Audit Strategy Memo der Prüfung des Konzern- und Einzelabschlusses

Am Beispiel der Centrotherm International AG


Essay, 2020

30 Seiten, Note: 1,1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklung der Prüfungsstrategie
2.1. Kenntnis der Geschäftstätigkeit
2.1.1. Unternehmensprofil
2.1.2. Gesamtwirtschaftliches Umfeld
2.1.3. Branchenentwicklung
2.1.4. Analyse der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage
2.1.4.1. Vermögenslage
2.1.4.2. Finanzlage
2.1.4.3. Ertragslage
2.2. Risikoanalyse
2.2.1. Aufgabe der Risikoanalyse und Risiken im Rahmen der Abschlussprüfung
2.2.2. Inhärentes Risiko
2.2.3. Kontrollrisiko
2.2.4. Entdeckungsrisiko
2.3. Festlegung der Wesentlichkeit

3. Erstellung des Prüfungsprogrammes
3.1. Sachliche Planung
3.1.1. Einzelabschluss
3.1.2. Konzernabschluss
3.2. Personelle Planung
3.3. Zeitliche Planung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Kennzahlen, Vermögenslage

Abb. 2: Kennzahlen der Bilanz, Finanzlage

Abb. 3: Kennzahlen des Cash-Flows, Finanzlage

Abb. 4: Kennzahlen, Ertragslage

Abb. 5: Komponenten des Prüfungsrisikos

Abb. 6: Übersicht über die Wesentlichkeiten

Abb. 7: Stundensätze des Prüfungsteams der CT AG

1. Einleitung

„Der Abschlussprüfer hat die bei der Abschlussprüfung durchzuführenden Prüfungshandlun-gen (…) angemessen zu planen, damit die Abschlussprüfung ziel- und zeitgerecht und wirt-schaftlich durchgeführt werden kann und ein angemessener Prüfungsablauf in sachlicher, per-soneller und zeitlicher Hinsicht gewährleistet ist.“ Wie auch die Berufssatzung1 verpflichtet IDW PS 240 Tz. 7 den Abschlussprüfer eine angemessene Prüfungsplanung durchzuführen. Im Rahmen des Integrationsseminars des sechsten Semesters ist eine solche – unter Einbezie-hung der berufsständischen Grundlagen - für die Prüfung des Einzel- und Konzernabschlusses der Centrotherm International AG (CT AG) aufzustellen. Hierfür wird zunächst eine Prüfungs-strategie entwickelt, um darauffolgend ein Prüfungsprogramm zu erstellen; beides zusammen bildet die Prüfungsplanung für die Abschlussprüfung des Geschäftsjahres 2019. Bei der Ent-wicklung der Prüfungsstrategie gilt es zunächst ein Verständnis über die Geschäftstätigkeit der CT AG zu erlangen, da der Erwerb dieser Kenntnisse den Abschlussprüfer im Anschluss erst in die Lage versetzt, die unternehmensspezifischen Risiken der CT AG identifizieren und analysieren zu können.2 Aus der Beurteilung der Risikofaktoren kann der Abschlussprüfer da-rauffolgend jene Prüfgebiete bestimmen, welche mit wesentlichen Fehlern oder mit Verstößen gegen die Rechnungslegungsnormen behaftet sein könnten.3 Anschließend wird die Wesent-lichkeit bestimmt, um dem bereits eingangs erwähnten Grundsatz der Wirtschaftlichkeit in der Prüfungsplanung gerecht werden zu können. Zur Umsetzung der Prüfungsstrategie folgt auf diese die Erstellung des Prüfungsprogrammes, in welcher die Prüfung in sachlicher, zeitlicher und personeller Hinsicht konkretisiert wird.

