Motive und ihre Symbolik im Roman "Effi Briest" von Theodor Fontane


Akademische Arbeit, 2019

75 Seiten, Note: 1

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Theoretische Grundlagen des Romans
1.1 Der historische Hintergrund
1.2 Gesellschaftsroman
1.3 Die Form des Romans
1.4 Autobiographische Elemente

2. Inhalt des Romans
2.1 Kurze Wiedergabe des Inhalts
2.2 Die Figuren des Romans
2.3 Die Darstellung der Realität im Roman

3. Symbole und Motive
3.1 Die stilistischen Mittel im Roman
3.2 Analyse der Symbole und Motive

4. Zusammenfassung

5. Bibliographie

Einleitung

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist, die Motive und ihre Symbolik in dem Roman „Effi Briest“ von Theodor Fontane zu beschreiben. Die Motive, die in der Literatur berührt werden, haben unterschiedliche Grundlagen. Theodor Fontane hatte mit seinem Werk das Ziel, die gesellschaftlichen Umstände seiner Zeit, ihre Licht- und Schattenseiten zu veranschaulichen. Er hat das auch auf seine spezifische Art und Weise gemacht, indem er mit Humor, Kritik, sowie mit bestimmten sprachlichen Mitteln zu Bewusstsein der Gesellschaft gekommen ist.

Dieses Ziel zu erreichen, war jedoch keine einfache Aufgabe. Aus diesem Grunde hat der Autor entschieden, aus besonderen Formen der Literatur Gebrauch zu machen. Fontane hat nämlich eine Ehebruchgeschichte als Gesellschaftsroman ausgedrückt, wobei er auch besondere Motive und Symbole hervorgehoben hat.

Im Zusammenhang damit wurde auch die vorliegende Arbeit gestaltet. Das erste Kapitel beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen des erwähnten Themas. Im ersten Teil wurden die historischen Umstände der Zeit dargestellt, die in „Effi Briest“ vorgezeigt wurde. Außerdem enthält auch dieses Kapitel die Erklärung der Gattung des Gesellschaftsromans, sowie die Charakteristik dieser literarischen Ausdrucksform. Da der Gesellschaftsroman eine Kategorie des Romans ist, wurde auch diese Gattung angenähert. Theodor Fontane hat auch in seinem Werk auf autobiographische Elemente angespielt, deshalb bezieht sich auch das erste Kapitel auf diese Gegebenheiten.

In dem zweiten Kapitel wurde der Inhalt des Romans beschrieben. Das ist wichtig, um das Plot wirklich zu verstehen und sich in die Lage der handelnden Figuren zu versetzen. Im Zusammenhang damit steht auch die Darstellung der Hauptgestalten des Romans, die in diesem Kapitel auch angegeben wurde. Hier wurde auch auf die Beziehungen zwischen bestimmten Figuren eingegangen. Eine solche Auffassung ermöglicht, die Motivation und die Impulse zu analysieren, die die Gestalten zum Handeln anreizen, sowie ihr Benehmen erklären. Das zweite Kapitel beschäftigt sich auch mit der Wirklichkeit, die in dem Roman den Hintergrund der Handlungen zeichnet. Diese Realität wurde auch aus der Perspektive eines Literaten analysiert, das heißt, verschiedene Ebenen und Dimensionen der literarischen Wirklichkeit wurden in diesem Teil präsentiert.

Das dritte Kapitel betrifft die Motive und Symbole, die in „Effie Briest“ auftauchen. Im ersten Teil dieses Kapitels wurde auf unterschiedliche stilistischen und sprachlichen Mittel verwiesen, die von Theodor Fontane gebraucht wurden. Diese Tools wurden auch durch Beispiele veranschaulicht. In dem zweiten Teil wurden bestimmte Symbole dargestellt und analysiert, nach denen der Schriftsteller gegriffen hat, um spezifische Inhalte auszudrücken.

1. Theoretische Grundlagen des Romans

„Effi Briest“ von Theodor Fontane ist ein Roman, der voll von Anspielungen, Präfigurationen, Symbolen und kunstvollen Konstruktionen ist. Theodor Fontane hat selbst unterstrichen, dass er dieses Buch wie mit einem Psychographen geschrieben hat. Er hat nämlich viele Korrekturen eingeführt, die mit einer enormen Arbeit verbunden wurden. Man hat sogar versucht, die Korrekturphasen zu entschlüsseln und die Vorstufen zu Fontanes Romanen zu erschließen. Eine solche Vorgehensweise gibt die Möglichkeit, seine Werke auf historisch-kritischen Ebene zu betrachten.1

Man weiß also, dass Theodor Fontane einige Konzepte in Bezug auf den Roman „Effi Briest“ gehabt hat. Die ersten Abfassungen von „Effi Briest“ geben kaum eine Möglichkeit, ihre Darstellungsweise zu rekonstruieren, weil sie nicht mehr vorhanden sind. Nur die einzelnen Ausschnitte sind übriggeblieben, die jedoch keinen Einblick in di ursprünglichen, theoretischen Methoden und Vorgehensweisen des Schriftellers vermitteln. Bestimmte Randbemerkungen sowie Erklärungen und Andeutungen Fontanes, die sich auf die Herkunft, Entstehung und Entwicklung, als auch auf die Stofffindung des Romans beziehen, können der reichen Korrespondenz des Autors entnommen werden, die in umfangreichen Fragmenten beibehalten wurde. Demzufolge kann man feststellen, dass der Autor mit dem Inhalt seines Werkes auf bestimmte gesellschaftliche Ereignisse anspielt. In diesem Fall erwähnte der Schriftsteller einen Ehebruchsskandal, zu dem im Jahre 1886 gekommen ist.2

Fontane hat gründlich die Grundlagen dieser gesellschaftlichen Sensation analysiert, wobei er zu der Überzeugung gekommen ist, dass diese Geschichte beschrieben werden soll. Da er keine Einzelheiten verschweigen wollte, hat er sich der psychographischen Methoden bedient. Diese Methoden betreffen eine Beschreibung der Vorgänge, die als Eingebung und Offenbarung die literarische Produktion aktivieren und beschleunigen.3

Die theoretischen Grundlagen des Romans „Effi Briest“ sind jedoch nicht nur in dem Aspekt von Fontanes Konzepten oder in seinem persönlichen Engagement zu finden. Die theoretischen Grundlagen dieses Romans werden auf der Basis von gesellschaftlich-historischen Gesichtspunkten aufgebaut. Außerdem ist es von Bedeutung, dass dieser Roman ein Gesellschaftsroman, oder genauer gesagt, ein Ehebruchroman ist. Das ist eine typische Gestaltung nicht nur von Fontanes Romanen, sondern auch von den Werken von anderen Autoren damaliger Epoche. Aus diesem Grunde soll diese Gattung näher beschrieben werden, um herauszufinden, inwieweit „Effi Briest“ den grundsätzlichen Kanonen entspricht. Im Allgemeinen soll auch die generelle Form des Romans dargestellt werden, um die Kennzeichen dieser Gattung in dem analysierten Roman zu betonen.

