Leben und Umgang mit dem Tabu-Thema Transsexualität


Hausarbeit, 2019

18 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Definitionen
2.1 Definition Transsexualität
2.2 Definition Tabu

3 Wechsel des Geschlechts und das Leben damit
3.1 Unterstützungen in der Gesellschaft und seitens der Politik
3.2 Beratungsangebote und Anlaufstellen zum Thema Transsexualität
3.3 Bekannte transsexuelle und transidente Personen und die Herausforderungen derer in ihrem Alltag

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einführung

Transsexualität ist ein Thema, über welches nicht sehr offen in unserer Gesellschaft gesprochen wird. Wird es jedoch zum Thema in einer Konversation wird darüber oft sehr kontrovers diskutiert, da sowohl die Meinungen als auch das Wissen über Transsexualität häufig weit auseinander gehen. Wie definiert sich Transsexualität? Wie werden transsexuelle Menschen in unserer modernen Gesellschaft akzeptiert? Wie lebt man ein Leben mit einem Tabu-Thema, welches in sehr vielen Lebenslagen eine Rolle spielt? Diese und weitere Fragen werden im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeit untersucht und beantwortet.

Die persönliche Motivation, weshalb dieses Thema gewählt wurde, ist der Vater eines guten Freundes.

Tom1 lebt ein alltägliches Leben, geht zur Schule, macht eine Ausbildung und lernt ein paar Jahre später seine Frau kennen. Sie heiraten und bekommen bald ihren ersten Sohn, zwei Jahre später folgt der zweite Sohn. Die Arbeit als selbstständiger Elektriker läuft gut und auch im Privatleben ist alles so wie er es sich vorstellt.

Mit 40 Jahren jedoch merkt Tom, dass es etwas gibt, was ihn bereits seit seiner Kindheit beschäftigt. Es braucht weitere sechs Jahre bis er für sich selbst herausgefunden und definiert hat, was es ist, das ihn bereits seit Jahren beschäftigt und er sich dazu durchringt seiner Familie von seinen Gefühlen und Empfindungen zu berichten. Seine Söhne sind zu diesem Zeitpunkt 16 und 18 Jahre alt. Zunächst ist es sowohl für die Kinder als auch für seine Frau ein Schock, jedoch versuchen alle so gut wie möglich mit der Situation umzugehen. Tom möchte nun nicht mehr Papa sondern Klara genannt werden. Es ist eine wahnsinnige Umstellung wenn nach 16 beziehungsweise 18 Jahren plötzlich das Wort Papa aus dem Wortschatz wegfällt.

Die Familie arrangiert sich zunächst, alle wohnen weiterhin zusammen und gestalten das gemeinsame Familienleben. Als Klara aber immer mehr in der weiblichen Rolle aufgeht und durch Hormone und diverse Operationen immer weiblicher wird, funktioniert dies nicht mehr. Klara zieht aus und widmet sich vorerst ihrem eigenen Leben. Zahlreiche Therapien, Operationen und letztendlich die abschließende geschlechtsangleichende Operation folgen. Während dieses ganzen Prozesses ist es jedoch nicht nur die Familie, in der längst nicht alle so verständnisvoll reagieren wie ihre mittlerweile Ex-Frau und ihre Söhne, sondern vor allem auch der Beruf der sich für sie verändert und erschwert.

Obwohl sich Klaras Firma mitten in einer Großstadt befindet, gibt es trotzdem zunächst sehr viele skeptische Kunden, die erst einmal Abstand davon nehmen sie zu beauftragen, viel zu befremdlich und seltsam ist dieses Thema, dass sie jetzt plötzlich eine Frau ist. Des Weiteren hat sie in ihrem Kundenstamm viele ältere Personen, die noch sehr stark vom klassischen Rollenbild geprägt sind. Nach diesem ist es schon empörend, dass man überhaupt plötzlich ‚als Frau herumläuft‘, hinzu kommt aber noch dass eine Frau nicht als Elektriker arbeiten könne, das sei kein Frauenberuf und sowieso fehle einer Frau die Kraft und das Verständnis für solch eine Tätigkeit. So wird auf der einen Seite das neue Geschlecht völlig akzeptiert und dadurch sofort in Klischees gedrängt, auf der anderen Seite fehlt jegliches Verständnis für die Entscheidung eines transsexuellen Menschen und wieso es Transsexualität überhaupt gibt.

