Jugendzeitschriften - Die BRAVO


Hausarbeit, 2004

13 Seiten, Note: 2.3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die inhaltlichen Bestandteile der BRAVO
2.1 Kulturimporte aus Übersee
2.2 Kommentare und Glossen
2.3 Ratgeberfunktionen und traditionelle Werte
2.4 Deutsche Stars
2.5 Politische Elemente
2.6 Kommerzielle Einstellungen
2.7 `Zwar steuern wir, aber ihr bestimmt, wohin die Reise gehen soll`

3. Die BRAVO - Ausdruck einer neuen Jugendpopulärkultur

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die 50er Jahre waren ein wirklich außergewöhnliches Jahrzehnt in der deutschen Nachkriegsgeschichte, da die Bundesrepublik noch jung und der NS-Staat noch im unmittelbaren Gedächtnis der Bevölkerung war, und das vom Krieg zerstörte Land nun wieder aufgebaut werden musste. Kaspar Maase beschreibt dieses Jahrzehnt des Aufbaus als eine Periode der „...verbissene[n] Entschlossenheit der Westdeutschen..., die den Nationalsozialismus zum Alptraum erklärten und nun mit aller Gewalt modern sein wollten.“[1] Passend zu diesem westdeutschen Aufbruch in die Modernität brachte der Münchner Kindler & Schiermeyer-Verlag am 26. August 1956 zum Preis von 50pf ein neues Zeitschriftenformat auf den Markt: Die „BRAVO – Zeitschrift für Film und Fernsehen“,[2] welche vor allem Einflüsse der amerikanischen Kulturindustrie zu den Westdeutschen, bzw. zur westdeutschen Jugend bringen wollte.[3] Zunächst war die Bravo als Unterhaltungsblatt für Menschen jeden Alters und jeder sozialen Stellung gedacht. Zielgruppen der sogenannten `BRAVO-Familie` waren Eltern, Großeltern sowie in einer Ausgabe auch „...gestandene Hamburger Hafenarbeiter...“[4]. Diese Zielgruppe schien erfolgversprechend zu sein, da amerikanische Musik und Filme zunächst auch für ein großes Publikum interessant schienen.[5] Jedoch fand die Bravo bald ihren größten Leserkreis in der westdeutschen Jugend: 1960 waren 36% der Leser zwischen 12 und 16 Jahren sowie 18% zwischen 17 und 20 Jahren.[6] Aufgrund der Berichterstattung über die privaten Freizügigkeiten mancher US-Stars, wurde der Bravo, vor allem von der Elterngeneration, schnell ein Platz am Rande der sogenannten „Kultur“ zugewiesen, die Maase mit „...Ordnung, Sauberkeit und Bildungsanspruch...“[7] definierte.

In der vorliegenden Arbeit möchte ich die Bravo und ihre inhaltlichen Bestandteile vornehmlich in den 50er Jahren ergründen sowie eine Einschätzung ihres kulturellen, kommerziellen und politischen Einflusses auf die westdeutsche Jugend versuchen.

2. Die inhaltlichen Bestandteile der BRAVO

2.1 Kulturimporte aus Übersee

Da Film- und Schallplattenimporte aus den USA auf dem bundesdeutschen Markt bereits einen großen Stellenwert hatten – im Jahr 1956 gehörten beispielsweise Elvis Presleys „Love me tender“ und der Schauspieler James Dean zu den begehrtesten US-Importen[8] - berichtete man über diese kulturellen Strömungen im großen Rahmen und schon das erste Bravo Titelblatt zierten Marilyn Monroe und Richard Widmark.[9] Schwerpunkt war die bebilderte Berichterstattung über amerikanische Stars wie Elvis Presley, Marlon Brando oder James Dean. Letzterer wurde als Verkörperung der neuen amerikanischen Lässigkeit gefeiert, die gerade „en vogue“ war. So war er mit vielen Filmbildern, Star-Aufnahmen wirklich privaten Fotos oft in der Zeitschrift vertreten.[10] Gerade weil die junge Zeitschrift eine bebilderte Berichterstattung, vor allem über die privaten Eskapaden der US-Stars, fokussierte, verlor sie schnell an Ansehen bei der Elterngeneration,[11]

konnte sich jedoch als wichtigste Informationsquelle des künstlerischen Lebens in Übersee für die bundesdeutsche Jugend etablieren.[12]

2.2 Kommentare und Glossen

Getreu ihrem Untertitel „Zeitschrift für Film und Fernsehen“ bereitete die Bravo Redaktion unter der Leitung von Peter H. Boenisch in ihrer ersten Ausgabe auch das neue Genre des US-„Westernfilms“ in einem Kommentar auf.[13] Damit wird deutlich, wie die Zeitschrift versuchte, einen Platz zwischen den Generationen und ihren unterschiedlichen moralischen Vorstellung zur sogenannten „Amerikanisierung“[14] einzunehmen, und die Thematik so aufzuarbeiten, dass in diesem Fall die elterlichen Argumente gegen das umstrittene Genre „Western“ mit den eigenen Wertvorstellungen entkräftet werden konnten:

`Die beliebte Behauptung, der >Western< trage wesentlich zur Verrohung unserer Jugend bei, ist ein sehr bequemes Märchen. Gewiß (sic!), es geht rauh (sic!)her, es wird geboxt und geschossen. Aber wo wäre die Moral simpler und durchschaubarer? Das Gute siegt, das Böse unterliegt. Und noch nie ist jemand ein Schurke geworden, nur weil er in der Jugend Karl May gelesen hat.`[15] Der obige Untertitel blieb der nach einem richtigen Profil

suchenden Bravo jedoch nicht lange erhalten, und fiel ab dem Heft 34 aus dem Jahr 1957 ganz weg.[16]

Einen weiteren inhaltlichen Aspekt bildete der „Otto“, eine Art Maskottchen, das in jedem Heft mit ein oder zwei Glossen vertreten war, die sich vermehrt auf aktuelle Einstellungen und Vorurteile der Deutschen, vor allem dem Amerikanischen gegenüber, bezogen.

Das typische Wahrnehmungsmuster des souveränen, lässigen, zivilen Amerikanischen und des zackigen, militärischen, ordnungsfixierten Deutschen wurde karikiert und somit aufgebrochen.[17] Anfang der 70er Jahre wurde der „Otto“ dann auch in Form einer kleinen goldenen Statue als Preis an die von den Lesern gewählten Lieblingsstars ausgegeben.[18]

2.3 Ratgeberfunktionen und traditionelle Werte

Ab dem Heft 32 aus dem Jahr 1958 gehörte auch die imaginäre „Steffi“ – ein Mädchen in bestem Teenageralter und aus „gutem Hause“ – zum festen inhaltlichen Bestandteil der Bravo. Zunächst veröffentlichte sie eine Tagebuchserie, dann begann „Steffi“ eine wöchentliche Kolumne über für Teenager bewegende Themen zu schreiben, sowie Leserbriefe und –fragen zu beantworten, bzw. diese Anregungen in ihrer Kolumne zu verwerten. Oftmals verteidigte sie die Einstellungen ihrer jungen Leser gegenüber den Ängsten der Elterngeneration und wirkte vor allem in Bezug auf veränderte Normen und Verhaltensweisen als ausgleichendes Element.[19]

Gleichzeitig passte „Steffi“ vor allem optisch in das traditionelle Frauenbild,[20] das in der Bravo gepflegt wurde: „Zum erstrebenswerten Wunschbild der BRAVO gehörten sauberes, glänzendes, kurzgelocktes oder andererseits langes, glattes, adrettes und pflegeleichtes Haar, strahlende Augen, lange, dichte und schwunghafte Wimpern, rosige Ohren, schön-geschwungene Lippen, glatte, zarte und nicht transpirierende Haut, ein weißer, zartschimmender (sic!) und fast durchsichtiger Teint, äußerst gepflegte Hände, [und] ein wohlproportionierter Körper...“.[21] Auch der Umstand, dass Steffis Mutter, eine ehemalige Schauspielerin, nun Mutter und Hausfrau war, passt zu den in der Bravo formulierten Lebenszielen für eine junge Frau:[22]

„[Die Bravo, Anm. d. Verf. ]...beläßt (sic!) es mit dieser Zuschreibung als einzige Möglichkeit für eine heranwachsende Frau, ihr Lebensziel als non plus ultra anzustreben: sich `den Richtigen` zu angeln , um alsbald unter die Haube zu kommen.“[23]

Auch der Großteil der weiblichen Stars, über die in der Bravo berichtet wurde, entsprachen dem traditionell sich den Wünschen der Männer anpassenden Frauenbild. Beispiele wären Doris Day, Audrey Hepburn und Sissi.[24] Insgesamt wurde „...der romantisch-häusliche Typ – in Verbindung mit einer heilen Welt stehend - ...“[25] von der Bravo sowohl in den 50er Jahren als auch in den 60er Jahren bevorzugt.