Es wurde auch oben unterstrichen, dass Theodor Fontane viele Elemente seiner Werke auf seine eigenen Erfahrungen und auf seine eigenen Erlebnisse bezogen hat. Aus diesem Grunde soll auch analysiert werden, welche autobiographischen Aspekte von dem Schriftsteller in seinem Buch enthalten wurden.

1.1 Der historische Hintergrund

Der Roman „Effi Briest“ von Theodor Fontane stellt das Leben, die Schicksale, sowie die Zerrissenheit und Zweifel einer jungen Frau, die im ausgehenden 18. Jahrhundert, zur Zeit Bismarcks Regierung abgespielt wurden. Man könnte natürlich vermuten, dass derartige Literatur unter rein geschichtlichen Bedingungen erörtert werden sollte. Die Leidenschaft, der Reiz und die Faszination Fontanes bewegt sich rund um das immer aktuelle Thema, und nämlich die Unterdrückung der Frauen, ihre untergeordneten gesellschaftlichen Funktionen, die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft, sowie um den sexuellen Missbrauch.4

In den Romanen von Theodor Fontane spielen Frauenschicksale die erste Geige. Die historische Grundlage, von der feministischen Literaturtheorie zusammengebracht, soll also die Situation der Frau im Preußen des 19. Jahrhunderts in Betracht ziehen, weil darauf Fontane in seinen Romanen angespielt hat. Solche Aspekte, wie Ehe, Ehebruch oder Frauenbewegung waren im Deutschland des zu Ende gehenden 19. Jahrhunderts von großer Bedeutung. Außerdem sollen auch die Folgen der ständigen Kontrolle, der Nichtachtung, der Unfreiheit, der Einschränkungen, sowie der Geringschätzung der Frauen für die ganze Gesellschaft dargestellt werden. Die Vermännlichung, die in den Schlüsselbereichen des Lebens vorhanden war, stand oft mit den tragischen und überwältigenden Folgen im Zusammenhang. Die preußische Gesellschaft im 19. Jahrhundert musste mit solchen Umständen, wie Militarismus, strenge Sitten, totale Verneinung der Gefühle, die Pflicht, immer geradezustehen, die Unterdrückung der Frauen mit niedriger gesellschaftlicher Stellung, der Kinder, Tiere und Arbeiter zurechtkommen.5

Der Roman von Theodor Fontane „Effi Briest“ berührt unterschiedliche historisch-gesellschaftliche Gegenstände, die in damaliger Zeit für wesentlich gehalten wurden. Der geschichtliche Fokus liegt auf folgenden Schwerpunkten:

- Feminismus;
- Krieg zwischen den Geschlechtern;
- Stellung der Frau in der Gesellschaft;
- Schuldproblematik;
- Ehebruch;
- Schuld, die von den Eltern getragen wird.6

Dabei soll man vor allem das Problem der Frauenbewegung gründlicher darstellen. Der erste Frauenbildungsverein wurde in Leipzig im Jahre 1865 gegründet. Seit dieser Zeit wurde diese Bewegung grundsätzlich verstärkt. Sie beschäftigten sich mit unterschiedlichen Themen, unter anderem mit Bildungsforderungen, sowie mit dem Frauenwahlrecht. Die Tätigkeiten, die die Frauenbewegungen unternommen haben, wurden als eine Wende von der Gesellschaft wahrgenommen.7

Im Jahre 1848 ist es zur Revolution gekommen, die jedoch niedergeschlagen wurde. Danach kamen jedoch konservative Kräfte an die Macht. Diese Tatsache hat viele Veränderungen blockiert. Sogar Louise Otto-Peters, die als eine der bedeutendsten Protagonistinnen der Revolution betrachtet wurde, zog in den privaten Bereich zurück. Dabei hat sie jedoch die Hoffnung darauf nicht verloren, dass es schließlich zu einem politischen Durchbruch kommt, mit dem die Möglichkeit auftaucht, bestimmte Veränderungen einzuführen. Zuerst schien jedoch, dass ein solcher Durchbruch nicht so schnell passieren könnte. Die konservative Regierung hat nämlich ihre Machtzeit gebraucht, um die Aktivität der Frauenbewegungen möglichst stark zu beschränken. Aufgrund solcher Vorgehensweise wurden in allen deutschen Ländern die so genannten Vereinsgesetze verkündet, nach denen das politische Engagement von Frauen verboten wurde.8

Trotzdem soll bemerkt werden, dass die 1850er und 1860er Jahre dadurch gekennzeichnet waren, dass die autoritären Strukturen ein bisschen gelockert wurden. Der Wirtschaftsaufstieg und eine totale Umwandlung der Arbeitswelt brachten die Idee, die einzelne Reformen vorausgesehen hat. Die liberalen Kräfte begannen sich allmählich durchzusetzen, die nach dem vorsichtigen Frieden mit Preußen strebten. Dabei haben sie auf den Thron- und Regierungswechsel in Preußen am Anfang der 1860er Jahre abgezielt. Die Hoffnungen waren mit den Kronprinz Wilhelm verbunden, der später für das Amt des ersten deutschen Kaisers ernannt wurde. Diese Ernennung hat eine neue Epoche in Deutschland begonnen. Die Frauenbewegungen haben dann ihre bedeutende Rolle wiedergewonnen, wobei auch allgemeine Entspannung und Liberalisierung herrschten.9

Viele gesellschaftliche Gruppen haben damals die günstigen Umstände gebraucht, um sich aufs Neue aufzustellen. Es kam also zu Formulierung von vielen neuen gesellschaftlichen Gruppeninteressen, die bisher keine bedeutende Rolle gespielt haben. Derartige neugestaltete offenere Situation haben auch die Frauen gebraucht, um die Aufmerksamkeit auf ihre Angelegenheiten zu lenken.10

