Städtische Chronistik. Jüdische Gesellschaft im Mittelalter in Augsburg


Hausarbeit, 2016

17 Seiten, Note: 3,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellenkritik

3. Die Anfänge der jüdischen Gesellschaft in Europa

4. Die Gesellschaftliche Stellung der Juden in der christlichen Gesellschaft im Mittelalter

5. Die wirtschaftlichen Beziehungen der Juden in Augsburg

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis
7.1 Quellen
7.2 Forschungsliteratur

1. Einleitung

Kein Volk der Weltgeschichte ist so häufig und brutal verfolgt worden, wie die Juden. Schon die Bibel berichtete an verschiedenen Stellen davon. Im mittelalterlichen Deutschland wurden die Juden zweimal verfolgt-: Einmal im Jahr 1095 als Papst Urban II. die Christen zum Kreuzzug aufrief. Ziel des Kreuzzugs war es, das heilige Land von den „Ungläubigen“ zu befreien. In vielen rheinischen Städten wurden blühende jüdische Gemeinden vernichtet, beispielsweise in Worms oder Speyer. Der Vorwurf an die Juden lautete, sie seien Christusmörder.1 2

Ein zweites Mal wurden sie verfolgt, als im Jahr 1350 eine Pestepidemie Europa durchzog. Manglaubte, dass die Juden die Brunnen vergiftet hatten, weil die Ursache für die Krankheit nicht bekannt war.3 Außerdem warf man den Juden Ritualmord oder Hostienschädigung vor.

Welchen Stand hatten die Juden in der mittelalterlichen Gesellschaft? Die Hausarbeit soll die gesellschaftliche Stellung der Juden zur Zeit des Hoch- und Spätmittelalters beleuchten. Wieso gab es häufig Vorurteile gegenüber den Juden und wieso wurden sie häufig als Sündenbock, zum Beispiel für Krankheitswellen, ausgemacht? Hatten die Juden eine so schlechte Stellung innerhalb der Gesellschaft? Die Hausarbeit soll dies darstellen und hinterfragen und ihren sozialer Status näher beleuchtet. Es soll die Darstellung der Juden in der Chronik des Burkhardt Zink mit den Aussagen der aktuellen Forschungsliteratur verglichen werden. Der zentrale Aspekt ist die Darstellung der Juden in der mittelalterlichen Gesellschaft, hierbei wird die aktuelle Forschungsliteratur herangezogen. Nach dieser Einleitung wird in einer Quellenkritik auf die Chronik des Burkhardt Zink eingegangen. Darauf folgt die Anfänge der jüdischen Gesellschaft in Europa. Im dritten Gliederungspunkt wird die Stellung der Juden in der christlichen Gesellschaft im Mittelalter dargestellt. Anschließend werden die wirtschaftlichen Beziehungen der Juden in Augsburg beleuchtet. Die wirtschaftlichen Beziehungen geben ebenfalls einen Aufschluss über die gesellschaftliche Stellung der Juden. Zink schrieb in seiner Chro­nik, dass die Juden durch Regeln benachteiligt und Vertrieben wurden.4 Doch hatten die Juden wahrhaftig so ein schlechtes Ansehen innerhalb der Gesellschaft? Durch Vertreibung und Verfolgung lässt sich schnell darauf schließen, dass die Juden keinen guten Stand innerhalb der christlichen Gesellschaft hatten, doch war dies Wirklich so?

2. Quellenkritik

In dieser Hausarbeit wird als Quelle die Chronik des Burkhardt Zink verwendet. Im Folgenden wird eine Quellenkritik zu dieser Chronik verfasst. Die Grundlage der Kritik bildet der Text „Dasselb buech han ich alles selb geschriben. Die Ordnung der Geschichte(n) in der Augsburger Chronik (1368-1448) des Burk(h)ard Zink“. Der wohlhabende Kaufmann Zink wurde im Jahre 1396 in Memmingen geboren und verstarb 1474/1475 in der Stadt Augsburg.5 Da seine Mutter früh starb, musste Zink seine Heimatstadt im Alter von elf Jahren verlassen, da seine Stiefmutter ihn nicht duldete. Burkhardt Zink zog es zu seinem Onkel und Pfarrer nach Krain. Während seiner Ausbildung als Kaufmann bereiste er Franken, Schwaben und Venedig. Er begann seine Ausbildung im Jahr 1419 bei Joe Kramer, einem Augsburger Kaufherr und Tuchhändler. 1420 ließ sich Zink endgültig in Augsburg nieder und bekleidete viele Ämter wie Ausgeber, Schreiber bei Kriegszügen und Bote für König Siegmund in Ungarn.6

