Die Frauenbewegung - ihre Erfolge und die Frage nach ihrer Existenz im 21. Jahrhundert


Seminararbeit, 2004
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die alte Frauenbewegung
Die Entdeckung der Frauenfrage und die Entstehung der 1. Frauenbewegung
Errungenschaften der alten Frauenbewegung
Rückschlag für die 1. Frauenbewegung

Die neue Frauenbewegung
Die Entstehung der neuen Frauenbewegung und die erste Phase
Die zweite Phase der Frauenbewegung: Selbsterfahrungs- und Theoriegruppen
Die dritte Phase der Frauenbewegung: Feministische Projekte
Die vierte Phase der Frauenbewegung: Zunehmende Institutionalisierung und die Gegenwart

Fazit

Literaturverzeichnis:

Die Frauenbewegung

Einleitung

Vor über 100 Jahren war die Rolle der Frau klar definiert. Beispielsweise in der bürgerlichen Familie war sie für die „Innenwelt“ zuständig, also für Familie, Kindererziehung und häusliche Gemütlichkeit. Dem Mann dagegen wurde die Rolle des Ernährers zugeschrieben.[1] Dieses Bild der dienenden Frau spiegelte sich auch in den Bildungszielen für Mädchen in der damaligen Zeit wieder. Die Hauptversammlung von Dirigenten und Lehrenden der höheren Mädchenschulen definierten folgendes Ziel:

„Es gilt dem Weibe eine der Geistesbildung des Mannes in der Allgemeinheit der Art und der Interessen ebenbürtige Bildung zu ermöglichen, damit der deutsche Mann nicht durch die geistige Kurzsichtigkeit und Engherzigkeit seiner Frau an dem häuslichen Herde gelangweilt und in seiner Hingabe an höhere Interessen gelähmt werde“.[2]

Ende des 20. Jahrhunderts wurde in einer Umfrage versucht zu ermitteln, ob sich die traditionelle Frauenrolle verändert hat, das heißt bleibt sie primär zu Hause und kümmert sich um die Kindererziehung, den Haushalt oder aber stellt sie ihre eigenen Karrierebedürfnisse in den Vordergrund ? Bei dieser Befragung wurden Personen ab 18 Jahren folgender Satz zur Beurteilung gegeben: „Für eine Frau ist es wichtiger, ihrem Mann bei seiner Karriere zu helfen, als selbst Karriere zu machen.“[3] 1982 stimmten in Westdeutschland 52 % der Befragten dieser Aussage zu. Im Jahr 2000 verändert sich das Bild, nur noch 32 % bejahten dies. In beiden Jahren sind keine markanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern erkennbar.[4]

Somit stellt sich die Frage, was die Frauenbewegung bewirkt hat und ob es diese Bewegung im 21. Jahrhundert noch gibt.

Die alte Frauenbewegung

Die Anfänge dieser Bewegung sind Mitte des 19. Jahrhunderts zu sehen, obwohl der Gedanke des Feminismus älter ist[5]. In der Französischen Revolution wurde die Forderung nach Gleichheit, Brüderlichkeit und Freiheit laut, und dies ist als Ursprung und Hoffnung der entstehenden Frauenbewegungen in ganz Europa zu sehen.[6]

Die Entdeckung der Frauenfrage und die Entstehung der 1. Frauenbewegung

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Frauenfrage in gebildeten Kreisen diskutiert, aufgrund von Schriften von sozialen Utopisten wie St. Simon und Fourier. Eine Frau, die sich in der Phase des Vormärzes spezifischen Frauenproblemen zuwandte war Louise Otto (später Otto-Peters, 1819-1895). Sie war eine der Gründerinnen der deutschen Frauenbewegung, aber auch eine große Kritikerin der einzelnen Strömungen.[7]

In ihrer 1849 gegründeten Zeitschrift „Frauen-Zeitung“ teilt Frau Otto die „Genossinnen“[8] in vier Kategorien ein:

„ 1) Die Forcierten oder Gemachten, die, in Äußerlichkeiten sich gefallend, vor
allen Dingen Aufsehen erregen wollen.
2) Die Isolierten oder Zurückgezogenen, das offenbare Gegenstück von jenen, wirken sie doch nur da, wo sie sicher sind, nicht bemerkt zu werden.
3) Die Frivolen oder Unsittlichen, welche teils die Demokratie zum Deckmantel eines wüsten Lebens brauchen möchten, teils sogar meinen, zu solchem Leben als Demokratinnen berechtigt zu sein.
4) Die Enthusiasmierten oder Begeisterten, die dem Geiste, der sie treibt, folgen [...]“[9]

Die einzigen Frauen, die dem Bild der Revolution von Frau Otto entsprachen, waren die Begeisterten.[10]

In der alten Frauenbewegung existierten unterschiedliche Strömungen. Es lassen sich zwei Hauptbewegungen unterscheiden und zwar die bürgerliche von der proletarischen Bewegung.