Hinzu kommt, dass es sich wie ein Lauffeuer herumspricht, dass der Vater von M. und A. nun nicht mehr Tom sondern Klara heißt und als Frau lebt. Offensichtlich ist Transsexualität selbst in einer Großstadt auf der einen Seite noch so ein Tabu-Thema, das für Verwunderung und Empörung sorgt, andererseits jedoch scheinbar trotzdem so spannend und interessant, dass jeder darüber spricht. Die meisten Reaktionen sind vor allem Erstaunen und in den darauffolgenden Sätzen und Reaktionen zeigt sich meist, dass das Wissen über transsexuelle Menschen und Transsexualität sehr dürftig ist und daher häufig Mutmaßungen angestellt werden, welche zu Gerüchten führen, die in keiner Weise der Wahrheit entsprechen. Wie beispielsweise dass Klaras Ex-Frau aufpassen müsse, dass die Söhne nicht genauso ‚komisch‘ werden würden wie der Vater, es hieße nicht umsonst ‚wie der Vater, so der Sohn‘.

An Klaras Beispiel zeigt sich in welchen Lebensbereichen transsexuelle Menschen mit Herausforderungen zu kämpfen haben und welchen Anfeindungen als auch Konflikten sie ausgesetzt sind. Viele dieser Anfeindungen oder Konflikte resultieren schlichtweg daraus, dass das Wissen fehlt, weswegen Mutmaßungen angestellt werden. Aus diesem Grund soll diese Hausarbeit über das sensible Thema der Transsexualität und das Leben von transsexuellen Menschen ein wenig aufklären und zum besseren Verständnis dieser führen. Sie soll zudem einen Einblick in einige Unterstützungen und Herausforderungen von transsexuellen Menschen geben, denn das Leben mit einem immer noch währenden Tabu-Thema gestaltet sich nicht immer einfach.

2 Definitionen

2.1 Definition Transsexualität

„Steht das biologische Geschlecht im Widerspruch zur Entwicklung der jeweiligen Geschlechtsidentität, so bezeichnet man dies als Transsexualität.“ (Schneider H.J., Schaaf L., Stalla G.K. (2007), S. 721)

Transsexuelle Menschen können genetisch, hormonell und anatomisch eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden. Psychisch identifizieren sie sich jedoch mit dem Gegengeschlecht. Häufig haben sie einen sehr starken Wunsch eines Geschlechtswechsels, ganz besonders was die körperlichen Merkmale des gebürtigen Geschlechtes betrifft. Therapien finden hier meist keine Erfolgsaussichten und der Wunsch nach dem Leben im Gegengeschlecht ist fast immer kompromisslos. (Schneider H.J., Schaaf L., Stalla G.K. (2007))

In vielen Fällen kommt die Sehnsucht nach dem Leben in der gegengeschlechtlichen Rolle schon in der frühen Entwicklung beziehungsweise der Kindheit. Meist wird dies durch das Tragen der für das jeweils andere Geschlecht passenden Kleidung, das sogenannte „cross-dressing“ ausgeübt. Sämtliche geschlechtsspezifischen Merkmale des ursprünglichen Geschlechtes werden abgelehnt, was häufig auch zu Selbstverstümmelungen führt. (Schneider H.J., Schaaf L., Stalla G.K. (2007))

