Herstellen von Visitenkarten - ein projektorientiertes Vorhaben in einem 8. Schuljahr


Examensarbeit, 2002
110 Seiten, Note: gut (11 Punkte)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

Theoretische Grundlagen

2. Projektorientiertes Vorhaben – Versuch einer Einordnung
2.1. Abgrenzung: Projekt – projektorientiertes Vorhaben
2.2. Merkmale und Verlaufsphasen des projektorientierten Vorhabens
2.3. Didaktische Relevanz

3. Zur Sache: Herstellen von Visitenkarten am Computer
3.1. Verwendung von „Microsoft Word“
3.2. Nutzung der Software „Microsoft Publisher“

Unterrichtspraktischer Teil

4. Die Unterrichtseinheit „Herstellen von Visitenkarten – Ein projektorientiertes Vorhaben in einem 8. Schuljahr“
4.1. Gesamtüberblick
4.2. Didaktische Analyse
4.2.1. Begründung der Thematik
4.2.1.1. Aussagen des Lehrplans
4.2.1.2. Gegenwarts-/ Zukunftsbedeutung
4.2.1.3. Exemplarität
4.3. Analyse der Lernbedingungen
4.4. Erste Unterrichtssequenz (Phasen der Entscheidung und Planung)
4.4.1. „Wir planen unser Vorhaben“ (1./2. Stunde)
Lernziele
Geplanter Unterrichtsverlauf
Reflexion
4.4.2. „ Entscheidung für ein Softwareprogramm“ (3. Stunde)
Didaktische Analyse
Analyse der Sachstruktur
Analyse der Lernbedingungen
Begründung der methodischen Entscheidungen 26 Arbeits-/ Sozialformen
Medien
Lernziele
Verlaufsplanung
Reflexion
4.5. Zweite Unterrichtssequenz (Phase der Durchführung)
4.5.1. „Lehrgang zu „Publisher“ und Herstellung von Visitenkartenvorlagen“
(4./5. Unterrichtsstunde)
Lernziele
Geplanter Unterrichtsverlauf
Reflexion
4.5.2. „Wir vermarkten unsere Visitenkarten“ (6. – 8. Unterrichtsstunde)
Lernziele
Geplanter Unterrichtsverlauf
Reflexion
4.5.3. „Wir produzieren die bestellten Visitenkarten“ (9. – 11. Stunde)
Lernziele
Geplanter Unterrichtsverlauf
Reflexion
4.6. Dritte Unterrichtssequenz (Phase der Auswertung)
4.6.1. „ Wir reflektieren unser Vorhaben“ (12. – 13. Stunde)
Lernziele
Geplanter Unterrichtsverlauf
Reflexion

5. Gesamtreflexion

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Projektorientierter Unterricht ist „die Planung des Nichtplanbaren“ (RÖSELER, 1976, S. 44). Projektorientierte Vorhaben „setzen bei den Lehrpersonen [...] eine Reihe von Kenntnissen, Einstellungen und Fähigkeiten voraus [...]: Kooperationsfähigkeit, Kompromissbereitschaft, [erhöhte] Frustrationstoleranz, [...]“ (CHOTT, 1990, S. 87 f). Projektorientierter Unterricht „[...] ist die Möglichkeit, sich auf [...] [die] veränderte bildungspolitische Situation [Individualisierung, Insulation, Vereinzelung der Kindheit] sowohl in der Allgemeinen Schule wie auch in der Förderschule vorzubereiten“ (HEIMLICH, 1999, S. 15). „Der vorliegende Lehrplan [...] schafft [...] einen Rahmen, der den Schulen größere Freiräume zur Gestaltung eines projektorientierten Unterrichts lässt.“ (MFBWW, 2000, S. 3).