In den 1870er Jahren wurden vielfältige Frauenvereine gegründet, die mehrere Bereiche der Frauenfragen aktivierten. Diese haben um Frauenbildung und Frauenwahlrecht gekämpft. Diese Sachverhalte waren jedoch nicht die einzigen Faktoren, die in dem 19. Jahrhundert als relevant funktionierten. Die Frauenbewegungen wurden nämlich zu den gesellschaftlichen Bewegungen, die um 1890 nach politischen Veränderungen gestrebt haben. Im Zusammenhang damit wurden auch Sittlichkeitsbewegungen berufen, die sich unter anderem damit beschäftigt haben, um den Frauen einen Einstellungsplatz zu finden. Dabei sollen auch die Einflüsse erwähnt werden, die aus den Vereinigten Staaten gekommen sind. Im Zusammenhang damit haben nämlich die so genannten Dachorganisationen ins Leben gerufen. Die Emanzipation hat sich also schnell entwickelt. Dabei hat man die Ansprüche auf folgende Aspekte erhebt: 1) steigender Einfluss der Frauen auf die Kultur; 2) Sieg des Sozialismus; 3) Befreiung der Frau infolge außerhäuslicher Erwerbsarbeit; 4) allgemeine Anerkennung der Frau.11

Der Inhalt des Romans „Effi Briest“ von Theodor Fontane beginnt in dem Moment, in dem die oben erwähnte bürgerliche Revolution 1848 scheitert. Das Bürgertum, das ausgebildet ist, hat damals von der politischen Macht bedeutend abgelassen, womit die ganze Macht und Mitsprache an Adel und Armee überwiesen wurde. Nach dem Jahre 1871 erfährt das Deutsche Reich eine Wiederbelebung, weil es zur Industrienation wurde, die investitionsfreudig war. Diese Investitionsfreudigkeit stand im Zusammenhang damit, dass das höhere Bürgertum sein Geld in die Entwicklung Deutschlands investiert hat. Das Lebensstil der Adeligen gewann also auch an Bedeutung und an Prestige. Da die Adeligen eine so hohen Beitrag zur staatlichen Entwicklung geleistet haben, fühlten sie sich als eine privilegierte Sozialsicht. Dabei sind also nicht nur die finanziellen Forderungen, sondern auch das Streben nach den Umgangsformen der höfischen Etikette erschienen. Demzufolge soll sich die Gesellschaft folgenden Aspekten anpassen:

- Kaisertreue;
- Reichstreue;
- Amtsdemut;
- Patriarchalische Weltanschauung.12

Die Frauen waren damals in einer schweren Situation. Sie mussten nämlich mit bestimmtem Vorurteilen kämpfen. Die Gesellschaft schien traditionshaftend, engstirnig sowie patriarchalisch gekennzeichnet zu sein. Indem man also den geschichtlichen Hintergrund berücksichtigt, muss festgestellt werden, dass die Frauen nicht als selbständig, frei oder unabhängig bezeichnet werden konnten. Die Frauen hatten damals geringere Rechte, so dass sie eigentlich auf eine günstige Heirat angewiesen worden waren. Das Leben der Frau war also total von ihrem Ehemann abhängig, wobei man oft Unterdrückungs- und Bevormundungsfälle notiert hat. Die Frauen galten also meistens als Erzieherinnen der Kinder. Es gab einige Berufe, die die Einstellung einer Frau bedürften. Diese gehörten jedoch zu den Einzelfällen. Als Beispiele können hier folgende Aktivitäten erwähnt werden: Lehrerin oder Erzieherin. Es gab nämlich damals gebildete Frauen, die keine andere Berufstätigkeit unternehmen konnten. Außerdem haben die Frauen auch als Fabrikarbeiterinnen, Landwirtschaftsarbeiterinnen und als Dienstangestellte gearbeitet.13

Die rechtliche Stellung der Frau, die in der deutschen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts gelebt hat, wurde in dem Preußischen Allgemeinrecht enthalten. In dem gesetzlichen Sinne waren Männer und Frauen gleichberechtigt. Dieses Recht hat jedoch viele Ausnahmen zugelassen, die sich besonders auf das Eherecht bezogen haben. Demzufolge hat die Frau eine stillschweigende Rolle zu spielen. Die Herrschaft und Gewalt waren die Bereiche, die zu den Domänen der Männer gehörten.14

Ein besonderes Gebiet ist die Sphäre eines Ehebruchs. Wichtig ist, dass der Entscheid im Falle eines Ehebruchs ausschließlich zu dem Mann gehört. Die Frauen wurden einer solchen Möglichkeit beraubt. Die außerehelichen Verhältnisse, die von den Männern angeknüpft wurden, waren eher bagatellisiert, wobei bemerkenswert ist, dass derartige Beziehungen keinesfalls als gesetzwidrig galten. Umgekehrt jedoch, im Falle, in dem eine Frau sich in dem Verhältnis zu einem Mann engagiert, konnte sie sicher sein, dass sie für eine Ehebrucherin gehalten wird. Das Problem der Gleichberechtigung der Frauen in der Mitte des 19. Jahrhunderts hat mehrmalige Diskussionen hervorgerufen. Eine Seite bildeten die Anhänger dieser Idee, die andere Seite wurde dagegen von den Kritikern der dargebotenen Ordnung bestimmt. Die Befürworter des ersten Ansatzes waren der Meinung, dass die ausgeprägten Regeln die Grundverschiedenheit der Geschlechter vertiefen, weil sich eine Frau nur als Mutter und Ehefrau durchsetzen kann. Die Erfüllung einer solchen Rolle ermöglicht den Frauen, ihre bürgerlichen Pflichte zu verwirklichen. Die Kritik bezieht sich hauptsächlich auf die Tatsache, dass die Gleichberechtigung der Frauen mit den modernen Entwicklungsbereichen assoziiert werden konnte. Demzufolge ist es unentbehrlich, sich daran anzupassen.15

Solche Umstände betrafen die Frauen aus gehobener Schicht. In anderer Situation waren die Frauen aus der Bauern- und Arbeiterklasse. Da sie bestimmte Pflichten und Aufgaben hatten, verfügten sie über kleine Freiheiten. In diesem Fall konnte jedoch auch von Gleichberechtigung nicht die Rede sein. Sie waren auch gezwungen, sich an ähnliche Regeln zu halten, wie die aristokratischen Frauen. Dabei mussten sie sich auch in der Rolle von Ehefrau und Mutter bestätigen. Harte Arbeit auf dem Hofe oder in der Fabrik hat ihr Leben nicht erleichtert.16