Des Weiteren gibt es neben dem Begriff Transsexualität noch den Begriff Transidentität, dieser wird besonders häufig verwendet, wenn es um Kinder oder Jugendliche geht. Der sexuelle Aspekt ist bei ihnen nur einer von vielen, hierbei geht es meist eher um die allgemeine Identifikation mit dem eigenen Körper. Bei vielen Kindern und Jugendlichen gibt es Phasen, in denen sie sich nicht voll und ganz mit dem eigenen Körper identifizieren können, diese Phase verschwindet bei vielen aber wieder im Laufe der Entwicklung. Nicht alle Kinder und Jugendlichen die solch eine Phase durchleben entwickeln den Wunsch zu einem Leben im Gegengeschlecht. (Schneider H.J., Schaaf L., Stalla G.K. (2007))

Ergänzend zu den Begriffen Transsexualität und Transidentität wurde der Begriff Transgender eingeführt. Dieser beschreibt sowohl transsexuelle Personen, die den Wunsch nach geschlechtsumwandelnden Operationen haben, zudem aber auch Menschen, die ein Leben sozusagen zwischen den Geschlechterrollen anstreben, ohne sich nach einer geschlechtsumwandelnden Operation zu sehnen. Der Begriff Transgender umfasst somit Betroffene, die jedoch im einzelnen unterschiedliche Wünsche und Bedürfnisse haben, was den Wechsel des Geschlechts anbelangt. (Schneider, F., Frister, H., Olzen, D. (2015))

Es muss zudem klar unterschieden werden zwischen Transsexualität und Transvestismus, oft wird dies gleichgesetzt. (Schneider H.J., Schaaf L., Stalla G.K. (2007))

Der Unterschied ist jedoch, dass bei transsexuellen Menschen das Tragen der Kleidung des Gegengeschlechtes dazu führt, dass sie sich sowohl ihrem eigentlichen und gefühlten Geschlecht als auch der Rolle des Gegengeschlechtes näher fühlen. Zudem führt das Tragen der Kleidung zu einer Beruhigung und lenkt vom ständigen Unwohlsein im eigenen Körper ab. Bei Transvestiten hingegen sorgt das Tragen der Kleidung des Gegengeschlechts meist für sexuelle Erregung, Transvestiten fühlen sich in ihrem eigentlichen Geschlecht nicht unwohl und tragen daher nicht aus diesem Grund die Kleidung des Gegengeschlechts. (Schneider H.J., Schaaf L., Stalla G.K. (2007))

2.2 Definition Tabu

Im Duden finden sich zwei unterschiedliche Definitionen für den Begriff ‚Tabu‘. Einerseits die völkerkundliche Bedeutung, welche verbietet „bestimmte Handlungen auszuführen, besonders geheiligte Personen oder Gegenstände zu berühren, anzublicken, zu nennen, bestimmte Speisen zu genießen" (Bibliographisches Institut GmbH (2019)), auf der anderen Seite gibt es die bildungssprachliche Definition, nach welcher ein Tabu ein „ungeschriebenes Gesetz [ist], das aufgrund bestimmter Anschauungen innerhalb einer Gesellschaft verbietet, bestimmte Dinge zu tun.“. (Bibliographisches Institut GmbH (2019))

Nach beiden dieser Beschreibungen ist ein Tabu etwas Negatives. Außerdem ist zu erkennen, dass sich die erste Bedeutung eher weniger für eine Beschreibung des Begriffes Tabu in einer modernen Gesellschaft eignet. Dennoch spielen Tabus und deren Bedeutungen nach der Forschungsliteratur auch in modernen Gesellschaften noch eine Rolle. Obwohl die moderne Gesellschaft ihre Aufgeklärtheit präsentiert und bekräftigt, werden unangenehme Themen und Sachverhalte noch immer nicht direkt angesprochen, sondern verschleiert oder vermieden. (Schröder, H., Mildenberger, F. (2012))

Besonders im politischen Diskurs sind Tabus und deren Hintergründe, beziehungsweise das Brechen von Tabus und Enttabuisierung an der Tagesordnung. (Schröder, H., Mildenberger, F. (2012))

