Allgemeinbildung in kritisch-konstruktiver Perspektive - Wolfgang Klafki


Hausarbeit, 2005
20 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Biographische Notizen zu Wolfgang Klafki

III. Einordnung der didaktischen Theorien Klafkis

IV. Der zentrale Begriff: die Allgemeinbildung
1. Das Fundament der Theorie Klafkis: die klassischen Bildungstheorien
2. Klafkis modernes Allgemeinbildungskonzept

V. Praktische Konsequenzen der Bildungstheorie im Unterricht

VI. Schlussbemerkung

VII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Bei der Beschäftigung mit Didaktik wird man unweigerlich auf den Namen Wolfgang Klafki treffen. Er wird als einer der wichtigsten Erziehungswissenschaftler der Gegenwart gesehen, seine Theorien der Kategorialen Bildung und die spätere Weiterentwicklung zur kritisch-konstruktiven Didaktik sind maßgeblich für die erziehungswissenschaftliche Diskussion in den letzten vierzig Jahren.

Als zentrales Moment der Theorie Klafkis gilt die Bildung, sie ist Dreh- und Angelpunkt seiner didaktischen Theorie. Bildung ist auch ein zentrales Thema in unserer aktuellen Gesellschaft: Es wird „mehr davon“ gefordert, die Bildung von Schulabgängern als ungenügend bezeichnet, sogar der „Bildungsnotstand“ ausgerufen. Was aber ist Bildung, wie kann man diesen Begriff definieren? Was ist die berühmte Allgemeinbildung ?

Mit dieser Fragestellung im Hintergrund soll der Schwerpunkt dieser Arbeit auf dem Bildungsbegriff Klafkis liegen. Wie definiert er Bildung, was ist seiner Ansicht nach Allgemeinbildung? Es ist von vorneherein offensichtlich, dass in einer Arbeit dieses Umfanges das gesamte didaktische Konzept Wolfgang Klafkis nicht erschöpfend dargestellt werden kann, auch aus diesem Grund ist eine Beschränkung auf den Aspekt der Bildung, gerade weil es sich hierbei um den zentralen Moment seiner didaktischen Theorie handelt, sinnvoll.

Zunächst soll in Abschnitt II ein kurzer Abriss über Leben und Werk Wolfgang Klafkis geboten werden. Dies erscheint sinnvoll, da jeder Mensch auch Kind seiner Zeit ist – womöglich bilden einige biographische Notizen einen Rahmen für das Verständnis von Klafkis Theorien. Im dritten Kapitel sollen wichtige Eckpunkte der Entwicklung von Klafkis bildungstheoretischer Didaktik kurz dargestellt werden. Auf den nun folgenden Abschnitt IV ist der Schwerpunkt dieser Arbeit gelagert: Die Bildung im Verständnis Wolfgang Klafkis. Hierbei soll zunächst auf die klassische deutsche Bildungstheorie des beginnenden 19. Jahrhunderts eingegangen werden, die das Fundament von Klafkis Theorie bildet. Darauf folgend soll seine Wahrnehmung von Allgemeinbildung, die vor allem auf von ihm definierten epochalen Schlüsselproblemen beruht, beschrieben werden. Unter Punkt V sollen anschließend die zentralen Auswirkungen seiner Bildungsdefinition auf die praktische Lehrtätigkeit beziehungsweise die Unterrichtsplanung dargestellt werden.

Ziel der Arbeit soll es sein, die auf den Bildungsbegriff, die Organisation der Institution Schule und die Unterrichtsplanung gerichteten Perspektiven, die Klafki in seiner Theorie entwickelt, darzustellen.

II. Biographische Notizen zu Wolfgang Klafki

Handeln und Denken einer Person kann nicht unabhängig von zeitspezifischen Prägungen oder der persönlichen, familiären Sozialisation gesehen werden.

Geboren am 1. September 1927, wuchs Wolfgang Klafki als zweiter von drei Söhnen in Angerburg in Ostpreußen auf. Sein Vater war Oberstudienrat, was Wolfgang Klafki in seiner späteren Berufswahl stark beeinflussen sollte. Prägend für die Kindheit und Jugend Klafkis sollten im gewissen Maße auch das nationalsozialistische Regime und der Zweite Weltkrieg sein, so endete seine Schulzeit mit 17 Jahren mit einem „Reifevermerk“, dem so genannten Notabitur. Er wurde zunächst zum Arbeitsdienst eingezogen, später kämpfte er an der Front bei Danzig / Gotenhafen und im Samland. Da Klafki seine Kindheit und Jugend unter den Bedingungen des Nationalsozialismus verbrachte und selbst im Alter von nur 17 Jahren in den Krieg ziehen musste, stellt sich die Frage, inwiefern das NS-Regime ihn in seinem Denken und Handeln beeinflusst hat. Das familiäre Leben der Familie Klafki war wohl weitgehend politisch indifferent; weder wurden die Kinder im nationalsozialistischen Ideal noch mit dem Ziel der Erlangung einer systemkritischen Geisteshaltung erzogen. Erst als Klafki an der Front kämpfen musste wandelte sich seine doch recht unbeteiligte Haltung zu einer radikalen Ablehnung des Nationalsozialismus.[1]

