Fußball und Gewalt. Inwieweit ist Fußball ein Kampfspiel?


Seminararbeit, 2012

10 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erklärungsversuche für Gewaltausübung im Fußballsport

3. Gewalt in Stadien im deutschen Fußball
3.1 Spielergewalt
3.2 Fangewalt

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Fußball, ein Kampfspiel? Immer wieder wird von Ausschreitungen bei Fußballspielen berichtet. Dresden, Köln, Frankfurt, Karlsruhe, Kaiserslautern, all dies sind Städte mit Vereinen, die dadurch negative Schlagzeilen machten, um nur ein paar zu nennen. Erhitzte Gemüter und Rudelbildungen bei Spielern sowie randalierende Fans seien nunmehr Alltag in deutschen Stadien geworden, die vor Gewalt nicht zurückschrecken. Aber gehört deshalb Gewalt zum Fußball in deutschen Stadien dazu? Wie sieht diese Gewalt genau aus?

In der vorliegenden Arbeit sollen im Fußball vorhandene Gewalttaten kurz dargestellt, anhand von Spieler- und Fangewalt analysiert und die Vereinbarkeit mit dem Fußballsport erläutert werden. Als theoretischer Rahmen wird dabei eine allgemeinere, auf den Sport bezogene Gewaltdefinition verwendet, die gewalttätiges Handeln nicht nur beschreiben, sondern auch die Ursachen herausarbeiten soll (Kap. 2). Anschließend werden in Kapitel 3 die Formen der Gewalttaten innerhalb des Fußballstadions untersucht. Anhand der Einbindung konkreter Beispiele soll die Gewalt im Stadion durch Spieler (Kap. 3.1) sowie Fans (Kap. 3.2) aufgezeigt werden. Zuletzt werden zentrale Befunde zusammengefasst.

2. Erklärungsversuche für Gewaltausübung im Fußballsport

Versucht man, den Begriff Gewalt zu definieren, so wird schnell deutlich, wie vielschichtig und komplex dieser Begriff zu sein scheint und er deshalb nicht eingrenzbar ist (vgl. Roose/Schäfer/Schmidt-Lux 2010: 250). Im weiteren Sinn steht das Verb waldan, aus dem sich Gewalt ableitetet, für Macht haben und etwas beherrschen können (vgl. Imbusch 2002: 29). Es wird daher von vorneherein impliziert, dass es mindestens zwei verschiedene Beteiligte gibt: denjenigen, der Gewalt ausübt (Täter) und denjenigen, der des Täters Gewaltausübung erleidet (Opfer) (vgl. ebd.: 34). Klassifizieren und einordnen kann man Gewaltausübung näher, wenn man betrachtet, wer daran beteiligt ist, was, wie und warum es geschieht (vgl. ebd.). Primär bezieht sich eine enge Gewaltauslegung auf die reine physische Verletzung des Opfers, aber man sollte den Begriff durch psychische Gewalt wie verbale Äußerungen erweitern (Roose/Schäfer/Schmidt-Lux 2010: 251). Allerdings muss sich Gewalt nicht zwangsläufig gegen Personen richten, auch Sachbeschädigungen kommen häufig vor (vgl. Imbusch 2002: 45). Letztendlich kann Gewalt aber in unterschiedlichsten Formen mit unterschiedlichsten Mitteln angewendet werden und bleibt dem Täter vorbehalten (vgl. ebd.: 35).

Die Frage nach den Ursachen und Absichten eines Gewaltaktes sind ebenso vielschichtig wie der Gewaltbegriff selbst (vgl. ebd.). Einige Ursachen von Gewaltanwendung sind gerade auch Erklärungsansätze für Gewalt im Fußballsport und finden deshalb hier Beachtung. Schon im Kindheitsalter werden für eine „kriminelle Laufbahn“ entscheidende Weichen gelegt. Erhält ein Kind eine mangelhafte Erziehung, sodass es „Sozialisationsdefizite“ aufweist, kann dies aufgrund fehlender Verinnerlichung von Recht und Unrecht zu Gewalt und Kriminalität führen. Verstärkt werden kann dies unter anderem auch durch äußeren sozialen Druck, der entsteht, wenn Armut oder Arbeitslosigkeit vorherrschen (vgl. Ostendorf 2010: 13). Des Weiteren kann gewalttätiges Verhalten auch durch katastrophale elterliche Vorbilder oder Gleichaltrige erlernt werden. Auslöser für solch ein deviantes Verhalten können oft erlittene und miterlebte Gewalt sein, weil das Kind nicht weiß, dass dieses Verhalten verwerflich ist (vgl. ebd.: 13f.). Gewalt im Alltag durch mangelnde Sozialisation oder miserable Vorbilder kann auch bei Fußballfans, die überwiegend männlich sind und früher häufiger aus unteren Schichten stammten[1], im Stadion ausgelebt werden (vgl. ebd.).

