Konflikt und Verhandlung


Hausarbeit, 2001
24 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Verhandlung
II.1 Verhandlung im internationalen Kontext
III. Konflikt
III.1 Konflikt im politischen und internationalen Kontext
III.1.1 Konfliktintensitäten
III.1.2 Konfliktstrukturen und Konfliktmorphologie
III.1.3 Wie werden Konflikte beendet?

IV. Konflikt und Verhandlung
IV.1 Dritte Parteien und ihre Funktion innerhalb von Konflikten

IV.2 Vermittlung in internationalen Konflikten

und Akteure des internationalen Systems

IV.3 Empirische Aussagen über die Rolle von Vermittlung und Verhandlung angesichts Konfliktbewältigung

V. Schlussbetrachtung

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat sich in der internationalen Politik ein gestärktes Bewusstsein über die neuen Herausforderungen der friedlichen Konfliktbeilegung und Kriegsverhütung etabliert. Vor dem Hintergrund eines sich entwickelnden kooperativen Klimas, welches durch die Präsenz internationaler Organisationen wie der UNO spürbar geprägt wurde, ist die konstruktive Regelung langjähriger und kriegerischer Auseinandersetzungen in der Prioritätenskala der internationalen Politik an vorderste Stelle gerückt.

Die Zahl der jährlich neu entstehenden gewaltsamen Konflikte hat in den letzten hundert Jahren zugenommen1 ; das internationale System, welches durch Interdependenz bzw. politische wie auch wirtschaftliche Verflechtung geprägt ist, impliziert auch eine Globalisierung von Konflikten und Problemstellungen, die einer angemessenen und (welt-) pazifizierenden Lösung bedürfen. Verhandlung ist nur eine von mehren Möglichkeiten, Konflikte beizulegen; sie ist jedoch die einzige Form ohne Anwendung von Gewalt Lösungen für gegensätzliche Interessen zu finden2.

As an instrument of diplomacy and foreign policy, mediation has become almost as common as conflict itself3.

Diese Aussage Bercovitchs unterstreicht die Korellation von Konflikt und Verhandlung, die im folgenden definiert und im internationalen Kontext erläutert wird.

II. Verhandlung

Der allgemeine Terminus „Verhandlung“ erfasst zunächst Assoziationen, die dem Alltag entlehnt sind: Die Wortbedeutung erstreckt sich über alle Ebenen des täglichen privaten, politischen oder auch wirtschaftlichen „Verhandelns“ um beispielsweise Waren und Güter, Arbeitsbedingungen, politische Koalitionen etc.. Verhandeln ist eine Interaktion, der es mindestens zweier Körperschaften, Einzelpersonen oder Parteien, bedarf. Sie ist nur eine von mehreren Möglichkeiten, Konflikte beizulegen und die einzige Form, ohne Anwendung von Gewalt Lösungen für gegensätzliche Interessen zu finden4.

Verhandlungen liegen immer unterschiedlich gelagerte Interessen zugrunde5: Interesse ist nur vorhanden, wo Gegensatz ist6. Sie müssen sich auf das gleiche Sujet beziehen und eine gemeinsame Schnittmenge aufweisen. Interessen, die nicht divergieren, bedürfen auch keiner Verhandlung.

„Without common interest there is nothing to negotiate for, without conflict nothing to negotiate about“ 7.

Verhandlung impliziert nicht die direkte Kommunikation der Kontrahenten, sie kann auch über Dritte oder gar über die Medien vollzogen werden. An dieser Stelle sei betont, dass Verhandlungen zwar auf der Freiwilligkeit der jeweiligen Rivalen beruhen („Mediation, at any level and in all its guises, is essentially a voluntary process“8 ), jedoch zu jeder Zeit eines Konfliktes möglich sind.

Verhandlung ist also ein sozialer wie auch bilateraler Prozess, in dem wenigstens zwei Parteien mit dem Ziel, eine akzeptable Lösung für ihre divergierenden Interessen zu finden, interagieren9.

