Was haben neuronale Angelegenheiten mit Historikern zu tun? Beziehen sich diese nicht auf ihre Quellen und müssen sich an diese halten? Was kann ein experimenteller Neuropsychologe über den Canossagang Heinrichs IV. schon großartig feststellen? In so einem Fall kann man nur auf Annalisten wie Lampert von Hersfeld zurückgreifen. Jedoch hat man dabei eine wichtige Sache
vergessen: Werke der Geschichtsschreibung und Aussagen der päpstlichen Kanzlei sind Erzeugnisse des Erinnerungsvermögens, die bevor und als sie festgehalten wurden, das ein oder andere menschliche Gedächtnis durchlaufen haben. Das Gedächtnis der Autoren und deren Informationen funktionieren identisch wie das unsrige.
Zuerst einmal werde ich auf die Vita des Geschichtsschreibers Lampert von Hersfeld eingehen und wichtige Ankerpunkte in seinem Leben nennen. Danach wende ich mich mit dem Aspekt „Lampert als Historiograph“ zu. Anschließend werfe ich einen Blick auf sein Werk „Annales“. Zu guter Letztwerde ich die Beschreibung über den Gang nach Canossa analysieren und genauer untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Seine Vita
Annalen
Lampert als Histiograph
Quellenkritik
Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit den „Annalen“ des Geschichtsschreibers Lampert von Hersfeld auseinander, um den Wahrheitsgehalt seiner Schilderungen sowie seine Rolle als historiographische Quelle für die Regierungszeit von Heinrich IV. und den Gang nach Canossa zu untersuchen.
- Biografische Hintergründe von Lampert von Hersfeld
- Literarische und inhaltliche Analyse der „Annalen“
- Historische Einordnung der Darstellung des Gangs nach Canossa
- Kritische Würdigung von Lamperts Objektivität und Arbeitsweise
- Bedeutung von Lamperts Werk für das historische Bewusstsein
Auszug aus dem Buch
Quellenkritik
In diesem Abschnitt werde ich Lamperts Annalen genauer betrachten. Wichtige Gesichtspunkte, wie „Für welche Institution ist das Geschichtswerk bestimmt?“ und „Welche rhetorischen Muster kommen zum Einsatz?“ oder „Lassen sich bekannte Topoi identifizieren?“ werden auf den folgendenen Seiten genauer untersucht. Jedoch muss die mangelnde Distanz des Mönchs bei der Interpretation beachtet werden. Des Öfteren lässt die Lektüre der ausgewählten Ausschnitte die Vermutungen aufkommen, es handele sich um Topoi und Ausschmückungen.
Vorab ein kleiner geschichtlicher Diskurs, um die Textausschnitte den geschichtlichen Ereignissen besser zuordnen zu können.
Heinrich IV. zog 1076/1077 zum Papst nach Italien, um den Bann aufzuheben und wieder seine volle Handlungsfähigkeit zu erlangen. Die südlichen Herzöge blockierten die einfachen Alpenübergänge. Dadurch blieb dem König nur der gefährliche Alpenübergang übrig, über welchen Lampert wie folgt berichtet:
"Der Winter war äußerst streng, und die sich ungeheuer weit hinziehenden und mit ihren Gipfeln fast bis in die Wolken ragenden Berge, über die der Weg führte, starrten so von ungeheuren Schneemassen und Eis, dass beim Abstieg auf den glatten, steilen Hängen weder Reiter noch Fußgänger ohne Gefahr einen Schritt tun konnte." Der Monarch quälte sich über die Berge, in seinem Tross die Königin und der knapp dreijährige Thronfolger.
„Sie krochen bald auf Händen und Füßen vorwärts, bald stützten sie sich auf die Schultern ihrer Führer; manchmal auch, wenn ihr Fuß auf dem glatten Boden ausglitt, fielen sie hin und rutschten ein ganzes Stück hinunter; schließlich gelangten sie doch unter großer Lebensgefahr in der Ebene an. Die Königin und die anderen Frauen ihres Gefolges setzten sie auf Rinderhäute, und […] zogen sie darauf hinab.“
Lampert beschreibt diese Anreise ganz und gar nicht standesgemäß für einen König. Sie wirkt wie die reinste Odysee.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel gibt einen biografischen Überblick über das Leben von Lampert von Hersfeld und skizziert seinen Werdegang vom Mönch zum bedeutenden Historiographen.
