Diskussion von Hans Küngs Konzeption eines Weltethos


Hausarbeit, 2017

13 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung - Prof. Dr. Hans Küngs Erklärung zum Weltethos Erklärung

Wozu dient Ethik?

Für eine „universale Weltethos-Erklärung“

Prof. Dr. Hans Küngs Auffassung, warum es keinen Weltfrieden ohne Religionsfrieden gibt

Mögliche Strategien für einen Weltfrieden

Maximen elementarer Menschlichkeit

Kritik an den Küngschen Hauptprinzipien des Weltethos

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung - Prof. Dr. Hans Küngs Erklärung zum Weltethos Erklärung

Das Goethe-Institut in Paris veranstaltete 1989 ein Kolloquium mit dem Titel: „Weltreligionen, Menschenrechte und Weltfrieden“. Generaldirektor dieses Zusammentreffens war die UNESCO, welche in ihrem Programm „Erziehung zu den Menschenrechten“ die Bedeutung der Weltreligionen wiedererkannt und thematisiert hat. Zu dieser mehrtätigen Veranstaltung wurden Vertreter verschiedener Weltreligionen eingeladen, um gemeinsam in einen Dialog zur „globalen Friedensschaffung“ zu treten. Grundlage dieses Gesprächskreises bildeten die Basispapiere von Hans Küng, dem damaligen Theologie Professor des Tübingers Instituts für ökumenische Forschung. In dieser Phase seines Lebens beschäftigte sich der Autor der Basispapiere mit der Frage, wie es in den Jahrhunderten den Menschen nicht gelungen ist, ein friedliches Zusammenleben auf der Grundlage von Liebe, Toleranz und Respekt zu erschaffen. Den Führern der religiösen Bewegungen schiebt er die Verantwortung zu, ihre moralische Autorität für den Frieden einzusetzen.1

Die Ergebnisse und die Erfahrungen dieses „Friedens-Dialogs“ erhielten weltweiten Anklang.2 Dies bestätigte dem Theologen Küng, dass eine theologische, gesellschaftliche und politische Relevanz besteht, den Gedanken weiter zu tragen und der breiten Öffentlichkeit die Suche nach einem gemeinsamen Ethos der Religionen deutlich zu machen. Diese “Suche“ nach einem gemeinsamen Konsens zum Frieden, konnte mithilfe des „Projektes Weltethos“ des Theologen unterstützt werden. Das Projekt entstand ein Jahr nach der UNESCO Konferenz. Die in drei Büchern ausgearbeiteten Themen: „Kein Überleben ohne ein Weltethos“, „Kein Weltfriede ohne Religionsfriede“ und „Kein Religionsfriede ohne Religionsdialog.“3, bilden die Kernaussage des „Projektes Weltethos“.

Hans Küng hat seine Vision von einem friedlichen Zusammenleben aller Menschen, ob mit religiöser oder nichtreligiöser Lebenshaltung, 1990 in seinem Buch „Projekt Weltethos“ veröffentlicht. Seine Arbeit hat damit einen neuen Aspekt in Diskussionen, um die Schaffung und vor allem der Sicherung des Weltfriedens eingebracht.

Wozu dient Ethik?

Es besteht ein globalisierender Prozess, auf dem die Erde sich zunehmend zu einem Ort wandelt, auf dem Akteure nach politischen und wirtschaftlichen Interessen agieren. Diese führten in der ersten sowie der zweiten Jahrhunderthälfte, zu „katastrophale“ Entwicklungen in ökonomischen, sozialen, politischen und ökologischen Bereichen der Erde. Aufgrund dieser Tatsache war es nach dem Theologie Wissenschaftler Hans Küng dringend von Nöten, ein Weltethos aufzustellen, ohne diesen das Überleben der Menschheit in Zukunft gefährdet wäre. Daher bekommt der Begriff „Ethik“ eine globale und verantwortungsbewusste Bedeutung. Die Nationen, die in stetiger Wechselbeziehung und Abhängigkeit zueinanderstehen, benötigen nach Hans Küng eine Basis an „Global Standards“, um die Beziehungen untereinander im positiven Sinne aufrecht zu erhalten. Diese „Global Standards“ sind gefüllt von Moral und allgemein verpflichtenden ethischen Normen. In den letzten Jahrzehnten haben sich nach Hans Küng die Nationen aufgrund ihrer Beziehungen zueinander, problematische Herausforderungen akkumuliert, die die Stabilität der Staaten und ihre Bewohner gefährden. Dementsprechend würden Anhäufungen von negativen Gegenseitigkeiten zwangsweise zu einem Zusammenfall der wirtschaftlichen Lage und unaufhaltsam zur politischen Katastrophe einer Nation führen. Nach ihm wäre kein Leid dieser Qualität nötig, wenn es Regeln und Normen gäbe, an die sich alle Menschen halten würden. Genauso wie sie in allen Lebensgemeinschaften auf Mikro.- und Mesoebene bestehen, so wäre es auch von Nöten eine Basis dieser Qualität auf der Makroeben für die Zwischenbeziehungen von Interessengruppen und Nationen aufzubauen. Diese „Ethos-Basis“ beinhaltet die sittliche Grundhandlung der Menschen, über Werte und Normen unabhängig von Kultur, Religion oder Nationalität.4

