Die hier vorliegende Arbeit befasst sich vergleichend mit dem Kriminalromanen "Der Richter und sein Henker" von Friedrich Dürrenmatt und "Wachtmeister Studer" von Friedrich Glauser. Da die zwei Berner Autoren sich scheinbar sehr ähnlich sind, es in dieser Studie zu untersuchen, ob und in wieweit Friedrich Glauser das Werk Dürrenmatts literarisch beeinflusst hat und wie dies in "Der Richter und sein Henker" sichtbar wird.
Zu Beginn der Analyse werden die Hauptfiguren, Wachtmeister Studer und Kommissar Bärlach, analysiert. Beide Protagonisten werden hinsichtlich ihres optischen Erscheinungsbildes, ihrer Charaktereigenschaften und auch ihrer sehr skurrilen Alltagsgewohnheiten beleuchtet. Im weiteren Verlauf werden sie anhand des Figurenanalysemodells von Lahn/Meister untersucht, um mögliche Gemeinsamkeiten festzustellen. Der zweite Teil befasst sich thematisch mit den Inhalten der Werke in Bezug auf den Zufall. Es gilt hier zu klären in wieweit die verschiedenen Geschehnisse als Zufall bezeichnet werden können, bzw. als die Kontingenz des menschlichen Geschehens und Handelns. An dieser Stelle werden Fiktion und Wirklichkeit gegenübergestellt, um weitere Parallelen der Krimis offenzulegen. Ein weiterer Punkt ist die wissenschaftliche Untersuchung der verwendeten Sprache und der vorhandenen Stilmittel. Hier gilt es festzustellen, ob die stilistischen Mittel beider Kriminalromane deckungsgleich sind, bzw. welche Unterschiede sie aufzeigen. Ein besonderes Augenmerk wird hierbei auf die Strukturanalyse in Bezug auf die eigene Begriffsbestimmung und den Dialekt von Wachtmeister Studer und Kommissar Bärlach gelegt.
Am Ende dieser empirischen Arbeit wird versucht zu klären in wieweit Friedrich Glauser ein literarisches Vorbild Friedrich Dürrenmatts ist, und wie dies zu begründen ist. Die erarbeiteten Gemeinsamkeiten, aber auch Differenzen, der hier vorliegenden Werke, werden zusammengefasst und einander gegenübergestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Figurenanalyse
2.1 Wachtmeister Studer
2.2 Kommissär Bärlach und der Vergleich zu Wachtmeister Studer
3. Thematische Auseinandersetzung – Zufall: Fiktion oder Wirklichkeit?
4. Strukturanalyse: Sprache und Stilmittel
5. Friedrich Glauser – ein literarisches Vorbild Dürrenmatts? Ein Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, einen analytischen Vergleich zwischen den Kriminalromanen "Der Richter und sein Henker" von Friedrich Dürrenmatt und "Wachtmeister Studer" von Friedrich Glauser zu ziehen, um zu untersuchen, inwieweit Glauser als literarisches Vorbild für Dürrenmatt fungierte.
- Vergleichende Analyse der Protagonisten Wachtmeister Studer und Kommissär Bärlach
- Untersuchung der Bedeutung des Zufalls als zentrales Motiv in beiden Werken
- Strukturanalyse der sprachlichen Gestaltung und verwendeten Stilmittel
- Erforschung von Gemeinsamkeiten und Differenzen in der Erzählweise
- Kritische Würdigung des möglichen literarischen Einflusses von Glauser auf Dürrenmatt
Auszug aus dem Buch
2.1 Wachtmeister Studer
Der Protagonist Wachtmeister Studer ist ein „Fahnderwachmeister von der Berner Katonspolizei“¹, der ungeachtet seines hohen Alters und ein paar Kilos mehr auf den Rippen sehr beweglich ist.² Trotz seiner offensichtlichen Fülle wird er mit „mageren Fingern“³ beschrieben, was wiederum auf ein älteres Semester schließen lässt, wie auch seine grauen Haare zeigen.⁴ Später verrät Glauser dem Leser, dass der Wachtmeister kurz vor der Pensionierung steht.⁵ Im weiteren Verlauf des Textes wird sein Äußeres wie folgt beschrieben:
„ […] ein einfacher Fahnder, ein älterer Mann, an dem nichts Auffälliges war: Hemd mit weichem Kragen, grauer Anzug, der ein wenig aus der Form geraten war, weil der Körper, der darin steckte dick war. Der Mann hatte ein bleiches, mageres Gesicht, der Schnurrbart bedeckte den Mund, so daß man nicht recht wußte, lächelte der Mann oder war er ernst.“⁶
Neben dem Verdecken der Mundpartie fördert sein Bart auch noch eine nützliche Angewohnheit zu Tage: Studer streichelt sich immer über seinen Bart, wenn er etwas liest um sich besser konzentrieren zu können.⁷ Da sich der Wachtmeister von Anfang an sicher ist, dass Schlumpf Erwin den Mord nicht begangen hat,⁸ will er die Ermittlungen übernehmen und das Dunkle zu Tage bringen. Der Untersuchungsrichter bezeichnet ihn deshalb sogar als „Gerechtigkeitsfanatiker“.⁹ Ob diese Bezeichnung angemessen ist, liegt allein im Ermessen des Lesers.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die beiden Kriminalromane vor und erläutert die Forschungsfrage, ob Friedrich Glauser das Werk von Friedrich Dürrenmatt literarisch beeinflusst hat.
