Der Hitler-Stalin-Pakt. Vorgeschichte, Motive und Auswirkungen


Seminararbeit, 2019

23 Seiten, Note: 15


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Fragestellung. 2

2 Die Vorgeschichte. 3

2.1 Die deutsch-sowjetischen Beziehungen seit Rapallo. 3

2.2 Die deutsch-sowjetische Wirtschaftsbeziehung bis 1939. 4

2.3 Die antisowjetische Ausrichtung der deutschen Politik unter Hitler 5

2.4 Die sowjetische Außenpolitik. 7

2.4 Stalins Kastanienrede. 10

2.6 Die Zerschlagung der Tschechoslowakei 10

2.7 Die Rolle Polens. 11

3 Der Hitler-Stalin-Pakt 12

3.1 Erste Verhandlungen. 12

3.2 Die Absetzung Litwinows und die Strang Mission. 13

3.3 Die Wiederaufnahme deutsch-sowjetischer Verhandlungen. 14

3.4 Der Inhalt des Nichtangriffsvertrages und des Geheimen Zusatzprotokolls. 16

4 Die Auswirkungen. 17

4.1 Hitlers Motive. 18

4.2 Stalins Motive. 19

5 Fazit 20

6 Literaturverzeichnis 21

6.1 Sekundärliteratur: 21

6.2 Primärliteratur: 23

1 Einleitung und Fragestellung

Es gibt wohl keine zwei Ideologien im 20. Jahrhundert, die so konträr und so verfeindet waren wie der deutsche Nationalsozialismus und der sowjetische Kommunismus. Und trotzdem vereinbarten Außenminister Ribbentrop und sein sowjetisches Pendant Molotow am 23. August 1939 einen Nichtangriffspakt. Schon 1939 löste das Vertragswerk nach Bekanntwerden international Unverständnis und Ablehnung aus. Auch heute scheint es teils unerklärbar, wieso die Diktatoren Hitler und Stalin zusammenarbeiteten. Es ist jedoch unumstritten, dass der Hitler-Stalin-Pakt eines der bedeutendsten Abkommen auf dem Weg in den Zweiten Weltkrieg darstellt. Doch, obwohl der Vertrag maßgeblich den Verlauf des Kriegs bestimmt hat, ist dieses Kapitel der Geschichte im kollektiven Gedächtnis kaum noch präsent. Dabei steht der Pakt sinnbildlich für die rücksichtslose und nur auf den eigenen Nutzen orientierte Machtpolitik totalitärer Regime im 20. Jahrhundert. Der Vertrag wirkte sich direkt oder indirekt auf das Leben von Millionen von Menschen aus und läutete quasi über Nacht das Ende der Unabhängigkeit der baltischen Staaten sowie die Besetzung Polens und Bessarabiens und Teilen Finnlands ein. [1] Da der Hitler-Stalin-Pakt ein komplexes und vielseitiges Thema darstellt, beschränkt sich diese Seminararbeit auf die Fragestellung nach den Motiven Hitlers sowie, trotz weitreichender ideologischer Differenzen zusammenzuarbeiten.