Alle die in den Kapiteln 2.1. und 2.2. getroffenen Aussagen entstammen dem Konzern-abschluss und müssen sich im engeren Sinne lediglich auf den Konzernverbund beziehen. Da die einzelne Gesellschaft „Centrotherm International AG“ allerdings quantitativ und qualitativ einen überwiegenden Teil des Konzerns darstellt,4 gelten sie sinngemäß auch für die einzelne Gesellschaft. In den darauffolgenden Kapiteln erfolgt eine eindeutige Differenzierung zwischen dem Konzern und der eigenständigen Gesellschaft. In den Kapiteln 1., 2.2.2., 2.2.3., 3.1.1., 3.2. und in Anlage 2 werden Annahmen getroffen, die auch als solche gekennzeichnet sind. Die Planung soll Ende Oktober 2019, kurz nach der Ver ö ffentlichung des Halbjahresfinanzbe-richts und vor der Vorpr ü fung (siehe 3.3.) angefertigt worden sein.

In der CT AG werden fast ausschließlich alle Produktions-, alle Verwaltungs- und ein Teil der Vertriebstätigkeiten .verübt und entsprechend bilanziert. 81% der Umsatzerlöse und 86% der Bilanzsumme des Konzerns entstammen der einzelnen Gesellschaft, vgl. CT AG (Hrsg.) (2019c), S. 11 f.; vgl. CT AG (Hrsg.) (2019a), S. 2.

2. Entwicklung der Prüfungsstrategie

2.1. Kenntnis der Geschäftstätigkeit

Um Ereignisse, Geschäftsvorfälle und Gepflogenheiten erkennen zu können, die sich wesent-lich auf die Prüfungsgegenstände auswirken könnten, muss der Abschlussprüfer ausrei-chende Kenntnisse über die Geschäftstätigkeit sowie über das wirtschaftliche und rechtliche Umfeld des Mandanten verfügen.5 Sie bilden die Grundlage für die Risikobeurteilung, die wirk-same und sachgerechte Prüfungsplanung und -durchführung, sowie die Würdigung der Prü-fungsnachweise.6

2.1.1. Unternehmensprofil

Die Centrotherm International AG mit Sitz in Blaubeuren, Deutschland, ist die Muttergesell-schaft des zu prüfenden Centrotherm-Konzerns. Als operativ tätige Gesellschaft und große Kapitalgesellschaft ist sie selbst Prüfungsobjekt im Rahmen der Prüfung ihres Einzelabschlus-ses und Lageberichts.7 Darüber hinaus gehören neben vier weiteren inländischen Tochterge-sellschaften, acht Vertriebs- und Servicegesellschaften in Osteuropa, Asien und den USA so-wie eine in 2018 gegründete Produktionsgesellschaft in China dem Konzernverbund an.8 Der einzige Großaktionär der CT AG ist die Solarpark Blautal GmbH mit einem Anteil von 90%, an welcher unter anderem der Firmenmitgründer Robert Hartung beteiligt ist. Die verbleibenden Aktien befinden sich im Streubesitz9 und werden seit dem 01.03.2017 im Freiverkehr gehan-delt, weshalb die CT AG nicht börsennotiert im Sinne des § 3 Abs. 2 AktG und auch nicht kapitalmarktorientiert im Sinne des § 264d HGB ist.10 Damit gilt die CT AG nach § 319a Abs. 1 HGB nicht als Unternehmen von öffentlichem Interesse.

Der Konzern hat sich auf den Anlagenbau spezialisiert. Ihre Geschäftsaktivitäten las-sen sich in zwei Segmente unterteilen. Den Bereich „Photovoltaik und Halbleiter“ betreffend, entwickelt, konstruiert, fertigt und vertreibt die CT AG Einzelanlagen für die Produktion von Solarzellen und Halbleiter, sowie weiterer Mikroelektronik. Das Segment „Dünnschicht & Son-deranlagen“ umfasst die Entwicklung, Konstruktion, Fertigung und den Vertrieb von kunden-spezifischen Anlagen für Beschichtungen.11 Dieses Segment ist für den Konzernabschluss des Geschäftsjahres 2019 letztmalig für das ganze Berichtsjahr bedeutsam, da die in diesem Be-reich tätige Tochtergesellschaft „FHR Anlagenbau“ zu Beginn des Jahres 2020 veräußert wird.12

