In dieser Seminararbeit werden die primären Aspekte von Schmitts "Begriff des Politischen“ erläutert. Mithilfe derer wird anschließend analysiert, in welchem Maße sich seine Ideen und Vorstellungen im nationalsozialistischen Regime wiederfinden. Abschließend wird betrachtet, welche Bedeutung Carl Schmitt als Person für das nationalsozialistische Regime hatte und in welcher Beziehung er zu diesem stand.
Es gibt nur wenige politische Philosophen, die bis in die heutige Zeit so stark polarisieren, wie der deutsche Staatsrechtler Carl Schmitt (1888 – 1985). Der gebürtige Plettenberger publizierte im Zeitraum zwischen dem Endstadium der Weimarer Republik und der Machtergreifung der Nationalsozialisten eine der politisch prägendsten Schriften der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In seinem 1932 erschienenem Werk "Der Begriff des Politischen"nimmt sich Schmitt als Ziel, seine eigene Definition der Begriffe Politik und Staat darzulegen, welche die Unterscheidung von Freund und Feind als Kern des Politischen vorsieht. Sein Denken wird dabei von der negativen Anthropologie des britischen Staatstheoretikers Thomas Hobbes beeinflusst. Dies zeigt sich daran, dass beide zur Provokation und der Verherrlichung des totalitären Staates neigen. Trotz der kategorischen Ablehnung seiner Person, welche vor allem mit der Mitgliedschaft in der NSDAP und der ausstehenden Distanzierung vom NS-Regime nach 1945 zu begründen ist, nimmt er nach wie vor eine wichtige Rolle im modernen Nachdenken über Politik ein und steht häufig im Mittelpunkt akademischer Diskussionen.
Neben den vielen Kritikern findet sich auch eine breite Masse an Unterstützern von Schmitts Theorie, welche vorwiegend aus den Verfechtern des Liberalismus besteht. Ungeachtet dessen, dass sich Carl Schmitt selbst als reinen Wissenschaftler sah, wird seine letztlich wahre Bedeutung für das Aufstreben des nationalsozialistischen Regimes weit über das Wissenschaftliche hinaus gesehen. So wird er u.a. als "Kronjurist des Dritten Reiches" oder sogar als "geistiger Wegbereiter"Adolf Hitlers betitelt, der durch seine Schriften einen unmittelbaren Einfluss auf die Etablierung und Festigung der NS-Herrschaft hatte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Carl Schmitt: Begriff des Politischen und Nationalsozialismus
2.1 Analyse des Werkes
2.2 Freund-Feind-Theorie im NS-Regime
2.3 Schmitts Bedeutung für den Nationalsozialismus
3. Fazit
4. Bibliografie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Seminararbeit untersucht das Werk „Der Begriff des Politischen“ von Carl Schmitt und analysiert dessen ideologische Nähe zum Nationalsozialismus sowie die Rolle, die Schmitt als Person innerhalb dieses Regimes einnahm.
- Die theoretische Untersuchung der Freund-Feind-Unterscheidung im Kontext von Schmitts Staatsverständnis.
- Die Analyse von Parallelen zwischen der NS-Ideologie und den Thesen Schmitts.
- Die kritische Auseinandersetzung mit der politischen Rolle Schmitts vor und nach 1933.
- Die Betrachtung der instrumentalisierten Feindbildkonstruktion (z.B. Antisemitismus) im NS-Regime unter Rückgriff auf Schmitts Begrifflichkeiten.
Auszug aus dem Buch
2.1 Analyse des Werkes
In diesem Kapitel werden die wichtigsten im „Begriff des Politischen“ dargestellten Thesen und Gedanken Schmitts analysiert. Dabei soll ein Überblick gegeben werden, wie ein einzelnes literarisches Werk bis in die heutige Zeit noch von derartig großer politikwissenschaftlicher Bedeutung sein kann. Bereits in der Antike setzten sich die griechischen Philosophen Aristoteles und Platon mit dem Begriff des Politischen auseinander. Sie sahen den Zweck des Politischen in einem „guten Leben“, wofür die Integration des Einzelnen in die Gesellschaft als Voraussetzung galt. Dieser positiven Ansicht steht das durch einen unaufhörlichen Kriegszustand negativ geprägte Weltbild von Machiavelli und Hobbes gegenüber. Insgesamt gibt es eine hohe Anzahl an Theorien, die sich inhaltlich stark unterscheiden. Eine allgemeingültige Definition des Politischen existiert jedoch bis heute nicht. Trotz der offensichtlichen Nähe zu Machiavelli und primär zu Hobbes, ist Schmitts Ansatz von anderen Bemühungen der Begriffsbestimmung abzutrennen, da dieser sich besonders durch Einfachheit und Direktheit auszeichnet. Sinnbildlich dafür ist in erster Linie, dass der Antagonismus von Freund und Feind keineswegs im übertragenen Sinne, sondern dem realen Wortlaut nach zu deuten ist. Er ist dabei strikt von anderen Unterscheidungen wie „Gut und Böse“ oder „Schön und Hässlich“ zu trennen, da allein die Tatsache, dass der Feind einen Gegensatz zur eigenen Person bzw. Gruppe bildet ausreicht, um ihn als solchen zu determinieren Damit macht Schmitt deutlich, dass der Feind nicht durch persönliche Differenzen oder eine Antipathie ihm gegenüber, sondern durch seine offensichtliche Fremdartigkeit bestimmt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt Carl Schmitt als kontroversen Staatsrechtler vor und umreißt die Zielsetzung, sein Hauptwerk in Bezug auf den Nationalsozialismus kritisch zu untersuchen.
