Anthropologie und Ethik des Alterns. Altern in der Fremden Heimat


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

24 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Einleitung
1.1 Einführung
1.2 Was ist Migration?
1.3 Altersbilder neu definieren
1.3.1 Soziale Sicherungssysteme
1.3.2 Veränderte Erbfunktion
1.3.3 Familienform und Pflege der Angehörigen
1.3.4 Lebenssituation
1.4 Ausländer in der BRD

2.0 Vor der Pensionierung
2.1 Das Arbeitsleben
2.2 Die Gesundheit der Arbeitsmigranten

3.0 Die Problematik bei und nach der Pensionierung
3.1 Rückkehr in die Ursprungsheimat
3.2 Soziale Netzwerke
3.3 Die besondere Stellung der Frau

4.0 Dienstleistung und die Praxis
4.1 Inanspruchnahme von Dienstleistungen
4.2 In der Praxis

5.0 Migration in der Altenarbeit
5.1 Möglichkeiten der Altenhilfe
5.2 Interkulturelle Öffnung der Altenhilfe

6.0 Meinungen der Migranten
6.1 Migranten integrieren!?
6.2 Zitate älterer Migranten
6.0 Literaturverzeichnis

7.0 Anhang (PPP vom Vortrag)

Wir riefen Arbeitskräfte

Und es kamen Menschen

Ernst Bloch

1.0 Einleitung

1.1 Einführung

Mein Thema beschäftigt sich mit den vielen Migranten in Deutschland, die meist gegen Ihre Lebensplanung, in der „fremden“ Heimat alt werden und nun hier Ihren Lebensabend neu gestalten müssen.

Das Ziel in dieser Hausarbeit ist es, das Thema Migration und Altern näher zu beleuchten und einen kleinen Einblick, in das bisher recht unerforschte Gebiet der Entwicklungspsychologie, ermöglichen.

Ganz zu Anfang sollen die grundsätzlichen Dinge geklärt werden. Das heißt, „Was ist Migration?“ und „Um welchen Personenkreis handelt es sich?“. Dann soll noch der Migrationsverlauf der Einwanderer erklärt werden und eine Verbindung schaffen, warum sie es im Alter häufig schwieriger als Einheimische Pensionierte haben.

Zum Schluss möchte ich dann natürlich auch noch Lösungsansätze bieten, die eine Arbeit mir Migranten erleichtern.

1.2 Was ist Migration?

„(Migration), sozialwissenschaftlicher und politisch-historischer Begriff, der Prozesse räumlicher Bewegung von Menschen bezeichnet. In der amtlichen Statistik bezeichnet Wanderung den mit einem Umzug verbundenen Wechsel der Hauptwohnung. Die Wanderung wird unterteilt in Binnenwanderung (Wanderung innerhalb eines Gebietes) und Außenwanderung (über die Grenzen des Gebietes). Die Außenwanderung ist aus der Sicht des Ziellandes gleichbedeutend mit Einwanderung und des Herkunftslandes mit Auswanderung. Die Wanderung hat in den letzten Jahrzehnten ständig zugenommen und spielt quantitativ eine große Rolle (Wanderung von den nord- und schwarzafrikanischen Ländern sowie den osteuropäischen und GUS-Staaten nach Westeuropa, von Süd- und Südostasien in die Golfstaaten, von Mexiko und der Karibik sowie von Südostasien in die USA, von Indien und Indonesien nach Korea, Japan und Taiwan).

Als Ursachen werden »Push«- und »Pull«-Faktoren (Druck- und Sogfaktoren) unterschieden; bei den Ersteren handelt es sich um Faktoren wie Menschenrechtsverletzungen, Bedrohungen von Minderheiten, Krieg

und Bürgerkrieg, Armut, Arbeitslosigkeit und Hunger, Verelendung und Umweltprobleme. Zu den Sogfaktoren zählen die Hoffnungen und Erwartungen der Individuen, gegebenenfalls auch die ihnen gemachten Versprechungen und Angebote, ebenso objektiv bessere Ausbildungsmöglichkeiten und ein breiteres Angebot des Arbeitsmarkts.“

(c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001

1.3 Altersbilder neu definieren !?

Das Alter an sich und auch das Altwerden wird in jeder Ethnie anders gesehen bzw. wahrgenommen. Migranten geraten in ein Spannungsverhältnis, weil sie auf der einen Seite die Altersbilder ihrer Herkunftsregion verinnerlicht haben, auf der andern Seite die Muster des Alters in ihrer neuen Umgebung zu spüren bekommen.

