Heilige Orte in der Bahá'í-Religion


Ausarbeitung, 2015

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeines und die Glaubensgrundlagen der Baha'i

3. Heilige Orte und Stätten der Bahai

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Bahä'itum, was ist das überhaupt? Dies ist wohl die erste Frage, die man sich stellt, wenn man dieses exotisch anmutende Wort liest. Daher beginnt die Ausarbeitung mit der Erklärung dieses Begriffes. Vorab gesagt sei jedoch schon, dass es sich hierbei um eine Religion handelt (keinesfalls um eine Sekte, wie es oft fälschlicherweise gedacht wird!). Deshalb soll sich einleitend damit befasst werden, auf was für Glaubensgrundla­gen sie basiert. Dadurch wird der Leser/die Leserin dann ein grobes Verständnis über die Bahä'i-Religion erhalten, damit er/sie den Leitfragen dieser Arbeit folgen kann. Die­se lauten folgendermaßen: Welches sind die Heiligen Orte und Stätten der Bahai? Wel­che Funktionen haben sie inne? Wie stehen sie im Zusammenhang mit der Religion?

Der Schwerpunkt, der Verschriftlichung meines Referates liegt demnach in den Ländern Israel und Iran, in denen sich die heiligsten Orte der Bahä'i befinden. Doch auch die weltweit verteilten Häuser der Andacht sollen natürlich betrachtet werden.

Die Entstehungsgeschichte der Bahä'i-Religion hingegen, wird nur in mehr als groben Zügen umrissen. Auch das Gemeindeleben kann und wird hier keine Beachtung finden. Diese beiden Felder würden nämlich mehr als vollends genügen, um allein darüber eine weitere Hausarbeit zu schreiben.

Ein anderes überaus interessantes Betrachtungsfeld für eine Hausarbeit wäre, die Beob­achtung der Situation im Iran. In der Vergangenheit wurden dort viele Stätten eingeris­sen, die den Bahä'i als heilig gelten. Der Islam wollte damit die Dominanz seines Glau­bens unzweifelhaft untermauern. Ob die Situation sich in Zukunft verbessern, oder sich im Gegenteil durch den 'Islamischen Staat' noch weiter verschlechtern wird, bietet ein umfassendes und aktuelles Forschungsfeld.

Diese Ausarbeitung schließt jedoch nicht nur mit einem kleinen Ausblick, sondern ei­nem Fazit mit begründeter Auswertung, der formulierten Fragen. Ebenfalls beigefügt sind ein Literaturverzeichnis, sowie eine Erklärung über die Selbstständigkeit, bei Ab­fassung dieser Arbeit.

2. Allgemeines und die Glaubensgrundlagen der Bahä'i

Die Bahä'i sind eine kleine Religionsgemeinschaft, die aber dennoch den Status einer Weltreligion inne hat. Eine Weltreligion zeichnet sich nämlich dadurch aus, Befreiung, Heil und Erlösung anzubieten und hängt nicht von quantitativer Verbreitung ab1. Die geographische Verteilung von den Baha'i ist aber trotzdem sehr bemerkenswert. Sie sind weltweit an mehr als 100.000 verschiedenen Orten angesiedelt und gehören über 2100 Völkergruppen an, nur das Christentum dehnt sich noch weiter über den Erdball aus2. Durch diesen ethnischen Reichtum leitet sich demnach auch ein wichtiges Motto der Baha'i ab, nämlich 'Einheit in Vielfalt'. Zwar sind die Baha'i weit verstreut, die Zahl ih­rer Anhänger ist aber vergleichsweise gering. Laut dem Stand von 2006, gehören nur 7,5 Mio. Menschen dem Bahä'itum an3.

Der Wegbereiter für die Bahä'i-Religion war der 'Bäb' (arabisch: 'Das Tor'). Das eigent­liche Bahä'itum wurde allerdings von Bahä'u'lläh im Jahr 1863 gestiftet. In diesem Jahr verkündete er die Botschaft, nach Jesus Christus und Mohammed nun der neue Gottes­bote zu sein4. Aufgrund dieser Behauptung wurden er und seine Gläubigen von anderen religiösen und politischen Machthabern massiv verfolgt5. Er leidete ähnlich wie die be­kannten Religionsstifter vor ihm, denn er war Gefangenschaft und Verbannung ausge­setzt, die ihn quer durch ganz Nahost führten6. Bis nach Akkon ins heutige Israel, wo er schließlich 1892 starb. Trotz dieser Umstände wuchs sein Einfluss permanent. Er ver­fasste über 15.000 Schriftstücke, Sendebriefe und Bücher, die unter anderem verschie­dene Gebete, Mystiken, Gesetze und Verordnungen, sowie Auslegungen anderer heiliger Schriften beinhalteten7. Auf sie baut die Religion der Baha'i grundlegend auf.

Abdu'l-Bahä, der Sohn von Bahä'u'lläh, wurde von diesem testamentarisch zum Nach­folger bestimmt. Das besondere an dem Testament war, dass Bahä'u'lläh seinem Sohn darin erlaubte, die heiligen Schriften der Baha'i verbindlich auszulegen8. Das ist einma­lig in der gesamten Religionsgeschichte! Es erlaubt Abdu'l-Bahä zudem die Religion immer weiter zu entwickeln und an die, sich immer verändernden, modernen Verhältnis­se anzupassen. So wurde die nochjunge Religion vor Zersplitterung und Sektenbildung geschützt.

