Die Kunst des Barocks bediente sich des Öfteren an Mythen und Sagen der Antike. Sowohl die barocke Malerei und Literatur, als auch die Musik der Epoche, die von circa 1600 bis 1720 andauerte, bildeten Helden, Götter und mystische Wesen in verschiedensten Formen ab. Musikalisch ließen sich die Geschichten der Gottheiten am besten in Opern, beziehungsweise der früheren Form, dem Singe-Spiel erzählen. Die anfänglichen Singe-und Mysterienspiele, welche für das einfache Volk komponiert und aufgeführt wurden, entwickelten sich in Europa rasant zu immer größer werdenden, gehaltvolleren Barockopern, die ganz im Gegenteil meistens aristokratische Aufführungen waren und somit als Auftragswerke für den jeweiligen Herrscher komponiert wurden. Nicht nur in Europa entwickelte sich die Oper zu jener Zeit. Die in der Kolonialzeit von Europäern eroberten Gebiete erfuhren weltweit Transkulturation, sodass die europäische Kultur jegliche Formen von Kunst in den eroberten Ländern stark beeinflusste.
Im Rahmen des Seminars “Barockmusik aus den Anden” soll diese Hausarbeit die Verarbeitung der ovidschen Mythologie um Venus und Adonis in zwei Barockopern vergleichen. Die gegenübergestellten Werke sind Der geliebte Adonis von Reinhard Keiser und La purpura de la rosa von Tomás de Torrejón y Velasco. Die Hausarbeit soll untersuchen, inwiefern sich die musikalische Verarbeitung des spanischen Komponisten de Torrejón y Velasco, der in Peru lebte, vom deutschen Komponisten Keiser unterscheidet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Mythologie um Venus und Adonis nach Ovid
3. Die Verarbeitung des ovidschen Mythos um Venus und Adonis in La purpura de la rosa
3.1 Tomás de Torrejón y Velasco
3.2 Handlung in La purpura de la rosa
3.3 Musikalische Analyse
4. Vergleich der Stoffverarbeitung in La purpura de la rosa und Der geliebte Adonis
4.1 Reinhard Keiser
4.2 Handlung in Der geliebte Adonis
4.3 Musikalische Analyse vergleichend zu La purpura de la rosa
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die musikalische Adaption des ovidischen Mythos um Venus und Adonis in zwei barocken Opernwerken. Dabei steht die Gegenüberstellung der spanischen Zarzuela „La purpura de la rosa“ von Tomás de Torrejón y Velasco und des deutschen Singspiels „Der geliebte Adonis“ von Reinhard Keiser im Fokus, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der narrativen und musikalischen Umsetzung aufzuzeigen.
- Mythologische Vorlagen bei Ovid
- Strukturelle Analyse von „La purpura de la rosa“
- Strukturelle Analyse von „Der geliebte Adonis“
- Vergleichende Analyse der musikalischen Stilistik
- Rezeption antiker Stoffe im Barock
Auszug aus dem Buch
3.2 Handlung in La purpura de la rosa
Voran- und nachgestellt sind der Handlung ein Prolog und ein Epilog, welche den Rahmen der Handlung bilden. Die erste Szene findet in einem Wald statt, wo Venus von einem wilden Eber gejagt wird. Sie wird von einem Nymphenchor begleitet, welcher immer zusammen mit Venus in Erscheinung tritt und der Handlung als Spiegelbild der Göttin dient. Die Nymphen Flora, Cintia, Libia und Clori beobachten die erste Szene sorgenvoll.
Die verzweifelten Hilferufe der gejagten Venus führen jedoch noch rechtzeitig den wunderschönen Adonis herbei. Er schlägt den wilden Eber in die Flucht.
Venus offenbart ihm ihren Dank, Adonis aber eilt davon. Als Venus ihm folgen will, trifft sie auf ihren Ehegatten Mars. Dem eifersüchtigen Kriegsgott wird das Geschehen von der Nymphe Libia berichtet. Sein Ärger muss jedoch warten, da er von seiner Schwester Bellona in den Krieg berufen wird.