Die aufgeführten Zitate aus diversen Quellen belegen zweierlei: Einerseits können eindrucksvoll die unterschiedlichen Einstellungen zu „projektorientierten“ Konzepten herausgelesen werden, andererseits aber auch eine veränderte Grundhaltung dem Unterrichtsverfahren gegenüber entnommen werden. Während bei RÖSELER im Jahre 1976 noch stärker auf die Gefahren und Bedenken des Konzeptes hingewiesen wird und CHOTT auch 1990 noch die „unabdingbaren“ Qualifikationen des Lehrers nennt, erklärt HEIMLICH neun Jahre später bereits die Vorzüge des projektorientierten Verfahrens als eine Möglichkeit, auf die veränderte schulische Situation Einfluss zu nehmen. Unter anderem diesem Gedankengang zu folgen scheint auch der Lehrplan des Landes Rheinland – Pfalz des MINISTERIUMS FÜR BILDUNG WISSENSCHFT UND WEITERBILDUNG im Jahre 2000, der den projektorientierten Unterricht nun stärker als zuvor betont und ermöglicht. In mehr als 25 Jahren „Diskussion“ um das Thema „Projekt – projektorientierter Unterricht“ und rund 100 Jahren Existenz dieses Verfahrens, scheint sich also ein Umdenken anzubahnen, das auch diese Unterrichtsform schulisch legitimiert. Dabei geht das letzte Zitat, entnommen aus dem Lehrplan des Faches Arbeitslehre, aber noch weiter: Es empfiehlt dem Lehrer dieses Fachbereiches eingehend, sich mit dem „projektorientierten Unterricht“ auseinanderzusetzen, ihn in den „herkömmlichen“ Unterricht zu integrieren und somit praktisch umzusetzen.

Sich dieser Aufforderung zu stellen, ist das Ziel der Arbeit. Dabei soll zu ergründen versucht werden, inwiefern die Umsetzung projektorientierten Unterrichts im wöchentlichen Dreistundenturnus überhaupt sinnvoll ist und ob das Vermitteln von fachwissenschaftlich bezogenen Inhalten, die zum Gelingen des Vorhabens notwendig sind, sinnvoll zu integrieren ist. Daher wurde auch die Benennung „projektorientiertes Vorhaben“ gewählt, da dieses Unterrichtsverfahren die Möglichkeit von eingeschobenen Lehrgängen zulässt (vgl. 2.1.). Weiterhin wurde der thematische Inhalt „Herstellen von Visitenkarten in einem achten Schuljahr“ deshalb ausgesucht, da der Lehrplan für diese Klassenstufe als zentrales Thema die Erstellung eines Druckerzeugnisses vorsieht (vgl. 4.2.1.1.) und die in diesem Zusammenhang vorauszusetzenden Softwarekenntnisse seitens der Schüler zunächst in einem Lehrgang erworben (Microsoft „Publisher“) oder vertieft (Microsoft „Word“) werden müssen.

Die zu untersuchenden Arbeitshypothesen im Zusammenhang dieser Hausarbeit lauten daher:

1. Die Umsetzung eines projektorientierten Vorhabens im zeitlichen Rahmen von drei Unterrichtsstunden pro Woche im Fach Arbeitslehre ist sinnvoll.
2. Lehrgänge können an geeigneter Stelle und in einem angemessenen zeitlichen Rahmen integriert werden.
3. Die ins Vorhaben integrierten Lehrgänge können hinsichtlich der Methodenwahl so arrangiert werden, dass die Schüler sich möglichst selbstständig das hier vermittelte Wissen aneignen können und somit kein Bruch zum selbstständig ausgerichteten Gesamtvorhaben entsteht.

Dem ersten Kapitel obliegt es dabei, zunächst das projektorientierte Vorhaben einzugrenzen und in seinen wesentlichen Inhalten darzulegen. Dabei sollen an möglichst vielen Stellen bereits Bezüge und Überlegungen zur im zweiten Kapitel dargelegten, praktischen Umsetzung gesucht werden. Eine Verknüpfung der beiden Kapitel soll also angestrebt werden.

