Aggressionen und Depressionen bei den Amischen in den USA


Hausarbeit, 2004

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Anabaptistische Glaubensgemeinschaften
2.1. Geschichtliche Hintergründe
2.2. Die Old Order Amish

3. Depressionen und Aggressionen bei anabaptistischen Glaubensgemeinschaften
3.1. Psychopathologische Grundbegriffe
3.2. Depressionen
3.3. Studien zum Auftreten depressiver Zustände bei anabaptistischen Gruppen
3.4. Die Studie von Jakubaschk, Würmle und Genner bei den Old Order 8 Amish
3.4.1. Leitfragen, Voraussetzungen und Hypothesen der Studie
3.4.2. Die praktische Umsetzung der Studie
3.4.3. Ergebnisse der Studie

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der folgende Beitrag behandelt die Thematik der vermehrt auftretenden depressiven Erkrankungen bei anabaptistischen Glaubensgemeinschaften. Der Schwerpunkt liegt hierzu auf der von Jürgen Jakubaschk, O. Würmle und R. Genner angefertigten Studie über das Auftreten von “Depressionen und Aggressionen bei Amischen“. (Jakubaschk, Jürgen 1994b) Bevor ich auf das eigentliche Themas zu sprechen komme, werde ich vorab als Hintergrundinformation einen kurzen geschichtlichen Überblick über die Entstehung, Aufspaltung und Lebensweise der verschiedenen anabaptistischen Gemeinschaften bzw. vor allem der Old Order Amish, um die es hauptsächlich geht, geben. Und zum besseren Verständnis, werde ich die in der Studie erwähnten psychopathologischen Grundbegriffe klären, sowie die unterschiedlichen existierenden Depressionsformen vorstellen und erläutern, um dann zu den Untersuchungen Jürgen Jakubaschks et al bei den Old Order Amishen zu kommen.

2. Anabaptistische Glaubensgemeinschaften

“Als Wiedertäufer, Täufer, Taufgesinnte oder Anabaptisten werden - laut Brockhaus - reformatorische Gruppe bezeichnet, die nicht zu der von Luther, Zwingli und Calvin ausgehenden Bewegung gehören und die innere Erneuerung der Kirche allein aus dem Geist und dem Wort der Schrift suchen.” (Jakubaschk 1996a: 13) Obwohl das Täufertum sehr heterogen ist, unterscheiden wir heute lediglich drei anabaptistische Glaubensgemeinschaften:

- Die Mennoniten, welche nach Menno Simons, der von 1537 bis 1561 Ältester der niederländischen Täufer war, benannt sind.
- Die Amischen, deren Name auf Jacob Amman (um 1693) aus Erlenbach i. S. zurückgeht. (ebd.)
- Und die Hutterer, benannt nach Jacob Hutter aus Tirol. Er war von 1533 bis 1535

Vorsteher der Täufergemeinde in Mähren. Im Gegensatz zu den Mennoniten und Amischen kennen die Hutterer keinen Privatbesitz, sondern leben in Gütergemeinschaften. (Längin, Bernd G. 1986: 25ff)

2. 1. Geschichtliche Hintergründe

Zwingli, der seit 1518 Leutprister am Großmünster Zürich war, vertrat bereits seit 1519 reformatorischen Ideen. Allerdings ging er sehr diplomatisch mit dem Rat der Stadt, dem Bischof und konservativen Geistlichen um, sodass sich 1523 viele Mitstreiter von ihm trennten, (Smith, Henry 1964: 13ff) um die “Reformation zu vollenden”. (Jakubaschk 1996a: 13) Konrad Grebel war einer der Bekanntesten. Er vollzog am 21. Januar 1525 an Jörk Blaurock die erste öffentliche Wieder-Taufe. Dieses Ereignis kennzeichnet “die Geburtsstunde der Täufer”. (ebd.)

Die sieben Artikel aus dem Jahr 1527 stellen “die erste systematische Darstellung täuferischen Glaubens und Gemeindeverständnisses” (ebd.) dar. Am 24. Februar 1527 fand in Schleitheim die erste Täuferversammlung statt, weil Uneinigkeit über die religiöse Konzepte in den verschiedenen Täufergemeinschaften bestand. Im Schleitheimer Glaubensbekenntnis wurden die bekannten Grundsätze des Täufertums formuliert, wodurch eine Abgrenzung zu den etablierten Kirchen formuliert wurde. Dennoch kam es nach 1527 zu einer zunehmenden Destabilisierung und Zersprengung der täuferischen Gemeinschaften. Trotzdem die Täufer verfolgt wurden, breiteten sie sich bis 1926 in der ganzen deutschsprachigen Schweiz, Süddeutschland, Tirol, Österreich und Mähren aus. 1529 wurde das Wiedertaufen durch Kaiser Karl V. bei Androhung der Todesstrafe untersagt. Bis 1530 starben insgesamt über 2000 Täufer. Etwa 12000 - 15000 retteten sich nach Mähren, wo sie unter dem Schutz des hussitischen Landadels standen. Hier liegt der Ursprung der Hutterischen Brüder. (Smith 1964: 13ff)