Nach Ende des Krieges begann er im Sommersemester 1946 an der Pädagogischen Hochschule Hannover zu studieren und schloss sein Studium im Jahr 1948 ab. Als Lehrer für Deutsch, Geschichte und Erdkunde unterrichtete er in den darauf folgenden Jahren an ländlichen Volksschulen in Schaumburg-Lippe. Den Vater als Vorbild, den er als idealen Lehrer sah, aber auch weitere Faktoren wie zum Beispiel die positiven Erfahrungen aus seiner eigenen Schulzeit hatten seine Berufswahl stark beeinflusst. „Er gehörte damit zu jenen Pädagogen, deren berufliche Motivation nicht aus einem Mangelerlebnis heraus oder überhaupt aus negativen Erlebnissen […] erwachsen ist“[2] sondern vielmehr aus dem familiär und schulisch bedingten Konglomerat positiver Erfahrungen.

Später nahm er erneut ein Studium auf: In Göttingen und Bonn studierte er Pädagogik, Philosophie und Germanistik. Hier traf er auf Lehrer, wie zum Beispiel Erich Weniger oder Theodor Litt, die ihn in seiner weiteren Entwicklung enorm beeinflussen sollten. Im Jahr 1957 schloss er sein Studium mit der Dissertation „ Das pädagogische Problem des Elementaren und die Theorie der Kategorialen Bildung “ ab, die den Beginn seiner didaktischen Konzeption einläutete und gleichzeitig die didaktische Diskussion der nächsten Jahre maßgeblich mitbestimmte. Im selben Jahr heiratete Klafki Hildegard Ufer, mit der er drei Kinder bekam.[3]

Die berufliche Tätigkeit Wolfgang Klafkis ist überaus weit gefächert. Nach einer Lehrtätigkeit an der pädagogischen Hochschule Hannover wechselte er an die Universität Münster, wo er seine Habilitationsschrift verfasste. Seit 1963 war Klafki Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Marburg und brachte sich in eine Reihe bildungspolitischer Prozesse ein: so war er seit Ende der 60er Jahre gleichzeitig Vorsitzender der Lehrplankommission für Hauptschulen in Nordrhein Westfalen und der Kommission zur Revision der hessischen Bildungspläne. Zudem war er auch Mitglied des wissenschaftlichen Rates des Bildungstechnologischen Zentrums Wiesbaden und leitete dort die „Ständige Arbeitsgruppe für Curriculumsentwicklung“. Des Weiteren war er seit 1991 Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates der Laborschule Bielefeld und saß außerdem von 1992 bis 1993 der Schulreform-Kommission des Landes Bremen vor. Zudem war er in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft engagiert. Neben seiner Lehrtätigkeit an der Universität und den eben angesprochenen zahlreichen Verpflichtungen produzierte Wolfgang Klafki ein umfangreiches Werk zu erziehungswissenschaftlichen Themen.[4]

Inwiefern kann man davon ausgehen, dass Klafkis Biographie sich auch in seinen didaktischen Ansichten widerspiegelt? Man muss festhalten, dass Klafki mit großer Motivation seinen Beruf wählte und selbst als Lehrer arbeitete, also kein reiner Theoretiker war. In Bezug auf seine Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus muss man vor allem sein Bemühen um eine freiheitlich-demokratische und humanitäre Erziehung hinweisen.[5]

III. Einordnung der didaktischen Theorien Klafkis

In dieser Arbeit soll sich hauptsächlich mit der kritisch-konstruktiven Didaktik beschäftigt werden, die wiederum eine Weiterentwicklung der Ende der 50er Jahre von Wolfgang Klafki entwickelten kategorialen Bildung ist. Aus diesem Grunde soll auch die kategoriale Bildung kurz erläutert werden. Klafki entwickelte dieses Bildungskonzept in Abgrenzung und unter gleichzeitiger kritischer Aufnahme der damals bestehenden Bildungstheorien, die seiner Meinung nach zu einseitig waren. Da waren zum einen materiale Bildungstheorien, deren Gefahr darin bestand, dass reines Wissen angesammelt wird und die Unterscheidung zwischen wertvollem und wertlosem Wissen untergeht. Zum anderen waren die formalen Bildungstheorien in ähnlichem Maße ungenügend, da hier die Konzentration auf dem Aneignen von Methoden lag, die Inhalte aber fehlen. Klafki versuchte, den Graben zwischen materiale und formalen Bildungstheorien zu überwinden und entwickelte eine Theorie, die beide Richtungen umschließen sollte.[6]