Der wesentliche Unterschied zwischen beiden ist in der Lösung der Gleichberechtigung zu sehen. Die bürgerliche Frauenbewegung wollte sie innerhalb der kapitalistischen Ordnung verwirklichen, wohingegen die proletarischen Frauen eine Problemlösung erst im Sozialismus für möglich hielten.[11]

Errungenschaften der alten Frauenbewegung

Im Bildungsbereich war die Frauenbewegung wohl am erfolgreichsten.

Ab 1896 waren Frauen immerhin als Gasthörerinnen an Universitäten zugelassen. Aber die Bedingungen waren alles andere als leicht. Um als Gasthörerin überhaupt zugelassen zu werden, benötigten die Frauen die Genehmigung des Kultusministers, des Rektors der Universität und des jeweiligen Professors.[12]

1908 wurde offiziell das Mädchenschulwesen neu geregelt, das heißt die 13jährige Schulzeit wurde festgeschrieben. Außerdem gab es einen Zweig der zum Abitur führte und somit zur Immatrikulation berechtigte.

Die Aufhebung des Vereinsgesetzes im Jahre 1908 ist als eine weitere Errungenschaft zu sehen.

In dieser Vereinsgesetzgebung ist folgendes vermerkt:

„Politischen Vereinen ist die Aufnahme von Frauenpersonen, Schülern und Lehrlingen verboten. Auch dürfen solche Personen nicht an Versammlungen und Sitzungen teilnehmen, bei denen politische Gegenstände verhandelt werden“.[13]

Dies bedeutete, dass erst mit der Aufhebung dieses Gesetzes Frauen die Möglichkeit gegeben wurde sich offiziell aktiv in Vereinen und Parteien politisch zu engagieren.

Ein weiterer Meilenstein ist natürlich auch das Frauenwahlrecht. In die Weimarer Verfassung wurde dies 1918 aufgenommen.

Des weiteren kann die Frauenbewegung viele kleine Errungenschaften verzeichnen. Denn durch sie war es erst möglich auch etwas prekäre Themen anzusprechen, wie beispielsweise die Doppelmoral der Männer in bezug auf die Prostitution.

Rückschlag für die 1. Frauenbewegung

Durch den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg gerieten die bisherigen Fortschritte des Gleichstellungskampfes wieder in den Hintergrund. Denn die „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter Partei“ (NSDAP) verstand sich als reiner Männerbund.

Sämtliche Frauenorganisationen egal, ob sie sozialkaritativer, beruflicher oder politischer Natur waren, wurden nach der Machtergreifung aufgefordert sich aufzulösen oder sich der NS-Frauenschaft anzuschließen.[14] Unter der Lösung der Frauenfrage wurde nun etwas anderes verstanden: „Wir wollen unser Frauenrecht, wir wollen Gattinnen und Mütter werden. Emanzipation von der Frauenemanzipation ist die erste Frauenaufgabe im Dritten Reich“.[15]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Frauen vor allem zum Wiederaufbau benötigt. Für Emanzipationsdiskussionen war in dieser Zeit vorerst kein Platz.

[...]


[1] vgl. Geißler: Die Sozialstruktur Deutschlands; S. 45

[2] Bäumer und Lange: Handbuch der Frauenbewegung; S. 64f

[3] Datenreport 2002, S. 538

[4] vgl. Datenreport 2002, S. 538

[5] vgl. Schenk: Die feministische Herausforderung; S. 22 und 23

[6] vgl. Hervé: Geschichte der deutschen Frauenbewegung; S. 15

[7] vgl. Holland-Cunz: Die alte neue Frauenfrage; S. 29

[8] Gerhard: „Dem Reich der Freiheit werb` ich Bürgerinnen“. Die Frauen-Zeitung von Louise Otto

[9] Gerhard: „Dem Reich der Freiheit werb` ich Bürgerinnen“. Die Frauen-Zeitung von Louise Otto

[10] vgl. Holland-Cunz: Die alte neue Frauenfrage; S. 29

[11] vgl. Hervé: Geschichte der deutschen Frauenbewegung; S. 34

[12] vgl. . Schenk: Die feministische Herausforderung; S. 29

[13] Zahn-Harnack,: Die Frauenbewegung; S. 726f

[14] vgl. . Schenk: Die feministische Herausforderung; S. 69

[15] Lauer: Die Frau in der Auffassung des Nationalsozialismus; S. 35

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Frauenbewegung - ihre Erfolge und die Frage nach ihrer Existenz im 21. Jahrhundert
Hochschule
Technische Universität München
Veranstaltung
Seminar Geschlechtersoziologie
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V54033
ISBN (eBook)
9783638493215
ISBN (Buch)
9783638826860
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauenbewegung, Erfolge, Frage, Existenz, Jahrhundert, Seminar, Geschlechtersoziologie
Arbeit zitieren
Saskia Tremmel (Autor), 2004, Die Frauenbewegung - ihre Erfolge und die Frage nach ihrer Existenz im 21. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54033

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