Mit dieser Arbeit möchte ich zum einen der Frage nachgehen, welche Gründe für die Entscheidung ausschlaggebend waren, den Wohnsitz in der Bundesrepublik beibehalten zu wollen und zum anderen, welche Faktoren notwendig sind, um die Identifizierung und somit Integration der türkischstämmigen Migranten in die deutsche Gesellschaft zu ermöglichen.
Als Gastarbeiter werden Personen betitelt, die meist aufgrund wirtschaftlicher Nöte aus dem Heimatland auswandern, um für einen befristeten Zeitraum im Ausland zu arbeiten und zu wohnen. Der Begriff löste den vorherigen Begriff "Fremdarbeiter" ab, der zuvor in den 1960er Jahre in der Bundesrepublik entstand.
Deutschland gilt nicht erst seit den Kriegen und der wirtschaftlichen Ausbeutungen dritter Länder der letzten Jahrzehnte als Einwanderungsland für Flüchtlinge. Viele, denen wir als Mitmenschen begegnen und die für manche als "Fremde" gelten, leben eigentlich schon als Nachkomme in der zweiten oder dritten Generation in Deutschland. Die meisten türkischstämmigen Mitmenschen sind hier in Deutschland geboren, besuchten gemeinsame Kindergartenstätten und Schulen und wurden später zu Mitarbeitern, Arbeitgebern oder Angestellten.
Doch was die Wenigsten wissen, ist dass sie selbst mal als eingeladene Gäste kamen und seither immer noch hier leben. Die Bevölkerung weist im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern keine Homogenität auf. Aufgrund dessen besteht die Herausforderung Deutschlands darin, unterschiedliche Interessen, angemessen in einem System mit zahlreichen Menschen aus verschiedenen Kulturen, zu vereinigt. Somit hat Deutschland eine spezifische Integrationsaufgabe, um als gemeinschaftlicher Lebensraum zu dienen.
Doch viele Migranten hatten und haben, aufgrund von schlechten Erfahrungen in Form von Ablehnung durch Mitbürger, immer noch Angst, dass durch eine Integration kulturelle und religiöse Assimilation verlangt wird. Dies führte dazu, dass viele Mitglieder der türkischstämmigen Migrantengruppe weiterhin in Parallelgesellschaften lebten und der Integrationsprozess bis zum heutigen Datum stagniert.
Auf der anderen Seite gibt es unter den Migranten viele Politiker, Literaten, Komödianten usw. Ebenso ist die Zahl an beruflich erfolgreichen Personen mit Migrationshintergrund, die ein hervorragendes Beispiel dafür darstellen, wie Menschen aus verschiedenen Kulturen auf Basis der Toleranz und Gleichberechtigung miteinander leben können, groß.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Definition
1.1 Definition Gastarbeiter
2. Kurzer geschichtlicher Abriss der türkischen Gastarbeiter
2.1 „Man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kommen Menschen“
2.2 Rückkehrpläne? –lieber bleiben!
3. Schulbildung - Indikator zur sozialen Integration der Migranten
4. Sprache wirkt sich auf den Integrationserfolg aus
5. Freizeitsituation
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Gründe für die Entscheidung türkischstämmiger Gastarbeiter, ihren Wohnsitz dauerhaft in Deutschland beizubehalten, und analysiert die notwendigen Faktoren, die eine erfolgreiche Identifizierung und soziale Integration in die deutsche Gesellschaft ermöglichen.
- Historischer Kontext der Anwerbung türkischer Gastarbeiter
- Die Rolle der Schulbildung für den sozialen Aufstieg
- Einfluss der Sprachkompetenz auf den Integrationserfolg
- Soziale Vernetzung und Freizeitsituation von Migranten
- Auswirkungen von Ausgrenzungserfahrungen auf das Zugehörigkeitsgefühl
Auszug aus dem Buch
Schulbildung - Indikator zur sozialen Integration der Migranten
Um in einem Land zu leben, reicht es nicht nur aus, den Willen dazu zu haben. Viel wichtiger ist die Bereitschaft, sich der Gesellschaft, den Werten und Normen zu öffnen und neue Aspekte kennen zu lernen. Im Folgenden möchte ich den Faktor Schulbildung darstellen und analysieren, inwiefern sich türkischstämmige Migranten diesen zunutze gemacht haben, um die persönliche Integration zu gestalten.
Die meisten Migrantenfamilien, die als Gastarbeiter in die Bundesrepublik kamen, waren selbst aus bildungsfernen Familien oder hatten gerade mal die Grundschule absolviert (vgl. Becker 2010, S. 12). So kam es, dass sie sich zu Beginn der Ankunft im Aufnahmeland, in einer sozial niedrigen Position befanden. Doch die meisten gingen den „Preis der Migration“ ein - erwarteten jedoch von ihren Kindern Aufwärtsmobilität, da ihnen diese aufgrund ihrer sprachlichen, sozialen und kulturellen Barrieren verwehrt blieb (vgl. ebd.).