2.1.2. Gesamtwirtschaftliches Umfeld

Bereits das vorangegangene Wirtschaftsjahr 2018 zeichnete sich in Deutschland, wie auch auf der ganzen Welt, durch eine abnehmende Wirtschaftsleistung aus.13 Dieser Trend ver-stärkte sich 2019 maßgeblich durch die aus dem Brexit resultierenden Unsicherheiten und dem Handelskrieg zwischen den beiden größten Volkswirtschaften, China und den USA. Nach einem weltweiten Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 3,6% im Jahre 2018 erwartet der IWF für das Jahr 2019 eine Abnahme auf 3,0%, bevor das Wachstum im Jahre 2020 wieder auf 3,4% ansteigt.14 Das exportabhängige Deutschland war von der aus dem Handelskrieg und dem Brexit resultierenden, abnehmenden Nachfrage besonders betroffen. Nach einem Wachstum der Wirtschaftsleitung von 1,5% im Vorjahr erreichte es 2019 schätzungsweise nur 0,5%.15 China, als wichtigster Absatzmarkt der CT AG (siehe 2.1.3), hat ebenfalls an Wachs-tum verloren. Nach vormals 6,6% im Jahr 2018 erreichte es 2019 nach Angaben des IWF ein Wachstum in Höhe von 6,1%.16

2.1.3. Branchenentwicklung

Insbesondere im Hinblick auf den Photovoltaik-, Halbleiter- und Mikroelektronikmarkt agiert die CT AG auf starken Wachstumsmärkten.17 Die Nachfrage nach Halbleiterprodukten steigt kon-tinuierlich, nicht zuletzt aufgrund der weltweit zunehmenden Ausrichtung der Energiepolitik auf erneuerbare Energien, der populärer werdenden E-Mobilität und der Industrie 4.0. Die weltweit neu installierte Photovoltaik-Modulkapazität beträgt schätzungsweise 123 Gigawatt im Jahr 2019 nach 104 Gigawatt im Vorjahr, was einem Wachstum von 18% entspricht.18

Andererseits bestehen bereits hohe Produktionskapazitäten für die Fertigung der So-larmodule, welche den Großteil der Nachfrage nach diesen decken. Aus diesem Grund herrscht ein hoher Preis- und Innovationsdruck für die Hersteller, welche gleichermaßen auf die Anlagenlieferanten, wie etwa der CT AG, weitergegeben werden.19 Die geringen Margen der Hersteller erlauben diesen zudem kaum finanziellen Spielraum für die Investitionstätigkeit in moderne Anlagen für die Herstellung von Solarzellen mit einem höheren Wirkungsgrad.20 Darüber hinaus etablieren sich zunehmend chinesische Anbieter als Wettbewerber auf dem Markt für Halbleiter-, Mikroelektronik- und Photovoltaikanlagen, die den Preisdruck für die CT AG langfristig zusätzlich erhöhen.21

Die Veränderung der Bilanzsumme in den letzten Jahren ist maßgeblich auf die Veränderun-gen der Vorräte innerhalb der kurzfristigen Vermögenswerte zurückzuführen. Die großen Schwankungen dieser lassen sich im Wesentlichen durch die Umsatzrealisierung und den Auftragsbestand erklären. In den Jahren, in welchen viele Projekte endgültig durch den Kun-den abgenommen werden können, verbucht die CT AG den damit verbundenen Umsatz voll-umfänglich ein und berücksichtigt im gleichen Zug die dann übergegangenen Erzeugnisse als Bestandveränderung; der Auftragsbestand vermindert sich.25 Die Forderungen aus Lieferun-gen und Leistungen sind seit 2017 stetig angestiegen. Die CT AG begründet dies mit einer hohen Produktionsauslastung und einem dementsprechenden Auftragsbestand.26 Bei einer Investitionsquote von 0,63% in 2018 (2017: 0,69%) und einer Abschreibungsquote von 2,69% (2017: 2,78%) und einer leichten, zugangsbedingten Erhöhung der Bestände im Jahre 2019 weisen die langfristigen Vermögenswerte nahezu gleichbleibende Werte über den Betrach-tungszeitraum auf.27