2. 2. Die Old Order Amish

Die Old Order Amish sind eine konservative, anabaptistische Glaubensgemeinschaft schweizerischen Ursprungs. Es leben heute über 100 000 Amische in 22 Staaten der USA, vor allem in Pennsylvania, Ohio und Indiana. Ihre Glaubensgrundlage bildet das Neue Testament und sie befolgen noch heute die Grundsätze aus dem Jahr 1527. Sie meiden die Ausübung von Macht, es wird kein Widerstand geleistet und selbst berechtigte Interessen werden nicht durchgesetzt (sie verweigern z. B. Militärdienst). Legale und persönliche Auseinandersetzungen werden grundsätzlich gemieden. Die Amischen wählen bewusst eine anstrengende und arbeitsreiche Lebensweise. Sie sind größtenteils Bauern, die ihre Felder mit einfachen landwirtschaftlichen Geräten bestellen, die meist von Pferden gezogen werden. Sie haben sehr kinderreiche Familien (durchschnittlich 7 Kinder pro Familie) und pflegen einen engen sozialen Kontakt durch ihre zahlreiche Verwandtschaft und die überschaubaren Gemeinden von etwa 30 - 50 Familien. Die Old Order Amish tragen Trachten, die an schweizerische Bauernkleidung aus dem 18. Jahrhundert erinnern. Ihre Umgangssprache besteht aus Schweizerdeutsch mit elsässischen, süddeutschen und englischen Ausdrücken und Redewendungen. Sie sind eine konservative Glaubensgemeinschaft mit festgefügten Regeln, klar definierten Erwartungshaltungen, engem Zusammenhalt und einer strikten sozialen Kontrolle, die sich vom westlichen sogenannten modernen Leben fernhalten. (Jakubaschk 1994a: 37f)

3. Depressionen und Aggressionen bei anabaptistischen Glaubensgemeinschaften

Es gibt Fakten und Untersuchungsergebnisse, die darauf hinweisen, dass es eine inverse Beziehung zwischen der Häufigkeit von Depressionen und der Möglichkeit, Aggressionen auszuleben gibt. (Jakubaschk 1996b: 16)

Die Old Order Amish versuchen im täglichen Leben den Forderungen der Bibel nachzukommen, absoluten Pazifismus zu verwirklichen, und in christlicher (Nächsten)Liebe zu leben. Die Amischen vermeiden jede Aggression und Feindseeligkeit. (ebd.) Es gibt wenige psychiatrisch-epidemiologische Untersuchungen bei Amischen und Hutterern. Die existierenden zeigen aber, dass bei ihnen Depressionen zwei- bis dreimal so häufig wie in anderen Bevölkerungen vorkommen. (ebd.)

3.1. Psychopathologische Grundbegriffe

Eine Psychose kennzeichnet eine Seelen- oder Geisteskrankheit, wobei das psychische Anderssein durch eine organische Hirnkrankheiten bzw. durch eine Hirnkrankheit deren organischer Ursprung noch vermutet wird entsteht. (Gerhard 1974: 11) Eine Neurose hingegen ist eine psychisch bedingte Gesundheitsstörung, deren Symptome unmittelbare Folge und Ausdruck eines krankmachenden seelischen Konfliktes sind, der unbewusst bleibt. (ebd.)

Depression und Manie werden allgemein unter dem Begriff Cyclothymie zusammengefasst, wobei eine Cyclothymie eine phasenhaft vorkommende, depressive und manische Verstimmungen umfassende Krankheitsform kennzeichnet. (ebd.) Die Manie beschreibt ein psychotisches Krankheitsbild, das gekennzeichnet ist durch gehobene, teilweise auch gereizte Stimmungslagen, vermehrte Antriebskraft, Selbstüberschätzung und gesteigertes körperliches Wohlbefinden. (Gerhard 1974: 11f) Bei der Entstehung und Dauer solcher Krankheiten spielen viele verschiedene Faktoren eine Rolle (ebd.: 43) und teilweise sind auch genetische Faktoren verantwortlich zu machen. (ebd.: 32)

3.2. Depressionen

Das Wort Depression ist vom lateinischen deprimere, was soviel wie herabdrücken bedeutet, abgeleitet. In der Psychiatrie umfasst dieser Begriff ganz allgemein “eine Minderung und Beeinträchtigung psychischer Funktionen” (Kielholz, Paul 1973: 111) und stellt den Oberbegriff für nosologisch unterschiedliche Gruppen psychischer Erkrankungen, die alle vom Erscheinungsbild her eine “psychische Unterfunktion oder Minussymptomatik” (ebd.) aufzeigen dar. (Hartmann, Jutta 1981: 3f)

“Die Depression [...] ist ein phänomenologisch konkret beschreibbares Krankheitsbild, ein Syndrom mit einer Vielzahl von Symptomen in variabler Kombination und Ausprägung. Eine Depression ist ein Symptom, das sich in unterschiedlicher Intensität zusammensetzt aus psychischen, psychomotorischen sowie somatischen Symptomen. Wichtig ist die Bestimmung nach phänomenologischem Aspekt (Erscheinungsbild).” (Faust, Volker 1989: 11) Hierzu ist die Differenzierung nach Art der Antriebsstörung wesentlich: gehemmt - apathisch, agitiert - ängstlich, gehemmt - ängstlich, larviert bzw. maskiert. Bei verschiedenen depressiven Zustandsbildern können allerdings auch gleiche Depressionssymptome auftreten, weshalb meist der Verlauf entscheidend ist. Darüber hinaus zu berücksichtigen sind aktuelle Konflikt- und Belastungssituationen, eine prämorbide Persönlichkeit, die Lebensgeschichte, hereditäre Faktoren, psychische und körperliche Befunde sowie der berufliche, familiäre und ökonomische Rahmen. (ebd.)

Eine übereinstimmende praxisbezogene globale Einteilung hat sich im Laufe der Zeit bewährt:

[...]

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Details

Titel
Aggressionen und Depressionen bei den Amischen in den USA
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Veranstaltung
Die Kultur der Amischen in den USA
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V54043
ISBN (eBook)
9783638493307
ISBN (Buch)
9783640145553
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aggressionen, Depressionen, Amischen, Kultur, Amischen
Arbeit zitieren
Nicole Rosenthal (Autor), 2004, Aggressionen und Depressionen bei den Amischen in den USA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54043

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