Formen und Methoden der Mission in Lateinamerika


Hausarbeit, 2002

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

GLIEDERUNG

1. Einleitung

2. Definition des Begriffes Mission und Eingrenzung des betrachteten Gebietes

3. Missionspersonal

4. Basis der Missionsmethoden: Das Ansehen der Missionare

5. Methoden
5.1. Sprachproblem
5.1.1. Stumme Methode
5.1.2. Mimische Methode
5.1.3. Predigen mit Hilfe von Dolmetschern
5.1.4. Linguistische Methode
5.1.5. Indigene Sprachen und christliche Terminologie
5.2. Mission durch militärische und kirchliche Zwangsmaßnahmen
5.2.1. Methode der Tabula rasa
5.3. Friedliche Methode
5.4. Wandermission (ambulante Mission)
5.5. „feste“ Mission: Hospitaldörfer und Reduktionen
5.6. Massentaufen
5.7. Idolatrie
5.8. Erziehung
5.8.1. Encomienda – System
5.8.2. Schulen und
5.9. Alternative Missionsmethoden: Theater, Musik, Tanz

6. Schlussbetrachtung

1 Einleitung

Die territoriale und kulturelle Eroberung der neuen Welt durch die Europäer ist äußerst bemerkenswert. Es ist schwer vorstellbar, wie eine zahlenmäßig so unterlegene Macht die einheimischen Hochkulturen derart schnell erobern konnte. Einen großen Beitrag zur schnellen Eroberung leisteten die Missionare, die mit der Heidenmission beauftragt waren.

In den Papstbullen von 1493 hatte der Papst den Katholischen Königen die zu entdeckenden Länder unter der Bedingung übertragen, dass sie die Missionierung der Heiden in der neuen Welt garantieren.[1] Daraufhin starteten spanische Orden in Lateinamerika erste Versuche einer Be-kehrung. Allerdings hatten sie mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, allen voran das Problem der sprachlichen Verständigung. Man erkannte schnell, dass es für eine effektive Missionierung nötig war, die Indios auf ihrem sprachlichen und kulturellen Niveau anzusprechen. Dazu ent-wickelten die Missionare unterschiedliche Techniken, von denen ich einige darstellen möchte.

Außerdem werde ich klären, in wie weit die Methoden erfolgreich waren und wo sie versagt haben. Aber unabhängig von ihrem Erfolg, haben sie tiefe Spuren in der Religiosität der lateinamerikan-ischen Bevölkerung hinterlassen, wodurch sich der lateinamerikanische Glaube vom europäischen unterscheidet.

2. Definition des Begriffes Mission und Eingrenzung des betrachteten Gebietes

Der Begriff Mission bezeichnet den gezielten Einsatz verschiedener Mittel zum Zweck der Verbreit-ung eines Glaubens unter Ungläubigen. Die christliche Mission geht vom Missionsauftrag Christi aus, der besagt: „Gehet hin und werbet Jünger für mich bei allen Völkern.“ (Matth.28,19).[2]

Da zur Zeit der Konquista, besonders auf der iberischen Halbinsel, Staat und Kirche sehr eng verbunden waren, sollte die Mission neben der religiösen auch eine kulturelle, politische und wirtschaftliche Expansion darstellen.[3]

Die Literatur, auf der diese Arbeit basiert, ist vorwiegend Literatur über die Situation im Gebiet des heutigen Mexiko und gelegentlich über die in Peru. Allerdings kann man annehmen, dass die Christianisierung in anderen Gebieten Hispano- und Lusoamerikas nach dem gleichen Muster abgelaufen ist und sich nur wenige Methoden unterschieden haben.