2. Carl Schmitt: Begriff des Politischen und Nationalsozialismus: Dieses Kapitel bildet das Kernstück der Arbeit und analysiert die Freund-Feind-Theorie, deren Anwendung im NS-Staat sowie die persönliche Entwicklung Schmitts im Kontext der NS-Herrschaft.
2.1 Analyse des Werkes: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Begriffs des Politischen dargelegt, insbesondere die Definition des Feindes als existenzielle Bedrohung.
2.2 Freund-Feind-Theorie im NS-Regime: Dieser Abschnitt untersucht, wie die nationalsozialistische Ideologie durch Feindbildkonstruktionen und das Streben nach totalitärer Einheit die Theorie Schmitts adaptierte oder widerspiegelte.
2.3 Schmitts Bedeutung für den Nationalsozialismus: Das Kapitel befasst sich mit der persönlichen Haltung Schmitts, seiner Rolle im NS-Staat und den Kontroversen um sein plötzliches Umschwenken zur NSDAP.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ambivalenz des Denkers Carl Schmitt zusammen und konstatiert, dass sein Wirken trotz zahlreicher Widersprüche eine enge Verzahnung mit totalitären Strukturen aufweist.
4. Bibliografie: Die Bibliografie listet alle verwendeten Primär- und Sekundärquellen der Arbeit auf.
Schlüsselwörter
Carl Schmitt, Begriff des Politischen, Nationalsozialismus, Freund-Feind-Unterscheidung, Staatstheorie, Antisemitismus, Totalitarismus, Weimarer Republik, Machtübernahme, Staatsrecht, Politische Ideologie, Liberalismuskritik, Souveränität, Dolchstoßlegende, Kriegszustand.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der politischen Philosophie von Carl Schmitt, insbesondere mit seinem Hauptwerk „Der Begriff des Politischen“, und setzt dieses in Beziehung zur Ideologie und Praxis des Nationalsozialismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das Staatsverständnis, die Definition von Politik über die Freund-Feind-Differenzierung, die antiliberale Haltung Schmitts und die Frage seiner ideologischen Verflechtung mit dem NS-Regime.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu analysieren, inwiefern Schmitts Ideen als Wegbereiter für den Nationalsozialismus gelten können und wie sich sein Verhältnis zum NS-Staat im Verlauf der Zeit wandelte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analysierende Literaturarbeit, bei der primärpolitische Schriften Schmitts mit zeitgenössischer Sekundärliteratur und historischen Ereignissen in Verbindung gebracht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Werksanalyse, die Untersuchung der Freund-Feind-Theorie innerhalb der NS-Praxis sowie die persönliche Rolle Schmitts und dessen Hinwendung zum Nationalsozialismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Carl Schmitt, Freund-Feind-Unterscheidung, Totalitarismus, Antisemitismus, Staatsrecht und Machtübernahme.
Wie bewertet der Autor Schmitts Haltung gegenüber der Weimarer Republik?
Der Autor zeigt auf, dass Schmitt die Weimarer Republik aufgrund ihres liberalen, pazifistischen und kompromissorientierten Charakters als schwach kritisierte und ihr die Fähigkeit zur Identifikation des Feindes absprach.
Warum wird im Fazit von einer "Marionettenpolitik" gesprochen?
Der Begriff wird im Zusammenhang mit der Debatte verwendet, ob Schmitts Handeln eine tief verwurzelte ideologische Überzeugung widerspiegelte oder ob er sich lediglich opportunistisch an jede bestehende Macht anpasste, um sich zu profilieren.
- Arbeit zitieren
- David Kogan (Autor:in), 2016, Carl Schmitt. "Der Begriff des Politischen" und der Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540117