Annalen: Hier wird das Hauptwerk von Lampert analysiert, wobei besonders die Entstehungsgeschichte, der stilistische Einfluss antiker Vorbilder und die subjektive Sichtweise des Autors beleuchtet werden.
Lampert als Histiograph: Dieses Kapitel untersucht die Arbeitsweise und Motivation Lamperts, wobei seine Rolle als parteiischer Beobachter und konservativer Ideologe hervorgehoben wird.
Quellenkritik: Dieser Teil widmet sich der kritischen Prüfung von Lamperts Berichten, insbesondere im Hinblick auf den Gang nach Canossa und die rhetorischen Ausschmückungen seiner Darstellungen.
Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung von Lamperts Werk zusammen und verdeutlicht, warum seine Schilderungen trotz ihrer historischen Fehler eine so nachhaltige Wirkung auf das Geschichtsbild ausübten.
Schlüsselwörter
Lampert von Hersfeld, Annalen, Heinrich IV., Gang nach Canossa, Historiographie, Quellenkritik, Mittelalter, Investiturstreit, Benediktinisches Mönchtum, Weltchronik, Historische Wahrheit, Topoi, Reichsgeschichte, Reformklöster, Salier.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Person des mittelalterlichen Chronisten Lampert von Hersfeld und analysiert sein Hauptwerk, die „Annalen“, im Kontext der historischen Ereignisse des 11. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die Biografie des Autors, die literarische Analyse seines Werkes, die Quellenkritik an seinen Darstellungen sowie der Einfluss seiner Sichtweise auf das historische Bild der Salierszeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Lamperts subjektive Schilderungen kritisch zu hinterfragen und zu klären, inwieweit seine Annalen als zuverlässige historische Quelle für die Regierungszeit von Heinrich IV. dienen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der historischen Quellenkritik, indem sie Lamperts Schriften mit anderen zeitgenössischen Zeugnissen vergleicht und seine rhetorischen Stilmittel identifiziert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung des Autors, eine Analyse der Annalen als literarisches Werk, eine Untersuchung seiner historiographischen Arbeitsweise und eine vertiefende Quellenkritik, insbesondere bezüglich der Ereignisse in Canossa.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Lampert von Hersfeld“, „Annalen“, „Canossa“, „Quellenkritik“ und „Investiturstreit“ charakterisiert.
Warum wird Lamperts Darstellung von Canossa kritisch gesehen?
Die neuere Forschung betrachtet seine Schilderung als propagandistisch und tendenziös, da sie dramatisiert ist und den König bewusst als erniedrigte Figur darstellt, um eigene politische oder geistige Standpunkte zu unterstützen.
Was unterscheidet Lampert von anderen Chronisten seiner Zeit?
Lampert zeichnete sich durch eine herausragende klassische Bildung und einen ausgeprägten Sinn für dramatische Erzählungen aus, die sein Werk aus dem Standardmuster einfacher Annalen heraushoben.
Was lässt sich über Lamperts politische Gesinnung sagen?
Er wird als konservativer Idealist und adliger Reichsmönch verstanden, der dem Kaisertum unter Heinrich III. nachtrauerte und gegenüber der Politik von Heinrich IV. sowie der kirchlichen Reformbewegung eher ablehnend eingestellt war.
Welches Fazit zieht die Arbeit über den Wert der Annalen?
Obwohl Lamperts Werk aufgrund seiner Parteilichkeit und zahlreicher Fehler nicht als rein objektive Quelle taugt, bleibt er als bedeutender und gebildeter Schriftsteller des Mittelalters von hoher literarischer Relevanz.
- Arbeit zitieren
- Stefanie Fritz (Autor:in), 2015, Der Geschichtsschreiber Lampert von Hersfeld und seine "Annalen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540510