Diese Arbeit befasst sich anhand der Urteilsbegründung zweier Richter im Fall "Plessy vs.Ferguson" von 1890 mit den verschiedenen Auffassungen von Gleichheit und Gleichbehandlung der Rassen in Amerika zu dieser Zeit. Eine Antwort auf die Frage zu finden wie die unterschiedlichen Auffassungen begründet und dargestellt werden, ist Ziel dieser Hausarbeit.
Zur Diskussion stehen in der aktuellen Forschung vor allen Dingen die Konsequenzen oder Auswirkungen des Gerichtsurteils. So stellt Michael J. Klarman infrage, ob das Urteil, was die Legitimation der Segregation impliziert, zu einer Expansion von eben solchen Gesetzen geführt hat, da schon vorher Segregationsgesetze bei Eisenbahnen zwischen 1887 und 1892 erlassen wurden. Er sieht das Urteil eher integriert in den Zeitgeist der Rassendiskriminierung und stellt eine gegensätzliche Entscheidung ohnehin als nicht durchsetzbar dar, weil sich wahrscheinlich viele weiße Südstaatler zu der Zeit nicht an ein Verbot von Eisenbahnsegregation oder sonstigen Rassentrennungen gehalten hätten.
Damit der Fall "Plessy v. Ferguson" besser einzuordnen ist, ist eine Darstellung der wichtigsten Ereignisse vor und nach dem Urteil vonnöten. Daraufhin verdienen Ursprung und Hintergrund der Jim-Crow-Gesetze eine Betrachtung, bevor schließlich der Kontext des Falls und die Analyse über die Darstellung der Gleichheit der Rechte folgen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Historischer Kontext des Plessy-Urteils
II.1. Die Jim Crow Gesetze
II.2. Die Hintergründe des Falls Plessy v. Ferguson
III. Analyse über die Darstellung der Rechte
III.1. Die Mehrheitsmeinung
III.2. Die Minderheitsmeinung
IV. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die gegensätzlichen Interpretationen des 14. Zusatzartikels der US-Verfassung durch Richter Henry Billings Brown und Richter John Marshall Harlan im wegweisenden Gerichtsurteil Plessy v. Ferguson von 1896, um zu ergründen, wie Rassentrennung juristisch begründet oder abgelehnt wurde.
- Historische Entwicklung der Jim Crow Gesetze in den USA
- Analyse der juristischen Argumentation zur "separate-but-equal"-Doktrin
- Gegenüberstellung von Mehrheits- und Minderheitsmeinung im Supreme Court
- Diskurs über soziale und politische Gleichheit vor dem Gesetz
- Einordnung des Falls in den gesellschaftlichen Zeitgeist der Rassendiskriminierung
Auszug aus dem Buch
II.1. Die Jim Crow Gesetze
Zunächst sollte hier der Name Jim Crow erklärt werden. Der weiße Schauspieler Thomas Dartmouth „Daddy“ Rice, hatte einen Song eines älteren Sklaven in Louisiana gehört der in einer Schmiede tätig war und Jim hieß. Rice assoziierte zusätzlich durch die Hautfarbe des Schmiedes die Krähe (Crow) hinzu und stellte daraufhin in seiner Show einen älteren schwarzen Sklaven namens Jim Crow dar, der mit heruntergekommenen Klamotten und nackten Füßen mit Banjo über die Bühne tanzte. Jim Crow war also am Anfang ein Song oder Tanzschritt, der aber da schon die schwarze Minderwertigkeit aus Sicht der Weißen implizierte. So wurden Schwarze gezielt degradiert und gedemütigt durch das Vorteil, dass sie immer fröhlich, faul und dumm seien und lachen und tanzen würden. Wie der Name zum Sinnbild der Segrationsgesetze wurde, ist zwar nicht nachgewiesen, die Verbindung ist aber durchaus nachvollziehbar.