II.1 Verhandlung im internationalen Kontext

Ein entscheidender Unterschied zwischen privater und politischer Verhandlung skizziert sich im Handlungsspielraum: Während der individuelle Verhandler nach eigenem Ermessen nahezu ungebunden seine Positionen vertreten kann, agiert der Politiker vor dem Hintergrund seines Klientel (Wählerschaft, Partei, Fraktion, Regierung etc.)10 ; dies bedeutet, dass er angehalten ist, das kollektive Interesse zu vertreten. Das internationale System beansprucht angesichts einer ausgeprägten wirtschaftlichen und politischen Infrastruktur zwischen den Staaten eine komplexe und vielschichtige Form der Verhandlung. Akteure sind hier -im Gegensatz zu privaten Verhandlungen- repräsentative Körperschaften, also organisierte Gruppen, die nicht nur vor dem Hintergrund ihres Klientel, sondern auch kulturgeprägt interagieren. Ändert sich ein Konflikt, so hat dies auch Einfluss auf die Verhandlung: Verhandlungssituation und -Stil sind reziproke Faktoren des sozialen Prozesses, denn mit sich ändernden Kontexten variiert auch der Handlungsspielraum der Kontrahenten. Das Verhandeln in Krisensituationen folgt also anderen Gesetzen als das Verhandeln in ruhigen politischen Lagen11. Die Kräfteverhältnisse der Kontrahenten nehmen ebenso Einfluss auf den Verhandlungsablauf bzw. auf das Ergebnis. Die Machtkonstellationen spiegeln sich in den Beziehungen zwischen den Kontrahenten wider, jene können als symmetrisch oder asymmetrisch bestimmt werden. Symmetrische Beziehungen sind dann gegeben, wenn beide Konfliktparteien angesichts ihrer nationalen Ressourcen gleichrangige -im Sinne von ebenbürtige- Partner sind [Positiv-Summen-Spiel]. Asymmetrie bezeichnet ein ungleichgewichtiges nationales Ressourcenverhältnis [Null-Summen-Spiel]. Wenn nun eine Dritte Partei zu intervenieren versucht, muss ihr Verhältnis zu den Verhandlungsparteien äquidistant sein, um zum einen akzeptiert zu werden und zum anderen erfolgreich vermitteln zu können12. Jedoch sei an dieser Stelle angemerkt, dass eine asymmetrische Beziehung zwischen den Konfliktparteien keine „einseitige“ Lösung zugunsten des Stärkeren impliziert. Auch eine solche Ausgangssituation kann im Zuge des Verhandlungsprozesses nivelliert werden: Symmetrie und Asymmetrie sind demnach wandelbare Faktoren, dies schließt die Möglichkeit mit ein, dass am Ende eines Verhandlungsverlaufs eine symmetrische Beziehung zwischen den Konfliktparteien geschaffen werden kann. Ein solches Ergebnis beweist sich empirisch betrachtet als stabil.

Vor dem Hintergrund der Vielgesichtigkeit von Verhandlung erscheint es sinnvoll, eine definitorische Differenzierung gemäß Billing (1992) vorzunehmen: In der Mehrzahl oben genannter Krisensituationen, die sich auf Handlungsspielraum bzw. Druck der Kontrahenten auswirken, spielt eine Dritte Partei als Vermittler und Schlichter eine grundlegende Rolle. Verhandlungen unterscheiden sich also von Vermittlung üblicherweise durch das Fehlen einer unabhängigen Dritten Partei, die in den Verhandlungsprozess mit dem Ziel der Herbeiführung einer friedlichen Einigung eingreift13. So skizziert sich Verhandlung als bilateraler, Vermittlung als triadischer Prozess.

Zartman and Touval führen in ihrer Definition jene Determinante an, die auch in der Verhandlung von grundlegender Bedeutung ist, nämlich die Freiwilligkeit (bzw. die Zustimmung der Kontrahenten, eine Dritte Partei als Vermittler zu akzeptieren):

Mediation is a form of third-party intervention in conflict for the purpose of abating or resolving that conflict through negotiation. In common with other forms of peacekeeping or conflict resolution, it is an intervention that must be acceptable to the adversaries in conflict, who cooperate diplomatically with the intervenor.14

Wir unterscheiden also zwischen Verhandlung und Vermittlung vor dem Hintergrund der Präsenz einer Dritten Partei; allerdings impliziert Verhandlung nicht nur das direkte Aufeinandertreffen der Konfliktparteien -wie Billing (1992) definiert- Verhandlungen sind ständige Begleiter beim Konfliktaustrag und können auch -wie Pfetsch definiert- über die Medien oder in internationalen Konferenzen erfolgen.

Wie der Terminus“Prozess” impliziert, handelt es sich bei Verhandlung und Vermittlung um eine mehrstufige bzw. -phasige Entwicklung; das resultierende Ergebnis kann unterschiedlicher Natur sein -möglich ist auch eine Nicht- oder nur Teil-Entscheidung. Eine maßgebliche Determinante für die Art des Verhandlungsergebnisses bzw. für dessen Dauer ist -gemäß Pfetsch- das Konsensniveau.

Da nun die Begrifflichkeiten „Verhandlung“ und „Vermittlung“ -vorerst- definitorisch erläutert sind, wird nun der Fokus dieser Arbeit auf Verhandlungsgegenstände bzw. auf Konflikt und Verhandlung -auch hier zunächst eine definitorische Einführung- gerichtet.