Für eine weitere Erhöhung des Preisdrucks sorgt der Hauptabsatzmarkt China auf wel-chem die CT AG im Jahr 2018 einen Großteil ihrer Umsätze in Asien erwirtschaftet hat.22 Die chinesische Regierung kürzte im August 2018 ihre Solarförderung drastisch, mit der Folge, dass im Jahr 2019 der Ausbau neuer Solarmodule um 60% zurückgegangen ist. Viele Herstel-ler weisen deshalb erhebliche Lagerbestände aus, denen mit niedrigeren Preisen entgegen-gewirkt wird.23

2.1.4. Analyse der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage 2.1.4.1. Vermögenslage

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Kennzahlen, Verm ö genslage24

2.1.4.2. Finanzlage

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Kennzahlen der Bilanz, Finanzlage28

Der Centrotherm-Konzern wird überwiegend durch (kurzfristiges) Fremdkapital finanziert. 65,3% des kurzfristigen Fremdkapitals in 2017 (2018: 57%; 2019: 70%) und damit 46,7% (2018: 24,7%; 2019: 40,9%) der Bilanzsumme bestand aus den vom Kunden gezahlten, er-haltenen Anzahlungen29 ; die Bezeichnung „Vertragsverbindlichkeiten“ wird nach der Einfüh-rung des IFRS 15 an Stelle der „erhaltenen Anzahlungen“ für diesen Sachverhalt verwendet30. Auffällig ist, dass die Eigenkapitalquote deutlich höher (2017: 51%; 2018: 50%; 2019: 43%) wäre, wenn die CT AG die erhaltenen Anzahlungen mit den Vorräten nach IAS/IFRS wie nach § 268 Abs. 5 S. 2 HGB saldieren könnte. Die erhaltenen Anzahlungen sind, ebenso wie die kurzfristigen Vermögenswerte, abhängig vom Auftragsbestand und dem Zeitpunkt der Um-satzrealisation. Mit Größenordnungen zwischen 26 Mio. EUR und 35 Mio. EUR weist der Kon-zern zudem einen hohen Zahlungsmittelbestand aus, der im Wesentlichen aus Bankbestän-den besteht.31 Die CT AG priorisiert die kurzfristige Verfügbarkeit von liquiden Mitteln über renditereichere Anlagemöglichkeiten.32

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Kennzahlen des Cash-Flows, Finanzlage33

Der Cashflow aus der Geschäftstätigkeit war über den Betrachtungszeitraum immer negativ, was gemäß der CT AG aus dem Überhang der projektbezogenen Auszahlungen über die Einzahlungen aus den erhaltenen Anzahlungen resultiert.34 Dieser negative Cashflow wird weitestgehend durch die Aufnahme von Darlehen ausgeglichen.35

6 2.1.4.3. Ertragslage

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Kennzahlen, Ertragslage36

Die Umsatzerlöse sind bei der CT AG ebenfalls eine stark schwankende Größe. Jene werden im Wesentlichen mit der finalen Abnahme der gefertigten Maschinen und somit nicht zeitraum-bezogen realisiert, sodass sich die Umsätze maßgeblich aus der Fertigstellung und dem Ge-fahrenübergang der Anlagen ableiten.37 So waren die Umsatzerlöse in 2017 gegenüber dem Folgejahr gering, allerdings wies die CT AG in diesem Jahr einen hohen Auftragsbestand und einen hohen Bestand an Vorräten (siehe Bestandsveränderung) auf. Im Jahre 2018 wurde ein Umsatz von knapp 180 Mio. EUR erzielt, weil insbesondere Großprojekte bis zum Jahresende realisiert werden konnten38 ; entsprechend niedrig war der Auftragsbestand am Ende des Jah-res, sowie der Bestand an Vorräten. Das Management geht für das Jahr 2019 von einem Um-satzziel von 90 bis 150 Mio. EUR aus, da die im hohen Auftragsbestand enthaltenen Großpro-jekte bis zum Jahresende voraussichtlich nicht abgeschlossen werden können.39 Auf den Be-reich „Dünnschicht & Sonderanlagen“ entfielen im Jahr 2017 in etwa 26 Mio. EUR Umsatz, in 2018 folgten 29 Mio. EUR. Der Rest wurde im Bereich „Photovoltaik & Halbleiter“ erwirtschaf-tet.40

