Die Beschäftigung mit der Fremdheit oder mit dem Fremderleben ist kein einzelnes Phänomen der heutigen multikulturellen Globalisierungsgesellschaft. In der Geschichte der Menschheit und im Besonderen der abendländischen Kultur sehen wir, dass seitdem „das Andere“,der so genannte Fremde, existiert, „das Eigene“mit „dem Fremden“verglichen und beurteilt wird. Dadurch werden Konstrukte vom Fremden und Eigenen gebildet. Diese Bilder werden auf die Gesellschaft übertragen und wirken auf das Verhalten des einzelnen Subjekts einer Gesellschaft. Politische, ethnische und kulturelle Konflikte oder selbst Dialog und deren Mangel kommen durch diese erste Wahrnehmung „des Eigenen“und „des Fremden“zu Stand.
In der aktuellen Realität ist „das Fremde“zu einer Modeerscheinung geworden. Inzwischen beschäftigt sich fast jede Wissenschaft mit der Erforschung des Fremden. Man fragt sich, nach dem warum ein solches Interesse für das Andersartige. Im Prinzip haftet „dem Fremden“eine Ambivalenz an: einerseits ist es bedrohlich, da es in das Eigene eindringt und andererseits fasziniert es auch dadurch, da er etwas über uns selbst aussagt. Durch diese Begegnung mit dem Fremden erfährt die eigene Ordnung, eine Horizonterweiterung und die Möglichkeiten sich zu Verändern tut auf.
In der vorliegenden Hausarbeit soll versucht werden, dieses Phänomen der Wahrnehmung des Fremden, an dem Beispiel des Konstruktivismus herauszuarbeiten. Als Ausgangspunkt dieser Diskussion wird die konstruktivistische Wahrnehmungssicht betrachtet, als eine allgemeine Theorie des menschlichen Wahrnehmens und Lernens angesehen werden kann. Der Mensch schafft sich selbst und immer mehr neue Bilder von seiner Welt, was auch für das konstruktivistische Verständnis vom Wahrnehmen, eine wichtige Rolle spielt, hier wird die autopoietischer Systemtheorie von Humberto R. Maturana und Francisco Varela möglichst komprimiert vorgestellt.
Danach versuche ich einen großen Bogen zu zeigen, wie das, was wir als „fremd" wahrnehmen, sich als kulturelle Konstruktion erweist, die nicht nur etwas über den Anderen, sondern auch über uns selbst was aussagt. Abschließend möchte ich die Betrachtung des Fremden, als auch das interkulturelle Lernen als eine pädagogische Herausforderung verstanden wissen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Konstruktivismus
- Wahrnehmung als Konstruktionsprozess im Gehirn
- Die Theorie autopoietischer Systeme von Maturana und Varela
- Fremdheit
- Fremdheit als Konstruktion
- Das Bild des Fremden
- Ein literarisches Beispiel von Bild des Fremden
- Muster der Deutung des Fremden
- Fremdheit als Resonazboden (oder Voraussetzung) des Eigenen
- Fremdheit als Gegenbild des Eigenen
- Fremdes als Ergänzung
- Fremdes als Komplementarität
- Die Wahrnehmung des Anderen als pädagogische Herausforderung für das interkulturelle Lernen
- Schlusswort
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit untersucht die Wahrnehmung des Fremden im Kontext des Konstruktivismus und beleuchtet dabei die Rolle der autopoietischen Systemtheorie. Es wird analysiert, wie das Fremde als kulturelle Konstruktion entsteht und welche Bedeutung es für das Selbstverständnis und das interkulturelle Lernen hat.
- Konstruktivistische Wahrnehmungstheorie
- Das Fremde als kulturelle Konstruktion
- Die Bedeutung des Fremden für das Selbstverständnis
- Interkulturelles Lernen als pädagogische Herausforderung
- Die Rolle der autopoietischen Systemtheorie
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema „Wahrnehmung des Fremden" ein und stellt die Relevanz dieser Thematik in der heutigen multikulturellen Gesellschaft dar.
- Konstruktivismus: Dieses Kapitel beleuchtet die konstruktivistische Wahrnehmungstheorie und stellt den Prozess der Konstruktion von Wissen und Erfahrung im Gehirn dar. Die Theorie autopoietischer Systeme von Maturana und Varela wird vorgestellt.
- Fremdheit: In diesem Kapitel wird das Konzept der Fremdheit als kulturelle Konstruktion betrachtet. Es wird analysiert, wie Bilder des Fremden entstehen und welche Bedeutung diese für das Selbstverständnis haben.
- Muster der Deutung des Fremden: Dieses Kapitel analysiert verschiedene Muster der Deutung von Fremdheit, wie zum Beispiel die Gegenüberstellung von Eigenem und Fremdem oder die Ergänzung des Eigenen durch das Fremde.
- Die Wahrnehmung des Anderen als pädagogische Herausforderung für das interkulturelle Lernen: In diesem Kapitel wird die Bedeutung der Wahrnehmung des Anderen für das interkulturelle Lernen und die pädagogischen Herausforderungen dieser Thematik beleuchtet.
Schlüsselwörter
Konstruktivismus, Wahrnehmung, Fremdheit, kulturelle Konstruktion, interkulturelles Lernen, autopoietische Systeme, Maturana, Varela, Bild des Fremden, pädagogische Herausforderung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der konstruktivistische Blick auf die Wahrnehmung?
Wahrnehmung wird als aktiver Konstruktionsprozess des Gehirns gesehen. Der Mensch „erfindet“ seine Wirklichkeit basierend auf seinen biologischen und sozialen Strukturen.
Was besagt die Theorie der Autopoiese von Maturana und Varela?
Sie beschreibt Lebewesen als Systeme, die sich selbst produzieren und erhalten, wobei sie operativ geschlossen sind und ihre Umwelt nach eigenen Mustern deuten.
Warum ist das „Fremde“ oft zugleich bedrohlich und faszinierend?
Es ist bedrohlich, weil es die eigene Ordnung infrage stellt, und faszinierend, weil es eine Horizonterweiterung ermöglicht und etwas über die eigenen Grenzen aussagt.
Inwiefern ist Fremdheit eine „kulturelle Konstruktion“?
Das Bild des Fremden entsteht erst durch den Vergleich mit dem Eigenen. Es sagt oft mehr über die Identität des Betrachters aus als über die tatsächliche Person.
Welche pädagogische Herausforderung ergibt sich daraus?
Interkulturelles Lernen muss die Wahrnehmung des Anderen reflektieren und die Lernenden dazu befähigen, ihre eigenen Konstruktionsprozesse zu hinterfragen.
- Quote paper
- Cyana Schuster (Author), 2005, Die Wahrnehmung des Fremden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54010