Ein Schulabschluss ist der Grundstein dafür, um sozialen und ökonomischen Erfolg zu erlangen. Doch selbst einen Schulabschluss zu haben, bedeutet nicht, dass eine Ausbildung angetreten werden kann. Beispielsweise ist eines der Selektionskriterien betrieblicher Entscheidungsträger der Abschluss der Schulart und dessen Qualität. Daher kann nicht davon ausgegangen werden, dass ein Schulbesuch die Ausbildungschancen der Migranten automatisch erhöht. Denn schon der Schulort und die Schulart können die Wettbewerbsmöglichkeiten und Chancen in der Gesellschaft eingrenzen. Der Sozialwissenschaftler Bötticher (1989) stellte in seinen Untersuchungen fest, dass der Erfolg in der Schule in vielfältiger Weise von der sozialen Herkunft eines Lernenden abhängt. „Die Hierarchie der Schulform korrespondiert sehr häufig mir der Hierarchie der Berufe. Während Arbeiterkinder eher niedere Schulabschlüsse absolvieren, gehen die meisten Kinder von Beamten beispielsweise auf das Gymnasium.“ (S. 155). Dies weise daraufhin, dass die Chancen eines sozialen Aufstiegs zusätzlich erschwert gewesen seien.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung und Definition: Dieses Kapitel erläutert den Begriff des Gastarbeiters und beleuchtet die Herausforderungen Deutschlands als Einwanderungsgesellschaft sowie die damit verbundene spezifische Integrationsaufgabe.
Kurzer geschichtlicher Abriss der türkischen Gastarbeiter: Hier wird die Geschichte der Anwerbeverträge seit 1955 und die Entwicklung der türkischen Migrantengruppe von der Anwerbung bis zur Etablierung als Mitbürger skizziert.
Schulbildung - Indikator zur sozialen Integration der Migranten: Das Kapitel analysiert, wie Bildungsaspirationen der ersten Gastarbeitergeneration auf ihre Kinder übertragen wurden und welche strukturellen Barrieren den sozialen Aufstieg erschwerten.
Sprache wirkt sich auf den Integrationserfolg aus: Es wird untersucht, wie Sprachbarrieren und unterschiedliche Sozialisationsstile im Elternhaus die Sprachbeherrschung sowie den Bildungserfolg der Kinder beeinflussen.
Freizeitsituation: Dieses Kapitel thematisiert, wie Freizeitgestaltung und soziale Kontakte zur deutschen Mehrheitsgesellschaft als Indikatoren für den Integrationsprozess dienen.
Fazit: Das Kapitel fasst zusammen, dass eine erfolgreiche Integration stark von persönlicher Zufriedenheit, Sprachkompetenz sowie der Bereitschaft aller Beteiligten abhängt, Vorurteile durch Bildung und Austausch abzubauen.
Schlüsselwörter
Gastarbeiter, Integration, Migration, türkischstämmige Migranten, Schulbildung, Sprachkompetenz, soziale Mobilität, Parallelgesellschaft, Bundesrepublik Deutschland, Identität, Sozialisation, Diskriminierung, Interkulturalität, Bildungsaspirationen, Freizeitverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht den historischen und soziologischen Prozess der Integration türkischstämmiger Gastarbeiter in die deutsche Gesellschaft.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Zu den Schwerpunkten gehören der geschichtliche Abriss der Anwerbung, die Rolle der Schulbildung für den sozialen Aufstieg sowie die Bedeutung von Sprache und Freizeitverhalten für die gesellschaftliche Teilhabe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Gründe für das dauerhafte Bleiben der Migranten zu identifizieren und jene Faktoren aufzuzeigen, die eine erfolgreiche Identifizierung und Integration ermöglichen.
Welche methodische Vorgehensweise wurde gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der aktuelle Studien und soziologische Erkenntnisse zur Situation der Gastarbeitergenerationen ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung, eine Analyse der schulischen Herausforderungen, eine Betrachtung sprachlicher Aspekte und die Untersuchung der sozialen Kontakte im Freizeitbereich.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit besonders?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie Integration, Bildungsaspirationen, soziale Mobilität und Parallelgesellschaft geprägt.
Wie beeinflusst das Alter bei der Einreise den Integrationserfolg?
Die Studie zeigt auf, dass jüngere Einreisende häufiger eine stärkere Identifikation mit der deutschen Gesellschaft entwickeln und schneller Anschluss finden.
Welche Rolle spielt das Elternhaus beim sozialen Aufstieg?
Das Elternhaus prägt durch den Erziehungsstil und die Weitergabe von Bildungszielen maßgeblich die Zukunftschancen der Kinder, wobei Sprachbarrieren der ersten Generation die Unterstützungsmöglichkeiten im Schulalltag oft einschränken.
- Arbeit zitieren
- Kathi Oest (Autor:in), 2019, Der Weg des türkischen Gastarbeiters zum Mitbürger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539699