Hexen - Von der Zauberin und weisen Frau zur bösen Hexe und Verfolgten


Hausarbeit, 2004

20 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eine erster allgemeiner Definitionsversuch der Hexe

3. Die Vorraussetzungen zur Entstehung des Hexenwahns
3. 1. Von der Heilerin zur bösen Hexe
3. 2. Die “Hexen” in der vorchristlichen Zeit
3. 3. Das Weltbild der frühneuzeitlichen Gesellschaft
3. 4. Die Rolle der Kirche

4. Hexen
4. 1. Wetterhexen
4. 2. Milchdiebinnen und Butterhexen
4. 3. Die Krankheit und Tod bringenden Hexen
4. 4. Die Kinderfresserin
4. 5. Männlichkeits-Diebinnen und Kupplerinnen
4. 6. Hexensekten
4. 7. Gegenmaßnahmen

5. Die Hexenverfolgung
5. 1. Die eigentlichen Verbrechen der Hexen
5. 2. Die Prozesse und Strafen
5. 2. 1. Malleus maleficarum, der Hexenhammer
5. 3. Die “Hexen” als willkommene Sündenböcke und Einnahmequellen
5. 4. Das Ende des Hexenwahns

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der folgende Beitrag soll einen Überblick über die allgemeine Hexenthematik geben, d.h. er behandelt die Fragen: Was sind Hexen? Unter welchen Vorraussetzungen konnte es zur Entstehung des Hexenwahns zu Beginn der Frühen Neuzeit kommen? Welche Eigenschaften wurden Hexen zugesprochen? Und warum und wie wurden sie verfolgt? Zur Beantwortung dieser Fragen, werde ich vorab als Einstieg in das Thema unterschiedliche Definitionsversuche der Thematik Hexe allgemein vorstellen, darauf erläutern welche unterschiedlichen Vorraussetzungen gegeben sein mussten, damit der extreme Hexenwahn im christlichen Europa gedeihen konnte, folglich werde ich das Thema Hexe nochmals vertiefen, indem ich die unterschiedlichen Hexentypen und ihre ihnen zugesprochenen Eigenschaften vorstelle und zum Schluss werde ich auf ihre Verfolgung zu sprechen kommen.

2. Eine erster allgemeiner Definitionsversuch der Hexe

Sieh wie die teuflisch` Hexenrott`,

nachdem sie hat verleugnet Gott,

ganz schrecklich bei nächtlicher Zeit

suchet hie eine elende Freud...

ein` die ander` lockt herbei,

da man sie lehrt die Zauberei.

Diese lehrt das Gift bereiten,

ein` andere viel Zeichen deuten,

etliche bringen zu die Nacht

mit Fressen, Saufen über Macht,

ja andere sein gar so verrucht,

treiben mit dem Teufel Unzucht!

Johannes Praetorius (Heres 2000: 10)

“Hexen, das sind die Frauen, die hexen...”, (ebd.: 9) so eine ganz einfache Erklärung. Diese Hexen sollen Weiber, die durch übernatürliche Einwirkung Besitz, Gesundheit, das Leben ganz allgemein schädigen: “Die Hexe ist die Leben, Feld und Flur Schädigende...”. (Heres 2000: 9) Der königliche bayrische Gerichtssekretär Franz Seraphin Hartmann zu Bruck schrieb 1882 im 41. Band der Oberbayrischen Archivs “Hexen sind von Gott verlassene Personen, die wissentlich und mit Vorbedacht gegen vertragsmäßige Verschreibung ihrer armen Seele an den Teufel und mit seiner Hilfe Böses treiben; daher ist die Hexerei angelernt, und weil diese Unholdinnen viel wissen müssen in geheimen Dingen, wird vor 50 bis 60 Jahren kein Weib eine Hexe.” (ebd.)

