Vorherrschende Missstände in den Subsahara-Staaten, die den positiven Effekt des Freihandels auf die Wirtschaft verhindern


Hausarbeit, 2019

38 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Freihandel
2.1 Die Entstehungsgeschichte
2.2 Die wirtschaftliche Wirkungsweise
3 Die Subsahara-Staaten
3.1 Geschichte
3.2 Aktuelle politische und wirtschaftliche Situation

4 Argumentation für die Relevanz des Problems

5 Probleme und Missstände die den Freihandel verhindern
5.1 Unebene wirtschaftliche Machtverhältnisse
5.2 Politische Lage und fehlende Demokratie
5.3 Falscher Ansatz zur Etablierung des Freihandels
5.3.1 Die Rolle der Handelsorganisationen
5.3.2 Die Auswirkungen auf die afrikanische Wirtschaft
5.4 Die Wirtschaftliche Ausrichtung der Subsahara-Staaten

6 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Kurzfassung

Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit beschäftigt sich mit den komplexen Zusammenhängen und Auswirkungen des Freihandels auf die Subsahara-Staaten Afrikas. Es wird hierbei insbesondere untersucht, aus welchen Gründen diese wirtschaftliche Zone nicht wie die meisten anderen Regionen der Welt vom Freihandel profitiert. Das Ausbleiben der vielfältigen positiven Auswirkungen des Freihandels, wird mit vorherrschenden Problemen und Missständen, auf wirtschaftlicher und politischer Ebene, in Verbindung gesetzt. Primärer Fokus ist hierfür die Theorie des komparativen Vorteiles, die von dem berühmten Ökonomen David Ricardo entwickelt wurde.1

Abstract

The present dissertation outlines the complex relations and impacts, that free trade has on the Sub-Saharan states of Africa. Especially examined are possible reasons that might explain, why this economic region does not profit from free trade as much as other regions of the world. The absence of the various positive impacts of the free trade, will be corelated with existing economical and political problems and deficits. Primary focus for this, is the theory of the comparative advantage, which was developed by the famous economist David Ricardo.2

Schlüsselwörter

Afrika

Subsahara-Afrika

Freihandel

Handelsbeziehungen

Komparativer Vorteil

Wirtschaft

Handelspolitik

Probleme

Unebene Machtverhältnisse

Internationale Handelsorganisationen

Keywords

Africa

Sub-Saharan Africa

Free Trade

Trade Relations

Comparative Advantage

Economy

Trade Politics

Problems

Disproportionate distribution of power

International Trade Organizations

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 3.1: Übersicht der Subsahara-Staaten

Abbildung 3.2: Länder mit dem weltweit niedrigsten $-BIP pro Kopf (Stand 2018)

Abbildung 4.1: Afrikas wirtschaftliche „Offenheit“ (1960-2001)

Abbildung 4.2: Afrikas Anteil am Welthandel (1960- 1999)

Abbildung 4.3: Afrikas „Terms of Trade“(1965-1999)

Abbildung 5.1: Entwicklung des intra-afrikanisches Handels (SSA Region), in Mrd. $

Abbildung 5.2: Entwicklung des Weizenpreises an der CBoT Börse in $ pro gehan-.. delter Einheit

Tabellenverzeichnis

Tabelle 2.1: Ausbringungsmengen der exemplarischen Volkswirtschaften ohne Beachtung des komparativen Vorteils

Tabelle 2.2: Ausbrigungsmengen der exemplarischen Volkswirtschaften mit Beachtung des komparativen Vorteils