Hinter der Idee der Jim Crow Gesetze stand vor allen Dingen die Sicherung der weißen Vormachtstellung durch ein legales System, was den Sklavencode nahezu wiederherstellte und Vorurteile und Diskriminierungen beinhaltete. Schwarze wurden als Kannibalen und Kreaturen angesehen, die eher vom Affen als von Menschen abstammten und gewalttätiger Natur waren. Nur die strenge des Gesetzes konnte sie von der Kriminalität und ihrem schlechten Verhalten fernhalten. Auf der einen Seite sollten die Segregationsgesetze rassistische Gewalt auf beiden Seiten reduzieren und den Schwarzen helfen in der Gesellschaft normal leben zu können. Auf der anderen Seite entsprang die Trennung der Rassen auch aus der Angst, die Schwarzen könnten durch den Kontakt irgendwann gleiche Rechte bekommen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung stellt die Urteilsbegründungen von Brown und Harlan vor und definiert das Ziel der Arbeit, die unterschiedliche Auslegung der Gleichheit vor dem Gesetz zu analysieren.
II. Historischer Kontext des Plessy-Urteils: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung der Rassentrennung und die rechtliche Situation der Afroamerikaner von der Sklaverei bis zum späten 19. Jahrhundert.
II.1. Die Jim Crow Gesetze: Hier wird der Ursprung des Begriffs Jim Crow erklärt und wie diese Gesetze zur Sicherung weißer Vormachtstellung genutzt wurden.
II.2. Die Hintergründe des Falls Plessy v. Ferguson: Dieses Kapitel beschreibt den gezielten Widerstand des Bürgerkomitees gegen das Separate Car Act durch Homer Plessy und den juristischen Weg zum Supreme Court.
III. Analyse über die Darstellung der Rechte: Hier wird der Fokus auf die juristischen Positionen der beiden zentralen Richter im Prozess gelegt.
III.1. Die Mehrheitsmeinung: Analyse von Browns Interpretation, die soziale Ungleichheit durch die Natur der Rassen und etablierte Bräuche rechtfertigt.
III.2. Die Minderheitsmeinung: Untersuchung von Harlans Gegenargumentation, die Segregation als verfassungswidrige Verletzung der persönlichen Freiheit und Bürgerrechte bezeichnet.
IV. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die Diskrepanz der Urteilsbegründungen zusammen und führt sie auf den damaligen Zeitgeist und die Interpretationsspielräume der Verfassung zurück.
Schlüsselwörter
Plessy v. Ferguson, Jim Crow Gesetze, Rassentrennung, 14. Zusatzartikel, Henry Billings Brown, John Marshall Harlan, separate-but-equal, Bürgerrechte, Segregation, Rassendiskriminierung, Verfassungsgeschichte, Supreme Court, soziale Gleichheit, politische Gleichheit, Bürgerkomitee
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die juristische Debatte innerhalb des historischen Supreme-Court-Falls Plessy v. Ferguson (1896) zwischen Mehrheits- und Minderheitsmeinung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Geschichte der Jim Crow Gesetze, die Interpretation von Gleichheit im 14. Verfassungszusatz und die soziale vs. politische Gleichheit der Rassen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, herauszufinden, wie die beiden Richter ihre entgegengesetzten Auffassungen von Gleichheit vor dem Gesetz begründeten und darstellten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-juristische Analyse, basierend auf den Original-Urteilsbegründungen der Richter und ergänzt durch einschlägige Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in den historischen Kontext, die Hintergründe des Plessy-Falls und die tiefgehende Analyse der Argumentationen von Brown und Harlan.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Plessy v. Ferguson, Segregation, Jim Crow, 14. Zusatzartikel und die juristische Auseinandersetzung über Rassenrechte.
Warum spielt die "one-drop-rule" eine Rolle für das Urteil?
Sie war entscheidend für die Definition, wer als "schwarz" und damit als segregationspflichtig galt, was Plessys Status als "octoroon" und das Problem der rassistischen Klassifizierung verdeutlicht.
Warum wird Harlans Position als "color blind" bezeichnet?
Harlan plädierte für eine Verfassung, die den rassischen Hintergrund bei der Gewährung von Bürgerrechten ignoriert, was im Gegensatz zu Browns Akzeptanz sozialer Unterschiede steht.
Wie bewertet der Autor die Rolle des "Zeitgeistes"?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Zeitgeist und die gesellschaftlichen Bräuche die Richter maßgeblich in ihrer Auslegung der "vage" formulierten Verfassungsrechte beeinflussten.
- Quote paper
- Lukas Hüttemann (Author), 2018, Juristische Gleichheit und Gleichbehandlung in den USA Ende des 19. Jahrhunderts. Der Fall Plessy gegen Ferguson, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539827