2 Die Vorgeschichte

2.1 Die deutsch-sowjetischen Beziehungen seit Rapallo

Als der Erste Weltkrieg endete, waren zwei Länder international besonders stark isoliert: die Weimarer Republik durch den verlorenen Krieg [2] und die russische Föderative Sowjetrepublik beziehungsweise die spätere Sowjetunion, bedingt durch die kommunistische Revolution, die im Ausland auf Ablehnung stieß. [3] Um die Auswirkungen dieser internationalen Isolation zumindest ein Stück weit zu entkräften, schlossen die jungen Nationen am 16. April 1922 einen Vertrag, den sogenannten Vertrag von Rapallo und normalisierten somit ihre Beziehungen, die bedingt durch den Ersten Weltkrieg fast vollständig abgebrochen waren. Zum einen verzichteten Sowjetrussland und das Deutsche Reich auf Reparationsforderungen, zum anderen wurden weitreichende Wirtschaftskooperationen vereinbart, die unter anderem auch die Rüstungsindustrie betrafen. [4] In den 1920er Jahren arbeiteten das Deutsche Reich und Sowjetrussland auch in anderen Bereich zusammen, so gab es beispielsweise schon vor den Verträgen von Rapallo eine geheime Militärkooperation. [5] Die gegenseitige Annäherung erreichte mit dem Freundschaftsvertrag von Berlin 1926 ihren vorläufigen Höhepunkt. [6] Der Grundstein für neue deutsch-russische Beziehungen war gelegt. Allerdings waren die guten Beziehungen zwischen den zwei Ländern nicht von langer Dauer. Bereits unter der Regierung Brüning waren die deutsch-sowjetischen Beziehungen starken Belastungen ausgesetzt und unter dem selbst erklärten Antikommunist von Papen ebbten die ohnehin schon strapazierten diplomatischen Beziehungen weiter ab. [7] Durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 erreichten die Beziehungen vorerst ihren Tiefststand. Denn Hitler war zutiefst antikommunistisch eingestellt, schon in seinem Buch „Mein Kampf“ stellte er dies ohne Zweifel klar. Er warnte vor dem vermeintlichen Untergang Europas durch die bolschewistische Ideologie, wenn die Völker nicht den Rassegedanken und den Nationalsozialismus verinnerlichen würden. [8]

2.2 Die deutsch-sowjetische Wirtschaftsbeziehung bis 1939

Dass die Beziehung zwischen der Sowjetunion und dem sich immer weiter radikalisierenden Deutschen Reich dennoch bis 1941 nie ganz abbrachen, liegt unter anderem auch an wirtschaftlichen Interessen. Die Sowjetunion stellte für das Deutsche Reich schon immer einen wichtigen Absatzmarkt dar. So einigten sich beide Staaten im Vertrag von Rapallo darauf, das sogenannte Meistbegünstigungsprinzip einzuführen, also die Verpflichtung, allen Handelspartner die bestmöglichen Vertragsbedingungen einzuräumen. [9] Dies war für das Deutsche Reich besonders wichtig, da die deutschen Waren nach dem Ersten Weltkrieg immer noch teilweise boykottiert wurden. [10] Bereits in diesem Vertragswerk präsentiert sich die enorme Bedeutung, die die Sowjetunion in der deutschen Handelspolitik spielte. Noch viel wichtiger wurden die deutsch-sowjetischen Handelsbeziehungen während der Weltwirtschaftskrise 1929. Das Deutsche Reich wurde durch die Weltwirtschaftskrise und dem daraus resultierenden international um sich greifenden Protektionismus besonders hart getroffen und war so gezwungen, nach neuen Märkten für seine Exportprodukte zu suchen, schon allein um die ausstehenden Reparationszahlungen, die am Anfang der Krise noch nicht ausgesetzt waren, begleichen zu können. Die Sowjetunion im Gegensatz verabschiedete 1928 ihren ersten Fünfjahresplan und war für dessen Umsetzung auf Kredite, Maschinen und Industriegüter aus dem Ausland angewiesen. Die UdSSR wurde dadurch in den Jahren 1931-1932 zum größten Abnehmer von Maschinen aus dem Deutschen Reich. Die Handelsbeziehungen halfen der deutschen Industrie aus der Krise und sorgten in den 1930er Jahren für eine solide Grundlage, die auch die politischen Verwerfungen überstand. [11] Auch wenn unmittelbar nach Hitlers Machtergreifung die wirtschaftlichen Beziehungen auf ein Minimum reduziert wurden, [12] lässt sich also sagen, dass die gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit der beiden Staaten unter anderem auch dafür sorgte, dass die durch Ideologie und Propaganda strapazierten Beziehungen nie ganz abrissen und dadurch indirekt eine wichtige Grundlage für den Hitler-Stalin-Pakt schufen.