Die Unterrichtsstunden des zweiten, unterrichtspraktischen Teils sind dabei nach den Phasen des projektorientierten Unterrichts (Phasen der Entscheidung, Planung, Durchführung, Auswertung) gegliedert, wobei hier eine Unterrichtsstunde der Planungsphase detailliert beschrieben wird. Das Ergebnis dieses Kapitels soll es dann zum Ende der Arbeit ermöglichen, die oben aufgestellten Hypothesen zu verifizieren oder falsifizieren.

A. Theoretische Grundlagen

2. Projektorientiertes Vorhaben – Versuch einer Einordnung

Der Begriff „Projekt“ erscheint hinsichtlich seiner Verwendung in durchaus unterschiedlichen Bedeutungszusammenhängen, so dass das, „was im einzelnen Fall unter ‚Projekt‘ verstanden wird, offensichtlich beträchtlich [voneinander divergiert]“ (LAUBIS, 1976, S. 15). CHOTT (1990) spricht in Bezug auf den Projektbegriff gar von „Definitionsproblemen“ (S. 7) und auch WILKENING (1982) glaubt einen „inflationären Gebrauch“ (S. 104) zu erkennen. Diese Beobachtungen machen es für diese Arbeit zunächst nötig, das „projektorientierte Vorhaben“ genauer zu eruieren und von dem reinen Projektbegriff zu differenzieren.

2.1. Abgrenzung: Projekt – projektorientiertes Vorhaben

LAUBIS (1976) versucht das Problem der Abgrenzung Projekt versus Vorhaben inhaltlich vor allem an der Eigenschaft festzumachen, „[...] dass die Intensität der Führung und Steuerung durch den Lehrer bei den Projekten geringer ist“ (S. 10). WILKENING (1982) ergänzt diese Darstellung unter Verweis auf die Berliner Arbeitslehrekonzeption dahingehend, als dass ein Vorhaben ‚„neben seinem Kern, dem eigentlichen Projekt, auch die zu dessen Realisierung notwendigen Lehrgänge und Übungen‘, gelegentlich [...] auch notwendige Erkundungen [miteinbezieht]“ (S. 104). Somit beeinflusst der Lehrer in Vorhaben in gewisser Weise die Themenwahl des Unterrichts, indem er „das Ganze“ im Auge behält, obgleich das Vorhaben „ein die Interessen der Schüler berücksichtigendes, ernsthaftes Unternehmen“ (PÜTT, 1978, S. 24) ist, das im vorliegenden Falle ein geplantes und bestimmtes, vorweisbares Ergebnis, eben die Herstellung von Visitenkarten mittels Computer, erzielen soll.

2.2. Merkmale und Verlaufsphasen des projektorientierten Vorhabens

Dabei sind einige auch für das Vorhaben charakteristische Merkmale zu berücksichtigen und im Unterricht umzusetzen:

1. Die Schüler sollen den Gegenstand des Vorhabens nach Möglichkeit weitestgehend selbst bestimmen, wobei die in 2.1. getroffenen Einschränkungen gelten. Das Ziel des Vorhabens sollte in gemeinsamen Entscheidungsprozessen schülerverantwortlich erfolgen (vgl. WILKENING, 1982, S. 105).

Im vorliegenden Fall ergibt sich aus prüfungsrechtlichen Gegebenheiten eine nur eingeschränkte Selbstbestimmung des Schülers hinsichtlich einer eigenbestimmten Themenwahl. Dabei wird diese allerdings durch eine inhaltlich freie Ausgestaltung (Selbstwahl der Software, Selbstgestaltung des Inhalts der Visitenkarte, freie Layoutwahl, freie Wahl der Produktionsfaktoren (Papierfarbe und –dicke)) des Ergebnisses ausgeweitet und im Gegenzug die Fremdsteuerung hier minimiert und abgefedert.

2. Das Vorhaben ist schülerorientiert und kollektiv ausgelegt, so dass Planung, Durchführung und Bewertung reife- und altersabhängig umgesetzt werden sollten (vgl. WILKENING, 1982, S. 105; CHOTT, 1990, S. 13).