3 Wechsel des Geschlechts und das Leben damit

Die Begrifflichkeit ‚Wechsel des Geschlechts‘ klingt zunächst relativ simpel, dahinter verbergen sich jedoch viele Hürden, die Betroffene zunächst überwinden und überstehen müssen, was den meist sowieso schon vorhandenen Leidensdruck zunächst erhöht und verstärkt. Es gibt insgesamt fünf sogenannte Stufen, die Betroffene während der Behandlung durchlaufen müssen: Diagnostik, Alltagstest, Hormonbehandlung, geschlechtsangleichende Operation, Nachbetreuung. Diese Stufen werden von Ärzten, Psychotherapeuten und teilweise auch Psychiatern begleitet. (Schneider, F., Frister, H., Olzen, D. (2015))

Besonders die Stufe des Alltagstests klingt, als ob die Betroffenen einen realen Test beziehungsweise eine Prüfung durchlaufen oder absolvieren müssten, um zu bestätigen, dass sie wirklich im, für sie, falschen Geschlecht leben. Dies ist nicht der Fall, der sogenannte Alltagstest bietet den Betroffenen lediglich die Möglichkeit bereits Erfahrungen im Gegengeschlecht in allen Lebensbereichen zu machen. Die Phase des Alltagstests sollte bestenfalls mindestens ein Jahr betragen um besonders intensive und ausführliche Erfahrungen zu machen. (Schneider, F., Frister, H., Olzen, D. (2015))

Der Alltagstest dient zudem dazu, dass auch Reaktionen von Freunden und Familie entgegengenommen und erfahren werden können und wie der Umgang der betroffenen Person damit ist. (Schneider, F., Frister, H., Olzen, D. (2015))

Abgesehen davon dass der Alltagstest die Stufe ist, in der der Leidensdruck besonders verringert werden soll, kann eine betroffene Person dadurch entweder in seinem Empfinden was den Wechsel des Geschlechts anbelangt bestärkt werden und somit schneller die Hormonbehandlung starten, oder aber die betroffene Person realisiert, dass sie sich das Leben im Gegengeschlecht anders vorgestellt hat beziehungsweise der Wunsch nach dem Leben im Gegengeschlecht nicht so groß ist wie gedacht und kann somit davon Abstand nehmen. (Schneider, F., Frister, H., Olzen, D. (2015)) Ist der Alltagstest positiv verlaufen und hat die betroffene Person eine Hormonbehandlung begonnen, ist meist der nächste Schritt die geschlechtsangleichende Operation. Um diese durchführen lassen zu können sollten jedoch auch einige Voraussetzungen erfüllt sein. So sollte die zu operierende Person mindestens 18 Jahre alt sein und somit die psychosexuelle Entwicklung abgeschlossen haben, eine gründliche Diagnostik und eine mindestens zweijährige präoperative Beobachtung inklusive psycho-therapeutischer Behandlung erlebt haben. Zudem sollte ein Nachweis eines Alltagstests sowie einer kontinuierlichen gegengeschlechtlichen Hormon-therapie vorhanden sein. Des Weiteren sollten zwei unabhängige psychiatrische Gutachter die klare Indikation zur Operation stellen, die Aufklärung über die Operationsrisiken und über die rechtliche Situation sollte erfolgt sein und für die Phase nach der Operation sollte es eine Sicherung einer ärztlichen und psychotherapeutischen Nachsorge geben. All dies sind Voraussetzungen die für eine betroffene Person, die sehr unter einem Leidensdruck steht, schwer zu erleben und durchzustehen, was den Weg zum Leben im gewünschten Gegengeschlecht zusätzlich erschwert. (Schneider H.J., Schaaf L., Stalla G.K. (2007))

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1 Name zu Anonymisierungszwecken geändert.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Leben und Umgang mit dem Tabu-Thema Transsexualität
Hochschule
DIPLOMA Fachhochschule Nordhessen; Zentrale
Note
1,7
Jahr
2019
Seiten
18
Katalognummer
V539794
ISBN (eBook)
9783346141989
ISBN (Buch)
9783346141996
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gender, diversity, transgender, tabu-thema, tabu, geschlechterrollen, vielfalt, transsexualität, trans, lgbt
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Leben und Umgang mit dem Tabu-Thema Transsexualität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539794

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