2. Figurenanalyse: Dieses Kapitel vergleicht die Protagonisten Wachtmeister Studer und Kommissär Bärlach hinsichtlich ihres Erscheinungsbildes, ihrer Charaktereigenschaften und ihrer Arbeitsweisen.
3. Thematische Auseinandersetzung – Zufall: Fiktion oder Wirklichkeit?: Es wird untersucht, welche Rolle der Zufall als zentrales Motiv in beiden Werken einnimmt und wie die Protagonisten mit Unvorhersehbarem umgehen.
4. Strukturanalyse: Sprache und Stilmittel: Die Analyse widmet sich der sprachlichen Gestaltung der Romane, insbesondere dem Einsatz von Dialekt und der Bedeutung von Natur- und Raumbeschreibungen.
5. Friedrich Glauser – ein literarisches Vorbild Dürrenmatts? Ein Resümee: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Frage nach dem literarischen Einfluss Glausers auf Dürrenmatt kritisch.
Schlüsselwörter
Kriminalroman, Friedrich Dürrenmatt, Friedrich Glauser, Wachtmeister Studer, Kommissär Bärlach, Figurenanalyse, Zufall, Literaturvergleich, Erzähltextanalyse, Stilmittel, Schweizer Literatur, Antiheld, Ermittlung, literarischer Einfluss, Sprachanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit einem analytischen Vergleich der Kriminalromane „Der Richter und sein Henker“ von Friedrich Dürrenmatt und „Wachtmeister Studer“ von Friedrich Glauser.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit deckt die Figurenanalyse der Protagonisten, die Bedeutung des Zufalls im Ermittlungskontext sowie eine detaillierte Strukturanalyse der Sprache und Stilmittel ab.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Studie?
Das primäre Ziel ist es zu klären, ob Friedrich Glauser als literarisches Vorbild für Friedrich Dürrenmatt gedient haben könnte und wie sich dies in den beiden Werken manifestiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung herangezogen?
Die Autorin nutzt vor allem das Figurenanalysemodell von Lahn/Meister, um die Charaktere und deren Interaktionen systematisch zu erfassen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Hauptfiguren, eine Untersuchung der Thematik „Zufall“ und eine Analyse der sprachlichen Gestaltung beider Romane.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Kriminalroman, literarische Beeinflussung, Figurenanalyse, Zufallsmotiv und der Vergleich zwischen den beiden Schweizer Autoren Dürrenmatt und Glauser.
Inwiefern unterscheiden sich die beiden Protagonisten in ihrem beruflichen Werdegang?
Während Bärlach als Kommissär bei der Kantonspolizei arbeitet und eine internationale Karriere hinter sich hat, ist Studer als Wachtmeister tätig, wobei beide kurz vor ihrer Pensionierung stehen.
Welche Bedeutung kommt der Krankheit der beiden Ermittler zu?
Das Verdrängen der eigenen Krankheit und das Zurückstellen persönlicher gesundheitlicher Bedürfnisse zugunsten der Ermittlung stellt eine maßgebliche Gemeinsamkeit beider Protagonisten dar.
- Arbeit zitieren
- Jennifer Freisem (Autor:in), 2017, Friedrich Glauser als literarisches Vorbild Friedrich Dürrenmatts? Analytischer Vergleich der Kriminalromane "Der Richter und sein Henker" und "Wachtmeister Studer", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539817