Im Fokus dieser Arbeit steht die Analyse und der Vergleich zweier Fabeln: "Fabel des Wolffs mit dem Lamb" und "Le Loup et l’Agneau". Das Ziel dieser Untersuchung ist es, ein tieferes Verständnis für die kulturelle Bedeutung und die vielschichtige Interpretation von Fabeln im Verlauf der Literaturgeschichte zu entwickeln.
Die Auswahl dieser beiden Fabeln wird im ersten Abschnitt erläutert. Dabei wird begründet, warum gerade diese Texte für die folgenden Analysen und den Vergleich ausgewählt wurden.
Die Arbeit wird sich im Weiteren mit einer detaillierten Textanalyse der Fabeln beschäftigen. Dabei wird "Fabel des Wolffs mit dem Lamb" im Detail betrachtet, gefolgt von der Analyse von "Le Loup et l’Agneau". Diese Analysen werden die Struktur, die Figuren, die Konflikte und die moralischen Aspekte jeder Fabel herausarbeiten. Der Vergleich dieser Analysen wird dazu dienen, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Fabeln sowie die kulturellen Einflüsse, die sie geprägt haben, zu beleuchten.
Die Arbeit wird auch die historischen Kontexte beleuchten, in denen diese Fabeln entstanden sind. Im ersten Teil wird die Bedeutung von Wolf und Lamm im aufstrebenden Bürgertum des 16. Jahrhunderts diskutiert, und im zweiten Teil wird aufgezeigt, wie sich die Interpretationen der Fabeln im Zeitalter des Sonnenkönigs, Ludwig XIV., veränderten.
Schließlich werden die Erkenntnisse aus den Analysen und dem Vergleich zusammengefasst, um ein umfassendes Bild der Fabeln, ihrer Bedeutung und ihres Einflusses auf die literarische Tradition zu zeichnen.
Die vorliegende Arbeit trägt dazu bei, die literarische Qualität und die moralische Lehre der Fabeln zu untersuchen und ihre Bedeutung im jeweiligen historischen Kontext zu verstehen. Sie ermöglicht einen Einblick in die Vielschichtigkeit der Interpretation und Rezeption solcher Werke im Laufe der Geschichte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Textanalyse
2.1. Zur Auswahl der Texte
2.2. Textanalyse von „fabel des Wolffs mit dem Lamb“
2.3. Textanalyse von „Le Loup et l’Agneau“
2.4. Vergleich der beiden Textanalysen
3. Einordnung in den zeitgenössischen Hintergrund
3.1. Wolf und Lamm im aufstrebenden Bürgertum des 16. Jahrhunderts
3.2. Wolf und Lamm im Zeitalter des Sonnenkönigs
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das literarische Motiv des „Wolfs und des Lamms“ bei Hans Sachs und Jean de La Fontaine, um anhand dieser Fabeln die Darstellung von Machtverhältnissen, Recht und Moral im Vergleich zu analysieren und deren jeweilige zeitgeschichtliche Bedeutung zu beleuchten.
- Vergleichende Analyse der Stilmittel und der Erzählstruktur beider Fabeln.
- Untersuchung der rhetorischen Darstellung von Stärke und Schwäche.
- Kontextualisierung der Werke im 16. Jahrhundert (Sachs) und im Zeitalter Ludwigs XIV. (La Fontaine).
- Reflektion über die didaktische Funktion der Fabelgattung zur Zeit der Reformation und des französischen Absolutismus.
- Gegenüberstellung von bürgerlich-didaktischem und höfisch-elegantem Erzählstil.
Auszug aus dem Buch
2.2 Textanalyse von „fabel des Wolffs mit dem Lamb“
Die Fabel ist in 51 strengen Knittelversen verfasst, die sich aus vierhebigen, paargereimten Jamben zusammensetzen und auf einer männlichen Kadenz enden. Das Promythion (1-3) hebt sich von der Erzählung durch einen Absatz und einen dreifachen Reim ab. Ebenso erfolgt die Übertragung der Tiere auf die Menschen am Ende der Fabel (48-52) in einem vierfachen Paarreim, so dass sich Moral und Übertragung förmlich durch das Reimschema und die Anordnung von der Erzählung abgrenzen.