Die sozialen Konsequenzen der industriellen Revolution wurden teilweise abgeschwächt, wozu Bismarcks Reformen beigetragen haben. Der Eiserne Kanzler hat nämlich Krankenfürsorge, geregelte Arbeitszeit, sowie Arbeitslosenfürsorge eingeführt. Im Allgemeinen haben aber diese Reformen nicht viel verändert, weil die finanziellen Bedingungen sehr schlecht waren. Armut und Elend haben die Menschen vernichtet. Dazu kam noch die Tatsache, dass die Zahl der Bevölkerung gesteigert hat, weil neue Medikamente und Behandlungsweisen entdeckt wurden. Die Frauen- und Kinderarbeit fand also erst in den späten 80er Jahren des neunzehnten Jahrhunderts ihre Regelungen.17

Die Frau konnte sich also nicht unabhängig realisieren, ihre eigene Meinung haben oder ihren Willen äußern. Am Anfang war die Frau also von ihrem Vater abhängig, der eine dominierende Rolle spielte. Nach der Heirat übernahm diese Funktion der Mann. Er war die einzige Person, die über ihr gemeinsames Leben entscheiden konnte. Die Frauen, die unverheiratet blieben, haben eigentlich keine Anerkennung in der Gesellschaft gewonnen. Die Ehen waren von den Eltern eingerichtet und in die Wege geleitet. Das bezog sich vor allem auf adelige und gutbürgerliche Frauen. Die Liebe hatte also keine Bedeutung. Die Eltern haben den Mann so gewählt, dass er bestimmte Kriterien erfüllt. Er sollte nämlich Mitglied einer gehobenen Familie sein und über bestimmte Fähigkeiten verfügen. Solche Herausforderungen standen damit im Zusammenhang, dass der Mann seine Familie unterhalten sollte. Solche Anschauungen und Voraussetzungen waren damit verbunden, dass die Familie der Frau auf ihre gesellschaftliche Stellung nicht verzichten wollte.18

Die Frauen aus der Arbeiterklasse befanden sich in anderer Situation. Ihr Leben war natürlich viel schwieriger, sie haben aber die Möglichkeit gehabt, beruflich aktiv zu sein, was den adeligen und bürgerlichen Frauen nicht erlaubt worden war. Das Leben der bessersituierten Frauen beruhte nämlich darauf, mit dem Mann immer übereinzustimmen, ihn vor der Gesellschaft zu vertreten, sowohl die Kinder zu betreuen. Im Haushalt einer solchen Familie gab es viele Dienstboten, die sich keine Einmischung einer jungen Frau wünschten. Die Würde, Hochachtung, die Familie und ihre Stellung in der Gesellschaft waren von höchster Bedeutung. Wenn eine Frau wegen Untreue oder Ehebruch diese Normen und Werte angetastet hat, wurde sie als Verbrecherin wahrgenommen. Dadurch verlor die Frau alle Rechte, über welche sie früher verfügt hat, und nämlich das Sorgerecht für die Kinder, das Recht zur Unterkunft und zum Unterhalt, sowie auch das Recht zur Hilfe und Förderung ihrer Eltern. Wenn ein Ehebruch seitens des Mannes lag, hat man diese Situation als Kavaliersdelikt betrachtet, wobei keine besonderen Konsequenzen gezogen wurden.19

Die Scheidung war auch für die Frau von besonderer Bedeutung, wobei dieser Tatbestand ausschließlich negative Auswirkungen in Bezug auf die Fragen hatten. Die Scheidung bedeutete für die Frau gewöhnlich, dass sie keine Zukunft mehr hatte. Die Schuld daran wurde natürlich immer der Frau in die Schuhe geschoben. Das Lebensglück war also den Frauen eher fremd. Die Ehe bedeutete mehrmals, dass eine junge Frau sich mit viel älterem, mehr erfahrenen Mann verbindet, was von Anfang an zum Scheitern verdammt war, weil solche Partner keine gemeinsamen Interessen, Gesprächsthemen, sowie Ideen in Bezug auf die Gestaltung ihres Lebens hatten. Aus diesem Grunde waren solche Ehen oft unglücklich. Die Frauen fühlten sich, als ob man sie in einen Käfig gesteckt hätte, wozu nicht nur der Mann, sondern auch die ganze Gesellschaft beigetragen haben. Im Falle der Frauen aus den adeligen Kreisen muss festgestellt werden, dass sie ihrer Identität beraubt wurden. Ihre Tätigkeit wurde reduziert, so dass sie als ein Hausobjekt angesehen wurden. Diese Frauen hängen von ihren Männern ab, weil sie selbst nicht arbeiten dürfen, so dass sie jemanden brauchen, der ihnen den Unterhalt gewährleistet. Mehr noch, sie dürfen auch nicht sich ausbilden. Man hat ihnen dargeboten, nur Klavierspielen, Gesang oder Sticken zu erwerben. Wenn sie besser ausgebildet wären, könnten sie im Notfall als Gouvernanten eingestellt werden. In diesem Fall jedoch hat man ihnen eine solche Chance abgenommen. In seltenen Fällen, fanden diese Frauen die Einstellung als die so genannten Gesellschaftsdamen, die sich in der Regel damit beschäftigt haben, eine ältere Edelfrau zu begleiten, indem sie ihr die Lektüre, die Gespräche und die Hilfe in den einfachen Tätigkeiten versicherten. Im Allgemeinen war also ihre Aufgabe, solchen Frauen Gesellschaft zu leisten. Solche Fälle gehörten jedoch eher zu den Ausnahmen, die jedoch die Regel nicht bestätigt.20

Die meisten Frauen, von denen hier die Rede ist, waren jung und unerfahren. Obwohl man ihnen von den jüngsten Jahren ihres Lebens ab klargemacht hat, dass sie nur als ein kleines Element, das eigentlich keine Bedeutung hat, von der Gesellschaft wahrgenommen werden, soll man bemerken, dass sie der Vorstellungskraft und der Träume nicht beraubt werden konnten. Da es ihnen auch verboten war, irgendwelche Aktivitäten zu unternehmen, haben sie viel Zeit gehabt, andere Menschen zu beobachten, sowie die Informationen über die Welt zu sammeln, konnten sie sich vorstellen, wie ihr Leben gestaltet werden konnte, wenn die oben erwähnten Normen nicht gültig wären.21

Hier liegt also die Tragik des weiblichen Schicksals. Die Frauen konnten selbständig denken, spüren und unterschiedliche Umstände beobachten, sie durften aber nicht daraus Gebrauch machen. Sie durften nämlich nicht ihr Leben selbständig prägen. Die männliche Welt hat sie in bestimmte Schubladen eingeordnet, so dass sie keinen Ausgangspunkt hatten, weil sie sich einfach in einer ausweglosen Situation befanden.