Für eine „universale Weltethos-Erklärung“

Religiös motivierte Morde sind keine Seltenheit und doch widerspricht es dem gesunden Menschenverstand, wieso Mitmenschen aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit verurteilt werden. Moderne säkularisierte Menschen, welche Menschenliebe und Mitleid für ihre Mitmenschen empfinden, beschämen oft jene, die ihre Arbeit, ihre Lebenshaltung und ihr Mitgefühl auf der Basis ihres Glaubens leben. Denn wenn die rein vernünftig-handelnde Person, seinem Nächsten Fürsorge und Liebe entgegenbringt, bleibt es rätselhaft in welche theoretische Kategorie dieses Verhalten einzubringen ist5. Für Hans Küng steht fest, dass die Einrichtung der allgemeinen Erklärung zum Weltethos und dessen Ausarbeitung durch die verschiedenen repräsentativen Formen der Weltreligionen und ethnischen Gruppen, eine mögliche Friedenslösung darstellt. Aus der Perspektive ihrer Religion, sollten weltweite Wissenschaftler, eine Reflexion zum Weltethos bearbeiten. Unter anderem sollten wissenschaftlich arbeitende, interreligiöse ethische „Arbeitsgruppen“ gebildet werden, welche sich mit den Fragen des interreligiösen Dialogs befassen. Durch den Aufbau eines beständigen Forschungszentrums, sollte die Arbeit am Weltethos intensiv verfolgt werden, damit alle Bereiche abgedeckt werden könnten und das Ziel ausgearbeitet werden könnte, um eine globale Akzeptanz von religiösen und nichtreligiösen Mitbürgern zu erfahren. Die Frage der Humanität - „Jeder Mensch muss menschlich behandelt werden“- sollte nach dem Autor die Grundforderung der Erklärung zum Weltethos darstellen. Ein Grundsatz, der sich in allen Weltreligionen befindet und von theologisch- als auch von nichttheologisch geprägten Menschen anerkannt wird ist: „Was du willst, das man dir tut, das füge auch keinem anderen zu“. Darauf basierend, sollte die Weltethos Erklärung von allen anerkannt werden, indem sie sich dieser, mit einer Zustimmung verpflichten würden. Jede Religion und jede ethnische Gruppe sollte einen Vertrag eingehen, jeden Mitbewohner des Planeten menschlich zu behandeln. Weiterhin sollte der Staat ausnahmslos, die unveräußerliche und unantastbare Würde des Menschen respektieren und deren Schutz garantieren. Vier weitere Weisungen wurden wie folgt festgelegt:

1. Verpflichtung auf eine Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht vor allem Leben
2. Verpflichtung auf eine Kultur der Solidarität und eine gerechte Wirtschaftsordnung
3. Verpflichtung auf eine Kultur der Toleranz und ein Leben in Wahrhaftigkeit
4. Verpflichtung auf eine Kultur der Gleichberechtigung und die Partnerschaft von Mann und Frau.6

Prof. Dr. Hans Küngs Auffassung, warum es keinen Weltfrieden ohne Religionsfrieden gibt