3. Das Vorhaben ist praxisbezogen, überschreitet den üblichen Rahmen des Unterrichts und involviert einen Umweltbezug, der das Thema nicht um des Selbstwillens behandelt, sondern der eine Relevanz für das zukünftige Leben des Schülers aufweist (vgl. WILKENING, 1982, S.105; CHOTT, 1990, S.14).

Dabei werden bei der Herstellung und Produktion von Visitenkarten verschiedene Zukunftsbedeutungen wirksam: So kann auf der informationstechnischen Seite eine Vertiefung und Erweiterung von Softwarekenntnissen im Bereich der Programme „Word“ und „Publisher“ angenommen werden, die auch zukünftig für die Schüler wesentlich sind (Erstellung eines Lebenslaufes, Einladungen, ...). Im Bereich der Produktion (ökonomische Sichtweise) wird den Schülern ersichtlich, dass die Einnahmen die Ausgaben decken müssen, um Gewinne zu erwirtschaften. Diese Auswahl an Zukunftsbedeutungen soll an dieser Stelle genügen, zumal die formulierten Lernziele und didaktischen Analysen hierüber an gegebener Stelle genügend Auskunft geben.

4. Das Ergebnis eines solchen Verfahrens ist produktorientiert und zielt auf ein vorzeigbares Werk. Dieses sollte möglichst verwendbar sein und ein Bedürfnis als Grundlage haben (vgl. WILKENING, 1982, S.105; CHOTT, 1990, S.13).

Somit gehört eine Bedürfnisermittlung in Form von Umfragen, Fragebogenaktionen et cetera normalerweise auch zum Umfang eines projektorientierten Vorhabens. Da dieses Vorgehen aber den zeitlichen Rahmen, der im Prüfungsverfahren für diese Arbeit und somit zugleich auch für dieses Vorhaben festgelegt wurde, sprengen würde, muss hiervon Abstand genommen werden. Das Auslassen dieses Teilaspektes widerspricht aber aufgrund der in der Fachliteratur getätigten, einschränkenden Formulierung „möglichst“ letztendlich nicht grundsätzlich den Merkmalen eines Vorhabens. Im Vorlauf des Vorhabens durchgeführte mündlichen Zufallsbefragungen des Lehrers bei Schülern und Lehrern an der Grund- und Hauptschule Zewen ließen überdies ein erkennbares Bedürfnis am Kauf von Visitenkarten erkennen, so dass trotz fehlender schriftlicher Umfrageergebnisse ein Bedürfnis dennoch angenommen werden kann.

5. Der Projekterfolg des Vorhabens ist Maßstab für die Schülerbeurteilung. „[...] die unter dem Kriterium des Projekterfolges durchgeführte Schülerbeurteilung wird von der Sache bestimmt, nicht vom Lehrer“ (WILKENING, 1982, S. 105).

In diesem Zusammenhang sei darauf verwiesen, dass im projektorientierten Vorhaben, stärker als in anderen Unterrichtsverfahren, die soziale Kompetenz der Schüler in den Vordergrund tritt, somit den Erfolg des Vorhabens als Ganzes nicht unwesentlich mitbestimmt und daher in die Bewertung mit einfließen sollte.

Die in der Fachliteratur benannten Verlaufsphasen eines Vorhabens divergieren vom Umfang und der Benennung je nach Intention und Verfasser (vgl. u.a. CHOTT (1990), PETERßEN (1996), WILKENING (1982)). Letztendlich erscheint das von WILKENING (1982) aufgestellte Konzept für den vorliegenden Fall am Einsichtigsten und Verständlichsten und wird somit zur Grundlage für das in dieser Arbeit geplante Vorhaben. WILKENING (1982) unterteilt das Gesamtvorhaben dabei in vier Phasen:

1. Die Entscheidungsphase, in der die diversen Themenvorschläge in der Klasse zu diskutieren sind und sich anschließend gemeinsam für ein Thema ausgesprochen werden soll.

Die vorliegende Arbeit betreffend, ist nur eine eingeschränkte Möglichkeit der Entscheidung für ein Thema seitens der Schüler gegeben, da prüfungsrechtliche Vorgaben die Verbindlichkeit des Vorhabens vorsehen. Um aber den Schülern zumindest innerhalb des verbindlich gesteckten Rahmens eine Zielentscheidungsmöglichkeit geben zu können, werden ihnen zur Herstellung der Visitenkarten zwei Softwareprogramme angeboten (Microsoft „Word“ und „Publisher“), die die Schüler zum Ziele der Visitenkartenherstellung testen und begründet bewerten sollen (vgl. 4.4.2.). Somit ergibt sich für sie eine „innere“ Zielentscheidungsphase.

2. Die Planungsphase: Sie dient zur Visualisierung des Gesamtvorhabens, in dem ein „Vorhabenablaufplan“ erstellt wird, der den Weg, die zeitliche Planung und benötigte Materialien beschreibt. Dabei weist CHOTT (1990) darauf hin, dass die zeitliche Fixierung nicht so eng gehalten sein soll, als dass sie nicht mehr abänderbar ist, da ansonsten „[...] das ganze Unternehmen unnötig [ge]bremst und das projektorientiert angegangene Thema ,totgeplant‘ [... wird]“ (CHOTT 1990, S. 106).

3. Phase der Durchführung: Ziel ist hier eine Beschaffung und Auswertung von Informationen und deren Anwendung. CHOTT (1990) sieht in diesem Schritt

„[...] die eigentliche Projektphase‘, in der die [...] Erarbeitung des ,Werkes‘ [...] in mög-

lichst freier Form [geschieht,] indem Arbeits- und Funktionsteilung vorgenommen, In-

formationen und Recherchen zusammengefügt werden, indem man Eingeübtes anwen-

det, [...] , Modelle erstellt, Aktionen durchführt“ (CHOTT 1990, S. 106 f.).

4. Wertung der Ergebnisse (Abschluss- oder Auswertungsphase): Sie dient als kritischer Blick über den Gesamtverlauf des Vorhabens. Dabei sollen sowohl positive, als auch negative Ereignisse in Form von Fragebogen oder mündlich thematisiert werden. Möglich wäre auch die Erstellung einer Dokumentation, unter Rückbezug auf den, in der Planungsphase erstellten Ablaufplan.

Weiterhin sind noch sogenannte Auszeiten relevant. Sie werden je nach Verfasser auch als Fixpunkte oder Metainteraktionen bezeichnet (vgl. CHOTT, 1990, S. 107-108). Hierbei handelt es sich um in den Arbeitsablauf flexibel einzusetzende „Pausen“, in denen über das Erreichte reflektiert, soziale wie fachliche Probleme erörtert oder über einen einzuschiebenden Lehrgang abgestimmt werden soll.

2.3. Didaktische Relevanz

Im Vorwort des Lehrplans für das Fach Arbeitslehre kann der Leser eine eindeutige Präferenz des damaligen Kultusministers für das projektorientierte Unterrichtsverfahren in Bezug auf das Fach Arbeitslehre erkennen. Fast ausschließlich spricht der Minister hier nämlich von positiven Inhalten, die dieses Verfahren impliziert, wie beispielsweise die Förderung der Methoden- und Sozialkompetenz. Ausdrücklich wird hier mehrfach auf projektorientierte Verfahren hingewiesen und diese empfohlen. Nun ist es aber erforderlich neben der Reichweite von projektorientiertem Unterricht nicht die Grenzen dieses Verfahrens aus den Augen zu verlieren. Die beiden Seiten der „Medaille“ sollen daher an dieser Stelle mit Bezug zur Fachliteratur kurz gegenübergestellt werden:

Als positive Elemente hebt WILKENING (1982) in Bezug auf das projektorientierte Vorhaben drei Kennzeichen hervor:

1. Projektorientierte Vorhaben haben den Vorteil, dass sie einen komplexen Sachverhalt praxisbezogen und in seinem Facettenreichtum andeuten können. Dabei wird seitens der Schüler insbesondere die „[...] Wechselwirkung zwischen Theorie und Praxis [...]“ (WILKENING 1982, S.105) erfahren.
2. In Vorhaben und Projekten liegt weitestgehend eine intrinsische Motivation vor, da die Schüler die Planung selbst bestimmen und der gesamte Unterricht auf ein zu erzielendes Werk hinarbeitet. Das Ziel und der Zweck des Unterrichts ist also für die Schüler erkennbar (vgl. WILKENING, 1982, S.105).
3. Ein projektorientiertes Vorhaben „[...] ermöglicht die Entwicklung wichtiger sozialer Verhaltensweisen, wie Kooperationsfähigkeit und Partnerbezogenheit“ (WILKENING, 1982, S.105).

In diesem Zusammenhang weist WILKENING (1982) auf den Schwerpunkt der Vermittlung von sozialen und verfahrensbezogenen Lernzielen (Planung, Beobachten,...) im Zusammenhang mit projektorientierten Unterrichtsverfahren hin (vgl. auch 2.2.). Fachbezogene Lernziele treten hier eher zurück (vgl. WILKENING 1982, S. 105/ 106).

Er gibt weiterhin zu bedenken, dass

1. im Zusammenhang mit projektorientiertem Unterricht ein großer zeitlicher Aufwand sowohl hinsichtlich der Vorbereitung als auch der Umsetzung eingeplant werden muss. Dieses führt im Weiteren oftmals zu einer schnellen Überforderung der Ausdauer und Konzentration der Schüler (vgl. WILKENING 1982, S. 106).
2. die Kenntnisse und Fähigkeiten der Schüler in Bezug auf das inhaltliche Gelingen des Projekts vorausgesetzt werden oder über „willkürlich in den natürlichen Ablauf des Projektes hineingestellten“ (WILKENING, 1982, S. 106) Lehrgängen zusätzlich erworben werden müssen.
3. der Anspruch von Projekten in Hinsicht auf fachspezifische Problemstellungen/ Inhalte einfach gehalten ist, was er unter anderem mit dem zeitlichen Umfang von projektorientierten Verfahren begründet (vgl. WILKENING 1982, S. 106).

Weiterhin bemängelt WILKENING (1982) auch, dass projektorientierter Unterricht letztendlich eben kein Abbild zu herkömmlichen und realen Produktionsformen darstellt, sondern nur Annäherungstendenzen erkennbar werden. Trotz dieser Kritik erscheint es dennoch sinnvoll das projektorientierte Vorhaben als Verfahren auszuwählen und umzusetzen. Sicherlich sollte es auch im Fach Arbeitslehre nicht ausschließlich verwendet werden, was im Übrigen für andere Unterrichtsverfahren ebenso gilt. Aber gerade im Zusammenhang des ansonsten eher kopflastig ausgerichteten Wirtschaftslehreunterrichts innerhalb des Faches Arbeitslehre bietet sich hier ein projektorientiertes Vorhaben geradezu an die ansonsten oftmals eher kognitive Struktur dieses Bereiches „handlungsorientiert“ zu durchbrechen. Nicht zuletzt auch aufgrund dieser Überlegungen wurde unter anderem gerade dieses Verfahren für die Hausarbeit ausgewählt und im Zusammenhang mit der Herstellung von Visitenkarten als sinnvoll erachtet.

3. Zur Sache: Herstellen von Visitenkarten am Computer

Die Wahl zur Herstellung des Produktes „Visitenkarten“ basiert auf der im Lehrplan für die achte Klasse geforderten „Simulation der Produktion eines Druckerzeugnisses“ (MFBWW, 2000, S. 85). Bei der Wahl des Herstellungsverfahrens bot es sich weiterhin an, die Visitenkarten mittels Rechner zu produzieren, zumal auch in diesem Zusammenhang der Lehrplan fordert:

„Die Arbeits- und Lebenswelt der Schüler wird in zunehmendem Maße von den ,Neuen Technologien‘ bestimmt. Der Unterricht nimmt sich dieser Tatsache besonders an, um den Lernenden zu befähigen, diese Technologien zu verstehen, zu nutzen [...]“ (MFBWW. 2000. S. 84).

Vor der Umsetzung der Hausarbeit war es zunächst geplant neben den zwei nun ausgewählten Programmen zusätzlich das Softwareprogramm „Druckstudio Visitenkarten“ des KOCH – MEDIA – Verlags auf die Computer zu spielen und auch dieses in das Testverfahren der Schüler zu integrieren. Aufgrund einer zwei Wochen vor Beginn der Examensarbeit durchgeführten Softwareumstellung des Rechnerraums der Hauptschule Trier – Zewen, vom Systemprogramm „Microsoft Windows“ zu „Microsoft NT“, war es aber nun nicht mehr möglich dieses dritte Programm zu verwenden, da es für die Systemvoraussetzung „Microsoft NT“ nicht geeignet ist. Somit reduziert sich die Entscheidung zur Herstellung von Visitenkarten lediglich auf die zum rechnereigenen Softwarepaket gehörenden Programme „Word“ und „Publisher“, die im Folgenden vorgestellt werden sollen.

3.1. Verwendung von Microsoft „Word“

Das Softwareprogramm „Word“ eignet sich dahingehend für die Erstellung von Visitenkarten, als dass mit der Symbolleiste „Zeichnen“ die wesentlichen Elemente einer Visitenkarte, wie Rahmen, Linien et cetera in ein leere Bildschirmseite eingefügt und bearbeitet werden können. Im Einzelnen bedeutet das, dass nach dem Öffnen des Programms zunächst manuell ein Textfeld oder Rahmen in eine leeres Word-Dokument eingefügt werden kann. Alsdann muss der Nutzer dieses Feld, respektive die leere Visitenkarte nur noch mit denen in der Symbolleiste angebotenen Designelementen wie Autoformen, Zeichnen, Linien, Kreise, Ellipsen, WordArt, Füllfarben, 3–D–Elemente und Schattierungen oder durch das Einfügen von ClipArts gestalten. Dabei erweist sich „Word“ in diesem Programmbereich insoweit als problematisch, als dass die Rahmen wegen der manuellen Ausrichtung einerseits keine normierte Visitenkartengröße (9 x 5 cm) darstellen und andererseits unter Umständen keine eindeutige Flucht aufweisen. Das anschließende Schneiden stellt sich in diesem Fall als problematisch heraus: Jede Visitenkarte muss gegebenenfalls nämlich einzeln ausgeschnitten werden, eine Schneidemaschine ist dann nicht einsetzbar.

Weiterhin wird die erstellte Visitenkartenvorlage im Programmbereich „Word“ nicht automatisch auf mehrere Exemplare pro Seite vervielfältigt. Es obliegt vielmehr dem Geschick des Benutzers, diese möglichst ökonomisch und manuell über die Funktionen „kopieren“ und „einfügen“ auf einer Seite zu verteilen.

Zwar bietet das Programm „Word“ neben der manuellen Erstellung der Karten unter dem Menüpunkt „Extras“ im Bereich „Etiketten“ sehr wohl die Möglichkeit, 10 Etiketten normiert und geordnet auf einer Seite zu erstellen. Dabei ist allerdings anzumerken, dass sich dieser Programmbereich nicht zur Erstellung von Visitenkarten eignet, da die hierzu benötigten weiteren Elemente, wie ClipArts, Rahmen, Linien usw. nicht einzufügen sind und die Gestaltung einer Visitenkarte so stark einschränkt wird, dass von dem Produkt „Visitenkarte“ im engeren Sinne nicht mehr gesprochen werden kann. Vielmehr dient dieser Programmbereich, wie sein Name erahnen lässt, eben eher der Gestaltung der weniger designaufwendigen Etiketten und soll den Schülern daher in der vorliegenden Arbeit nicht vermittelt werden, da dies unter anderem auch den eng begrenzten zeitlichen Rahmen sprengen würde.

3.2. Nutzung der Software Microsoft „Publisher“

Microsoft „Publisher“ ist ein Programm des Microsoft „Office 2000 – Premium“ – Paketes, welches speziell für die Erstellung von Druckerzeugnissen, wie Grusskarten, Einladungen, aber auch Visitenkarten geeignet ist. Bedeutsam dabei ist, dass dieses Programm über einen sogenannten „Programmassistenten“ verfügt, der den Nutzer selbsterklärend durch die wesentlichen Teile des Programms führt und ihm Entscheidungshilfen und Vorlagen (Hintergründe, Borden, Zierrahmen,...) für die Erstellung seines gewählten Druckerzeugnisses anbietet und vorgibt (vgl. Abb.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.: „Einstiegsmaske“ des Programms Publisher mit den rot markierten, relevanten Programmbereichen „Assistent“ und „leere Publikationen“

Daneben bietet das Programm „Publisher“ aber für den versierten Anwender auch die Möglichkeit, den Bereich „leere Publikationen“ zu öffnen. Hier können alsdann leere Dokumente (beispielsweise Visitenkarten) geöffnet und nach Belieben individuell gestaltet werden. In diesem Fall werden also keine bereits vorgestalteten Visitenkarten angeboten; es obliegt vielmehr dem Nutzer sich diese individuell zu designen.

Unterrichtsrelevanz bieten dabei beide Programmbereiche: So nutzen die Schüler in der Phase der Entscheidung für eines der Softwareprogramme „Word“ oder „Publisher“ im Programm „Publisher“ den Assistenten, da sie auf diese Weise eine umfassende Programmübersicht erhalten, die keine Vorkenntnisse voraussetzt. Sollten sich die Schüler dann allerdings im nächsten Schritt für die Erstellung der Visitenkarten mittels „Publisher“ entscheiden, so sollen sie ihre Visitenkartenvorlagen für den Verkauf im Bereich „leere Publikationen“ gestalten.

Dieses hat zwei Gründe: Erstens entstehen für den Verkauf auf diese Weise keine bereits vom Programmhersteller vorgegebenen Visitenkartenvorlagen, die auch im Sinne der Themenstellung der Arbeit keine eigentliche „Herstellung“ wären. Andererseits wird so auch ein Lernzuwachs vermittelt. Denn die Auseinandersetzung und Gestaltung neuer Vorlagen führt zu einer zusätzlichen, neuen, detaillierten Softwarekenntnis des Programms „Publisher“, die über den Assistenten nicht zu erreichen wäre.

[...]

Ende der Leseprobe aus 110 Seiten

Details

Titel
Herstellen von Visitenkarten - ein projektorientiertes Vorhaben in einem 8. Schuljahr
Hochschule
Staatliches Studienseminar für das Lehramt an Realschulen Trier  (Witschafts und Arbeitslehre/ Technik (Sekundarstufe I))
Veranstaltung
Fachbereich Arbeitslehre
Note
gut (11 Punkte)
Autor
Jahr
2002
Seiten
110
Katalognummer
V5404
ISBN (eBook)
9783638132886
Dateigröße
13660 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit wurde im Rahmen der 2. Staatsprüfung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen abgelegt (Referendariat). Sie enthält eine Unterrichtseinheit, die mit dem Lehrplan des Landes Rheinland - Pfalz für das Fach Wirtschafts- und Arbeitslehre berücksichtigt. Im Anhang sind Arbeitsblätter und Fotos über den Unterrichtsverlauf anhängig. Zusätzlich ist auch die Notenfestsetzung im Anhang zu finden. Die Arbeit umfasst insgesamt 13 Unterrichtsstunden.
Schlagworte
Wirtschafts- und Arbeitslehre, Hauptschule, Technik, Wirtschaft, Klasse 8, Sekundarstufe I, Projekt
Arbeit zitieren
Stephan Burg (Autor), 2002, Herstellen von Visitenkarten - ein projektorientiertes Vorhaben in einem 8. Schuljahr, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5404

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