anhand digitaler Güterketten
- Das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Abhängigkeit und wirtschaftlichem Aufschwung
Auszug aus dem Buch
Die Theorie der peripheren Wirtschaft
Die bekannteste Außenhandelstheorie ist die Theorie der peripheren Wirtschaft des Argentiniers Raúl Prebisch, ehemaliger Generalsekretär der 1964 institutionalisierten Welthandelskonferenz. Prebisch gilt als der bedeutendste Vertreter der lateinamerikanischen Schule, welches sich in dem Fokus seiner Analysen auf empirische Tatbestände aus Lateinamerika zeigt. Unter besonderer Berücksichtigung der Wirtschaftsbeziehungen im internationalen Handel untersucht dieser mit Hilfe dem wirtschaftstheoretischen Konzept der Terms of Trade das wachsende Wohlstandsgefälle zwischen Industrie- und Entwicklungsländern (GRIMM 1979, S.60).
Trotz seiner Fokussierung auf den lateinamerikanischen Wirtschaftsraum gelten seine festgestellten Zusammenhänge als auf andere Entwicklungsländer übertragbar. Somit erlangt die Theorie der peripheren Wirtschaft globale Bedeutung zur Erklärung von entwicklungshemmend wirkenden internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Dementsprechend soll sich ebenfalls auf einer theoriezentrierten international „allgemeingültigen“ Ebene mit der Theorie Prebischs auseinandergesetzt werden.
Die Grundlage der Theorie stellt die vereinfachte Aufteilung der Welt in Zentrum und Peripherie dar. Dabei bilden die hochindustrialisierten Länder das Zentrum und die Entwicklungsländer die Peripherie. Wirtschaftlich ausschlaggebend ist die Zuschreibung der Industrieländer als Produzenten von Industriegütern und Nachfrager von Rohstoffen. Dem steht die Zuschreibung der ökonomisch weniger entwickelten Entwicklungsländer als Produzenten von hauptsächlich Rohstoffen und Nachfrager von Industriegütern entgegen (GRIMM 1979, S.60 f.). Prebisch analysiert im Zuge dessen den internationalen Handel zwischen Industrie- und Entwicklungsländern auf die jeweilige Auswirkung für die Außenhandelsposition der beteiligten Länder. Dabei lassen sich vier entscheidende Thesen feststellen mit den sich der folgende Text vertieft auseinandersetzen wird, um den Leser die von der peripheren Wirtschaftstheorie vertretene Stellung näher zu bringen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der globalen Vermögensungleichheit ein und erläutert die Kernaussage der Theorie der peripheren Wirtschaft sowie den Aufbau der Arbeit.
1.1 Begriffsbestimmung „Entwicklung“: Hier wird der mehrdimensionale Entwicklungsbegriff definiert, wobei der Fokus primär auf ökonomische, politische und technologische Aspekte gelegt wird.
1.2 Begriffsanmerkung „Entwicklungsland“: Dieser Abschnitt thematisiert die Heterogenität der als „Entwicklungsländer“ zusammengefassten Staaten und mahnt zu einem differenzierten Umgang mit diesem Begriff.
2. Umrahmung des Außenhandels im internationalen Wirtschaftssystem: Das Kapitel liefert eine kontextuelle Einordnung des Welthandels und veranschaulicht die Abhängigkeitsstrukturen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern mittels Daten von 1982.
2.1 Bedeutung des Außenhandels für Entwicklungsländer: Hier wird die essenzielle Rolle des Außenhandels für die wirtschaftliche Struktur der Entwicklungsländer sowie deren Abhängigkeit von Importen industrieller Güter hervorgehoben.
3. Die Theorie der peripheren Wirtschaft: Dieses Kapitel erläutert das theoretische Modell von Raúl Prebisch, insbesondere die Aufteilung in Zentrum und Peripherie sowie die vier zentralen Thesen zur Handelsbenachteiligung.
4. Ist die Theorie der peripheren Wirtschaft noch aktuell? - Das Beispiel der Computerindustrie: Anhand von globalen Wertschöpfungsketten der Computerindustrie wird geprüft, inwiefern Prebischs Thesen heute noch Gültigkeit besitzen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Theorie Prebischs als historisch bedeutenden Impuls für ein politisches Bewusstsein, auch wenn sie im Kontext der heutigen Globalisierung differenziert betrachtet werden muss.
Schlüsselwörter
Außenhandel, Theorie der peripheren Wirtschaft, Raúl Prebisch, Entwicklungsländer, Industriestaaten, Terms of Trade, Weltwirtschaft, Globalisierung, Computerindustrie, Rohstoffexport, Arbeitsteilung, ökonomische Ungleichheit, Protektionismus, Konjunkturzyklen, Wertschöpfungskette.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Theorie der peripheren Wirtschaft von Raúl Prebisch und untersucht, wie internationale Handelsstrukturen zur Benachteiligung von Entwicklungsländern beitragen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Struktur des Welthandels, der Abhängigkeit von Rohstoffimporten, der Analyse von Terms of Trade und dem Einfluss des technischen Fortschritts auf die Weltwirtschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die entwicklungshemmenden Mechanismen der peripheren Wirtschaftstheorie darzulegen und kritisch zu hinterfragen, ob diese Argumente in der heutigen globalisierten Welt, beispielhaft gezeigt an der Computerindustrie, noch Bestand haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse auf Basis von Sekundärliteratur, ergänzt durch eine exemplarische Anwendung der Theorie auf reale Datenströme der Computerindustrie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Handelsumrahmung, die detaillierte Erläuterung der vier Thesen Prebischs und die empirische Überprüfung anhand aktueller Wertschöpfungsketten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Außenhandel, periphere Wirtschaftstheorie, Terms of Trade, globale Wertschöpfungsketten und ökonomische Disparitäten zwischen Zentrum und Peripherie.
Wie unterscheidet sich die Situation der Arbeiter in der Computerindustrie von der Theorie Prebischs?
Obwohl die Theorie eine Lohnerhöhung durch technischen Fortschritt voraussagt, zeigt das Beispiel der Festplattenherstellung, dass Arbeiter in Billiglohnländern nur einen geringen Anteil der Gesamtlöhne erhalten, während der Gewinn im Zentrum verbleibt.
Warum hält der Autor die Theorie von Prebisch trotz der Erfolge der "Tigerstaaten" für weiterhin bedeutend?
Die Theorie bleibt bedeutend, um die systemische Ungerechtigkeit in der globalen Einkommensverteilung sowie die unverhältnismäßige Machtverteilung in globalen Güterketten aufzuzeigen und ein kritisches politisches Bewusstsein zu fördern.
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- Anonym (Author), 2019, Wie entsteht globale Ungleichheit? Die Theorie der peripheren Wirtschaft von Raúl Prebisch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539117