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Ein schnelles Frühstück bestehend aus Cornflakes und einer Tasse Kaffee aus Costa Rica, schnell noch eine WhatsApp-Nachricht an den Freund, der zurzeit in Hongkong lebt ins Samsung Handy eintippen, um dann mit dem geleasten Hyundai i30 zur Arbeit zu fahren. Längst nehmen wir die alltäglichen Auswirkungen der globalisierten Welt kaum noch bewusst wahr. Der Freihandel als Instrument und Wegbereiter dieser neuen, vernetzten Welt, ist heutzutage wohl spätestens nach den medialen Diskussionen um die verschiedenen Freihandelsabkommen, wie z.B. dem „North American Free Trade Agreement“ (NAFTA) jedem ein Begriff. Ihm ist ein großer Anteil am explosionsartigen Anstieg des Wohlstands der westlichen Welt, sowie der Aufschwung der einstigen Entwicklungsländer China und Indien zu globalen Wirtschaftsmächten zuzuschreiben. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten und so will sich in einigen Ländern dieser Welt, trotz ihrer intensiven Bemühungen am Erfolgskonzept der globalisierten Welt teilzuhaben, kein wirtschaftlicher Aufschwung einstellen. Gerade in den meisten afrikanischen Ländern südlich der Sahara, den SSA-Staaten, ist dieses Phänomen zu beobachten. Obwohl viele dieser Nationen aktiv versuchten durch Handelsliberalisierung den Freihandel zu etablieren, indem beispielsweise Zölle und Quoten gesenkt wurden, blieben die erhofften positiven Effekte dieser Maßnahmen allerdings aus. So stagniert einerseits das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) und auch weitere Indikatoren, die auf einen wirtschaftlichen und technologischen Fortschritt hinweisen blieben weitestgehend auf demselben Niveau.3

In dieser Arbeit werden daher die vorliegenden Probleme und Missstände untersucht, welche die positiven Auswirkungen des Freihandels in dieser Region verhindern. Die ersten beiden Kapitel der Arbeit befassen sich mit der Geschichte und einigen wesentlichen Merkmalen der beiden verschiedenen Untersuchungsobjekte – Freihandel und Subsahara-Afrika. Im darauffolgenden Textabschnitt wird für die thematische Relevanz des vorliegenden Problems argumentiert und im Hauptteil, werden schließlich vier der wichtigsten vorliegenden Missstände der SSA-Region aufgezeigt. Abschließend fasst die Arbeit im letzten Kapitel die Problematik des Themas in einem Fazit zusammen.

2 Der Freihandel

Wie bereits erwähnt ist der Freihandel heutzutage jedem ein Begriff, doch während ihn viele Menschen ausschließlich für ein Phänomen der letzten Jahrzehnte halten, geht die eigentliche Geschichte des Freihandels weit in die Vergangenheit zurück. Des Weiteren ist im allgemeinen Bewusstsein – mit Ausnahme einiger Gegner der Globalisierung – ebenfalls verankert, dass der Freihandel alles in allem wohl eine Erscheinung mit positiven Auswirkungen auf das Allgemeinwohl ist.

Um die vorherrschenden Probleme und Missstände aufzudecken, die in den Subsahara-Staaten die Effekte des Freihandels negativ verzerren, benötigt es allerdings ein tieferes Verständnis über die Geschichte, den wissenschaftlichen Hintergrund und die genaue Wirkungsweise des Freihandels.

2.1 Die Entstehungsgeschichte

Die Geschichte des freien Handels, also des freien und uneingeschränkten Tauschs von Waren, ist eigentlich so alt wie die Menschheit selbst. Die ersten populären und weitreichenden Einführungen von Handelsbarrieren wurden schließlich von den antiken Römern in Kraft gesetzt. Wollte ein Händler seine Waren über eine Provinzgrenze hinaus transportieren, musste er wertabhängig einen gewissen Abgabesatz entrichten. Bei der gewaltigen Größe des römischen Reichs waren diese Abgaben der Händler, trotz teilweise starker Korruption der Zollbeamten, eine überaus wichtige Einnahmequelle, welche unter anderem eine Stütze der langen römischen Erfolgsgeschichte war.

