Die territoriale und kulturelle Eroberung der neuen Welt durch die Europäer ist äußerst bemerkenswert. Es ist schwer vorstellbar, wie eine zahlenmäßig so unterlegene Macht die einheimischen Hochkulturen derart schnell erobern konnte. Einen großen Beitrag zur schnellen Eroberung leisteten die Missionare, die mit der Heidenmission beauftragt waren.
In den Papstbullen von 1493 hatte der Papst den Katholischen Königen die zu entdeckenden Länder unter der Bedingung übertragen, dass sie die Missionierung der Heiden in der neuen Welt garantieren. Daraufhin starteten spanische Orden in Lateinamerika erste Versuche einer Bekehrung. Allerdings hatten sie mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, allen voran das Problem der sprachlichen Verständigung. Man erkannte schnell, dass es für eine effektive Missionierung nötig war, die Indios auf ihrem sprachlichen und kulturellen Niveau anzusprechen. Dazu entwickelten die Missionare unterschiedliche Techniken, von denen ich einige darstellen möchte. Außerdem werde ich klären, in wie weit die Methoden erfolgreich waren und wo sie versagt haben. Aber unabhängig von ihrem Erfolg, haben sie tiefe Spuren in der Religiosität der lateinamerikanischen Bevölkerung hinterlassen, wodurch sich der lateinamerikanische Glaube vom europäischen unterscheidet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition des Begriffes Mission und Eingrenzung des betrachteten Gebietes
3. Missionspersonal
4. Basis der Missionsmethoden: Das Ansehen der Missionare
5. Methoden
5.1. Sprachproblem
5.1.1. Stumme Methode
5.1.2. Mimische Methode
5.1.3. Predigen mit Hilfe von Dolmetschern
5.1.4. Linguistische Methode
5.1.5. Indigene Sprachen und christliche Terminologie
5.2. Mission durch militärische und kirchliche Zwangsmaßnahmen
5.2.1. Methode der Tabula rasa
5.3. Friedliche Methode
5.4. Wandermission (ambulante Mission)
5.5. „feste“ Mission: Hospitaldörfer und Reduktionen
5.6. Massentaufen
5.7. Idolatrie
5.8. Erziehung
5.8.1. Encomienda – System
5.8.2. Schulen und Internate
5.9. Alternative Missionsmethoden: Theater, Musik, Tanz
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Formen und Methoden, mit denen Missionare im kolonialen Lateinamerika versuchten, die indigene Bevölkerung zu christianisieren. Ziel ist es, die Herausforderungen der interkulturellen Kommunikation sowie die Wirksamkeit und Auswirkungen der verschiedenen angewandten Strategien kritisch zu beleuchten.
- Die Bedeutung der Sprachbarriere und die Entwicklung linguistischer Missionsstrategien.
- Militärische und friedliche Ansätze der Evangelisierung.
- Die Rolle von Bildungssystemen und sozialen Institutionen wie Encomiendas.
- Der Einfluss von alternativen Mitteln wie Theater, Musik und Tanz auf den Bekehrungserfolg.
- Die Problematik des Synkretismus und das Fortbestehen indigener Glaubensformen.
Auszug aus dem Buch
5.1.4. Linguistische Methode
Als man Anfang des 16.Jh. merkte, dass die Dolmetscher mehr Schaden als Nutzen brachten und eine gründliche Christianisierung auf diesem Wege nicht möglich war, begannen Missionare die Sprachen der Indios, die sie bekehren mussten, zu lernen.20 Dies erwies sich als sehr schwer, denn diese Sprachen haben eine schwierige Phonologie, mit Tönen, die Europäern völlig unbe-kannt waren. Zudem lag kein schriftliches Material über Grammatik und Wortbedeutung vor, auf das die Missionare zurückgreifen konnten.