Abdu'l-Bahä wiederum bestimmte seinen Enkel Shoggi Effendi zum Nachfolger. Dieser war maßgeblich für die Errichtung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit und der vielen weiteren Administrationsgebäude am heiligen Berg Karmel verantwortlich9. Des Weiteren gab er die Führerschaft, der Religion in die Hände ebendieses Universalen Hauses der Gerechtigkeit. Die genaue Funktion und Gliederung dieser Institution, wird erst an späterer Stelle näher beleuchtet werden.

Im Folgenden sollen nun zunächst die elementarsten Glaubensvorstellung der Bahä'i be­trachtet werden. An erster Stelle ist es wohl zu nennen, dass die Bahä'i nur an einen ein­zigen Gott glauben. Die Menschen geben ihm lediglich unterschiedliche Namen, in den einzelnen Religionen10. Demnach entstammen alle Religionen derselben göttlichen Quelle. Unterschiede zwischen den Glaubensrichtungen kommen nur dadurch zustande, weil die Gottesboten zu verschiedenen Zeiten, an verschiedenen Orten gewirkt haben. Die Lehren entsprechen denjeweiligen Bedürfnissen und Problemen der Zeit; die Ethik sei jedoch überall gleich und beruht unter anderem auf Nächstenliebe, Aufrichtigkeit und Rechtschaffenheit11. Überdies glauben die Bahä'i an eine 'Kette der Religionen'. Dies bedeutet, dass Gott immer wieder Boten geschickt hat und schicken wird, die eine neue Religion begründen, damit die Menschen sich permanent weiterentwickeln12.

Enorm bedeutend, ist zudem der feste Glaube an die Unsterblichkeit der Seele. Nach dem Tod des Körpers steigt sie zu Gott auf. Dort lebt sie weiter, in einer weder räumlich noch zeitlich begrenzten Welt13. An die Menschen, die daran nicht glauben, richtet Bahä'u'lläh einen ziemlich leicht nachzuvollziehenden und bildlichen Vergleich. Es sei wie mit dem Kind im Mutterleib, dieses könne sich die unvergleichlich größere Welt au­ßerhalb des Mutterleibes nicht vorstellen und dennoch ist sie da14. Einige Menschen werden aber auch erst später daran glauben, denn wie sich bei einem Kind im Körper der Mutter die Augen und Beine erst entwickeln, so entwickelt die menschliche Seele während des Lebens oder spätestens im Tod, auch erst die Fähigkeit, das Paradies zu se­hen oder es zu betreten15. Die Wiedergeburt halten die Bahä'i nicht für plausibel. Auch hier greift wieder der vorhin genannte Vergleich: So wie das geborene Kind nicht mehr zurück in den Mutterleib kann, so kann die menschliche Seele nicht mehr zurück auf die Erde16. Außerdem im Zusammenhang mit der Seele zu erwähnen, ist die Individualität nach dem Tod. Im Paradies kann man, laut Bahä'i, mit anderen Seelen in Kontakt tre­ten17. Folgerichtig also auch mit seiner Familie, seiner Geliebten und seinen Freunden.

Den Sinn des Lebens sehen die Baha'i darin, seine eigene Natur zu erkennen, seine See­le für ein Leben in der geistigen Welt zu präparieren, oder der Menschheit zu dienen18. Das Schicksal und den freien Willen unterteilen sie, in zwei verschiedene Kategorien. Einerseits gibt es 'unvermeidbares/bestimmtes Schicksal', zu dem es gehört Krankhei­ten, Unfälle, Verletzungen oder gar den Tod zu erdulden, ohne immer dafür die Verant­wortung zu tragen19. Andererseits ist da das 'vermeidbare/bedingte Schicksal'. Dieses ist dadurch beeinflusst, wie man handelt, seine Zeit nutzt und seine Kräfte einteilt, aber vor allem, welche Entscheidungen man im Leben trifft20.

Eine weitere wichtige Frage in jeder Religion ist wohl jene, nach Himmel und Hölle. Das, was dem Himmel am Nächsten kommt, ist die zeitlich und räumlich unbegrenzte Welt, in die die Seele nach dem Tod des Körpers auffährt. Eine eigenständige böse Macht und einen Ort der Verdammnis gibt es in den Bahä'i-Lehren allerdings nicht21. Demnach also keinen Teufel und keine Hölle. Der Teufel sei lediglich ein Synonym für etwas Böses und Schlechtes; die Hölle für Gottesfeme22.

Der Leitspruch 'Einheit in Vielfalt', der Weltfriede, Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, Abbau von Vorurteilen, sowie das Nebeneinanderwirken von Religion und Wissenschaft, sind Ansichten und Ziele der Baha'i, die des Weiteren als erwähnenswert zu erachten sind23.