Diese und weitere Beispiele der Bereicherung durch Handelsbarrieren und aktiver wirtschaftspolitischer Eingriffe in den Wirtschaftsprozess, übernahmen nachfolgend viele Königreiche, Herzogtümer und sogar die Kirche in ganz Europa, um Einnahmen für Kriege, persönliche Bereicherung und Luxus zu generieren. Auf die Spitze getrieben wurde dieses System – bezeichnet mit dem Namen Merkantilismus4- schließlich von Großbritannien im Jahr 1815, nach den napoleonischen Kriegen. Es wurden bereits bestehende Einfuhrzölle auf Getreide, durch die sogenannten „Corn Laws“, noch weiter erhöht und als es in den folgenden Jahren zu einer wirtschaftlichen Krise kam, machten viele diese Gesetzte dafür verantwortlich.5

Nachdem sich die beiden berühmten Ökonomen Adam Smith, bereits 1776 in „Kritik am Merkantilismus“6und David Ricardo, 1817 in „Das Argument für den Freihandel: Komparativer Vorteil“7gegen das vorherrschende, merkantilistische System stellten, gründeten der einflussreiche Unternehmer Richard Cobden und der Parlamentsabgeordnete John Bright im Jahr 1839 die berühmte „Anti-Corn Law League“ - die Geburtsstunde der Verfechtung freieren Handels hatte geschlagen. Durch eine schwere Dürre im Jahr 1845 und die folgenden Ernteausfälle, sowie die aufkeimende Begeisterung für die von Smith und Ricardo entwickelten Theorien zum Freihandel, stand der damalige Premierminister so stark unter Druck, dass er schließlich die Zölle auf Getreide aufheben musste.8

Nach und nach breitete sich die Zollaufhebung auf die verschiedensten Warengruppen aus und schon 15 Jahre später standen in Großbritannien nur noch 20 Luxusgüter, wie Wein, Bier und Tabak, unter Einfuhrzöllen. Die Theorien und Praktiken im Sinne des Freihandels, verbreiten schließlich über ganz Europa und Nordamerika und es kam das erste Mal in der Menschheitsgeschichte zu einem gemeinsamen Markt in Europa. Ohne eine übergeordnete Kontroll- und Steuerungsinstanz, sowie der Tatsache, dass die meisten geschlossenen Verträge nur bilateraler Natur waren, wandten sich allerdings fast alle Staaten ab dem Jahr 1875 wieder protektionistischen Systemen zu – bedingt durch sehr billige Getreideimporte aus Nordamerika und Russland, sowie einer schweren Wirtschaftskrise.9

Die Rückkehr zum Protektionismus war sicherlich auch einer der Faktoren für die politischen Unruhen in den nächsten Jahren, die schließlich in zwei Weltkriegen endeten. Diese schreckliche Zeit wandelte das Bewusstsein der verschiedenen Nationen und so wandte man sich nach den Kriegen wieder der globalen Verflechtung und dem Freihandel zu. So wurden 1947 unter amerikanischer Initiative die „General Agreements on Trade and Tariffs“ (GATT), als „[…] multilateraler Verhandlungsrahmen […]“10ins Leben gerufen. 23 souveräne Staaten einigten sich darauf ihre Handelsbarrieren schrittweise abzubauen. Diese Übereinkunft gilt als der bahnbrechende Wegbereiter für den rasanten wirtschaftlichen Aufschwung der westlichen Welt und dem Anfang der Globalisierung wie wir sie heute kennen. 1995 entstand aus dieser vertraglichen Übereinkunft schließlich die World Trade Organisation (WTO), die Anfang 2017 insgesamt 164 Mitgliedsstaaten zählte und ca. 98% des Weltweiten Handels11umfasst.12

2.2 Die wirtschaftliche Wirkungsweise

Um die positiven Auswirkungen des (Frei-) Handels auf die Wirtschaft wissenschaftlich zu erklären und darzustellen, eignet sich die von David Ricardo entwickelte Theorie des komparativen Vorteils optimal.13Der Einfachheit halber wird für diese Theorie angenommen, dass in den betrachteten Ländern Vollbeschäftigung herrscht und keinerlei Handelsbarrieren existieren. Zur Erklärung werden außerdem folgende Gegebenheiten angenommen:

Gegeben sind zwei Länder, in diesem Fall England und Spanien, in denen jeweils nur Brot und Wein produziert wird. Die gesamte Arbeitsleistung beider Länder pro Periode beträgt 200 (Arbeits-) Stunden. Während Spanien nur eine Stunde Arbeit benötigt um eine Flasche Wein herzustellen, benötigt England für dieselbe Ausbringungsmenge an Wein jedoch zwei Stunden. Umgekehrt allerdings werden in England nur 0.5 Stunden Arbeitszeit benötigt um ein Laib Brot herzustellen, während Spanien dafür ganze zwei Stunden braucht. In Tabelle 2.1 stehen die gesamten Ausbringungsmengen der beiden Volkswirtschaften unter der Annahme, dass keinerlei Handel vorherrscht und die vorhandenen Arbeitsstunden genau zwischen diesen beiden Produkten aufgeteilt wurden.14

Insgesamt hätten beide Volkswirtschaften zusammen also eine Ausbringungsmenge von 300 Flaschen Wein und 500 Broten. Nun kommt die Theorie des komparativen Vorteils ins Spiel. Denn während Spanien effizienter darin ist Wein herzustellen, da sie für eine Mengeneinheit (ME) weniger Arbeitszeit benötigen als für eine ME Brot, ist England hingegen sehr viel effizienter in der Herstellung von Brot anstelle von Wein. Spanien hat also einen komparativen Vorteil in der Herstellung von Wein, während England einen komparativen Vorteil in der Produktion von Brot hat.15

Tabelle 2.1: Ausbringungsmengen der exemplarischen Volkswirtschaften ohne Beachtung des komparativen Vorteils

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung.

Die von David Ricardo entwickelte Theorie besagt, dass maximaler Wohlstand erreicht werden kann, indem sich jede Volkswirtschaft vollkommen auf die Herstellung des Guts beschränkt, in der sie am effizientesten ist und somit den komparativen Vorteil hat. Die überschüssigen, nicht im Inland benötigten Waren werden mit dem Ausland handelt. Übertragen auf unser Beispiel hätten wir also folgende Ausbringungsmengen (Tabelle 2.2):

Tabelle 2.2: Ausbringungsmengen der exemplarischen Volkswirtschaften mit Beachtung des komparativen Vorteils

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung.

Insgesamt betrachtet wurden sowohl mehr Flaschen Wein (100 Stück) als auch 300 mehr Laib Brote hergestellt. Würde England nun beispielsweise 100 Brote gegen 100 Flaschen Wein aus Spanien tauschen, so hätten nun beide Volkswirtschaften jeweils die Mengeneinheiten an Wein und Brot verfügbar, wie bei der vorherigen Betrachtungsweise ohne Spezialisierung und Handel und zusätzlich 100 Flaschen Wein (Spanien), beziehungsweise 200 Laib Brot (England). Genau diese Theorie der Spezialisierung und des anschließenden Handels, haben sich die erfolgreichen Volkswirtschaften die letzten Jahrzehnte zu Nutze gemacht und je weniger dieses System durch Handelsbarrieren wie Zölle und Quoten beschränkt wurde, desto effektiver war es.16

Nach dieser theoretischen Betrachtung und Darstellung, wie genau die Nationen vom freien Handel profitieren, stellt sich die Frage, warum nicht auch die ärmsten Länder Afrikas auf diesen Zug aufspringen können und durch Handel zu Wirtschaftswachstum und Wohlstand kommen.

3 Die Subsahara-Staaten

Um die derzeitig vorherrschenden Missstände, die den Freihandel in den Staaten südlich der Sahara untergraben, nachvollziehen und verstehen zu können, braucht es auch eine zumindest grobe Übersicht über die Geschichte und die aktuelle wirtschaftliche und politische Situation der Region.

3.1 Geschichte

Subsahara-Afrika - ehemals als „Schwarzafrika“ bekannt – bezeichnet, wie der Name schon sagt, eigentlich die Gesamtheit aller afrikanischer Staaten südlich der Sahara-Wüste (siehe Abbildung 3.1).