2.3 Die antisowjetische Ausrichtung der deutschen Politik unter Hitler

Obwohl Hitler den Berliner Freundschaftsvertrag am 5. Mai 1933 durch den Reichstag ratifizieren ließ, [13] wurde schnell klar, dass der „Führer“ nicht ausschließlich an einer friedlichen Politik gegenüber der Sowjetunion interessiert war. Am 3. Februar 1933 hatte Hitler, der erst wenige Wochen Reichskanzler war, vor den höchsten Verantwortlichen der Reichswehr eine Rede gehalten, in der er seine Ziele erläuterte, unter anderem sprach er die Eroberung von neuem Lebensraum im Osten und die „rücksichtslose“ Germanisierung eben dieses Lebensraums an. [14] Außerdem forderte Hitler die „Ausrottung des Marxismus mit Stumpf und Stiel“ [15] . Wenig später wurde am 15. März die KPD verboten. Darüber hinaus kam es zu schweren Ausschreitungen gegen kommunistische Einrichtungen. Die kommunistische Führung hatte zu diesem Zeitpunkt noch die Hoffnung, die deutsche Politik würde sich über kurz oder lang mäßigen. [16] Doch Hitler war nicht zu einer Annäherung an die so verhassten Kommunisten bereit, viel mehr versuchte er eine Allianz gegen den verabscheuten Kommunismus und somit gegen die Sowjetunion aufzubauen.

[...]


[1] Vgl. WEBER, Claudia: Der Pakt. Stalin, Hitler und die Geschichte einer mörderischen Allianz 1939-1941, [1. Auflage], München 2019, S. 70 ff.

[2] Vgl. CREUZBERGER, Stefan: Stalin. Machtpolitik und Ideologie, Stuttgart 2009, S. 209.

[3] Vgl. HESSE, Christine: Anfänge der sowjetischen Diplomatie, in: Informationen zur politischen Bildung Sowjetunion I. 1917-1953 Nr.322 2/2014, S. 39.

[4] Vgl. Deutsch-russischer Vertrag von Rapallo 16.04.1922, in: documentArchiv.de [Hrsg.], URL: http://www.documentArchiv.de/wr/1922/rapallo-vertrag.html, Stand: 30.09.2019.

[5] Vgl. WEBER: Der Pakt, S. 17.

[6] Vgl. Deutsch-russischer Vertrag 24.04.1926, in: documentArchiv.de [Hrsg.], URL: http://www.documentArchiv.de/wr/1926/berliner-vertag.html, Stand: 03.10.2019.

[7] Vgl. FLEISCHHAUER, Ingeborg: Der Pakt. Hitler, Stalin und die Initiative der deutschen Diplomatie 1938-1939, Berlin, u.a. 1990, S. 170.

[8] Vgl. FLEISCHHAUER: Der Pakt, S. 473.

[9] Vgl. SCHLOCHAUER, Hans-Jürgen/ KRÜGER, Herbert / MOSLER, Hermann / SCHEUNER, Ulrich [Hrsg.]: Wörterbuch des Völkerrechts, (2. Auflage), Berlin 1962, S. 1.

[10] Vgl.1922 Vertrag von Rapallo in: https://www.zeitklicks.de/ [Hrsg.] , URL: http://www.zeitklicks.de/top-menu/zeitstrahl/navigation/topnav/jahr/1922/vertrag-von-rapallo/, Stand: 05.10.2019.

[11] Vgl. WEBER: Der Pakt, S. 21 ff.

[12] Vgl. WEBER: Der Pakt, S. 32.

[13] Vgl. Bekanntmachung über die Ratifikation des deutsch-russischen Vertrags vom 24. April 1926, in: documentArchiv.de [Hrsg.], URL: http://www.documentArchiv.de/wr/1926/berliner-vertag-ratifikation_bkm.html, Stand: 27.09.2019.

[14] Vgl. WEBER: Der Pakt, S. 28.

[15] Vgl. Rede nach der Abschrift des kommunistischen Nachrichtendienstes vom 3. Februar 1933, in:1000dokumente.de [Hrsg.], URL: https://www.1000dokumente.de/index.html?c=dokument_de&dokument=0109_hrw&object=translation&st=&l=de, Stand: 28.09.2019.

[16] Vgl. WEBER: Der Pakt, S. 27 ff.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Der Hitler-Stalin-Pakt. Vorgeschichte, Motive und Auswirkungen
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
15
Autor
Jahr
2019
Seiten
23
Katalognummer
V540232
ISBN (eBook)
9783346167262
ISBN (Buch)
9783346167279
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hitler, Stalin, Pakt, Molotow, molotov, Hitler-Stalin, Ribbentrop, Zweiter Weltkrieg, Russland, Moskau, Udssr, Deutschland, Deutsches Reich
Arbeit zitieren
Brandon Agil (Autor:in), 2019, Der Hitler-Stalin-Pakt. Vorgeschichte, Motive und Auswirkungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540232

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