Eine solche Betrachtung der Frauen hat mehrmals dazu geführt, dass sie an Depressionen, Frustrierungen, Enttäuschungen, sowie an Unzufriedenheit gelitten haben. Sie konnten sich nämlich nicht mit ihrem miserablen Schicksal abfinden. Sie hatten bestimmte Vorstellungen, Hoffnungen, Wünsche und Träume, die sie natürlich verwirklichen möchten. Oft waren sie auch verliebt, so dass sie auf das gemeinsame Leben mit ihrem Beliebten und somit auch auf das Glück gerechnet haben. In den meisten Fällen war das jedoch unmöglich. Manche von diesen Frauen waren eher gefügig, nachgiebig und unterwürfig. Diejenigen haben gewöhnlich ihr Schicksal hingenommen. Es gab aber auch die Frauen, die die herrschende männliche Domination nicht akzeptieren wollten. Diejenigen mussten immer gegen bestimmte Schwierigkeiten kämpfen. Die Quelle dieser Schwierigkeiten waren einerseits die Männer, die im Leben einer solchen Frau auftauchten, andererseits aber auch die Gesellschaft selbst, die ihre Durchsetzungsversuche nicht verstanden und nicht akzeptiert hat. Solche gesellschaftlich-historische Bilder hat Theodor Fontane in seinem Roman „Effi Briest“ dargestellt. Sein Ziel war, diese Ungerechtigkeit ins Bewusstsein der Gesellschaft zu bringen und sie anzuprangern.

1.2 Gesellschaftsroman

Die Form des Gesellschaftsromans wurde auch von den russischen und französischen Schriftstellern unternommen. Die deutsche Romanästhetik wurde aber als dominierende Kraft empfunden, so dass es nicht verwunderlich ist, dass man nach den deutschen Quellen in der weltlichen Literaturgeschichte gesucht hat. Man kann hier tatsächlich bestimmte Anzeichen dieser Gattung finden. Erwähnenswert sind, zum Beispiel, solche Künstler, wie Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Friedrich Theodor Vischer, Otto Ludwig und Arthur Schopenhauer, die die Herrschaft des Ideellen und des inneren Lebens, die im Roman eine Schlüsselrolle spielen, unterstreichen. Arthur Schopenhauer zufolge soll man nämlich feststellen, dass ein Romanschreiber dazu verpflichtet ist, mit der möglichst geringen Anstrengung von äußerem Leben das Innere in die stärkste Bewegung zu bringen. Der Roman gewinnt nämlich an Bedeutung, wenn er auf eine höhere und edlere Art und Weise betrachtet wird. Der Sinn liegt hier darin, dass der Autor danach strebt, mehr inneres und weniger äußeres Leben darzustellen. Die deutschen Dichter unterscheiden sich jedoch ein bisschen von den Dichtern anderer Länder, dadurch vor allem, dass sie ihre Werke nicht an ein breites, allgemeines Publikum richten. Das innere Leben, also das Denken, ist ein Element der existentiellen Probleme. Darauf soll also Persönlichkeitsbildung beruhen, wobei die Fähigkeit zu der modernen Selbstständigkeit und Selbstbestimmung nur denjenigen zusteht, die im Rahmen der Gattungsbezeichnung als vollberechtigten Menschen fungieren können. Zusätzlich soll bemerkt werden, dass im Falle, in dem ein Schriftsteller sich nicht auf die Auswahl, sondern auf die Masse konzentriert, muss er mit dem Vorwurf rechnen, dass er eine Publikation geschaffen hat, die eher für Leihbüchereien, sowie für den Bereich der Kolportage- und anderen sensationellen Romanen bestimmt ist.22

Indem man das Thema des Gesellschaftsromans analysiert, muss man erwähnen, dass als Hauptthema der romantischen Literatur das widersinniges Verhältnis zwischen dem Individuum und der Gesellschaft galt. Dieses Verhältnis wurde durch die Diskrepanz zwischen Innerlichkeit und Welt, sowie zwischen dem Ich und der etablierten Wirklichkeit gekennzeichnet. Diese literarische Epoche wurde in dem Roman entsprechend widergespiegelt. Auf diese Art und Weise wurde Konflikt dargestellt. Aus dem geschichtlichen Gesichtspunkt kann man in diesem Zusammenhang nach Johann Wolfgang Goethe greifen. Der war nämlich der Meinung, dass die romantische Literatur nicht adäquat ist, dass sie utopische Träumereien zeichnet, die von der Realität abweichen. Goethe hat nämlich auch die bedeutende Rolle der Innerlichkeit betont. Er war der Meinung, dass die Welt nur infolge von inneren Gedanken verändert werden könnte. Er war Anhänger der Romane, die eine Botschaft des gesellschaftlichen Utilitarismus mit sich brachten. Solche Idee konnte nämlich dem illusionären Roman gegenübergestellt werden. An Bedeutung gewann also die Darstellung des Alltagslebens und die Analyse der Gesellschaft, womit ein Schriftsteller bestimmte Lösungen der gesellschaftlichen Fragen anbietet.23

Der Gesellschaftsroman oder der soziale Roman gewann seine endgültige Form in England. Dabei befand sich die bürgerliche Gesellschaft im Vordergrund. In Frankreich erlebte diese Gattung jedoch ihre Blütezeit. Folgende weltbekannte Schriftsteller haben diese Form gebraucht: Émile Zola, Gustave Flaubert, Honore de Balzac, sowie Stendhal. Diese Autoren haben den Gesellschaftsroman, unter anderem, dazu gebraucht, um Gesellschaft zu kritisieren. Die Französische Revolution hat verursacht, dass der Freiheitsgeist überall in Europa gespürt wurde.24

Die französischen Schriftsteller erstrebten, ihre Emotionen und Empfindungen mit Hilfe der poetischen Form zu beschreiben, die durch das Gemenge von Hochmut und Leid gekennzeichnet wurden, die wegen der Beendigung der Existenz der alten Gesellschaft zustande gekommen sind. Seit der Zeit, in der Stendhal und Balzac ihre Werke geschaffen haben, hat der soziale Roman seine Blütezeit erlebt. Seit sich die Schriftsteller mit dieser Form bekannt gemacht haben, waren sie nicht mehr imstande, den Charakter einer Gestalt ohne die gesellschaftlichen Umstände darzustellen, die diese Person konstruiert haben. Auf diesem Grunde wurde die Hypothese erstellt, nach der der menschliche Charakter durch eine bestimmte soziale Umgebung gestaltet wird. Die gesellschaftliche Existenz wird also im menschlichen Bewusstsein verankert.25