Durch diese Ämter musste Zink viel reisen, deshalb konzentrierte er sich ab 1431 auf innerstädtische Ämter, die ihm dies ersparten. Zink gehörte, wie bereits erwähnt, einer wohlhabenden Familie an. Durch die Bekleidung diverser Ämter verschaffte er sich in der Stadt Augsburg ein gutes Ansehen und erwirtschaftete ein Vermögen, welches ihm ermöglichte sich aus dem aktiven Geschäft zurückzuziehen. Um 1450 begann Zink seine Chronik zu verfassen, die zu Beginn geprägt wurde durch den „Teil einer sukzessiven, fortgesetzten Familienchronik“.7 Der Chronist ging insgesamt vier mal den Bund der Ehe ein und hatte 16 Kinder, von denen jedoch nur vier überlebten.8 1464 änderte Zink die Idee einer Familienchronik, - vermutlich durch den Tod seiner zwölf Kinder. Er beendet die Chronik wahrscheinlich um 1468/1469.9 Zink starb wohl im Jahr 1475, da seine Frau in diesem Jahr als Witwe in das Augsburger Steuerregister eingetragen wurde.10 Durch Zinks innerstädtische Ämter gelangte er wahrscheinlich an „religiöse und moralische Traktate, Fabeln, Gedichte [..], andere geschichtliche Werke“, an den „Compendium sancti Thome“ und vermutlich an die anonyme Augsburger Chronik, welche von den Jahren 1368­1406 berichtet. An diese Chronik knüpft Zink an.11 12 Sie weißt eine sehr geringe Überlieferungszahl auf, da sie lediglich in drei Handschriften überliefert wurde. Gedruckt wurde sie nicht. Jedoch beeinflusste die Chronik die Nachfolger Zinks im 15.Jahrhundert; im Bezug auf den Informationshorizont und wird als quellenfundierte Allzweckwaffe genutzt. Zink verfasste seine Chronik nach „höchst privaten Kriterien und ordnet sie nach -'intuitiver Logik'.13 Die Datierung Zinks ist eher unzuverlässig, da er zudem nur Augenzeugen nennt, die den Wahrheitsgehalt seiner Geschichten bezeugen können.14 Zink fehlt im Gegensatz zu anderen Autoren der kritische Umgang mit Quellen. Die Chronik hat einen eigenartigen Aufbau, denn sie verfügt nicht über eine stringente, geschlossene narrative Struktur;15 und Anfang und Ende sind willkürlich gewählt. Das Werk beginnt beispielsweise ohne Einleitung, -Außerdem fehlt ihm ein roter Faden während der gesamten Erzählung. Man kann in diesem Zusammenhang von einem Aneinanderreihen von Episoden und einer offenen Textform sprechen.16 Zink scheint das Interesse zu fehlen, die Chronik als chronologische Erzählung wiederzugeben, er gibt Zusammenhänge, Ereignisse und Erfahrungen sehr egozentrisch und personenbezogen wieder.17

Trotz einiger Kritikpunkte lässt sich festhalten, dass Zinks Chronik zu einer quellenfundierten Allzweckwaffe geworden ist.18 Die Chronik wurde von vielen als Grundlage für Ihre schriftlichen Werke verwendet.