Abbildung 3.1: Übersicht der Subsahara-Staaten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Stepmap (20.12.2018).

Der Fokus dieser wissenschaftlichen Arbeit liegt allerdings hauptsächlich auf den Ländern, die sich relativ zentral im Kontinent befinden, keinen eigenen Landzugang zu den umliegenden Ozeanen besitzen und durch eine hohe Armut bzw. durch ein sehr geringes BIP geprägt sind. Dazu gehören z.B.: Demokratische Republik Kongo, Südsudan, Burundi, Malawi, Zentralafrikanische Republik, Mosambik, Niger, Burkina Faso, Uganda, Togo, u.v.m.17

Ein unumstrittener Fakt ist, dass Afrika als die Wiege der Menschheit gilt. Sowohl der homo erectus, als auch der moderne homo sapiens entwickelten sich auf diesem Kontinent und eroberten schließlich die ganze Welt. Durch die Sahara abgeschnitten, blieb der Großteil des Subsahara-Kontinents allerdings von den kulturellen Aufstiegen und Errungenschaften der restlichen Welt nahezu unberührt. Einzig das antike Großreich Ägypten hatte wohl eine prägende Wirkung auf die Zivilisationen der umliegenden Gebiete. Während sich Nordafrika ab dem 7. Jahrhundert islamisierte, blieben die meisten angrenzenden Regionen ihren Stammesreligionen treu.18

Bis ins späte Mittelalter gab es vor allem in Nord-West Afrika immer wieder aufstrebende Nationen wie z.B. das Großreich von Ghana, Kanem, Mali oder Songhai, die vor allem durch den Handel mit dem islamisierten Nordafrika zeitweise auch sehr wohlhabend waren, allerdings nie allzu lange Bestand hatten. Da es nahezu keine schriftlichen Dokumentationen über die restlichen Gebiete zu dieser Zeit gibt, ist über die frühe Entwicklung des Großteils von SSA bis ins 15. Jahrhundert wenig bis gar nichts bekannt.19

Ab dann begann die Kolonisation durch die Europäer, die sich zunächst auf die Gebiete der West- und Südküste beschränkte. Ende des 18. Jahrhunderts mündete dies allerdings in einem beispiellosen Kolonisationswettlauf, der schließlich ganz SSA (bis auf die Ausnahme des heutigen Äthiopiens) unter die Kontrolle der ausländischen Herrscher brachte. Da die Kolonialherren vor allem auf ihren persönlichen (wirtschaftlichen) Nutzen und den ihres Landes bedacht waren und nicht im Geringsten daran interessiert wirtschaftlich und politisch stabile Nationen aufzubauen, wurden die meisten eroberten Länder systematisch unterdrückt und ausgebeutet.20

Sklavenhandel und die gewaltsame Verwaltung und Kontrolle durch die Fremdherren, waren vor allem in den ersten Jahrzehnten der Kolonisation an der Tagesordnung. Investitionen in die sowieso schon unterentwickelte Bildung, Infrastruktur und politischen Systeme gab es zu dieser Zeit quasi gar nicht und die Volkswirtschaften wurden auf die gut handelbaren Primärrohstoffe (z.B. Tabak, Zucker, Kaffee, Baumwolle) zwangsausrichtet. Diese Missstände dauern noch bis heute an und werden in einem späteren Kapitel genauer betrachtet.21

Ab dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann schließlich eine, oftmals gewaltsame, Dekolonisationswelle, welche nach einigen Jahren alle afrikanischen Staaten in die Unabhängigkeit führte. Die von den Kolonialherren willkürlich durch Bevölkerungsgruppen und Regionen gezogenen Nationsgrenzen blieben allerdings bestehen und sorgen bis heute für regionale Machtkämpfe und politische Unruhen. Während des Kalten Kriegs waren viele SSA-Nationen Spielbälle der beiden Supermächte USA und UDSSR und somit in Stellvertreterkriege und Interessenskonflikte verwickelt, von denen sie sich teilweise bis heute nicht erholten.22

