Warum verfestigt sich die Armut bei manchen Betroffenen und bei anderen nicht? Lassen sich die Differenzen auf individuelle Unterschiede bei der Bewältigung von Armut zurückführen? Welche Rolle spielen persönliche Überzeugungen bei der Bewältigung von Armut? Sind 'aktivierende' Maßnahmen wie bspw. Sanktionen und Leistungskürzungen geeignet, um Langzeitarbeitslose zu einer Arbeitsaufnahme zu motivieren oder wird mit diesen Maßnahmen doch eher das Gegenteil erreicht?
Um diese Fragen zu beantworten, wird untersucht, welche praktischen und psychologischen Auswirkungen Armut hat. Danach wird das Konzept des Locus of Control eingeführt, da ein Zusammenhang zwischen der Bewältigung von Armut und persönlichen Kontrollüberzeugungen vermutet wird. Zur Überprüfung dieser Vermutung wird eine Literaturrecherche durchgeführt. Die Ergebnisse der Recherche werden vorgestellt und diskutiert. Abschließend werden Handlungsempfehlungen für die Arbeitsmarktpolitik abgeleitet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: Die Verfestigung der Armut in Deutschland
2 Stand der wissenschaftlichen Diskussion
2.1 Armut im Alltag der Betroffenen
2.2 Erklärungsansätze zur Verfestigung der Armut
2.3 Das Konzept des Locus of Control
2.3.1 Die internale Kontrollüberzeugung
2.3.2 Die externale Kontrollüberzeugung
3 Kontrollüberzeugungen und Armut
3.1 Internale Kontrollüberzeugung und Armut
3.2 Externale Kontrollüberzeugung und Armut
4 Diskussion
4.1 Einordnung der Ergebnisse in die Forschung
4.2 Konsequenzen für die Betroffenen
4.3 Konsequenzen bei fehlender Mitwirkung
4.4 Konsequenzen für die Gesellschaft
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen persönlichen Kontrollüberzeugungen (Locus of Control) und der Verfestigung von Armut bei erwerbslosen Menschen, um zu ergründen, warum sich Armut in manchen Lebensläufen festsetzt, während andere Betroffene sich schneller daraus befreien können.
- Analyse von internale versus externale Kontrollüberzeugungen im Kontext von Arbeitslosigkeit
- Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und psychologischer Handlungsfähigkeit
- Psychosoziale Auswirkungen von Armut und sozialer Exklusion
- Kritische Bewertung der aktuellen aktivierenden Arbeitsmarktpolitik
- Bedeutung von Handlungsspielräumen für die soziale Inklusion
Auszug aus dem Buch
2.3 Das Konzept des Locus of Control
Das Konzept wurde 1966 von Julian Rotter entwickelt. Locus of Control bedeutet Ort der Kontrolle. Die Kontrolle über das eigene Schicksal wird entweder innerhalb der eigenen Person (internale Kontrollüberzeugung) oder außerhalb der eigenen Person (externale Kontrollüberzeugung) gesehen. Zur Bildung der persönlichen Kontrollüberzeugung werden Erfolgs- bzw. Misserfolgserfahrungen verallgemeinert und auf ähnliche Situationen übertragen. Erfolge stärken die Erwartung, dass ein bestimmtes Verhalten auch zukünftig zum Erfolg führt. Bleibt der Erfolg aus, obwohl das Verhalten gezeigt wurde, dann sinkt die Kontrollerwartung. Die verallgemeinerte Überzeugung zur Wirkung des eigenen Verhaltens beeinflusst die Wahl des zukünftigen Verhaltens (vgl. Rotter 1966, S. 1f). Kontrollüberzeugungen können für einzelne Lebensbereiche gebildet werden und bereichsspezifisch variieren. Sie sind subjektive Annahmen einer Person, „über Reaktionen zu verfügen, mit deren Hilfe Ereignisse beeinflusst werden können“ (Winkler 2004, S. 75).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Verfestigung der Armut in Deutschland: Das Kapitel führt in die Problematik der Armutsverfestigung bei Erwerbslosen ein und stellt die Forschungsfrage nach der Rolle persönlicher Überzeugungen bei deren Bewältigung.
2 Stand der wissenschaftlichen Diskussion: Hier werden der Lebensalltag von Armut Betroffener, verschiedene Erklärungsansätze für Armut und das theoretische Konzept des Locus of Control nach Julian Rotter erläutert.
3 Kontrollüberzeugungen und Armut: Dieses Kapitel verknüpft die theoretischen Pole des Locus of Control mit empirischen Befunden zur Situation von Erwerbslosen und dem Risiko der Armutsverfestigung.
4 Diskussion: Die Ergebnisse werden in den Forschungskontext eingeordnet und die weitreichenden Konsequenzen der Kontrollüberzeugungen für die Betroffenen, die arbeitsmarktpolitische Praxis sowie die Gesellschaft reflektiert.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass eine internale Kontrollüberzeugung für die Armutsbewältigung essenziell ist und die aktuelle Arbeitsmarktpolitik diese durch restriktive Maßnahmen eher behindert als fördert.
Schlüsselwörter
Armut, Erwerbslosigkeit, Kontrollüberzeugung, Locus of Control, Internale Kontrollüberzeugung, Externale Kontrollüberzeugung, Sozialpolitik, Arbeitsmarktpolitik, Grundsicherung, ALG II, Sanktionen, soziale Exklusion, Depression, Handlungsspielraum, Resilienz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der psychologischen Einstellung zur persönlichen Kontrolle über das eigene Schicksal und der Dauer bzw. Verfestigung von Armut bei arbeitslosen Menschen.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Armutsforschung, die psychologische Theorie des Locus of Control, Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf die Psyche und die Kritik an der aktivierenden Arbeitsmarktpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist zu klären, ob unterschiedliche persönliche Kontrollüberzeugungen erklären können, warum manche Menschen dauerhaft in Armut verbleiben, während andere Wege aus der Armut finden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten theoretischen Analyse und einer umfassenden Literaturrecherche zum Thema Armut und Kontrollüberzeugungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Definition von Kontrollüberzeugungen, deren Einfluss auf das Verhalten bei der Arbeitssuche sowie die Auswirkungen von Armut auf die psychische Verfassung und Handlungsfähigkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Armut, Arbeitslosigkeit, Kontrollüberzeugung, Locus of Control, soziale Exklusion, Sanktionen und Handlungsspielräume.
Welche Rolle spielen Sanktionen laut der Autorin?
Die Autorin argumentiert, dass Sanktionen in der Arbeitsmarktpolitik kontraproduktiv wirken, da sie die Hoffnung der Betroffenen mindern und eher eine externale Kontrollüberzeugung fördern, statt zur Aktivierung beizutragen.
Was unterscheidet Internale von Externalen im Kontext der Armut?
Internale glauben eher an den eigenen Einfluss auf ihr Schicksal und zeigen aktiveres Suchverhalten, während Externale ihr Schicksal eher als fremdbestimmt wahrnehmen und in eine passive, resignative Haltung verfallen können.
- Arbeit zitieren
- Carina Franz (Autor:in), 2017, Persönliche Kontrollüberzeugungen und die Bewältigung von Arbeitslosigkeit und Armut, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539242