2.4 Deutsche Stars

Obwohl die bebilderte Berichterstattung über amerikanische Stars wie Elvis Presley, Marilyn Monroe oder James Dean im Vordergrund stand, fanden Ende der 1950er Jahre auch zunehmend deutsche Stars ihren Platz in der Jugendzeitschrift. Vor allem „das Traumpaar“ Conny Froboess und Peter Kraus wurden redaktionell aufgebaut. In den Jahren 1958 und 1959 zierte das Paar insgesamt elfmal die Bravo Titelseite und konnte von

den Lesern zu einem lebensgroßen Starschnitt zusammengeklebt werden. Auch ihre Filme, Schlager, „Lifestories“ und Meldungen aus ihrem Privatleben durchzogen die Bravo.[26]

Der sogenannte `Connyformismus`[27] prägte sämtliche Ausgaben der Bravo, das heißt auch Conny wurde auf das idealtypische Frauenbild `reizender Teenager`[28] und `frisches junges Mädchen`[29] reduziert, mit der Ausnahme „wirtschaftlich erfolgreich“.

Einheimische Stars in der Bravo bildeten Ende der 50er Jahre zwar ein Novum, jedoch standen ihre Karrieren oft mit amerikanischen Verkaufsschlagern auf dem westdeutschen Markt in Verbindung: Conny Froboess wie Peter Kraus begannen ihre Karrieren durch die Adaption von US-Hits.[30]

2.5 Politische Elemente

Nach dem Selbstverständnis der Bravo Redaktion war die Zeitschrift ein reines Unterhaltungsblatt, dass sich aus der Politik heraushielt. Trotzdem waren Stellungnahmen zum politischen Zeitgeschehen wie der Wiederaufrüstung und des Kalten Kriegs keine Seltenheit. Die Tendenz der Kommentare war antimilitärisch oder sogar antimilitaristisch, z.B. in der Otto Kolumne. Untermauert wurde diese politische Wegweisung durch die anti-militärisch, lässigen Haltungen mancher TV-Stars wie Marlon Brando. Er hatte in dem US-Kriegsfilm Die jungen Löwen die Rolle eines Offiziers inne, fühle sich aber – wie in der Bravo betont wurde- grundsätzlich in keiner Uniform wohl.[31]

In der Bebilderung zu dieser Filmrolle Brandos stand er ebenso als Zivilist und nicht als Soldat im Vordergrund.[32]

Ein anderes politisches Thema, das oft in der Bravo zur Sprache kam, war der Rassismus, vor allem in den USA. Obwohl in der Bravo insgesamt ein relativ positives Übersee-Bild entstand, wurde auch kritisch über gesellschaftspolitische Formen geurteilt. Beispiel für

[...]


[1] K. Maase: Bravo Amerika. S. 26.

[2] Vgl. Ebd. S. 104.

[3] Vgl. Ebd. S. 105.

[4] Ebd. S. 107.

[5] Vgl. Ebd. S. 107.

[6] Ebd. S. 104.

[7] Ebd. S. 111.

[8] J. Zinnecker: Jugendkultur 1940-1985. S. 30.

[9] K. Maase: Bravo Amerika. S. 105-106.

[10] Vgl. Ebd. S. 119.

[11] Vgl. Ebd. S. 111.

[12] Ebd. S. 106.

[13] Vgl. Ebd. S. 108.

[14] Ebd.

[15] Ebd.

[16] Vgl. Ebd. S. 104.

[17] Vgl. Ebd. S. 107.

[18] Vgl. H. Neißer: Die Jugendzeitschrift – Ihr Einfluss dargestellt am Beispiel „Bravo“. S. 21.

[19] Vgl. K. Maase: Bravo Amerika. S. 144.

[20] Vgl. Ebd. S. 143.

[21] S. Kral: Kleidungsstile Jugendlicher der 1950er und 1960er Jahre: Die Jugendzeitschrift BRAVO im Blickfeld kulturgeschichtlicher Überlegungen. S. 112.

[22] Vgl. K. Maase: Bravo Amerika. S. 143

[23] S. Kral: Kleidungsstile Jugendlicher der 1950er und 1960er Jahre: Die Jugendzeitschrift BRAVO im Blickfeld kulturgeschichtlicher Überlegungen. S. 112.

[24] Vgl. K. Maase: Bravo Amerika. S. 135.

[25] S. Kral: Kleidungsstile Jugendlicher der 1950er und 1960er Jahre: Die Jugendzeitschrift BRAVO im Blickfeld kulturgeschichtlicher Überlegungen. S. 125.

[26] Vgl. K. Maase: Bravo Amerika. S. 164.

[27] Ebd.

[28] Ebd.

[29] Ebd.

[30] Vgl. Ebd.

[31] Vgl. Ebd. S. 115.

[32] Vgl. Ebd. S. 114.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Jugendzeitschriften - Die BRAVO
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2.3
Autor
Jahr
2004
Seiten
13
Katalognummer
V53945
ISBN (eBook)
9783638492560
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendzeitschriften, BRAVO
Arbeit zitieren
Daniela Daus (Autor), 2004, Jugendzeitschriften - Die BRAVO, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53945

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