Chinas Rolle in Afrika. Strategische Partnerschaft oder Machtausbau?


Hausarbeit, 2017

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Chinas Öffnung des Außenhandels nach dem Tod Mao Zedongs

Kurzer geschichtlicher Abriss der Annäherung Chinas an Afrika

Chinas Handeln in Afrika

Angola
Angolas wirtschaftliche Entwicklung seit der Dekolonisation
Handel mit Angola
Das Angola-Modell
Das Beispiel des Angola-Modells an der Verkehrsinfrastruktur
Das Angola-Modell - gleichwertige Partnerschaft?
Langfristige Entwicklung Angolas
Risiken und Chancen, die sich hinter der Unterstützung Chinas bergen könnten
Schuldenfalle
Abhängigkeit von Rohstoffen

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Mit dem Abzug der letzten Kolonie ist es in der Medienlandschaft still geworden um Afrika. Er gilt als der vergessene Kontinent, der hin und wieder durch armuts- und leidtriefende Bilder Aufmerksamkeit auf sich zieht. Doch neben der Not wächst auch die Aktivität globaler Unternehmen in Afrika. Von der Abtragung von Kakao- oder Kaffeebohnen, seltenen Erzen und Metallen über wertvolle Diamanten und Edelsteinen bis hin zu Erdöl – der Abbau der Erdschätze hat viele Facetten. Doch das Entwicklungsland durchlebt trotz seiner Reichtümer immer noch Krisen- und Hungerwellen.1 Die ungehörten Anfragen einiger afrikanischer Staaten um finanzielle Unterstützung an den Westen entsprachen Chinas Interessen und das Land stieg zu einem der wichtigsten Handelspartner der Bittsteller auf. Die darauffolgenden enormen Handelsströmungen begannen in den 1990er Jahren, als China auf der Suche nach neuen Absatzmärkten und Rohstoffvorkommen den ehemals kolonisierten Kontinent Afrika entdeckte. Grund für die Ausschau ist Chinas Einwohnerzahl, die mit mehreren Milliarden weiterhin stetig wächst – genauso wie sein Bedarf an Ressourcen. Diese Tatsache zwingt das Land, zusätzlich Öl für seine wachsende Volkswirtschaft zu importieren, aber auch neue Absatzmärkte zu erschließen. Gründe für das Wachstum der asiatischen Ökonomie waren die Wirtschaftsreformen, der Beitritt zur WTO (World-Trade-Organisation) und letztendlich der Handel mit dem schwarzen Kontinent. Mittlerweile ist China zum größten Abnehmer von afrikanischem Rohöl geworden und hat sich zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt entwickelt. Das Interesse an Afrika, welches sich von politischen jedoch später in wirtschaftliche Interessen entwickelte und bis zum Jahr 2005 über 100 Milliarden Dollar Handelsvolumen einbrachte, zwang westliche Staaten und deren Unternehmen dazu, sich ein neues Bild von Chinas wirtschaftlicher Außenpolitik zu machen. Vor allem dann, wenn es darum geht, ihre afrikanischen Relationen von nun an mit der Volksrepublik teilen zu müssen. In all dem Interessenkonflikt entstand anfangs für viele Entwicklungsländer in Afrika Hoffnung und sie nahmen sich Chinas Aufstieg als Leitbild, um sich ebenso vom Entwicklungsland zum Schwellenland zu entfalten.2 Welche Maßnahmen und warum sie China ergreift, um sich Rohstoffe und den Einfluss in Afrika zu sichern, sowie die Frage, wie sich ihr Verhalten auf das Land und die Bevölkerung auswirkt, werde ich am Beispiel der Beziehungen zwischen China und Angola erläutern.