Dieser Gliederungspunkt geht kurz auf die Anfänge der jüdischen Gesellschaft in Europa ein. Er wird bewusst kurz gehalten, da dies nicht der zentrale Bestandteil dieser Hausarbeit ist. Dieser Teil der Hausarbeit stützt sich größtenteils auf das Werk „Die Juden im mittelalterlichen Reich“ von Michael Toch. Dieser belegt seine Erkenntnisse mit hebräischen Quellen wie „The Early Sages of Ashkenaz: Their Lives, Leadership and Works 900-1096“.

Der Beginn des jüdischen Lebens in Nordwest- und Mitteleuropa fällt in das 9.-10. Jahrhundert. Die jüdischen Einwanderer stammten sowohl aus Italien als auch aus Süd- und Mittelfrankreich. Für eine Einwanderung aus dem Osten und Südosten Europas gibt es keine konkreten Belege.19

Als Hintergrund der Besiedlung nennt Toch wirtschaftliche Aspekte. Jüdische Fernkaufleute wurden sehr gut für ihre Dienste entlohnt und mit besonderen Privilegien ausgestattet. Cohen bestätigt dies, da christliche Herrscher durch jüdische Kaufleute ihr Verlangen nach Gewürzen und Luxusgegenständen befriedigten.20 Jedoch muss zwischen dem sporadischen Auftauchen einzelner Kaufleute an Herrschaftshöfen, sowie der Etablierung festen jüdischen Lebens unterschieden werden. Ersteres war gewiss vor 900 der Fall. Erste jüdische Kolonien sind ab dem späten

9.Jahrhundert zumeist aber im 10. Jahrhundert zu finden. Mainz war bis in das späte 11. Jahrhundert zweifelsohne die wichtigste Gemeinde für jüdische Kaufleute. Erste Erwähnungen gehen bis 917 und 937. Aber auch in Magdeburg (965), Merseburg (973), Regensburg (981), Köln (1084), Trier (1066) oder Speyer (1084) bildeten sich in kleinen zeitlichen Abständen erste jüdische Kolonien.21 In Zahlen handelte es sich im 9. Jahrhundert um nicht mehr als ein Dutzend jüdischer Familien. Im 10. Jahrhunder allerhöchstens um wenige hunderte, wobei Ende des 10. Jahrhunderts 4000-5000 realistisch erscheinen.22

[...]


1 Vgl. Tillmann , Ausgegrenzt Anerkannt Ausgelöscht, S.16.

2 Vgl. Ebenda, S.16.

3 Vgl. Aschoff, Die Juden in Antike und Mittelalter, Zimmermann [Hrsg] Geschichte der Juden im Rheinland und Westfalen, S.48ff.

4 Vgl. Zink, Chronik, S.374.

5 Vgl. Deutsch, Die Ordnung der Geschichte(n). S.112.

6 Vgl. Ebenda, S.112.

7 Vgl. Ebenda, S.113.

8 Vgl. Ebenda, S.113.

9 Vgl. Ebenda, S.114. 10

Vgl. Ebenda, S.118.

10 Vgl. Ebenda, S.116.

11 Vgl. Ebenda, S.117.

12 Vgl. Ebenda. S.116.

13 Vgl. Ebenda. S.114.

14 Vgl. Ebenda, S.115.

15 Vgl. Ebenda. S.118 17 Vgl. Ebenda. S.115.

16 Vgl. Ebenda. S.114.

17 Vgl. Ebenda, S.115.

18 Vgl. Ebenda, S.119.

19 Vgl. Toch, Die Juden und das mittelalterliche Reich, S.5.

20 Vgl. Cohen, Unter Kreuz und Halbmond - Die Juden im Mittelalter, S.90.

21 Vgl. Ebenda, S.90.

22 Vgl. Toch, Die Juden und das mittelalterliche Reich, S.6.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Städtische Chronistik. Jüdische Gesellschaft im Mittelalter in Augsburg
Hochschule
Universität zu Köln
Note
3,0
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V540072
ISBN (eBook)
9783346144362
ISBN (Buch)
9783346144379
Sprache
Deutsch
Schlagworte
städtische, chronistik, jüdische, gesellschaft, mittelalter, augsburg
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Städtische Chronistik. Jüdische Gesellschaft im Mittelalter in Augsburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540072

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