In den stark traditionellen Gesellschaften des Mittelmeerraums erlangt man mit zunehmenden Alter und Position in der Familie auch eine höhere autoritäre Stellung. Häufig ist es so, das der Familienälteste bei Entscheidungen zu fragen ist und er auch die letzte Entscheidungsdistanz ist.

In der neuen Heimat (etwa in Deutschland) kann dies nur eingeschränkt zur Wirkung kommen. Spannungen sind häufig nicht zu vermeiden und der Status des alt gewordenen Menschen in der neuen Heimat, für den Migranten, in der Regel labyrinthisch.

Dafür sind die folgenden Faktoren verantwortlich:

(1) Soziale Sicherungssysteme (Kinder)
(2) veränderte Erbfunktion
(3) Familienform und Pflege der Angehörigen
(4) Lebenssituation

1.3.1 Soziale Sicherungssysteme

In den meisten Herkunftsregionen der Migranten sind immer noch die Kinder für die Versorgung im Alter oder bei Krankheit verantwortlich. Dementsprechend hoch war die Zahl der Kinder, die als potentielle Versorger angesehen wurden. Bei einem Verbleib in Deutschland können sie Rente in Anspruch nehmen, wodurch der Nachwuchs als Altersversorgung entbehrlich wird. Die Versorgung im Alter wird kalkulierbar und verändert die Denk- und Verhaltensweisen nachhaltig. So kann dies auch ein Grund dafür sein, das ein Vorhaben, in die Heimat zurückzukehren aufgegeben wird.

1.3.2 Veränderte Erbfunktion

In den agrarischen und handwerklichen Gesellschaften ist der Erhalt des Betriebes für die Zukunft existenziell, die Erbfunktion zentral. Für die Migranten wird solch ein Erbe immer unwichtiger. Sie werden im Alter ihr durch Lohnarbeit erworbenes Vermögen vererben. Der traditionelle Erb-mechanismus wird durch okzidentale Rechtsformen ersetzt.

1.3.3 Familienform und Pflege der Angehörigen

Im Mittelmeerraum überwiegen die Mehrgenerationsfamilien, die meist aus drei bis vier Generationen bestehen. Diese Familienform können die Migranten nur selten aufrechterhalten. Allein die Wohn- und Arbeitsverhältnisse machen ein enges Zusammenleben der Generationen schwierig. Die jüngere Generation entwickeln eine neue Einstellung zur Familienstruktur und individuelle Bedürfnisse gewinnen an Bedeutung.

Aber auch die Autoritäts- und Familienverhältnisse, sowie die traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau wird in der neuen Heimat brüchig, da dort andere Ge-schlechterverhältnisse ausgeprägt sind. In den Herkunftsregionen stützt die Konfession das herkömmliche Geschlechterverhältnis, in Deutschland kann längerfristig nicht daran festgehalten werden und so entstehen Spannungen.

Konkrete Probleme ergeben sich z.B. im Falle der Pflegebedürftigkeit, wenn eine Übersiedlung in ein Alten- oder Pflegeheim ansteht. Dies hat vielfältige Gründe, auf die ich in einem späteren Kapitel noch mal speziell eingehen möchte

1.3.4 Lebenssituation

Die Lebenssituation der Migranten in Deutschland ist durch unterschiedliche Tendenzen gekennzeichnet. Der Teil, der über einen längeren Zeitraum einer stetigen Erwerbstätigkeit nachgehen konnte, verfügt über günstige ökonomische und soziale Ressourcen. Ein anderer Teil hat aber eine sehr unkontinuierliche Erwerbsgeschichte mit langen Phasen der Erwerbstätigkeit. Dieser Teil der Migranten ist im Alter doppelt benachteiligt. Diese Problemgruppe hat oft unter weiteren diskriminierenden Faktoren zu leiden.

(vergl. „Das dritte Leben“)

1.4 Ausländer in der BRD

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(„Daten und Fakten“ der Beauftragten der Bundesregierung für Ausländerfragen; 31.10.2000)

Anhand dieser Tabelle ist zu sehen, das die Migranten prozentual jünger sind als die Deutschen Mitbürger. Der Anteil Ausländischer Mitbürger ist zusammengefasst (60 Jahre und älter) 8,6%. Dies sind immer noch weniger als die 17,4% der Deutschen Mitbürger über 65 Jahren.