3. Missionspersonal

Die Krone verzichtete bewusst darauf, die kriegerischen Orden der Kreuzzüge, in die neue Welt zu schicken. Der Missionsauftrag erging an die Bettelorden der Franziskaner, Dominikaner, August-iner und später auch Jesuiten. Diese Orden, deren Hauptanliegen Demut, Armut und Dienstbereit-schaft waren, waren bekannt dafür, dass sie es nicht, wie die Konquistadoren, auf Gold und Silber abgesehen hatten und eigneten sich somit ausgezeichnet für die Missionierung. Von sich selbst sagten sie:

„Wir aber schätzen das Leben und die Seele eines Indianers höher ein als alles Gold und Silber.“[4]

Wie die meisten Europäer sahen sie in den Indios unmündige Kinder, die man nötigenfalls mit Gewalt auf den Weg des richtigen Glaubens bringen muss. Die Anwendung kirchlicher Zwangsmaßnahmen war zur damaligen Zeit nichts besonderes, denn in Europa galt die Devise „Cujus regio, ejus religio“, die besagte, dass ein Herrscher über die Religion seiner Untertanen bestimmen und Abweichler mit Gewalt auf den richtigen Weg bringen konnte.[5]

Auch Laien spielten bei der Missionierung eine wichtige Rolle. Dennoch muss die verbreitete These, die besagte, dass jeder getaufte Spanier fähig sei, aktiv am Missionswerk teil zu haben, als Trugschluss angesehen werden. Die meisten Eroberer und Siedler besaßen zwar die im Mittelalter vorherrschende kultische Frömmigkeit, waren aber nicht in der Lage das exemplarische Leben zu führen, das von den Missionaren gefordert wurde, um die Indios dadurch auf den richtigen Weg zu bringen. Bei den meisten Laien überwog der Wunsch nach schnellem ökonomischen Aufstieg. Man kann ihnen jedoch nicht absprechen, dass sie es waren, die Kirchen, Klöster, Schulen und Hospitäler bauten. Und vor allem in der Anfangszeit waren sie als Laienprediger bei Katechese[6] und Taufe durchaus aktiv an der Mission beteiligt. Zu der aktiven Gruppe der Laien zählten auch Indios, die in Internaten aufgewachsen waren und sich in den Dienst der Kirche stellten. Sie dienten als Spione, die weiterhin ausgeübte indigene Kulte preisgeben sollten, um die Kirche im Kampf gegen die Idolatrie zu unterstützen. Des weiteren betätigten sie sich als Lehrer und Katecheten für eine neue Generation von Indiokindern.[7]

4. Basis der Missionsmethoden: Das Ansehen der Missionare

Der Einfluss eines Missionars bei den Indios, basierte in erster Linie auf seinem Ansehen. Besonders wichtig war es das Ansehen der Kaziken zu gewinnen, da diese Vorbildfunktion für ihre Untertanen hatten. Hier kam es zu einer engen Zusammenarbeit mit den Konquistadoren. Diese zeigten offen Respekt vor den Geistlichen, in der Hoffnung, dass es ihnen die Indios gleich tun würden. Das wird an einer Anekdote über Hernán Cortés bei der Ankunft der ersten zwölf Franzis-kaner 1524 in Mexiko deutlich. Als die Mönche zu Fuß das Lager erreicht hatten, empfing der Konquistador die staubigen Gestalten, zum Erstaunen der anwesenden Indios, überschwänglich und erklärte feierlich, welch hoher Besuch eingetroffen sei. Um seine Worte zu unterstützen, kniete er vor den einfach gekleideten Franziskanern nieder, küsste ihre Hände und veranlasste sein Gefolge dies auch zu tun. Das machte auf die Indios derart Eindruck, dass auch sie bereit waren den Missionaren Respekt zu zollen. Ähnliche Handlungen wurden während der Kolonial-zeit immer dann wiederholt, wenn ein neuer Geistlicher in ein Missionsgebiet kam, um bei den Indios den selben Eindruck zu hinterlassen. Allerdings hatten die Siedler so auch schnell eine gefährliche Waffe gegen die Missionare in der Hand. Bei Auseinandersetzungen mit den Geist-lichen, nahmen sie oft dadurch Rache, dass sie diese bei den Indios in Misskredit brachten.