Die Französische Revolution hat einen auffälligen Austausch zwischen Deutschland und Frankreich auf der politischen, kulturellen, gesellschaftlichen und literarischen Ebene verursacht. In Frankreich und England war der soziale Roman die dominierende Form in dem literarischen Bereich. Genauso galt er auch in Deutschland als das wichtigste Mittel zum Kampf gegen die politischen und sozialen Widrigkeiten. Die Schriftsteller aller Nationen haben soziale Konflikte und gesellschaftliche Restriktionen als zentrales Motiv ihres Schaffens betrachtet.26

Im Falle der deutschen Literatur muss erwähnt werden, dass ihre Rolle infolge der politischen Umstände modifiziert wurde. Die deutschen Romantiker haben nämlich nach dem Begriff „Volk“ gegriffen, wobei sie ihn als organische, individuelle Einheit verstanden haben.27Damit haben sich die Schriftsteller als Träger des Nationalgefühls wahrgenommen. Die deutsche Literatur gewann also eine politische Auswirkung. Das literarische Schaffen wurde also zu einem Dienst dem Vaterland.28

Im Mittelpunkt der soziale Romane standen also die liberale Gesellschaftsordnung und die nationale Einigkeit. Nach dem Niedergang der Revolution von 1848/1849 kam noch die Frage nach den sozialen und wirtschaftlichen Lebensbedingungen vieler Bürger zum Vorschein. Der seit der Romantik funktionierende Traum der Nationalstaatlichkeit wurde 1871 zwar realisiert, weil das Deutsche Reich entstanden ist, doch die gesellschaftliche Probleme blieben ungelöst.29

Seit dieser Zeit haben sich die Schriftsteller für die gesellschaftlichen Probleme mehr interessiert. Eine solche Veränderung hat mehrere Gründe gehabt. Vor allem muss hier Industrialisierungsprozess erwähnt werden, der die sowieso anwesende Armut noch gesteigert hat. Daraus resultierte die Tatsache, dass die Unterschicht der Gesellschaft in Not geraten ist. Solche Umstände haben auf eine dramatische Art und Weise den gesellschaftlichen Aufbruch geprägt.30Die Schriftsteller, die diese Situation beobachtet haben, haben die Schlussfolgerungen gezogen, dass ihre Rolle jetzt ist, sozialkritisch zu wirken. Sie wollten nämlich mit ihrem Schaffen zur Volksstimme werden, indem sie die Besitzenden, Mächtigen und Intellektuellen so beeinflussen, dass sie sich für die Verbesserung der Situation der Armen und Proletarisierten engagieren. Die Schriftsteller haben die Entscheidungsschicht aufgefordert, Mitleid und Verständnis in sich selbst zu finden, um die Lage der armen Menschen in Ordnung zu bringen.31

Die obigen Erörterungen zeugen davon, dass sich in Deutschland einige Schichten herauskristallisiert haben, und nämlich folgende Gruppen sollen erwähnt werden:

- Die Besitzenden;
- Die Mächtigen;
- Die Gebildeten;
- Die Armen;
- Der Proletariat.32

Die Idee vieler Schriftsteller war, dass die ersten drei Gruppen der besonderen sozialen Pflicht unterlegen werden sollen. Diese Pflicht sollte darin bestehen, dass sie die schwere Existenzsituation der zwei übrigen Schichten verbessern müssten. Die Literaten waren nämlich der Meinung, dass der Klassenunterschied eine Umwälzung verursachen konnte. Sie müssen jedoch in Betracht ziehen, dass die Abschaffung der Klassenunterschiede ein langfristiger Prozess ist.33

Dabei muss auch bemerkt werden, dass deutsche gesellschaftliche Ordnung im 18 Jahrhundert Feudalgesellschaft war. Die Veränderung dieses Umstandes wurde durch die Französische Revolution initiiert, und dann mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert fortgesetzt. Infolge dieses Prozesses entstand eine neue gesellschaftliche Schicht, das heißt, der bürgerliche Mittelstand. Die gesellschaftliche Entwicklung hat verursacht, dass diese Gruppe an Bedeutung gewann und eine wesentliche Rolle sowohl auf der gesellschaftlichen, als auch auf der ökonomischen Ebene gespielt hat. Diese Gruppe funktionierte als bürgerliche Gesellschaft. Sie wird auch oft zum Gegenstand der Gesellschaftsromane. Außerdem stellen auch die Gesellschaftsromane die Angestellten und das Bürgertum.34

Die Gesellschaftsromane üben Kritik aus und unternehmen auch versöhnliche Versuche. Mit kritischer Intention stellen sie auch Arbeits- und Lebensverhältnisse der Arbeiter dar, wobei sie danach streben, die Harmonie zwischen Bourgeoisie und Proletariat zu erhalten. Die Gesellschaftsromane präsentieren auch politische Überzeugungen des Bürgertums in der Zeit der Veränderungen und steigenden Konflikte. Der Gesellschaftsroman wurde in Deutschland unter anderem von Theodor Fontane vertreten, der durch diese literarische Form die Oberflächlichkeit des Adels angeprangert hat.35

Dem Historiker Nipperdey zufolge, war Fontane der einzige Schriftsteller, der in Deutschland reine Gesellschaftsromane geschrieben hat.36Die Gesellschaftskritik Fontanes funktionierte die ganze Zeit während der Entwicklung Deutschlands, wobei sein Werk auch später fortgesetzt wurde.37

Zusammenfassend kann man also sagen, dass der Gesellschaftsroman das Individuum als Teil einer Gruppe, Gesellschaft, Gemeinschaft oder eines Milieus darstellt. Die Autoren der Gesellschaftsromane beschreiben gewöhnlich diese Elemente des menschlichen Schicksals oder der menschlichen Psyche, die diesen Menschen mit der Gesellschaft verbinden, so dass er als Vertreter der Gruppe betrachtet wird. Der Gesellschaftsroman gilt oft als Ausdruck der Befürchtungen, die sich auf niedere Schichten beziehen, das heißt, auf die Gesellschaftsgruppen, die in dem ökonomischen und gesellschaftlichen Sinne bedroht werden. Oft schildert der Gesellschaftsroman nicht nur eine Schicht, sondern den ganzen gesellschaftlichen Durchschnitt. Auf diese Art und Weise wird nämlich die soziale Ungerechtigkeit betont. Die Gesellschaftsromane spiegeln die Wirklichkeit wider. Sie werden also auf der Grundlage der historisch-sozialen Gegebenheiten gebaut. Oft basieren die Autoren der Gesellschaftsromane auch auf ihren persönlichen Erfahrungen, die dann im literarischen Werk ausgedrückt werden.