Über die Art der Beziehung zwischen dem Teufel und der Hexe herrschten allerdings unterschiedliche Vorstellungen: “Die verbreitetste Version stellte die Hexe als Hure dar, die mit dem Teufel Unzucht trieb und die als Dienerin des Teufels auf seinen Befehl hin und mit seiner Hilfe Schaden anrichtete. Nach diesem Muster nahm der Teufel menschliche Gestalt an, näherte sich den Frauen als Buhle (Liebhaber), überredete sie, Gott zu verleugnen, sich mit ihm zu verbünden und ihm zu dienen. Dafür lehrte er sie die Zauberkunst oder lieferte ihnen Kräuter und Gifte, mit denen sie Menschen und Tiere töten könnten. Er flüsterte ihnen böse Gedanken ein, nährte Neid und Hass und weckte dadurch ihre Bereitschaft und ihren Wunsch, anderen Menschen Schaden zuzufügen. Einige Verfasser von Hexentraktaten sprachen den Hexen dagegen die Fähigkeit zum Schadenzauber völlig ab und behaupteten, die törichten alten Weiber phantasierten die Taten des Teufels als ihr eigenes Werk. Manche bestritten auch, dass Hexen mit dem Teufel Unzucht treiben, sich mit ihm fleischlich vermischen könnten, da der Teufel ein Geistwesen sei.” (Ahrendt-Schulte 1994: 66f) “Jede Frau kann eine Hexe sein und ist nicht an Äußerlichkeiten zu erkennen.” (ebd.: 40) An anderer Stelle heißt es hingegen: “Die Hexen sind in der Regel schon äußerlich kennbar, haben eine lange Habichtsnase, rote, rinnende Augen, fast zahnlosen Mund [...] Ist die Mutter eine solche Unholdin, weiht sie die Tochter schon früh in ihre Künste ein. Der Vertrag mit dem Teufel wird meistens schriftlich und sogar mit Blut ausgefertigt; dieser erscheint hierbei in der Regel als Jäger mit einem Pferdefuß. Von der Mutter haben sie die Kunst erlernt, sich und andere in allerlei Tiere zu verwandeln, zu verzaubern durch Blick und magische Kräfte; sie machen die Männer unfähig, die Weiber unfruchtbar; verkrüppeln die Geburten von Menschen und Tieren; sie können die Gemüter von Menschen verändern und von Gefallen von Hass zu Liebe und von dieser zu jenem lenken; sie peinigen Menschen und Tiere innerlich und äußerlich; ihre Geschenke an Gold und Silber verwandeln sich in Kohlen, faules Holz und allerlei Unrat. Vorzugsweise verstehen sie, Wind und Wetter zu machen, durch böse Künste anderer Saaten zu verderben, den fremden Nutzen von Vieh und ihre Grundstücke herüberzubringen.” (Heres 2000: 9f)

3. Die Vorraussetzungen zur Entstehung des Hexenwahns

In jedem Land der Erde existieren Hexensagen. Der Hexenglaube scheint so alt, wie die Menschheit selbst zu sein, denn in den Überlieferungen aller großen Kulturvölker ist er zu finden. (ebd.: 8) So besteht auch in Europa durch die Jahrhunderte eine Hexentradition. Der Unterschied zu den Hexereivorstellungen im christlichen Mitteleuropa von denen anderer Kulturen besteht in der Verknüpfung von Magie und Ketzerei. Die Kirche “verteufelte” die sogenannten heidnischen Traditionen, Glaubensinhalte und Praktiken und stellt sie als ketzerische Aktivitäten dar. (Ahrendt-Schulte 1994: 18) Allmählich entwickelte sich ein komplexes “Gebilde aus Tradition und Geheimhaltung, Fortleben vorchristlicher Kulte und Fruchtbarkeitsrituale, Ekstasen und Träume mit darin eingebundenem Wissen weiser Frauen”. (Heres 2000: 14) Um 1487 kam es erstmals zu der Behauptung: “Also schlecht ist das Weib von Natur, da es schneller am Glauben zweifelt, was die Grundlage aller Hexerei ist...”. (ebd.: 15) Zur massenhaften Verbreitung des Hexenglaubens trugen zusätzlich die in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstandene Techniken des Buchdrucks, Holzschnitts und Kupferstichs bei durch die Flugblätter und Abbildungen in großer Anzahl in der Bevölkerung verteilt werden konnten. (ebd.: 11)

3. 1. Von der Heilerin zur bösen Hexe

In der vorchristlicher Zeit, lag die Heilkunde zu einem großen Anteil in den Händen von Frauen. Sie bedienten sich verschiedener Pflanzen und Drogen, deren Wirksamkeit durch magische Handlungen und Zaubersprüche ergänzt wurden. (ebd.: 12f)