3.2 Aktuelle politische und wirtschaftliche Situation

Obwohl man nicht alle Staaten in SSA über einen Kamm scheren kann und eine differenzierte Betrachtungsweise der einzelnen Nationen definitiv ein paar wenige, politisch und wirtschaftlich stabile Nationen ins Bilde rufen würde, kann man die allgemeine wirtschaftliche Situation der Region gleichwohl mithilfe der Abbildung 3.2 grob verallgemeinern. So sind unter den 20 Ländern mit dem geringsten BIP pro Kopf weltweit ganze 15 Staaten vertreten, die der SSA-Region zugeordnet werden. Während einige renommierte Wirtschaftsprüfer wie McKinsey und Ernst & Young, sowie der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank, Afrikas Entwicklung und Zukunftsaussichten nahezu überschwänglich positiv betrachten, sind die meisten anderen Stimmen aus der Wirtschaft durchaus pessimistischer.23

Aus einem Report des German Institute of Global and Area Studies (GIGA) geht beispielsweise hervor, dass die meisten der SSA-Länder politisch und wirtschaftlich weiterhin sehr instabil und risikoanfällig sind.24Weite Teile der Region sind außerdem noch stark von Stammeskulturen beherrscht, was mit einem fehlenden Nationalbewusstsein und erheblichen Demokratiedefiziten einhergeht. Auch eine hohe Korruptionsquote, sowie der Machtmissbrauch und die persönliche Bereicherung politischer Eliten, behindern das Wirtschaftswachstum der SSA-Staaten.25

[...]


1 Ricardo 1817, S. 85-103.

2 Ricardo 1817, S. 85-103.

3 Skibbe 2017.

4 Wirtschaftslexikon Gabler 2018a.

5 Bundeszentrale für politische Forschung 2018.

6 Smith 1776, zitiert nach Doering 2004, S. 29-44.

7 Ricardo 1817, S. 85-103.

8 Bundeszentrale für politische Forschung 2018.

9 Bundeszentrale für politische Forschung 2018.

10 Bundeszentrale für politische Forschung 2018.

11 Bundeszentrale für politische Forschung 2017.

12 Bundeszentrale für politische Forschung 2018.

13 Ricardo 1817, S. 85-103.

14 Ricardo 1817, S. 85-103.

15 Ricardo 1817, S. 85-103

16 Ricardo 1817, S. 85-103.

17 Statista 2018.

18 Wikipedia 2018.

19 Wikipedia 2018.

20 Wikipedia 2018.

21 Wikipedia 2018.

22 Wikipedia 2018.

23 Kappel / Pfeiffer 2013, S. 7ff.

24 Kappel / Pfeiffer 2013, S. 9.

25 Stiglitz 2002, S. 52f.

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Vorherrschende Missstände in den Subsahara-Staaten, die den positiven Effekt des Freihandels auf die Wirtschaft verhindern
Hochschule
Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft
Note
1,3
Jahr
2019
Seiten
38
Katalognummer
V539531
ISBN (eBook)
9783346183545
ISBN (Buch)
9783346183552
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Afrika, Handel, Volkswirtschaft, Politik, Subsahara-Afrika, Subsahara-Staaten, Freihandel, David Ricardo, Komparativer Vorteil, Handelspolitik, Ausbeutung, Machtverhältnisse, Handelsorganisationen, Internationale Handelsorganisationen, IWF, WHO, Internationaler Währungsfond, Handelsbeziehung, 3. Welt, Probleme, Missstände, VWL, Volkswirtschaftslehre, Unebene Machtverhältnisse, Demokratie, Geschichte, Afrikanische Wirtschaft, Konolisation, Terms of Trade, WTO, World Trade Organization, Welthandelsorganisation
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Vorherrschende Missstände in den Subsahara-Staaten, die den positiven Effekt des Freihandels auf die Wirtschaft verhindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539531

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