Gegenstand dieser Arbeit ist der Film THE HATEFUL 8 von Quentin Tarantino (USA 2015), der in Verbindung mit theoretischen Konzepten und Begrifflichkeiten von Gilles Deleuze analysiert wird. Die Wahl des Films ist damit begründet, dass sich dort zahlreiche Szenen und Bilder wiederfinden, die einen „deleuzianischen“ Charakter haben. In seinen theoretischen Schriften verwendet Deleuze zahlreiche Begrifflichkeiten und Konzepte von Henri Bergson und Charles Sanders Pierce, die auch in dieser Arbeit Erwähnung finden. Anhand des Films wird versucht, Deleuzes Theorien über den Affekt, das Affektbild, die Großaufnahme, das Gesicht, das Aktionsbild, die beliebigen Räume und die Bedeutungen der Wiederholung zu veranschaulichen. Mithilfe von Screenshots sollen die eben genannten Theorien illustriert werden. Als Hauptquelle dient dabei Deleuzes Werk über das Bewegungsbild.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Affekt
3. Affektbild
4. Großaufnahme und das Gesicht
5. Aktionsbild
6. Beliebige Räume – Orte des Möglichen
7. Wiederholung
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert den Film "The Hateful 8" von Quentin Tarantino unter Anwendung der filmphilosophischen Theorien von Gilles Deleuze, um die filmische Konstruktion von Affektbildern, Aktionsbildern und beliebigen Räumen zu untersuchen und die strukturelle Funktion der Wiederholung aufzuzeigen.
- Filmanalyse nach deleuzianischen Konzepten
- Untersuchung von Affekt- und Aktionsbildern
- Phänomenologie der "beliebigen Räume"
- Narrative und visuelle Bedeutung von Wiederholungen
- Verhältnis von Potentialität und Aktualisierung im Film
Auszug aus dem Buch
4. Großaufnahme und das Gesicht
Auf der Bildebene, spezifischer auf der Ebene der Kameraeinstellung fällt von Beginn an die häufige Verwendung von Close Ups auf, insbesondere der Gesichter der Figuren. Die Großaufnahme hat nach Deleuze eine innere und äußere Komposition. Die innere Komposition ist die affektive Kadrierung, Szenenaufgliederung und Montage. Die äußere Komposition definiert er als Beziehung einer Großaufnahme zu den anderen Großaufnahmen und zu ihren eigenen Elementen, also das Verhältnis zu sich selbst.
Die Großaufnahme eines Gesichts oder eines Objektes entreißt nach Deleuze diese keineswegs aus der Gesamtheit zu der sie gehören. Die Beziehung zwischen dem Gesicht und der Großaufnahme ist eine besondere, Deleuze postuliert: „Es gibt keine Großaufnahme des Gesichts. Die Großaufnahme ist das Gesicht.“
Der Kopf von General Sanford Smithers (s. Abb. 5) ist demnach nicht als abgetrennt von dem Rest des Körpers zu verstehen. Vielmehr abstrahiert die Großaufnahme Smithers Kopf „von allen raumzeitlichen Koordinaten, das heißt sie verleiht ihm den Status einer Entität.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Arbeit, die Auswahl des Films "The Hateful 8" sowie die theoretische Fundierung durch Deleuze, Bergson und Pierce.
2. Affekt: Definition des Affekts als Ensemble aus unbeweglicher Einheit und expressiven Bewegungen, losgelöst von klassischen Emotionen.
3. Affektbild: Erläuterung des Affektbildes als eine Form des Bewegungsbildes, das als Intervall zwischen Rezeption und Reaktion fungiert.
4. Großaufnahme und das Gesicht: Untersuchung der Großaufnahme als Mittel, das Gesichter oder Objekte aus raumzeitlichen Koordinaten löst und als reine Entität zeigt.
5. Aktionsbild: Beschreibung des Aktionsbildes als Kategorie der Zweitheit, in der sich Affekte in konkreten raumzeitlichen Situationen aktualisieren.
6. Beliebige Räume – Orte des Möglichen: Analyse des Konzepts der "beliebigen Räume" als spirituelle Öffnung ohne metrische Fixierung.
7. Wiederholung: Untersuchung der Wiederholung als strukturelles Motiv im Film und dessen Funktion zur Produktion von Neuem.
8. Fazit: Zusammenfassende Reflexion der erarbeiteten Theorien und deren beispielhafte Anwendung auf das Filmmaterial.
Schlüsselwörter
Gilles Deleuze, The Hateful 8, Filmphilosophie, Affektbild, Aktionsbild, Großaufnahme, Beliebige Räume, Wiederholung, Potenzialität, Aktualisierung, Henri Bergson, Charles Sanders Pierce, Filmtheorie, Narration, Raum-Zeit-Koordinaten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Spielfilm "The Hateful 8" aus einer dezidiert filmphilosophischen Perspektive, basierend auf den Schriften von Gilles Deleuze.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Konzepte von Affekt, Affekt- und Aktionsbildern, die Bedeutung der Großaufnahme, das Phänomen der beliebigen Räume sowie die Rolle der Wiederholung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die abstrakten Theorien von Deleuze anhand von konkreten Filmszenen und Screenshots aus Tarantinos Film illustrativ und verständlich darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine filmwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär auf der Anwendung deleuzianischer Konzepte (aus "Das Bewegungs-Bild") auf die visuelle und narrative Struktur des gewählten Films basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Explikation der genannten Deleuze-Konzepte und deren Anwendung auf Szenen aus "The Hateful 8".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Deleuze, Affektbild, Aktionsbild, beliebiger Raum, Wiederholung, Großaufnahme und Potentialität.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Affektbild und Aktionsbild?
Das Affektbild zeigt den Affekt außerhalb von Raum-Zeit-Koordinaten als reine Qualität, während das Aktionsbild Affekte in konkreten, raumzeitlich bestimmten Situationen aktualisiert.
Welche Bedeutung hat der "Lincoln-Brief" im Kontext der Wiederholung?
Der Brief dient als Beispiel für ein Motiv, dessen Bedeutung sich durch Wiederholung wandelt: Er wandelt sich von einem prestigeträchtigen Objekt zu einem Werkzeug der Täuschung, was den Kreis der Wiederholung durchbricht.
- Quote paper
- Giulia Friedrich (Author), 2019, Der Film "The Hateful 8" (Quentin Tarantino, USA 2015) aus der Perspektive von Gilles Deleuze, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539694