Über Jahrhunderte hinweg war der Mensch davon geleitet, anhand seiner Moral und Sittlichkeit zu handeln. In vielen Völkern war es ein Handeln im Sinne der Gesellschaft, in der sich das Individuum befand. Ein Überleben ohne Gesellschaft war bis vor einigen Jahrhunderten in weiten Teilen dieser Erde kaum möglich. Diese Gemeinde wiederum war ein Teil einer bestimmten Religionsgesellschaft, welche einer religiösen Lehre folgten. Von dieser theologischen Lehre, ging ein Orientierungssystem aus, an das sich die Gesellschaft bzw. das Individuum richtete. Nach Hans Küng liegt hier aufgrund der Tatsache, dass eine abhängige Wechselbeziehung entstand, die Schwierigkeit darin, dass jedes Mitglied dazu angehalten war, sich an dieses Orientierungssystem, welches die Grundlage für Moral bildete, zu halten ohne dabei vernunftsgesteuerte Äußerungen zu machen. Somit behält die Religion bis heute eine gewisse Machtposition, welche sie legitimiert, motiviert und ihr gestattet im Falle eines moralischen und sittlichen Regelbruches, mit Strafen zu sanktionieren.7

Im Laufe der Geschichte ist von jeder Hochreligion (Weltreligion/Buchreligion)8, sowohl von geistig sittlichen Fortschritten religiöser Gesellschaften zu berichten, als auch von ihren sogenannten „Gegenreformen“, wie zum Beispiel zu Zeiten der Aufklärung. Doch in ihren Chronique scandaleuse, haben sich die Vertreter der Religionen oft nicht daran gestört, in wie fern sich die Anhänger im Rahmen ihrer Vorgaben, abgespalten haben und sich in „Extremen“ befanden, um auf ihre Weise den Glauben zu leben und weitertrugen. Bis heute stören sich die religiösen Institutionen nicht an ihren „bizarren Anhängern, wilden Strömungen, komischen Heiligen, lasziven Brahmanen, paranoiden Predigern, gestörten Rabbis, exzentrischen Bischöfen oder psychopatischen Päpsten“9

Im gleichen Zug werden Reformatoren, „Rebellen“ oder „Ungläubige“ in ihren kritischen Äußerungen gegenüber der bestehenden „Moral“ und „Sittenhaftigkeit“ der jeweiligen Religion verurteilt oder gar vertrieben und verfolgt. Hierbei lässt sich ganz klar eine Angst von Seiten der Institution herauserkennen, welche auf Machtverlust gründet. Doch von Seiten der religiösen Führer, steht die religiöse Unterjochung gegenüber der Anhängerschaft, entgegen einer demokratisch-, friedlichen und „brüderlichen“ Basis. Für Hans Küng steht ganz klar fest, dass es keinen Weltfrieden ohne Religionsfrieden gibt.

Die äußere Ablehnung gegenüber andersglaubenden/andersdenkenden Menschen, spiegelt die Ablehnung innerhalb der eigenen Gemeinschaft wieder.

Solange ein bestimmter Anspruch auf die allumfassende Wahrheit besteht, kann kein Dialog, sowohl innerlich als auch äußerlich stattfinden. Mit dem Versuch die Wahrheitsfrage zu analysieren, zeigt Hans Küng, dass kein Weltfriede ohne Religionsfrieden entstehen kann.10

Mögliche Strategien für einen Weltfrieden

Die Geschichte hat bewiesen, dass kein Anspruch so viel Leid ausgelöst hat, wie blinder Wahrheitsfanatismus der Religionen. Für Hans Küng führen folgende drei bestehenden Strategien der Wahrheitsfrage: „Die Festungsstrategie, die Verharmlosungsstrategie sowie die Umarmungsstrategie“11, zu keiner politisch relevanten Lösung, um einen globalen Frieden herbeizuführen. Exklusivität, Intoleranz, Wahrheitsabsolutismus und Selbstgerechtigkeit, gleiten sowohl durch das Christentum, vor allem in der römisch-katholischen Kirche, als auch durch den Islam, das Judentum, dem Hinduismus usw. So zeigt die „Festungsstrategie“ mit ihrer Selbstgerechtigkeit, dass es nur die eine wahre Religion gibt und somit keine weiteren Religionen zulässt. Doch das bedeutet, dass die eigene Religion auserkoren ist, um Gottes Heil zu erfahren und seinen Willen zu verkünden. Es steht diese Wahrheit nicht nur zwischen zwei Religionen, sondern ebenso innerhalb einer Religion, zwischen Abspaltungen. Der Wahrheitsanspruch und die damit gebundene religiöse Festung, wird nicht nur gegenüber anderen Religionen „erkämpft“, sondern auch von der kleinen abgespalteten Religionsgruppen, wie im Islam am Beispiel der Alewiten, Schiiten und Sunniten. Sie erkennen ein gemeinsames Buch an, folgen jedoch unterschiedlichen Auslegungen. Für den Theologie-Wissenschaftler Hans Küng ist die Wahrheitsfrage ein sehr komplexer Prozess, in dem Versuch die Wahrheit der je anderen Religion zu akzeptieren, ohne dabei die Wahrheit und damit die eigene Identität preiszugeben. Der religiöse Imperialismus und Triumphalismus macht einen Dialog unter den Religionen kaum möglich.11