Im Materialaufwand sind sowohl die Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren als auch die Aufwendungen für bezogene Leistungen enthalten. Letz-tere haben eine vergleichsweise geringe Auswirkung auf den Materialaufwand. Der gegenüber den Jahren 2018 und 2019 erhöhte Materialaufwand des Jahres 2017 lässt ich vor allem da-rauf zurückführen, dass der in Verbindung mit den im Jahre 2018 abgeschlossenen Großpro-jekten angefallene Aufwand bereits im Vorjahr erfasst werden musste.41 Der Personalaufwand veränderte sich im Betrachtungszeitraum nur wenig. Der auf das gesamte Jahr betrachtete, leichte Anstieg in 2019 lässt sich durch den Anstieg der durchschnittlichen Mitarbeiteranzahl von 631 auf 666 Mitarbeiter erklären.42

Trotz der niedrigen Umsatzerlöse in 2017 erzielte der Centrotherm-Konzern in jenem Jahr aufgrund der positiven Entkonsolidierungseffekte zweier Gesellschaften in Höhe von 36 Mio. EUR, dem allerdings auch außerordentliche Aufwendungen aus einem ehemaligen Groß-projekt in Höhe von 12 Mio. EUR gegenüberstanden, einen positiven Gewinn vor Zinsen und Steuern.43 Das Jahr 2019 scheint aufgrund des deutlich zurückgegangenen Umsatzes und dem Fehlen von möglichen positiven Sondereffekten nicht am Erfolg der Vorjahre anknüpfen zu können.

2.2. Risikoanalyse

2.2.1. Aufgabe der Risikoanalyse und Risiken im

Rahmen der Abschlussprüfung Der Abschlussprüfer nimmt Risikobeurteilungen vor, damit er die Risiken wesentlicher Fehler im zu prüfenden Abschluss einschätzen kann, um das Risiko der Abgabe eines positiven Prü-fungsurteils bei Bestehen wesentlicher Fehler (Prüfungsrisiko) durch die risikoorientierte Ge-staltung der Abschlussprüfung auf ein angemessenes Maß reduzieren zu können.44 Dafür be-darf es der Analyse der einzelnen Komponenten des Prüfungsrisikos: dem aus dem inhärenten und dem Kontrollrisiko bestehendem Fehlerrisiko und dem Entdeckungsrisiko.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Komponenten des Pr ü fungsrisikos45

Das inhärente Risiko45 bezeichnet die Anfälligkeit eines Prüffeldes für das Auftreten von Fehlern ohne die Berücksichtigung des internen Kontrollsystems.46 Der Abschlussprüfer hat in diesem Fall gesamtwirtschaftliche, branchen- und firmenspezifische Aspekte zu beurteilen, ebenso wie alle Prüfgebiete, da aus ihnen ebenfalls inhärente Risiken erwachsen können, wie bspw. bei Rückstellungen, die aufgrund der ihr zugrundeliegenden Ermessensspielräume ak-tive Bilanzpolitik begünstigen.47 Das Kontrollrisiko stellt die Gefahr dar, dass wesentliche Feh-ler nicht durch das interne Kontrollsystem des Unternehmens verhindert oder aufgedeckt und Das interne Kontrollsystem stellt die vom Management eingeführten Grundsätze, Verfahren und Maßnahmen dar, die auf die Umsetzung der Entscheidungen des Managements zur Sicherung der Wirksamkeit und Wirt-schaftlichkeit der Geschäftstätigkeit, zur Ordnungsmäßigkeit der Rechnungslegung sowie der Einhaltung der rechtlichen Vorschriften gerichtet sind. Sie umfassen Grundsätze, Verfahren und Maßnahmen zur Steuerung der Unternehmensaktivitäten und zur Überwachung der Einhaltung dieser Regelungen, wie beispielsweise Kontrol-len; Vgl. IDW PS 261 n.F., Tz. 19 Vgl. IDW PS 261 n.F. Tz. 6; vgl. Schindler, J./Haußer, J. (2019), S. 1487. korrigiert werden.48 Die Evaluation dieses Risikos erfolgt üblicherweise bei den Aufbau- und Funktionsprüfungen der internen Kontrollen des Unternehmens. Das Entdeckungsrisiko stellt das Risiko dar, dass der Prüfer wesentliche Fehler durch seine Prüfungshandlungen nicht ent-deckt. Das Entdeckungsrisiko ist entsprechend hoch, wenn der Umfang der aussagebezoge-nen Prüfungshandlungen niedrig bzw. die Art der Prüfungshandlungen nicht angemessen ist. Ein geringer Umfang der Prüfungshandlungen kann unter Berücksichtigung des risikoorien-tierten Prüfungsansatzes in solchen Situationen angemessen sein, in denen das Fehlerrisiko äußerst niedrig ist.49