Die zweite Szene beginnt mit einer heiteren Diskussion über die Ehe zwischen Celfa und Chato. Sie werden schnell von einem Bauernchor unterbrochen, der barmt, dass der wilde Eber immer noch frei herumlaufe. Adonis erscheint erschöpft von der Jagd des Tieres und legt sich schlafend unter einen Baum. Venus erscheint und ruft Amor, den römischen Gott der Liebe, herbei und lässt ihn seinen Pfeil der Liebe auf Adonis’ Herz zielen. Aufgewacht ist Adonis sofort in Venus verliebt. Die Nymphen tanzen einen Reigen und alle Pflanzen und Tiere feiern die Liebenden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung antiker Mythen für die barocke Kunst und definiert das Ziel der Arbeit, zwei spezifische Opernwerke in Bezug auf ihre musikalische Mythos-Verarbeitung zu vergleichen.
2. Die Mythologie um Venus und Adonis nach Ovid: Dieses Kapitel erläutert die literarische Vorlage von Ovid und beschreibt die mythologischen Hintergründe der Figuren Venus und Adonis.
3. Die Verarbeitung des ovidschen Mythos um Venus und Adonis in La purpura de la rosa: Hier wird das Werk von Torrejón y Velasco vorgestellt, sein Hintergrund beleuchtet, die Handlung zusammengefasst und eine erste musikalische Analyse durchgeführt.
4. Vergleich der Stoffverarbeitung in La purpura de la rosa und Der geliebte Adonis: Dieser Teil widmet sich dem Singspiel von Keiser, seiner Entstehung und Handlung, gefolgt von einem direkten Vergleich der musikalischen Ausgestaltung beider Werke.
5. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und hebt die Bedeutung des Vergleichs für das Verständnis barocker Opern-Vielfalt hervor.
Schlüsselwörter
Barockmusik, Venus und Adonis, Ovid, Metamorphosen, La purpura de la rosa, Der geliebte Adonis, Tomás de Torrejón y Velasco, Reinhard Keiser, Zarzuela, Singspiel, Mythologie, Opernanalyse, Musikgeschichte, Antike, Barockoper.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der musikalischen Rezeption des antiken Mythos von Venus und Adonis im Barockzeitalter.
Welche zwei Werke stehen im Zentrum der Untersuchung?
Im Fokus stehen „La purpura de la rosa“ des spanischen Komponisten Tomás de Torrejón y Velasco und das Singspiel „Der geliebte Adonis“ des deutschen Komponisten Reinhard Keiser.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei der Stoffverarbeitung und der musikalischen Gestaltung zwischen einer spanischen Zarzuela und einem deutschen Singspiel desselben mythologischen Themas aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Autorin kombiniert eine literaturgeschichtliche Analyse der mythologischen Vorlagen (Ovid) mit einer musikwissenschaftlichen Untersuchung der Opernwerke basierend auf Audioaufnahmen und Texteditionen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Werke, die detaillierte Handlungsanalyse, die Untersuchung der Komponistenbiografien sowie einen direkten vergleichenden Abschnitt zur musikalischen Analyse.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Barockoper, Zarzuela, Singspiel, Ovid, Mythologie, Venus und Adonis sowie die beiden untersuchten Komponisten.
Wie unterscheidet sich die musikalische Herangehensweise der beiden Komponisten?
Während Torrejón y Velasco durch spanische, tänzerische Rhythmen einen sinnlicheren Charakter erzeugt, orientiert sich Keiser stärker an den für das deutsche Hochbarock typischen italienischen und französischen Einflüssen.
Welche Rolle spielt der Mythos bei der Schlussgestaltung in den Opern?
Die Autorin stellt fest, dass beide Librettisten den Stoff ovidnah behandeln, jedoch unterschiedliche dramaturgische Schwerpunkte bei der Verwandlung des Adonis in eine Rose setzen.
Welche Bedeutung kommt der Rolle der Venus in beiden Werken zu?
In beiden Werken wird die Venus als musikalisch besonders hervorgehobene und ausdrucksstarke Figur dargestellt, die durch ihre Arien die emotionale Tiefe der Opern maßgeblich trägt.
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- Hanna Friebel (Author), 2019, Die musikalische Verarbeitung des ovidschen Mythos um Venus und Adonis in "La purpura de la rosa" und "Der geliebte Adonis", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540600