Es ist deutlich zu erkennen, dass sich die meisten Glaubensgrundlagen der Baha'i auch in vielen der großen Weltreligionen wiederfinden lassen. Davon ist wahrscheinlich ihre große Toleranz zu allen anderen Glaubensrichtungen herzuleiten. In ihren Einrichtungen am Karmel finden nicht nur Lesungen aus den heiligen Schriften Bahä'u'lläh's, sondern überdies auch aus der Bibel, dem Koran, oder der Thora statt. Auf die vielen Besonder­heiten, der heiligen Stätten am Karmel, soll deshalb nun im folgenden Kapitel näher eingegangen werden.

3. Heilige Orte und Stätten der Baha'i

Israel und der Iran stellen sozusagen das 'Heilige Land' der Bahä'i-Gemeinschaft dar24. Es sind heilige Orte der Erinnerungskultur und zudem oftmals Pilgerstätten. Israel istje- doch nicht wegen Jerusalem heilig für die Baha'i, sondern aufgrund des Berges namens Karmel. Dies ist durch die 'Tafel vom Karmel' begründet, da es sich hierbei um einen zentralen Text Bahä'ulläh's handelt, den er 1891 an ebendiesem israelischen Berg offen­bart hat25. Der Karmel ist seitdem symbolisch ein 'axis mundi', also der Mittelpunkt der Welt, für die Baha'i26. Dort steht auch der Schrein des Bab, in dem dieser seit 1909 be­stattet liegt. Fortan wurde es oft von den Gläubigen der Baha'i besucht, da der Bab be­kanntlich der Vorreiter für die Bahä'i-Religion war. Dennoch gehört es aber nicht zu den heiligen Stätten, zu denen eine Pilgerfahrt verpflichtend ist27. Im Laufe der Zeit, gab es viele Umbauten am Schrein des Bab. Das Gebäude ist ursprünglich einstöckig gewesen, wurde aber durch Kolonnade und Kuppel erweitert28. Obendrein wurden 19 Terrassen­bauten, verbunden mit vielen Gartenanlagen, rund um die Grabstätte errichtet. Die 19 Terrassen kommen deswegen zustande, weil sie an die '19 Buchstaben des Lebendigen' erinnern, also an den Bab und seine ersten 18 Anhänger29.

Später hat man dann, an den Hängen des Karmels, das Administrationsviertel der Bahä'i-Gemeinde gebaut. Dazu zählte als erstes das Internationale Archivgebäude, wel­ches Originalmanuskripte und alte Handschriften, der vier großen Bahä'i-Gelehrten Bab, Bahä'u'lläh, Abdu'l-Bahä und Shoggi Effendi verwahrt30. Es ist dazu im neoklassischen, griechischen Stil gehalten, der maßgebend für alle weiteren Verwaltungsgebäude am Karmel wurde31. Zwei weitere nennenswerte Bauten dort, sind das Studienzentrum und das Internationale Lehrzentrum. Diese Einrichtungen sind wichtig für das Studium und die Verbreitung des Glaubens der Baha'i. Dadurch sind sie demnach nicht nur adminis­trativ und praktisch geprägt, sondern auch religiös32. Hinzu kommt, wie bereits am Ende des vorangehenden Kapitels bemerkt wurde, dass dort neben den Glaubensansichten der Baha'i, auch die Lehren aller anderen Religionen vermittelt werden.

[...]


1 Enayati, Wafa und Towfigh, Stephan A.: Die Bahä'i-Religion. Ein überblick. 3. überarbeitete Auflage. München: Olzog Verlag2005. S. 8.

2 Enayati, Wafa und Towfigh, Stephan A.: Die Bahä'i-Religion. S. 10.

3 Ebd.

4 Ebd.

5 Ebd.

6 Ebd. S. 10f.

7 Ebd. S.12

8 Ebd.

9 Hutter, Manfred. Handbuch Baha'i. Geschichte-Theologie-Gesellschaftsbezug. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer 2009. S. 51.

10 Enayati, Wafa und Towfigh, Stephan A.: Die Baha'i-Religion. S. 13.

11 Ebd. S.14.

12 Ebd. S. 15.

13 Ebd. S. 26.

14 Ebd.

15 Ebd.

16 Ebd. S. 28.

17 Ebd.

18 Enayati, Wafa und Towfigh, Stephan A.: Die Baha'i-Religion. S. 30.

19 Ebd. S. 32.

20 Ebd.

21 Ebd. S. 23.

22 Ebd.

23 Ebd. S. 16-21.

24 Hutter, Manfred. HandbuchBaha'i. S.56.

25 Hutter, Manfred. HandbuchBaha'i. S.57.

26 Ebd.

27 Ebd.

28 Ebd.

29 Ebd. S. 58.

30 Ebd.

31 Ebd.

32 Ebd. S. 59.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Heilige Orte in der Bahá'í-Religion
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Religionswissenschaft)
Veranstaltung
Heilige Stätten in der Religionsgeschichte
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V540223
ISBN (eBook)
9783346152466
ISBN (Buch)
9783346152473
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bahá, heilige, orte
Arbeit zitieren
Roman Luigi Spallina (Autor), 2015, Heilige Orte in der Bahá'í-Religion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540223

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