Es ist festzustellen, das die Altersstruktur der Migrationsbevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland tatsächlich deutlich jünger als die der einheimischen Bevölkerung ist und auch die absolute Zahl der älteren Migranten vergleichsweise niedrig ist. „Allerdings hat sich der absolute und relative Anteil älterer Migranten in den letzten Jahren bereits deutlich erhöht und vorliegenden Bevölkerungsprognosen zufolge wird sich dieser Trend in den nächsten Jahren verstärkt fortsetzen.“ (Elke Olbermann 2003, S. 3) Dies bedeutet folgendermaßen, das in der Zukunft der Handlungsbedarf in diesem Sektor steigt.

Auch wenn „ bezogen auf Prognosen zur ausländischen Bevölkerung be-sondere Unsicherheitsfaktoren zu berücksichtigen sind, kann dennoch davon ausgegangen werden, dass Aspekte des Alterns in der Migration und der Lebenslage älterer Migranten erheblich an Bedeutung gewinnen werden.“ (Elke Olbermann 2003, S. 3)

Wir leben immer mit dem gepackten Koffer unter dem Bett,

und wir gehen immer gleich morgen zurück.

Doch dann kriegen wir Kinder,

dann gehen die Kinder zur Schule,

dann kommen die Enkel,

und wir sind immer noch da...

2.0 Vor der Pensionierung

2.1 Das Arbeitsleben

Die Gründe einer Migration sind vielfältig. Die heutige pensionierte Generation ist vor allem durch die Arbeitsmigration in der Nachkriegszeit nach Deutschland gekommen. Dies ist für diese Hausarbeit der relevanteste Migrationsgrund. Der Vollständigkeitshalber möchte ich noch andere Gründe aufzählen:

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Arbeitsmigration

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Migration durch Familiennachzug

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Migration durch Heirat

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Migration durch religiöse/ ethische Verfolgung

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Migration aus wirtschaftlichen Gründen

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Ect.

Wie schon erwähnt, die Migranten auf die ich mich in dieser Arbeit beziehe, kamen als Arbeitsmigranten zu uns. Ihr Ziel war es, schnell Geld zu verdienen und in ihre Ursprungsheimat zurück zu kehren.

Während ihrer Arbeitszeit waren sie sehr vielen Belastungsfaktorenausge-setzt. Sie waren stärker von Arbeitslosigkeit betroffen und litten häufiger unter schlechten Wohnverhältnissen.

Des weiteren ist festzuhalten das sie starke gesundheitliche Risiken eingegangen sind. Dies geschah häufig aus Unkenntnis und mangelnden Informationsmöglichkeiten. Viele Migranten hatten Kommunikationspro-bleme durch Sprachbarrieren. Dazu kam noch, dass viele Arbeitgeber erst gar nicht über die Risiken aufgeklärt haben.

Das Ziel der Arbeitsmigranten war es, in relativ kurzer Zeit viel Geld für eine Rückkehr in die Heimat zu verdienen. Das hieß, dass sie währen ihrer Arbeitszeit ihren eigenen, den der dagebliebenen Familienangehörigen und den Unterhalt der Zukunft erarbeiten mussten.

Dazu kommen noch die eventuell aufkommenden Kosten durch das Pendeln ins Heimatland um die Familienangehörigen zu besuchen. Aus diesem Grund „(...) waren sie zu einem hohen Anteil in Akkord und Schichtarbeit beschäftigt. Sie haben meist körperlich schwere und häufig mit chemischen Noxen, starker Lärm- und Hitzebelastung verbundene Arbeit verrichtet“ (Dietzel-Papakyriakou & Olbermann 1998 S. 44)um ihr Ziel zu erreichen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Anthropologie und Ethik des Alterns. Altern in der Fremden Heimat
Hochschule
Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen - Abteilung Paderborn
Veranstaltung
Theologie
Note
1,5
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V53973
ISBN (eBook)
9783638492775
Dateigröße
825 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anthropologie, Ethik, Alterns, Altern, Fremden, Heimat, Theologie
Arbeit zitieren
Jennifer Grün (Autor), 2005, Anthropologie und Ethik des Alterns. Altern in der Fremden Heimat, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53973

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