In den siebziger Jahren wurde Klafkis Bildungskonzept von verschiedenen Seiten kritisiert: es sei konservativ, zu sehr an der Mittelschicht orientiert und würde die bestehende Gesellschaftsordnung stabilisieren. Diese Kritik führte jedoch nicht zu einer Verdrängung von Klafkis kategorialer Bildung, vielmehr nahm er die Kritik auf und veränderte sein Konzept zu einer „kritisch-konstruktiven Didaktik“.[7] Kritisch bedeutet in diesem Zusammenhang die Befähigung der Schüler zu wachsender Selbstbestimmung, Mitbestimmung und Solidarität. Gleichzeitig ist hiermit aber auch eine differenzierte Sicht auf die Wirklichkeit der Bildungsinstitutionen in Bezug auf diese Zielsetzung gemeint, aus der eine ständige Weiterentwicklung folgen muss. Konstruktiv weist auf den Praxisbezug von Klafkis Konzept in Bezug auf sein Handlungs-, Gestaltungs- und Veränderungsinteresse hin.[8]

Der Unterschied zwischen der kategorialen Bildung und der kritisch-konstruktiven Didaktik besteht vor allem darin, dass die kritisch-konstruktive Didaktik Vorschläge für die Gestaltung des Lehrplanes macht, während die kategoriale Bildung von einer, wenn auch zeitlich begrenzten, Gültigkeit der Lehrpläne ausging und so mehr oder minder nur ein Instrument der Bearbeitung von durch den Lehrplan vorgegebenen Themen war.[9] Das Fehlen eines Curriculumkonzeptes war einer der Hauptkritikpunkte an der kategorialen Bildung. Des Weiteren schloss die ursprüngliche Fassung des bildungstheoretischen Modells die Methodik aus dem Gegenstandsbereich der Didaktik aus , da der Begriff allein auf die Bildungsinhalte beschränkt war. In der Neufassung von Klafkis Modell wird diese Beschränkung aufgegeben: der Gegenstandsbereich der Didaktik soll neben den Zielen und Themen des Unterrichts auch die Methoden, Medien und soziokulturelle Voraussetzungen der Schüler berücksichtigen.[10]

Das Ziel der kritisch-konstruktiven Didaktik ist, den Lernenden Hilfen zur Entwicklung ihrer Selbstbestimmungs- und Solidaritätsfähigkeit und der Mitbestimmungsfähigkeit zu geben. Klafki versteht den Zusammenhang von Lehren und Lernen als Interaktionsprozess „[…] in dem Lernende sich mit Unterstützung von Lehrenden zunehmend selbstständiger Erkenntnisse und Erkenntnisformen, Urteils-, Wertungs- und Handlungsmöglichkeiten zur reflexiven und aktiven Auseinandersetzung mit ihrer historisch-gesellschaftlichen Wirklichkeit aneignen sollen; das schließt ein, dass sie in diesem Prozess auch die Fähigkeit zu weiterem Lernen gewinnen.“[11] In diesem Sinne sei vor allem entdeckendes, sinnhaftes und verstehendes Lernen nur reproduzierendem Lernen vorzuziehen. Gleichzeitig sieht Klafki die Notwendigkeit, dass die Schüler an der Unterrichtsplanung beteiligt sind und auch Unterrichtskritik üben können, da dieses im Sinne des Selbstbestimmungs- und Solidaritätsprinzip ist.[12]

[...]


[1] Friedrich, Leonhard /Stübig, Heinz: Wolfgang Klafki – Lehrer, Erziehungswissenschaftler und Politiker. In: Hendricks, Wilfried u.a. (Hrsg.): Bildungsfragen in kritisch-konstruktiver Perspektive. Weinheim 1997. S. 19-31. S 23.

[2] Friedrich: Wolfgang Klafki, S 22.

[3] Friedrich: Wolfgang Klafki, S. 20.

[4] Friedrich: Wolfgang Klafki, S. 21.

[5] Friedrich: Wolfgang Klafki, S. 23.

[6] Kron, Friedrich W.: Grundwissen Didaktik. München, Basel 32000. S.122.

[7] Jank, Werner: Didaktische Modelle. Berlin 52002. S.228.

[8] Klafki, Wolfgang: Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik. Zeitgemäße Allgemeinbildung und kritisch-konstruktive Didaktik. Weinheim, Basel 51996. S.90.

[9] Jank: Didaktische Modelle., S. 217.

[10] Martial, Ingbert von: Einführung in didaktische Modelle. Baltmannsweiler 22002. S.175, 178.

[11] Klafki, Wolfgang: Die Bildungstheoretische Didaktik im Rahmen kritisch-konstruktiver Erziehungswissenschaft. Oder: Zur Neufassung der Didaktischen Analyse. In: Gudjons, Herbert / Teske, Rita / Winkel, Rainer (Hrsg.): Didaktische Theorien. Hamburg 81995. S. 10-26. S. 12.

[12] Klafki: Die bildungstheoretische Didaktik, S.12 f.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Allgemeinbildung in kritisch-konstruktiver Perspektive - Wolfgang Klafki
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Lehrstuhl: Germanistische Linguistik)
Veranstaltung
Seminar:Altes und Neues von den 'ungenauen Wissenschaften'
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V54003
ISBN (eBook)
9783638492980
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Allgemeinbildung, Perspektive, Wolfgang, Klafki, Seminar, Altes, Neues, Wissenschaften“
Arbeit zitieren
Katrin Morras Ganskow (Autor), 2005, Allgemeinbildung in kritisch-konstruktiver Perspektive - Wolfgang Klafki, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54003

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