2.2.2. Inhärentes Risiko

Als weltweit agierender Konzern des produzierenden Gewerbes unterfällt die CT AG etwaigen Kredit-, Liquiditäts-, Zins-, Währungs- und Rohstoffrisiken, welche einen wesentlichen Einfluss auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage haben können.50 Zur Verminderung des Fremd-währungsrisikos, werden die Aufträge der CT AG auch außerhalb des Euroraums überwie-gend in Euro fakturiert, weshalb die (saldierte) Auswirkung der Fremdwährungsumrechnung auf die Ertragslage mit 283 TEUR gering ausfällt.51

Liquiditätsrisiken bestehen regelmäßig dann, wenn die CT AG einen Teil ihrer (Groß-) Projekte vorfinanzieren muss, ohne einen ausreichenden Zahlungsmittelbestand aufzuwei-sen.52 Kurz- und mittelfristig stehen dem Konzern zur diesbezüglichen Absicherung hohe Bar-bestände zur Verfügung (siehe 2.1.4.2.), wofür der CT AG erst 2018 ein neues Darlehen in Höhe von 12 Mio. EUR gewährt wurde.53 Langfristig könnte der stets negative Cash-Flow (siehe 2.1.4.2.) indes zu Zahlungsschwierigkeiten führen, sollte Centrotherm beispielsweise aufgrund eines noch geringer werdenden Eigenkapitals keine Anschlussfinanzierung erhalten und/oder die bedeutsamen Anzahlungen für die Erhaltung der Barbestände nicht mehr ausrei-chen. Aufgrund der überwiegenden Finanzierung durch jene erhaltenen Anzahlungen (Siehe 2.1.4.2.) besteht ein nur geringes Zinsänderungsrisiko.

Für die Fertigung der Anlagen werden verschiedene Metalle, Rohmaterialien und Ener-gie benötigt, die im Hinblick auf ihre Preise jeweils einer hohen Volatilität unterliegen, was sich auf die Herstellungskosten auswirken kann. Ohne Berücksichtigung des internen Kontrollsys-tems ergibt sich ein hohes inhärentes Risiko aus der Rohstoffbeschaffung für das Prüffeld Vorräte, insbesondere im Hinblick auf die Bewertung, und für die Rückstellungen für drohende Verluste im Hinblick auf die Vollständigkeit und Bewertung.

[...]


1 Vgl. Wirtschaftsprüferkammer (Hrsg.) (2016), § 38 Abs. 1 BS WP/vBP

2 Vgl. IDW PS 240 Tz.16

3 Vgl. IDW PS 240 Tz.15

4 Vgl. IDW PS 230 Tz. 5

5 Vgl. IDW PS 230 Tz. 6

6 Vgl. CT AG (Hrsg.) (2019a), S. 24;

7 vgl. §§ 267 Abs. 3, 264 Abs. 1 HGB

8 Vgl. CT AG (Hrsg.) (2019a), S.58 f.

9 Vgl. CT AG (Hrsg.) (2016a);

10 vgl. CT AG (Hrsg.) (2016b).