Chinas Öffnung des Außenhandels nach dem Tod Mao Zedongs

„China betreibt eine Politik der Öffnung nach außen und der wirtschaftlichen Reform nach innen. Wer wollte dies verändern? Falls dies verändert würde, würde das Lebensniveau von 80% aller Chinesen sinken, und wir würden alle Sympathien beim Volk verlieren. Wir betreiben die richtige Politik, die vom Volk unterstützt wird. Damit wird sie nicht verändert.“

Staatspräsident Deng Xiaoping 19843

Mit der Rede des Staatspräsidenten Deng Xiaoping im Jahre 1984 schlug China sowohl politisch als auch ökonomisch einen neuen Weg ein. Für viele Chinesen war die Liberalisierung der Wirtschaft lebensnotwendig. Im Gegensatz zur kommunistischen Volksrepublik. Denn diese wollte nicht einfach nur „überleben“ – Das Gegenteil war der Fall. Mit der „Öffnung nach außen“ wurde der erste Schritt auf die Plattform der wirtschaftlichen Global Players gewagt.

Im Oktober 1987 wurde in Peking auf dem 13. Parteitag der KPCh die „3-Schritte“-Strategie vorgestellt, die das Ziel eine Wirtschaftsmacht zu werden, beinhaltete. Der Plan sieht vor, dass sich bis in die 90er das BIP verdoppelt haben soll. Bis zum Jahre 2000 sollte das BIP sich erneut verdoppelt haben und als letzten Schritt soll China im Jahr 2050 den Status eines Schwellenlandes erreicht haben.

Durch ihre Maßnahmen erreichten sie 14 Jahre nach der Reform, der Welthandelsorganisation beizutreten, was wirtschaftlich gesehen ein Erfolg war. Die Industrieproduktion stieg anschließend um über 15% und die Stahlproduktion um über 20% jährlich. Angesichts der Entwicklungen gewährte der Ökonom Lu Ming in einem Interview im Jahre 2001 mit der "South China Morning Post" mit den Worten "China wird Japan als der größte Händler in Asien überholen. China wird die Werkstatt der Welt“ Einblicke in seine Einschätzungen.4

Aber was sagt die Bevölkerung Chinas dazu?

Die Bevölkerung der VR China ist auch heute noch in zwei kaum vereinbare Blöcke unterteilt: „unten“ leben rund 900 Millionen Bauern, Landarbeiter und Wanderarbeiter die teils abgeschnitten von Elektrizität und moderner Wasserversorgung in Armut leben. „Oben“ richtet sich eine zunehmend breitere Mittelschicht und wachsende Oberschicht im Wirtschaftswachstum ein. Während auch heute noch nicht alle Landbewohner (vor allem Mädchen) eine Schule besuchen können oder dürfen, werden die Mittelschichtskinder durch ein strenges elterliches Bildungsregiment zu Höchstleistungen getrieben.

Kurzer geschichtlicher Abriss der Annäherung Chinas an Afrika

Chinas politisches und wirtschaftliches Bestreben für Afrika hat eine lange Tradition, die historisch bis ins 14. Jahrhundert reicht. Der Ausbau dieser Interessen begann ab dem Jahre 1955, als China und Afrika Koalitionsverträge auf der Asien-Afrika Konferenz in Bandung unterschrieben.5 Direkt zu Beginn der Konnexionen wurden von China die „fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz“ vorgeschlagen, die bis heute in den Verträgen bestehen. Darunter zählt das Nichteinmischen in innere Angelegenheiten, das gegenwärtig eines der Hauptprinzipien des chinesischen Außenhandels ausmacht. Während dieser Annährungsphase stellten die Chinesen, neben der Kooperation zu afrikanischen Ländern, ebenso ihren Standpunkt gegenüber den besetzenden Ausländern fest, indem es den „Kolonialismus“ verurteilte. Daraufhin festigte sich die Stellung insoweit, dass China zum führenden Partner in vielen kleinen Projekten, wirtschaftlichen Beziehungen und politischen Verhandlungen wurde. Sein Verhalten gegenüber den Mitinteressenten kann als freundschaftlich loyale Haltung zu den afrikanischen Entwicklungsländern gesehen werden, oder auch als strategisch diplomatischer Schritt, um die Gunst der „Besetzten“ zu erhalten.6 51 Jahre nach den ersten Annährungen, wurde in der Hauptstadt Chinas im Jahr 2000 erneut ein Schritt in Richtung Afrika getätigt, indem China mit 48 afrikanischen Ländern eine Kooperation bildete. Mit dem Ziel der Stärkung der Zusammenarbeit und als Plattform der multilateralen Konsultation zum Formulieren gemeinsamer Politik, entstand der institutionelle Rahmen „Forum of China Africa Co-operation“ (FOCAC). Interessant zu beobachten ist, dass China erneut Kontakt zu fast allen afrikanischen Ländern gleichzeitig aufnimmt. Die Frage, ob diese Strategie eventuell Nachahmung, Neid oder Blockaden durch andere verhindern sollte, bleibt offen.7 Alle Koalitionspartner – außer Swasiland und Burkina Faso, denn diese unterhalten Handel mit Taiwan, was für China aufgrund der gemeinsamen Geschichte politisch gesehen nicht in Betracht gezogen wird – erkannten an, dass ihr Zusammenkommen als Bereicherung gilt. Die Ausgrenzung der beiden afrikanischen Länder könnte auch auf eine Warnung hindeuten, dass China vom engen Partner zum eisernen Gegner übergehen kann.