1.3 Die Form des Romans

Der Roman ist eine der wichtigsten Gattungen der epischen Prosa. Unter den wesentlichsten Maßstäben eines Romans gehören:

- Großer Umfang;
- Kompliziertes System von Figuren und Faden;
- Ereignischarakter der dargestellten Welt.38

Die Gestalten und Ereignisse, die in dem Roman geschildert werden, haben meistens einen fiktiven Charakter. Dabei sind sie jedoch individualisiert, konkretisiert und mit einer breiten Palette von Einzelheiten ausgestattet.39

Die hauptsächliche Kategorie der Beschreibung ist die Kategorie des Erzählers. Das wesentliche Element der Charakteristik ist das Verhältnis zwischen dem Erzähler und der dargestellten Welt und zu den Aussagen der Figuren. Der gegenwärtige Roman wurde in England im 18. Jahrhundert entwickelt. Eine große Rolle hat in diesem Prozess die Gestaltung der neuen Schicht, das heißt, des Bürgertums gespielt. In dem 19. Jahrhundert entstanden bestimmte Romanstereotype, zu denen folgende Aspekte gehören:

- Geschlossene Komposition;
- Die Handlung basiert auf dem bestimmten Handlungsverlauf;
- Allwissender Erzähler, der eine übergeordnete Funktion hat;
- Die Verbindung mit der klassischen Form des Realismus.40

Die inhaltlichen Widersprüche, die im Roman oft auftauchen (zum Beispiel zwischen Einseitigkeit und Wahrheitsdrang, zwischen der übergeordneten Stellung des Erzählers und dem Wunsch, eine Illusion des unmittelbaren Verkehrens mit der Wirklichkeit zu bilden, zwischen dem Ehrgeiz, die gesellschaftlichen Gegebenheiten zu beschreiben und der Darstellung der Schicksale eines Individuums) haben zu vielen Umgestaltungen im Rahmen der Gattung geführt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Position und die Funktion des Erzählers beschränkt. Die Gestalten eines Romans sind in dem umfangreicheren Ausmaß zu Wort gekommen. In den Roman wurden auch unterschiedliche Gesichtspunkte eingeführt. Der Roman schildert also eine Gruppe von Szenen, die auf eine aktualisierte Art und Weise dargestellt werden. Der Raum zwischen den Szenen wird durch Rahmenaspekte ausgefüllt. Heutzutage gibt es viele unterschiedliche Arten der Romane, die mit der Zeit entwickelt wurde. Zu den populärsten Romanarten gehören:

- Historischer Roman;
- Phantastischer Roman;
- Psychologischer Roman;
- Gesellschaftsroman;
- Kriegsroman;
- Bildungsroman;
- Gotikroman;
- Krimineller Roman;
- Poetischer Roman;
- Sentimentaler Roman;
- Traktat-Roman.41

Im Falle eines Romans, wie auch im Falle anderer epischen Forman, gibt es zentrale Aspekte, die eine große Rolle spielen, und nämlich: der erwähnte Erzähler, die Darbietungsweisen, Stoff, Thema und Motiv, Zeitgestaltung und Sprache. Im Falle des Erzählers analysiert man gewöhnlich Erzählform, Erzählverhalten, Erzählhaltung, Erzählperspektive, sowie Erzählstandort. In der Analyse der Darbietungsweisen berücksichtigt man den epischen Bericht, den Erzählerbericht, Erzählkommentar, sowie Figurenrede. Stoff, Thema und Motiv sind auf eine individuelle Art und Weise gestaltet. Im Falle der Zeitgestaltung unterzieht man der Analyse folgende Elemente: Erzählzeit und erzählte Zeit, sowie Erzähltempus und Tempuswechsel. Die Sprache wird gewöhnlich auf der Grundlage der sprachlichen Mittel, sowie der Einzigartigkeit des Schriftstellers analysiert.42

Oft wird vorausgesetzt, dass der Erzähler mit dem Autor des Werkes identifiziert wird. Das ist jedoch nicht immer der Fall, weil der Erzähler als eine Kunstfigur gelten kann. Genauer gesagt, hat der Erzähler die Funktion, mehr oder weniger deutlich zu machen, dass eine Erzählung folgt, das heißt, dass eine Geschichte erzählt wird. Es gibt natürlich die Form eines Ich-Erzählers. Das muss jedoch nicht Schriftsteller sein, das kann zum Beispiel, die Hauptfigur sein. Die Bestimmung des Erzählers ermöglicht jedoch, den epischen Text, in der vorliegenden Arbeit, den Text des Romans zu analysieren.43

Wie es oben erwähnt wurde, soll vor allem die Erzählform bestimmt werden. Das steht im Zusammenhang damit, dass zwischen dem Ich- und Er-Erzähler unterschieden werden sollte. Das ist das erste Einteilungsprinzip, das sich auf epische Texte bezieht. Im Falle der Er-Form berichtet ein Erzähler über die Geschichte anderer Personen. Manchmal passiert es, dass der Erzähler sich selbst in die Geschichte verwickelt, indem er in dem Inhalt in der Ich-Form auftaucht. Bei der Ich-Form dagegen wird die ganze Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt, wobei das Ich auch als handelnde Figur gilt.44

Die Ich-Erzählungen machen gewöhnlich auf dem Leser den Eindruck, dass er eine Autobiographie liest. Der Leser ist überzeugt, dass er keine fiktionale Welt erfährt, sondern an den wirklichen Geschehnissen teilnimmt. Das ist natürliche eine scheinbare Wahrnehmung. Die Geschichten, die in der Ich-Form geschrieben werden, sind jedoch häufig so unwahrscheinlich, dass man bald zu dem Schluss kommt, dass kein Eigenleben der Figuren in Frage kommen kann. Das ist jedoch auch ein episches Kennzeichen.45

Im Falle der Ich-Erzählung muss man zwischen dem erzählenden und erlebenden Ich unterscheiden, besonders wenn das erzählende Ich ein vergangenes Erlebnis erzählt. Eine besondere Form bietet die Ich-Erzählung dar, in der das Ich über die Geschehnisse berichtet, die es selbst nicht erfahren konnte, weil sie, zum Beispiel, vor seiner Geburt passiert sind. Der Leser kann sich in diesem Fall von dem Erzähler getäuscht fühlen.46

Außer dem Erzähler sind auch andere Faktoren von Bedeutung, die den Roman ausmachen. Man kann hier folgende Aspekte erwähnen: Stoff, Handlung, Thema, Motive, Zeit, Sprache und andere. Da der Roman als epische Großform funktioniert, müssten sie ganz detailliert beschrieben werden, was das zum Thema einer anderen Arbeit werden könnte.

Zusammenfassend in Bezug auf diese Gattung kann gesagt werden, dass diese literarische Form in Deutschland in dem 17. Jahrhundert auftauchte, wobei sie die Form des Epos ausgewechselt hat. Der Roman ist eine Prosadichtung, deren Helden keine Götter oder außerordentlichen Menschen sind. Die Handlung basiert nicht nur auf äußeren Taten, sondern auch auf der inneren Entwicklung. Der Roman gibt dem Autor viele Möglichkeiten, seine Absichten auszudrücken. Das ist nämlich eine so reiche Form, dank der ein Schriftsteller die Welt auf beliebige Art und Weise gestalten kann.47

Der Roman des 19. Jahrhunderts wird dadurch charakterisiert, dass er den Leser in die fiktionale Welt hereinzieht. Auf diese Art und Weise wird eine gewisse Vertrautheit zwischen dem Leser und den Romangestalten gebaut. Eine ähnliche Auswirkung hat heutzutage das Fernsehen.48Man kann also feststellen, dass der Roman die menschliche Vorstellungskraft aktiviert.

1.4 Autobiographische Elemente

Theodor Fontane hat den Roman „Effi Briest“ sowohl aus der persönlichen, als auch aus der sozialen Perspektive geschrieben. Im Mittelpunkt stehen hier die Frauenschicksale, die für Fontane höchst interessant waren. Außerdem hat der Schriftsteller natürlich auch gesellschaftlich-geschichtliche Grundlagen berücksichtigt. Er berührt solche Zeitfragen, wie Ehe und Ehebruch, sowie Frauenbewegung in Deutschland. Genauer gesagt, wird in dem Roman der Ehebruchskandal der Elisabeth von Ardenne dargestellt. Dieses Ereignis wurde im Jahre 1886 durch die Presse beschrieben.49

[...]


1Vgl. Grawe, C., Nürnberger, H., Fontane Handbuch, Stuttgart 2000, S. 15

2Vgl. Gast, J., Literarische und ästhetische Transformationen eines biographischen Materials, Gießen 2002, S. 3-4

3Vgl. Ebenda, S. 4

4Vgl. Von Frauenbildern zu Frauenbildkonstruktionen. Eine Analyse der Frauengestalten in Theodor Fontanes „Effi Briest“, S. 7, https://www.duo.uio.no/bitstream/handle/10852/25599/BergFertigeMasterarbeitDerRomanTheodorFontanesAusgabe2010.pdf%3Fsequence%3D2, 21.03.2016

5Vgl. Ebenda, S. 8

6Vgl. Ebenda, S. 12

7Vgl. Wolff, K., Die Frauenbewegung organisiert sich, Bundeszentrale für politische Bildung, 8.09.2008, http://www.bpb.de/themen/HL5YDX, 22.03.2016

8Vgl. Ebenda

9Vgl. Ebenda

10Vgl. Ebenda

11Vgl. Ebenda

12Vgl. Von Frauenbildern zu Frauenbildkonstruktionen…, a.a.O., S. 12

13Vgl. Ebenda, S. 13

14Vgl. Ebenda

15Ebenda, S. 13

16Ebenda, S. 13-14

17Ebenda, S. 14

18Ebenda, S. 15

19Ebenda, S. 15-16

20Ebenda, S. 16

21Ebenda, S. 16-17

22Knobloch, H.J., Koopmann, H., (Hrsg.), Das verschlafene 19. Jahrhundert? Zur deutschen Literatur zwischen Klassik und Moderne, Würzburg 2005, S. 43

23Adler, H., Der soziale Roman, [in:] Sautermeister, G., Schmid, U., (Hrsg.), Zwischen Restauration und Revolution 1815-1848, München 1998, S. 202

24Mann, H, Geist und Tat – Franzosen von 1780 bis 1930, Frankfurt a.M. 1997, S. 9

25Hauser, A., Sozialgeschichte der Kunst und Literatur, München 1983, S. 779

26Adler, H., a.a.O., S. 202-203

27Schmitt, C., Politische Romantik, Berlin 1998, S. 32

28Hoffmann, G., Rösch, F., Rösch, H., Grundlagen, Stile, Gestalten der deutschen Literatur, Hirschgraben 1988, S. 284

29Ebenda, S. 287

30Adler, H., a.a.O., S. 195

31Ebenda, S. 198

32Ebenda

33Ebenda, S. 199

34Nipperdey, T., Deutsche Geschichte. 1866 – 1918. Bd. 1. Arbeitswelt und Bürgergeist, München 1998, S. 374-377

35Knobloch, H.J., Koopmann, H., a.a.O., S. 46-50

36Nipperdey, T., a.a.O., S. 764

37Mommsen, K., Gesellschaftskritik bei Fontane und Thomas Mann, Heidelberg 1973, S. 13

38Jaworski, S., Terminy literackie, Warszawa 1990, S. 116

39Ebenda

40Ebenda

41Ebenda, S. 117-119

42Zimmermann, M., Einführung in die literarischen Gattungen, Berlin 2001, S. 2-3

43Ebenda, S. 8

44Ebenda,S. 9

45Ebenda

46Ebenda, S. 10

47Ebenda, S. 26

48Ebenda

49Gast, J., a.a.O., S. 5

Ende der Leseprobe aus 75 Seiten

Details

Titel
Motive und ihre Symbolik im Roman "Effi Briest" von Theodor Fontane
Hochschule
Uniwersytet Humanistyczno-Przyrodniczy Jana Kochanowskiego w Kielcach
Note
1
Jahr
2019
Seiten
75
Katalognummer
V539649
ISBN (eBook)
9783346159281
ISBN (Buch)
9783346159298
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Autor dieser Arbeit ist kein Deutsch-Muttersprachler. Bitte haben Sie Verständnis für grammatikalische Fehler und Uneinheitlichkeiten im Ausdruck.
Schlagworte
briest, effi, fontane, motive, roman, symbolik, theodor
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Motive und ihre Symbolik im Roman "Effi Briest" von Theodor Fontane, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539649

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