Weiterhin gibt es in den Versen 23 und 24 einen unreinen Reim. In den beiden folgenden Versen handelt es sich um einen Ohrenreim. Auffällig ist, dass in Vers 38 die Schriftform „Lamp“ gewählt wird, offensichtlich, damit es sich in Vers 29 auf „schlamp“ reimt. Des Weiteren liegen in den Versen neun, elf und siebenunddreißig Binnenreime vor. Die Fabel lässt sich in verschiedene Abschnitte unterteilen: das Promythion „Gewalt der geht gar offt für recht“ (V 1) soll dem Lesenden anhand des folgenden Beispiels (2) vor Augen geführt werden. Der Erzähler wendet sich hier direkt an die Lesenden, indem er das Pronomen der zweiten Person Plural „ihr“ verwendet. Die Fabel scheint also für die Öffentlichkeit bzw. einen breiteren Rezipientenkreis gedichtet worden zu sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Fabeln für die Auseinandersetzung mit Recht und Moral sowie die Auswahl der beiden Autoren Hans Sachs und Jean de La Fontaine als Repräsentanten unterschiedlicher Epochen.
2. Textanalyse: Dieses Kapitel widmet sich der detaillierten Untersuchung der sprachlichen Gestaltung, Metrik und rhetorischen Mittel der beiden Fabeltexte sowie deren direktem Vergleich.
3. Einordnung in den zeitgenössischen Hintergrund: Die Autoren werden in ihrem jeweiligen sozialen und politischen Kontext – das aufstrebende Bürgertum des 16. Jahrhunderts und der französische Absolutismus unter Ludwig XIV. – verortet.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie beide Dichter trotz unterschiedlicher stilistischer Ansätze das Motiv des „Rechts des Stärkeren“ nutzen, um Kritik an den jeweiligen gesellschaftlichen Zuständen zu üben.
Schlüsselwörter
Fabel, Hans Sachs, Jean de La Fontaine, Wolf und Lamm, Moral, Recht des Stärkeren, Literaturvergleich, Didaktik, Gesellschaftskritik, Absolutismus, Reformation, Lyrikanalyse, Rhetorik, Tierdichtung, Äsop.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht vergleichend die Fabel „Der Wolf und das Lamm“ von Hans Sachs und Jean de La Fontaine hinsichtlich ihrer sprachlichen Gestaltung und ihrer inhaltlichen Aussage über Recht und Moral.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Machtverhältnisse zwischen „Starken“ und „Schwachen“, die literarische Umsetzung gesellschaftlicher Kritik sowie der Wandel der Fabel von einem didaktischen Instrument der Reformation hin zu einem höfischen Kunstmittel.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, mit welchen spezifischen Stilmitteln das Verhältnis zwischen dem Starken und dem Schwachen in den beiden Fabeln beschrieben wird und wie diese Darstellung durch den jeweiligen zeitgeschichtlichen Kontext geprägt ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es wird eine textanalytische Methode verwendet, die formale Aspekte (Metrik, Reimschema, Syntax) mit einer historisch-kontextualisierenden Literaturwissenschaft verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Einzelanalyse beider Texte, einen direkten Vergleich ihrer Erzählweise und eine Einordnung der Autoren in den soziopolitischen Hintergrund ihrer jeweiligen Zeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Neben den Eigennamen der Autoren sind „Recht des Stärkeren“, „Gesellschaftskritik“, „Fabeldidaktik“ und „Literaturvergleich“ zentrale Begriffe für die Arbeit.
Warum wählt La Fontaine einen so deutlich anderen Sprachstil als Hans Sachs?
La Fontaine schreibt für ein höfisches Publikum, was einen eleganteren, subtileren und ironischeren Sprachgebrauch erfordert, während Sachs sich an ein breites bürgerliches Publikum richtet und daher eine klarere, volksnähere Sprache wählt.
Welche Rolle spielt das Motiv der „Gier“ in den Fabeln?
Die Gier des Wolfes dient in beiden Werken als Motor für die Handlung, wobei sie bei Sachs als unmittelbare Kritik an sündhaftem Verhalten und bei La Fontaine eher als Spiegel der rücksichtslosen Machtausübung im absolutistischen System fungiert.
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- Anonym (Autor:in), 2017, Zu "Der Wolf und das Lamm". Eine Fabel von Hans Sachs und Jean de La Fontaine als Lehrstück über Moral und Recht im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540533