Chinas Handeln in Afrika

Seit den Unterzeichnungen der Koalitionsverträge hat sich China zum wichtigsten Akteur in Subsahara-Afrika entwickelt und galt bis zum Jahre 2006, nach USA und Frankreich, als drittgrößter Investor. Das Interesse der Asiaten an Afrika zeigt sich vor allem an der steigenden Zahl der landeseigenen Multinationals in afrikanischen Staaten. Während es im Jahre 1985 erst 143 Firmen waren, stieg die Anzahl bis zum Jahre 2006 schon auf über 800.8 Diese Werte sind auf die analoge Phase der wirtschaftlichen Öffnung und Auslandsinvestitionen zurückzuführen, die China seit den 2000ern strategisch verfolgt.9 Mittlerweile sind die meisten staatlichen Unternehmen in Afrika vornehmlich im Textilsektor, in den Energiebereichen, Bergbau, Bau und in der Telekommunikation tätig. Chinesische Unternehmen nutzen den neuen Absatzmarkt in Afrika als Chance, sich wirtschaftlich soweit auszubauen, dass sie den Kontinent als Sprungbrett in den globalen Wettbewerb nutzen können und um den westlichen Unternehmen wirtschaftlich und technologisch zu prävalieren.10 Die andere Seite der Medaille ist, dass die einheimische Wirtschaft des Kontinents von den „asiatischen Investitionen“ kaum profitiert und wenig Fachpersonal ausgebildet wird.11 Die anfänglich hoffende afrikanische Bevölkerung beobachtet die „Invasion“ der Chinesen mit wachsendem Argwohn.12 Denn in diesen Unternehmen arbeiten weitestgehend Chinesen, die extra eingeflogen werden, was dazu führt, dass sich der Arbeitsmarkt nicht für afrikanische Arbeiter eröffnet, die eine Anstellung dringend benötigen. Die Gründe für die Beauftragung asiatischer Unternehmen schätzt das Institute of Development Studies in Sussex in deren kostengünstigen und vor allem schnellen Arbeit. Eine afrikanische oder westliche Firma würde den Studien zufolge das Dreifache an Gehalt erwarten.13 Generell ist zu erwähnen, dass zwischen der Großmacht China und dem hungernden Afrika ein ungleiches Verhältnis besteht. Neben dem Ärgernis des Arbeitsplatzmangels, zieht der Asiate darüber hinaus die Missgunst der Bevölkerung auf sich, indem es seine bekannten Fertigprodukte, die im Vergleich zu anderen Ländern sehr günstig, in Masse und in unwürdigen Verhältnissen produziert werden, nach Afrika verfrachtet.