Einer der wichtigsten Aspekte, die zur Gewalt beitragen können, sind jedoch die Emotionen. Verfallen diese zu Ärger, Frustration und Enttäuschung zum Beispiel über die Niederlage der eigenen Mannschaft, kann sich dies in gewalttätigen Aktionen von Spielern oder Fans niederschlagen. Es werden Sündenböcke gesucht, an denen man dann den „Schmerz“ auslassen kann, um so die Konfliktsituation überwinden zu können (vgl. ebd.: 15).

Als äußerer Faktor von Gewalt können nicht nur Emotionen verstanden werden. Auch die Polizei kann einen gewalttreibenden Faktor darstellen. Als ordnungspolitische Instanz können Fans die Polizei als Provokation verstehen, die ihre eigene Szene als gefährlich einstuft. Die Polizei wird als „intervenierender Emotionsregulator“ deshalb häufig selbst zum Feindbild, was Anlass für Ausschreitungen sein kann (vgl. Roose/Schäfer/Schmidt-Lux 2010: 258).

Im Fußball muss man allgemein von sozialisationsbedingten Gewaltursachen sowie von situationsbedingten Ursachen ausgehen. „Welche Aspekte schließlich für das Ausbrechen der Gewalt verantwortlich sind, lässt sich nicht pauschalisieren, die Zusammensetzung und Gewichtung der Faktoren ändert sich von Spiel zu Spiel“ (Aschenbeck 1998: 113). Von wem Gewalt im Stadion ausgehen kann, sind in der Regel zwei Hauptakteure, Spieler und Fans. Beide werden nun näher beleuchtet.

3. Gewalt in Stadien im deutschen Fußball

3.1 Spielergewalt

Fußball ist und bleibt ein körperbetontes Spiel, dass aber von vorneherein keine Verletzungen der Gegner vorsieht und nur reglementierte Gewalt akzeptiert (vgl. Dunning 2002: 1131). Von regelwidrigem Verhalten kann dann nicht gesprochen werden, wenn unabsichtlich und aus Versehen eine Verletzung des Gegenspielers mit einem Foul herbeigeführt wird. Anders ist die Lage bei bewussten regelwidrigen Handlungen. Auf dem Platz kann es zu Rivalitäten und Spielweisen kommen, die gegen Regeln verstoßen und das Fair-Play-Ethos des Sports vermissen lassen (vgl. ebd.). Dann, wenn Sportler insbesondere den Sport nicht mehr nur als Spiel betrachten und zu verbissen „kämpfen“, kann es zu Gewalttätigkeiten kommen. Wenn der Triumpf den höchsten Stellenwert erhält, verhalten sich Sportler häufiger aggressiv, um ihren totalen Siegeswillen unter Beweis zu stellen (vgl. ebd.: 1140). Diese Aggressivität wird im Fußball dadurch verschärft, dass Fußball ein männlich dominiertes Umfeld darstellt. In diesem männlich geprägten Umfeld geht es besonders um „Männlichkeitsbeweise“, die oft mit Gewalt einhergehen, denn dabei dienen Diskriminierungen und Gewalt als Wiederherstellungsinstrument von Männlichkeit (vgl. Meuser 2008: 127).

Beispiele gibt es hier zu Genüge. Der Kopfstoß Zinédine Zidanes an Marco Materazzi beim Finale der Weltmeisterschaft 2006 war eindeutig eine Tätlichkeit[2], die mit Rot geahndet wurde. Dennoch war es Materazzi, der zuvor mit beleidigenden, verletzenden Äußerungen die Tätlichkeit Zidanes provoziert hatte, sodass auch er von der FIFA im Nachhinein bestraft wurde (vgl. Stern 2007). Wayne Rooney trat Portugals Ricardo Carvalho bei demselben Turnier in den Genitalbereich. Auch Rooney musste dann den Platz verlassen (vgl. Daily Mail 2006).

[...]


[1] Durch die Bildungsexpansion wurden Fans häufiger auch aus anderen Schichten rekrutiert (vgl. Gabler 2009: 86).

[2] Tätlichkeiten sind Regelwidrigkeiten, die mit körperlicher Gewalt gegen einen Gegner vorgehen. Insbesondere im Fußball werden Tätlichkeiten direkt mit der Roten Karten bestraft und auch im Nachhinein unter Vorbehalt des Sportgerichts Sanktionen verhängt, da ein Spieler das Ethos des Fair Play immer hochhalten muss. Siehe Näheres hierzu unter: https://www.dfb.de/verbandsservice/verbandsrecht/dfb-sportgericht/sportgerichtsverfahren/, zugegriffen 10.08.2012.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Fußball und Gewalt. Inwieweit ist Fußball ein Kampfspiel?
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,0
Jahr
2012
Seiten
10
Katalognummer
V539585
ISBN (eBook)
9783346147370
ISBN (Buch)
9783346147387
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fußball, Gewalt, Fans, Männlichkeit, Ultras, Hooligans, Fanszene
Arbeit zitieren
Anonym, 2012, Fußball und Gewalt. Inwieweit ist Fußball ein Kampfspiel?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539585

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Fußball und Gewalt. Inwieweit ist Fußball ein Kampfspiel?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden