Die Etablierung einer Demokratie in Südafrika gehört mit Sicherheit zu einem der bedeutendsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Das jahrzehntelang bestehende Apartheid–System konnte mit – mehr oder weniger – friedlichen Mitteln beseitigt werden. Es kam zwar immer wieder zu Unruhen und Auseinandersetzungen, allerdings in geringem Ausmaß verglichen mit anderen geschichtlichen Beispielen, wo ebenfalls von unterdrückten Menschen Widerstand gegen eine regierende Macht ausgeübt wurde.
Das vorliegende Buch soll einen Kurzüberblick über die geschichtliche Entwicklung in Südafrika, vom ersten Kontakt der Ureinwohner mit den Niederländern über die Entstehung des Apartheid–Systems bis hin zu den historischen Ereignissen zu Beginn der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts, darstellen.
Ein weiteres Augenmerk wird auch auf die interkulturellen Aspekte der jeweiligen Entwicklungen gelegt. Eine sehr wichtige Frage, die sich in diesem Zusammenhang aufdrängt ist bespielsweise, warum die Europäer trotz anfangs friedlicher Absichten, die Eingeborenen unterdrückten und ein System der Rassendiskriminierung einführten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Kultur?
3. Geschichtlicher Hintergrund
3.1. Die Gründung einer Kolonie
3.2. Der große Treck
3.3. Die Südafrikanische Union
4. Das System der Apartheid
4.1. Der Apartheid Staat
4.2. Rassenklassifizierung
4.3. Formen der Apartheid
4.3.1. Mikro Apartheid
4.3.2. Meso Apartheid: Zuzugskontrollen und Passgesetze
4.3.3. Makro Apartheid: Die Homeland – Politik
5. Widerstandsbewegungen
6. Das Ende der Apartheid – Ära
6.1. Frederik de Klerk und Nelson Mandela
6.2. Die Wege aus der Apartheid aus interkultureller Sicht
7. Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung des Apartheid-Systems in Südafrika unter besonderer Berücksichtigung interkultureller Aspekte, um zu verstehen, wie kulturelle Wahrnehmungen zur Etablierung und Aufrechterhaltung rassistischer Strukturen beitrugen.
- Historische Ursprünge der Kolonialisierung und Besiedlung
- Systematische Rassenklassifizierung und Apartheid-Gesetzgebung
- Strukturen der Mikro-, Meso- und Makro-Apartheid
- Widerstandsbewegungen gegen die Segregationspolitik
- Interkulturelle Perspektiven auf den politischen Wandel und die Zukunft des Landes
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Gründung einer Kolonie
1652, über 150 Jahre nach der Umseglung der Südspitze Südafrikas durch Bartholomeo Diaz, landete der Niederländer Jan van Riebeeck am Kap der guten Hoffnung, um einen Stützpunkt zu errichten. Dieser Stützpunkt sollte die Seefahrer, die auf dem Weg nach Ostindien waren, mit Wasser und Lebensmittel versorgen und sie vor den Eingeborenen schützen, mit denen es in den Jahren zuvor immer wieder blutige Auseinandersetzungen gegeben hatte. Die eigentlichen Ureinwohner Südafrikas sind Buschmänner, die als Nomaden, Jäger und Sammler lebten, und die Hottentotten.
Das Gebiet an der Südspitze Afrikas sollte keineswegs kolonisiert werden, sondern nur als Zwischenstation auf dem Weg nach Indien dienen. Bald begannen die Holländer mit den Eingeborenen Güter, die sie benötigten, zu handeln. Es gab keinen Grund die Eingeborenen zu töten oder zu versklaven, solange sie den Holländern die von Ihnen gewünschten Güter beschaffen konnten. Der Handel war allerdings meist sehr einseitig, denn die Holländer gaben den Eingeborenen oft nur wertlose Gegenstände oder Suchtdrogen. Da die Eingeborenen vor allem an den Drogen Gefallen fanden, konnten sich die Holländer zunächst ihr Wohlwollen sichern.