Die konkurrenzlosen Verträge beinhalten neben großzügigen Krediten auch Hilfsgüterleistungen von Seiten des Schwellenlandes an Afrika. Kritisch ist, inwiefern China mit Hilfsgütern soziale Projekte fördern kann, wenn es a) fraglich selbst-produzierte Produkte auf den afrikanischen Markt bringt und somit die Förderung afrikanischer Unternehmen und Händler hemmt, und b) seine eigene hungernde Bevölkerung nicht sättigen kann.14

Doch diese Blickwinkel werden von keinem Entscheidungsträger eingenommen, denn durch die Unterzeichnung eines Vertrages beachten sowohl die Handelspartner als auch China die innenpolitische Lage des jeweils anderen Landes nicht. Das Prinzip des Nichteinmischens in die innenpolitischen Verhältnisse bildet dabei die Grundlage chinesischen Handelns. Bei westlichen Ländern würden deren Vorgehen den Vorwurf der Missachtung der Arbeiter- und damit verbundenen Menschenrechte erzwingen. Aufgrund dieser Tatsache lehnt sich der „lockere“ Geldgeber an Länder, die ihre eigene Regierung, genauso wie er selbst, undurchlässig führen. Wie im Beispiel des wirtschaftlich schwachen Landes Angola, dessen Staatspräsident 33 Jahre regierte und milliardenschwer wurde.15

[...]


1 Vgl: Zimmermann (2004), Demokratie und das südliche Afrika. S. 60

2 Vgl: INDUSTRIEMAGAZIN:Chinas schwieriger Wandel vom Schwellenland zum Entwicklungsland: https://industriemagazin.at/a/chinas-schwieriger-wandel-vom-schwellenland-zum-industrieland. Stand (19.04. 2018)

3 KÖRBER STIFTUNG: https://www.koerber-stiftung.de/fileadmin/user_upload/koerber-stiftung/redaktion/bergedorfer-gespraechskreis/pdf/import/bnd_119_de.pdf . Stand 19.04.2018

4 SPIEGEL ONLINE: Chinas Eintritt in eine neue Ära: http://www.spiegel.de/politik/ausland/china-eintritt-in-eine-neue-era-a-166833.html). Stand: 19.04.2018

5 Vgl. Asche, H., (2008): Chinas Engagement in Afrika: https://www.gigahamburg.de/sites/default/files/publications/studie_chinas_engagement_in_afrika.pdf. S.14

6 Vgl. ebenda

7 Vgl. Mayer, H. (2007): Die Rückkehr Chinas nach Afrika, S.41

8 Vgl. Gorkin, L: The Strategic Entry of China’s Emerging Multinationals into Africa (2007), S. 309ff.

9 Vgl. ebenda

10 Vgl. Alden C. A Profile of the Operations of Chinese Multinationals in Africa (2006), S. 83ff

11 Vgl. Ebenda

12 Vgl. Asche, H.: Chinas Bedeutung für Afrika, in Ludwig (2007), S. 61ff

13 Vgl. Kaplinksy: Revisting the Revisited Terms of Trade: will China make a difference? http://www.ids.ac.uk/ids/global/AsianDriverpdfs/RKTOTChina05.pdf. Stand 20.04.2018

14 Vgtl. Taylor, I.(2007), Unpacking Chinas Resource Diplomacy in Africa; S. 77

15 Vgl. AFRICAVIEW: Dos Santos tops the Angolas rich list: http://www.africareview.com/news/Dos-Santos-tops-the-Angola-rich-list/979180-4124238-2da867z/index.html. Stand: 20.04.2018

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Chinas Rolle in Afrika. Strategische Partnerschaft oder Machtausbau?
Hochschule
Universität Stuttgart  (Geschichte)
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V539686
ISBN (eBook)
9783346183217
ISBN (Buch)
9783346183224
Sprache
Deutsch
Schlagworte
China, Afrika, Oköonomie, Wirtschaft, Politik, Öl, Ressourcen, Ausbau, Bank
Arbeit zitieren
Kathi Oest (Autor), 2017, Chinas Rolle in Afrika. Strategische Partnerschaft oder Machtausbau?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539686

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