III. Konflikt

Ein Konflikt kann generell als Zwiespalt oder Widerstreit zweier oder mehrerer Parteien bezüglich eines bestimmten Gutes charakterisiert werden. Der etymologischen Wortbedeutung nach erfasst der Terminus Konflikt (lat. configere) zum einen die Handlung „zusammenstoßen“, zum anderen den Zustand „im Streit liegen“.

Ein Konflikt kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden15:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf jeder dieser Ebenen agieren unterschiedliche Parteien, deren Art und Zahl variieren können. Der Fokus dieser Arbeit sei jedoch auf Konflikte innerhalb und zwischen Staaten und Staatengemeinschaften gerichtet.

Zartman definiert das Phänomen Konflikt wie folgt:

Conflict can be defined as escalated competition at any system level between groups whose aim is to gain advantages in the area of power, resources, interests, values, or needs, and at least one of these groups believes that this dimension of the relationship is based on mutually incompatible goals.16

[...]


1 Pfetsch, Frank R.: Internationale Politik. Stuttgart: Kohlhammer, 1994. Seite 230.

2 vgl. Pfetsch, Frank R.: Kreatives Verhandeln in Politik und Wirtschaft. In: Rainer M. Holm-Hadullen (Hrsg.) 2000: Kreativität. Heidelberger Jahrbücher 2000/XLIV. Berlin/Heidelberg. Seite 127.

3 Bercovitch, Jacob: Mediation in International Conflict. An ouverview of theory, a review of practice. In: Zartman, I. William (Hrsg.): Peacekeeping in international conflict. Methods and technics. Washington DC, United States Inst. Of Peace Press, 199. Seite 133.

4 vgl. Pfetsch, Frank R.: Kreatives Verhandeln in Politik und Wirtschaft. In: Rainer M. Holm-Hadullen (Hrsg.) 2000: Kreativität. Heidelberger Jahrbücher 2000/XLIV. Berlin/Heidelberg. Seite 127.

5 Ebenda. Seite 130.

6 Hegel, G.F.W., zitiert nach Pfetsch, Frank R.: Kreatives Verhandeln in Politik und Wirtschaft. In: Rainer M. Holm-Hadullen (Hrsg.) 2000: Kreativität. Heidelberger Jahrbücher 2000/XLIV. Berlin/Heidelberg. Seite 130.

7 Iklé zitiert nach ebenda. Seite 130.

8 Bercovitch, Jacob: Mediation in International Conflict. An ouverview of theory, a review of practice. In: Zartman, I. William (Hrsg.): Peacekeeping in international conflict. Methods and technics. Washington DC, United States Inst. Of Peace Press. 1997. Seite 141.

9 vgl. Pfetsch, Frank R.: Kreatives Verhandeln in Politik und Wirtschaft. In: Rainer M. Holm-Hadullen (Hrsg.) 2000: Kreativität. Heidelberger Jahrbücher 2000/XLIV. Berlin/Heidelberg. Seite 132.

10 vgl. Pfetsch, Frank R.: Kreatives Verhandeln in Politik und Wirtschaft. In: Rainer M. Holm-Hadullen (Hrsg.) 2000: Kreativität. Heidelberger Jahrbücher 2000/XLIV. Berlin/Heidelberg. Seite 133.

11 Ebenda. Seite 134.

12 Ebenda. Seite 136.

13 vgl. Billing, Peter: Eskalation und Deeskalation internationaler Konflikte. Frankfurt am Main: Peter Lang 1992. Seite 57.

14 Touval, Saadia/ Zartman, William I.: International mediation in theory and practice. Boulder, Colorado: Westview 1985. Seite 7.

15 vgl. Imbusch, Peter/ Zoll, Ralf (Hrsg.): Friedens und Konfliktforschung. Eine Einführung mit Quellen. Opladen: Leske + Budrich 1996. Seite 75.

16 Zartman, I. William (Hrsg.): Peacekeeping in international conflict. Methods and technics. Washington DC, United States Inst. Of Peace Press 1997. Seite 32.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Konflikt und Verhandlung
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Politische Wissenschaft)
Note
1,7
Jahr
2001
Seiten
24
Katalognummer
V5394
ISBN (eBook)
9783638132824
ISBN (Buch)
9783638686730
Dateigröße
586 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Theoretische Grundlagen anhand von Beispielen. 380 KB
Schlagworte
Konflikt, Verhandlung
Arbeit zitieren
Anonym, 2001, Konflikt und Verhandlung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5394

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