Eine Verharmlosungsstrategie würde bedeuten, dass „jede Religion auf ihre Weise wahr“ ist.

Das Wahrnehmen der „ganzen Religion“ ist insofern von Bedeutung, damit die ausgelösten Probleme, die entsprechend dem Anschein nach „weg-relativiert“ wurden, bis zum nächsten Konflikt nicht unter den Teppich geschoben werden.

Dem ist nicht so, denn jede Religion wird zuerst zwischen den Grundtypen: mystisch, prophetisch und weisheitlich unterschieden. Ein Beispiel wären die im Islam abgespalteten Alewiten. Jene Gruppe, ähnlich wie die Sufisten, Gottes Funken anstatt in einem Buch oder ähnlichem, in sich zu suchen. In ihren Praktiken, nutzen sie Tänze und Musik, um Gott nahezukommen, was bei den orthodoxen Muslimen strengsten verboten ist.

Durch den Wahrheitsanspruch der orthodoxen Muslimen werden diese mystischen Gruppen in Ländern, deren Staatsform eine orthodoxe muslimische Staatsreligion darstellt, wie im Beispiel der iranischen Regierung unter Mahmud Ahmadinedschad, nur geduldet oder sogar verfolgt.

Nach dem Autor Hans Küng ist die Theorie der Umarmung, eine Theorie welche die eigene Religion als die wahre Religion sieht, während andere Religionen als ein Teil dieser einen Wahrheit angesehen werden. Somit wird ein Inklusivismus erzeugt, der andere Religionen auf tolerante Weise „umarmt“. In der Praxis wird die „weniger-wahre“ Religion in die eigene integriert, unter der Bedingung, dass diese Teile ihrer Identität aufgibt und sich in die wahre Religion integriert.12

[...]


1 Vgl. Küng, Kein Weltfrieden Religionsfrieden, 1990, S. 10 ff

2 Vgl. Küng, Kein Weltfrieden Religionsfrieden, 1993, S. 11 ff

3 Vgl. Küng, Projekt Weltethos, 1990, S.1

4 Vgl. Küng, Projekt weltethos, 1990, S. 23ff

5 Bundestzentrale für politische Bildung, H. Müller, Säkilarisierung und die Rückkehr der Religion. Online, Stand: 15.03.2017

6 Vgl. Küng, Projekt weltethos, 1990, S. 26ff

7 Vgl. Parlament der Weltreligionen (1993), Erklärung zum Weltethos. Online, Stand: 15.03.2017

8 Vgl. Wissen.de, Hochreligionen. Online, Stand 15.03.2017

9 Vgl. Küng, Projekt Weltethos, 1990, S. 58

10 Vgl. Küng, Projekt Weltethos, 1990, S. 59

11 Vgl. Küng, Projekt Weltethos, 1990, S. 106

12 ebenda

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Diskussion von Hans Küngs Konzeption eines Weltethos
Hochschule
Universität Stuttgart  (Geschichte)
Veranstaltung
Ethik
Note
2,5
Autor
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V539689
ISBN (eBook)
9783346159915
ISBN (Buch)
9783346159922
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hans Küng, Ethik, Weltethos, Religion, Europa, Weltfrieden, Menschenrechte
Arbeit zitieren
Kathi Oest (Autor), 2017, Diskussion von Hans Küngs Konzeption eines Weltethos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539689

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