Der erste Kontakt zwischen den Angehörigen von Riebeecks Kolonie und den Eingeborenen war also friedlich vonstatten gegangen. Es gab natürlich früher schon einige kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Europäern und Afrikanern, aber in Südafrika verlief zu Beginn alles ruhig. Die andere Kultur wurde akzeptiert und solange man selber in Ruhe leben konnte, auch toleriert. Für die Afrikaner war die Begegnung mit den Holländern etwas völlig Neues (zumindest das friedliche Nebeneinander-leben). Sie merkten, dass ihnen der Handel Vorteile brachte und solange sich die Holländer nicht unmittelbar in ihren Stammesgebieten ansiedelten, gab es auch keine kriegerischen Auseinandersetzungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung der Demokratisierung Südafrikas dar und umreißt das Ziel, die geschichtliche Entwicklung und interkulturelle Aspekte des Apartheid-Systems zu beleuchten.
2. Was ist Kultur?: Das Kapitel definiert den Kulturbegriff als Summe jener Konzepte, die das Zusammenleben in Gemeinschaften regeln, und führt interkulturelle Dimensionen wie Machtdistanz oder Zeitverständnis ein.
3. Geschichtlicher Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert den Weg von der ersten niederländischen Kolonie über den Großen Treck bis zur Gründung der Südafrikanischen Union.
4. Das System der Apartheid: Das Kapitel beschreibt den Aufbau des Apartheidstaates, die gesetzliche Rassenklassifizierung und die drei Ebenen der Diskriminierung: Mikro, Meso und Makro.
5. Widerstandsbewegungen: Hier wird der organisierte Widerstand gegen die Segregation, insbesondere durch den ANC, und die Radikalisierung nach dem Sharpeville-Massaker dargestellt.
6. Das Ende der Apartheid – Ära: Das Kapitel analysiert den politischen Wandel unter de Klerk und Mandela, den Übergang zu freien Wahlen 1994 und die interkulturelle Herausforderung eines multikulturellen Staates.
7. Conclusio: Die Conclusio fasst zusammen, dass die historische Ungleichheit trotz formaler Demokratisierung nachhaltig wirkt und ein multikulturelles Zusammenleben weiterhin eine große Herausforderung darstellt.
Schlüsselwörter
Apartheid, Südafrika, Kultur, Rassentrennung, Rassendiskriminierung, Kolonialisierung, Homeland-Politik, Widerstandsbewegung, ANC, Nelson Mandela, interkulturelles Management, Geschichte, Demokratisierung, Identität, Soziale Ungleichheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Geschichte des Apartheid-Systems in Südafrika unter dem spezifischen Fokus auf interkulturelle Aspekte und das Zusammenprallen unterschiedlicher Kulturen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der kolonialen Historie, der gesetzlichen Institutionalisierung von Rassenklassifizierung, der Homeland-Politik und dem politischen Widerstand gegen die Unterdrückung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie kulturelle Überlegenheitsgefühle der europäischen Siedler zur Etablierung eines diskriminierenden Systems führten und wie sich dieses System historisch entwickelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische und interkulturelle Analyse, die auf Fachliteratur zu den Themen Apartheid, Cultural Theory und Interkulturelles Management basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die historischen Meilensteine, die unterschiedlichen Apartheid-Ebenen (Mikro, Meso, Makro), der Widerstand gegen das System sowie die friedliche Transformation Ende der 1980er Jahre analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Apartheid, Rassenklassifizierung, Homeland-Politik, ANC, interkulturelles Management und historische Ungleichheit charakterisiert.
Wie definiert der Autor das Konzept der Homeland-Politik?
Die Homeland-Politik wird als ein System der räumlichen Trennung beschrieben, das darauf abzielte, die schwarze Bevölkerung in Bantustans zu isolieren, während sie gleichzeitig ökonomisch als billige Arbeitskräfte für den weißen Sektor kontrolliert wurden.
Warum war laut Autor die interkulturelle Perspektive bei der Apartheid-Aufarbeitung entscheidend?
Die Perspektive verdeutlicht, dass die Segregation nicht nur auf ökonomischen Motiven basierte, sondern tief in den kulturellen Unverständnissen und dem Überlegenheitsgefühl der weißen Minderheit gegenüber der schwarzen Mehrheit verwurzelt war.
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- Philipp Pölzl (Author), 2003, Die Geschichte der Apartheid in Südafrika unter Betrachtung interkultureller Aspekte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54041