11 Vgl. CT AG (Hrsg.) (2019a), S. 52;

12 vgl. Reguvis (Hrsg.) (2016)

13 Vgl. CT AG (Hrsg.) (2019a), S. 76

14 Vgl. PV Magazine (Hrsg.) (2019);

15 vgl. CT AG (Hrsg.) (2019a), S. 76.

16 Vgl. Statista (Hrsg.) (2019a);

17 vgl. Statista (Hrsg.) (2019b).

18 Vgl. IWF (Hrsg.) (2019), S. XVI

19 Vgl. Statista (Hrsg.) (2019a);

20 vgl. Tagesschau (Hrsg.) (2019).

21 Vgl. Statista (Hrsg.) (2019c);

22 vgl. IWF (Hrsg.) (2019), S. 13.

23 Vgl. CT AG (Hrsg.) (2018), S. 7

24 Vgl. CT AG (Hrsg.) (2019b), S. 3 f.

25 Vgl. CT AG (Hrsg.) (2019b), S. 3

26 Vgl. CT AG (Hrsg.) (2019a), S. 33

27 Vgl. CT AG (Hrsg.) (2019b), S. 3

28 Vgl. Handelsblatt (Hrsg.) (2018);

29 vgl. Wallstreet:Online (Hrsg.) (2019).

30 Für die Kennzahlen aus 2017 und 2018

31 vgl. CT AG (Hrsg.) (2019a), S. 2, 46;

32 für die Kennzahlen aus 2019 vgl.

33 CT AG (Hrsg.) (2019b), S. 2, 12.

34 Vgl. CT AG (Hrsg.) (2019a), S. 28;

35 vgl. CT AG (2019b), S. 6.

36 Vgl. CT AG (Hrsg.) (2019b), S. 6

37 Daten für die Berechnung der Quoten:

38 Vgl. CT AG (Hrsg.) (2019a), S. 86

39 Für die Kennzahlen aus 2017 und 2018

40 vgl. CT AG (Hrsg.) (2019a), S. 47;

41 für die Kennzahlen aus 2019 vgl.

42 CT AG (Hrsg.) (2019b), S. 13.

43 Vgl. CT AG (Hrsg.) (2019a), S. 47;

44 vgl. CT AG (Hrsg.) (2019b), S. 13

45 Vgl. CT AG (Hrsg.) (2019a), S. 90

46 Vgl. CT AG (Hrsg.) (2019a), S. 46, 94;

47 vgl. CT AG (Hrsg.) (2019b), S. 12

48 Vgl. CT AG (Hrsg.) (2019a), S.110

49 Für die Kennzahlen aus 2017 und 2018

50 vgl. CT AG (Hrsg.) (2019a), S.50;

51 für die Kennzahlen aus 2019 vgl. …

52 CT AG (Hrsg.) (2019b), S. 14

53 Vgl. CT AG (Hrsg.) (2018), S. 22

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Audit Strategy Memo der Prüfung des Konzern- und Einzelabschlusses
Untertitel
Am Beispiel der Centrotherm International AG
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart  (Wirtschaft)
Veranstaltung
Rechnungswesen Steuerrecht Wirtschaftsrecht - Wirtschaftsprüfung
Note
1,1
Autor
Jahr
2020
Seiten
30
Katalognummer
V540443
ISBN (eBook)
9783346208484
ISBN (Buch)
9783346208491
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ASM, Audit Strategy Memorandum, Audit Strategy Memo, Prüfungsplanung, Prüfungsprogramm, Centrotherm International AG, CT AG, Centrotherm, Wirtschaftsprüfung, Auditing, DHBW, Duale Hochschule Baden-Württemberg
Arbeit zitieren
Florian Scholz (Autor), 2020, Audit Strategy Memo der Prüfung des Konzern- und Einzelabschlusses, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540443

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