Zunächst fungierten die Dolmetscher als Lehrer der Mönche. Dann sahen letztere den indigenen Kindern beim Spielen zu und schrieben die Namen, der von Kindern benannten Gegenstände in lateinischen Buchstaben auf. Dabei mussten zunächst die Schwierigkeiten in der Transkription gelöst werden, denn die indigene Sprachen verfügten nicht über Alphabete. Die Missionare behalfen sich, indem sie den Klang der Worte so gut wie möglich mit lateinischen Buchstaben nachzuvollziehen versuchten. So entstanden mühsam die ersten Wörterbücher und Enzyklopädien. Der Erfolg dieser Arbeitsweise ist nur erklärbar, weil die Mönche zu diesem Zeitpunkt die Kultur der Indios in Ehren hielten und ihnen freundlich gegenüber traten.21
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Eroberung der Neuen Welt und die zentrale Rolle der Mission bei der kulturellen Transformation.
2. Definition des Begriffes Mission und Eingrenzung des betrachteten Gebietes: Hier wird der Missionsbegriff hergeleitet und der Fokus auf Mexiko und Peru als geografische Schwerpunkte gelegt.
3. Missionspersonal: Dieses Kapitel erläutert die Auswahl der Bettelorden und die Rolle von Laien in der christlichen Unterweisung.
4. Basis der Missionsmethoden: Das Ansehen der Missionare: Es wird dargelegt, wie die persönliche Vorbildfunktion der Missionare und das Ansehen bei den Kaziken als Grundlage für den Einfluss auf die Indios diente.
5. Methoden: Dieser Hauptteil analysiert detailliert sprachliche, militärische, erzieherische und alternative Ansätze der Missionierung.
6. Schlussbetrachtung: Das Kapitel reflektiert den bleibenden Beitrag der Mönche zur Sprachforschung und diskutiert den Entstehungsprozess des Volkskatholizismus als Ergebnis des Aufeinandertreffens zweier Religionen.
Schlüsselwörter
Lateinamerika, Mission, Kolonialzeit, Evangelisierung, indigene Sprachen, Bettelorden, Tabula rasa, Konquista, Katechese, Synkretismus, Volkskatholizismus, Encomienda, Idolatrie, Kulturtransfer, Missionierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen historischen Strategien und Lehrmethoden, die von christlichen Orden zur Bekehrung der indigenen Bevölkerung im kolonialen Lateinamerika eingesetzt wurden.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Themen sind die sprachliche Verständigung, die Anwendung von Gewalt oder friedlicher Überzeugung, das Bildungswesen sowie die künstlerischen Ansätze wie Theater und Musik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist die Aufarbeitung der Effektivität dieser Methoden und der langfristigen Auswirkungen auf die religiöse Identität der lateinamerikanischen Bevölkerung.
Welche wissenschaftliche Methodik wird angewandt?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf der Auswertung von Fachliteratur und historischen Quellen aus der Kolonialzeit basiert.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der sprachlichen Herausforderungen, militärische und friedliche Missionswege, die Rolle von Hospitaldörfern und Reduktionen sowie erzieherische Maßnahmen.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Evangelisierung, Synkretismus, Tabula rasa, Kulturtransfer und Volkskatholizismus.
Warum war die "Methode der Tabula rasa" so destruktiv?
Sie zielte auf die vollständige Vernichtung indigener religiöser Symbole und Zeugnisse ab, wodurch wertvolle kulturelle Anknüpfungspunkte verloren gingen und tiefes Misstrauen bei der Bevölkerung geweckt wurde.
Wie trugen die Missionare zur Erhaltung indigener Sprachen bei?
Indem sie Wörterbücher und Grammatiken entwickelten, um die indigene Sprache für die Verbreitung der christlichen Lehre zu nutzen, haben sie viele Sprachen dokumentiert, die andernfalls möglicherweise verloren gegangen wären.
Was versteht man unter dem Begriff "religión yuxtapuesta"?
Dieser Begriff beschreibt eine Religion, die aus einer Vermischung von christlichen und indigenen Elementen besteht, oft als Volkskatholizismus bezeichnet, in der sich die Bevölkerung stärker mit ihren eigenen religiösen Vorstellungswelten identifizieren konnte.
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- Isabel Carrión (Author), 2002, Formen und Methoden der Mission in Lateinamerika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54035