Wenn die Indios große Achtung vor den Missionaren hatten, hatte deren Lebenswandel Vorbild-charakter.[8] So wurde beispielsweise verlangt, dass Ordensbrüder

„ohne Schuhe und barfuss und in schlichten und zerrissenen Kutten aus dickem Stoff herumlaufen und auf einer einzelnen Matte mit einem Ast oder einem Bündel trockenen Grases als Kopfkissen schlafen mussten,... . „[9]

Ab 1526 wurde schon bei der Ausreise von Mönchen aus Europa darauf geachtet, dass nur solche in die neue Welt gelangten, die zu einem exemplarischen Lebenswandel fähig waren.[10]

[...]


[1] Konetzke, Richard: Süd- und Mittelamerika I: Die Indianerkulturen Altamerikas uns die spanisch-portugiesische Kolonialherrschaft, Fischers Weltgeschichte Bd.22, Frankfurt a.M. 1956, S.221.

[2] Burkart, Walter (Hrsg.):Großes Universallexikon, Schweinfurt 1982, Bd.4, S.1381.

[3] Camps, Arnulf: Begegnung mit indianischen Religionen. Wahrnehmung und Beurteilung in der Kolonialzeit, in: Sievernich, Michael (Hrsg.) u.a.: Conquista und Evangelisation. 500 Jahre Orden in Lateinamerika, Mainz 1992, S. 350.

[4] Collet, Giancarlo: “Wir aber schätzen das Leben und die Seele eines Indianers höher ein, als alles Gold und Silber”. Kontext, Ziele und Methoden der Mission, in: Sievernich, Michael (Hrsg.) u.a.: Conquista und Evangelisation. 500 Jahre Orden in Lateinamerika, Mainz 1992, S. 231.

[5] Prien, Hans-Jürgen: Die Geschichte des Christentums in Lateinamerika, Göttingen 1978, S. 210f.

[6] Katechese: religiöse Unterweisung, bis in die Neuzeit bes. in Frage-und-Antwort-Form; heute mehr an Textinterpretation und Gespräch orientiert. (aus: Paulick, Siegrun (Hrsg.) u.a.: Der Brockhaus in einem Band, 9.Aufl., Leipzig 2000, S.456)

[7] Prien, Hans-Jürgen: Die Geschichte des Christentums in Lateinamerika, Göttingen 1978, S.245f.

[8] Borges, Pedro: Métodos misionales en la cristianización de América, Madrid 1960, S. 359: “... somos obligados a más perfecta manera de vivir, no solo ante el acatamiento divino de Dios Nuestro Señor, pero aun delante de todos los hombres.”

[9] Brading, David A.: Die historische Bedeutung der ersten Evangelisierung für die christliche Identität Amerikas, in: Sievernich, Michael, Spelthahn, Dieter (Hrsg.): Fünfhundert Jahre Evangelisierung Lateinamerikas. Geschichte, Kontroversen, Perspektiven., Frankfurt a.M. 1995, S.24.

[10] Borges, Pedro: Métodos misionales en la cristianización de América, Madrid 1960, S. 359.

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Details

Titel
Formen und Methoden der Mission in Lateinamerika
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Seminar - Abteilung für Iberische und Lateinamerikanische Geschichte)
Veranstaltung
Geschichte der Missionen im kolonialen Lateinamerika
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
21
Katalognummer
V54035
ISBN (eBook)
9783638493239
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Überblick über die Formen und Methoden, die vor allem die Ordensgeistlichen im kolonialen Lateinamerika zur Bekehrung der indigenen Bevölkerung angewandt haben.
Schlagworte
Formen, Methoden, Mission, Lateinamerika, Geschichte, Missionen
Arbeit zitieren
Isabel Carrión (Autor), 2002, Formen und Methoden der Mission in Lateinamerika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54035

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