Hingegen wurde die Medizin für den Adel im Mittelalter von Ärzten praktiziert. Mönche züchteten in Klöstern die erforderlichen Heilkräuter und schrieben Bücher der Heilkunst. Frauen waren zum Studium nicht zugelassen. (Geise 1995: 37ff) Lediglich Bereiche wie Schwangerschaft und Geburt blieben in der Verantwortung des weiblichen Geschlechts. Für Männer blieben diese Gebiete von etwas fremden und unheimlichen behaftet, sodass die Frauen ausschließlich auf ihre gegenseitige Hilfe angewiesen waren. Die meisten Erfahrungen auf diesem Gebiet sammelten die Hebammen. Das spezielles Wissen um Fruchtbarkeit, Verhütung, Abtreibung und Geburtshilfe rief ein wachsendes Unverständnis beim männlichen Geschlecht oder sogar Feindseeligkeit hervor. (Heres 2000: 14)

3. 2. Die “Hexen” in der vorchristlichen Zeit

Die Vorläuferinnen der Hexen in der vorchristlichen europäischen Kultur gehörten dem Reich der Geister an. Als Unholde, Trutten oder Perchten waren sie noch im 16. Jahrhundert bekannt. In Hexentraktaten wurden am häufigsten die Bezeichnungen Unholdin, Zaubersche oder Hexe gebraucht. Diese Geistwesen waren meist Gegenspielerinnen entsprechender guter Geister oder ambivalente Wesen, die Leben erschaffen sowie zerstören konnten. Die heidnischen Geistfrauen konnten je nach Bedarf helfen oder schaden. Die Hexen in der christlichen Gesellschaft galten allerdings ausschließlich als boshafte und schadenstiftende Frauen, die die Umkehr der weiblichen Rollennorm verkörperten: statt zu schützen und zu nähren, vergifteten und töteten sie. Die Hexe war die Kinderfresserin, die selbst nicht gebären konnte. (Ahrendt-Schulte 1994: 18f) Die Vorstellung, dass Frauen dazu neigten, sich heimlich zu rächen, war ein zentrales Element des gelehrten und volkstümlichen Hexenglaubens. (ebd.: 108) “Als die Waffen der Frauen wurden ihre böse Zunge und ihre Heimlichkeit angesehen und damit ihre Neigung zu heimtückischen Verbrechen wie Zauberei begründet. Im Gegensatz dazu stand das Rollenbild des Mannes, der sich im offenen Kampf mit körperlicher Gewalt verteidigte.” (ebd.: 110)

3. 3. Das Weltbild der frühneuzeitlichen Gesellschaft

Die gewöhnliche Sichtweise der Wirklichkeit in dem Weltbild der frühneuzeitlichen Gesellschaft bestand in der Überzeugung, dass magische Mittel und Rituale wirksam seien, dass der Teufel leibhaftig umhergehen könne und seine Opfer suche, und dass Dämonen ihr Unwesen in der menschlichen Gesellschaft treiben könnten. (ebd.: 17) Die Magie hatte einen zentralen Stellenwert und wurde zur Lösung von Problemen, zur Lebensbewältigung, zur Abwehr von Bedrohungen im täglichen Leben und von allen Schichten der Gesellschaft in verschiedenen Formen und Anwendungsbereichen eingesetzt: Rituale, die das Gedeihen von Menschen, Vieh und Feldfrüchten beeinflussen und Schäden abwenden sollten, spielten als Mittel der Existenzsicherung in bäuerlichen und ackerbürgerlichen Gemeinden eine entscheidende Rolle. Das gebildete Bürgertum und der Adel befassten sich mit Astrologie und Alchemie und nutzten die daraus resultierenden Ergebnisse für ihre Deutung der Welt und als Richtlinien für ihr Handeln. Auch die Kirche arbeitete mit Heilsymbolen und Ritualen, denen eine magische Wirkung zugesprochen wurde. Der offensichtliche Unterschied zwischen kirchlichen und magischen Ritualen bestanden häufig nur in der Person des Ausführenden, ob er Geistlicher oder Laie war. (Ahrendt-Schulte 1994: 29)

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Hexen - Von der Zauberin und weisen Frau zur bösen Hexe und Verfolgten
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Institut für Europäische Ethnologie)
Veranstaltung
Proseminar: Wetterprognostik
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V54056
ISBN (eBook)
9783638493390
ISBN (Buch)
9783640145560
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hexen, Zauberin, Frau, Hexe, Verfolgten, Proseminar, Wetterprognostik
Arbeit zitieren
Nicole Rosenthal (Autor), 2004, Hexen - Von der Zauberin und weisen Frau zur bösen Hexe und Verfolgten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54056

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