Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf ein jugendsprachliches Phänomen und wird eine Funktionsanalyse des Lexems "krass" als Interjektion der Jugendsprache untersuchen. Hierbei wird die Analyse jedoch keine qualitative Beurteilung oder Bewertung des Begriffes abgeben, sondern lediglich die unterschiedlichen Funktionsmöglichkeiten der Interjektion "krass" und deren vielfältige Nutzung in der gesprochenen Sprache darstellen und empirisch analysieren.
Die empirische Analyse wird anhand des Korpus-Recherchesystems DGD realisiert, welche eine ausführliche Korpusdatenbank für Gesprochenes Deutsch zur Verfügung stellt und demnach eine solide wissenschaftliche Grundlage darstellt. Dabei beschränkt sich die Analyse lediglich auf Sprachteilnehmer, die ab dem Jahr 1988 geboren wurden, da es sich bei dem Lexem um einen primär jugendlichen Sprachausdruck handelt. Insbesondere werden die grammatikalischen Besonderheiten des Lexems dargestellt und die jeweiligen Gesprächskontexte ausführlich analysiert, um daraus Funktionsvariationen des Wortes ableiten zu können.
Vorerst wird die Fragestellung und die Hypothese der Arbeit systematisch erörtert, ehe anschließend sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse zu den Themengebieten der Interjektion und der Jugendsprache dargestellt werden. Daraufhin wird in der empirische Analyse erst die Arbeitsmethode erläutert, um dann eine detaillierte Korpusanalyse vollziehen zu können. Zum Schluss werden die Forschungsergebnisse zusammengefasst und in den Zusammenhang der Fragestellung eingeordnet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fragestellung und Hypothese
3. Theoretischer Teil
3.1 Interjektionen und Jugendsprache
3.2 Das Lexem krass
4. Empirischer Teil
4.1 Methode
4.2 Korpus-Recherchesystem: DGD
4.3 Suchsyntax und Analysemethode
4.4 Quantitative Analyseergebnisse
4.5 Qualitative Analyse
4.6 Resümee
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Funktionen des Lexems krass als Interjektion innerhalb der Jugendsprache. Das primäre Ziel besteht darin, durch eine empirische Korpusanalyse zu klären, welche speziellen Funktionen dieses Wort in unterschiedlichen Gesprächskontexten einnimmt und ob es sich dabei um eine kontextabhängige, multifunktionale Gesprächsreaktion handelt.
- Funktionsanalyse des Lexems krass in der gesprochenen Sprache
- Untersuchung von Interjektionen im Kontext jugendsprachlicher Kommunikation
- Einsatz des Korpus-Recherchesystems DGD für linguistische Analysen
- Differenzierung zwischen bewertenden, emotionalen und strukturellen Funktionen
- Einordnung von Jugendsprache als varietätenlinguistisches Phänomen
Auszug aus dem Buch
b. Krass als Ausdruck von Erstaunen / Verwunderung
Transkriptbeispiel II - FOLK_E_00207_SE_01_T_01, Segment 0716-0724
716 EW in diesem haus haben menschen über ja jahrzehnte gelitten (.) es ist das einzige hauptquartier der geheimpolizei
717 (0.46)
718 ZW oah (.)
719 EW [s mit sicherheit total] intressant
720 LW [so unser stasimuseum]
721 ZW [ja]
722 ZW (.) bestimmt
723 EW im zweiten weltkrieg war es die folterstätte der pfeilkreuzler ºh [der unga]rischen nazis (.) in den (.) o
neunzehnhundertfünfziger jahren regierte hier der stalinistische terror ºh dass das gebäude musealisiert wurde finden die meisten ungarn richtig ºh die dauerausstellung ist jedoch umstritten weil sie einseitig die kommunistischen verbrechen darstellt
724 ZW [krass]
In dem zweiten Transkriptbeispiel handelt es sich um eine Gesprächssituation im Kontext eines Familienurlaubes in Ungarn. Eine Mutter und zwei Töchter planen den Tagesablauf während ihres Frühstücks, wobei es inhaltlich um die Besichtigung von Museen / Stadtteilen geht und die allgemeine Tagesplanung besprochen wird. Geplant werden die nächsten Tage während ihres Budapesturlaubs. In diesem Kontext spricht die ältere Schwester EW im obigen Abschnitt über das Haus des Terrors, einer Gedenkstätte, die an die Naziverbrechen und den stalinistischen Terror in Ungarn erinnern soll. Im Segment 716 erzählt EW ihrer Familie, dass in diesem Haus Menschen jahrzehntelang gelitten haben und betont in Segment 723 zudem, dass dieses Haus im Zweiten Weltkrieg die Folterstätte der Pfeilkreuzler war. Ihre jüngere Schwester ZW reagiert auf ihre Schilderungen in Segment 724 mit der Aussage krass. Da ZW ihre Aussage inmitten des Segments 723 tätigt, bekräftigt dies die Annahme, dass sie erstaunt bzw. verwundert über die Schilderungen der älteren Schwester ist. In diesem Beispiel wird das Lexem krass nicht primär als negativ bewertende Äußerung getätigt. Die Aussage von ZW bezieht sich unmittelbar auf die Folterstätte im Zweiten Weltkrieg und fungiert vorrangig als eine emotionale, verwunderte Reaktion auf den Sachverhalt. Sie ist erschrocken über den Sachverhalt und reagiert explizit darauf. Dieses Beispiel belegt, dass die Interjektion krass ebenfalls als eine emotionale Aussage und ein Erstaunen bzw. eine Verwunderung eingesetzt werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Sprachforschung bei Jugendlichen ein und definiert das Ziel, das Lexem krass als Interjektion zu analysieren.
2. Fragestellung und Hypothese: In diesem Kapitel wird die Forschungsfrage nach den Funktionen von krass in Gesprächen gestellt und die Vermutung aufgestellt, dass die Bedeutung stark kontextabhängig ist.
3. Theoretischer Teil: Es werden Grundlagen zu Interjektionen als sprachlichem Phänomen sowie der Begriff der Jugendsprache und dessen mediale Prägung erläutert.
4. Empirischer Teil: Dieser Abschnitt beschreibt die methodische Vorgehensweise, die Nutzung des DGD-Korpus und die Analyse der gesammelten Daten.
5. Fazit und Ausblick: Die Ergebnisse werden zusammengefasst und die Schlussfolgerung gezogen, dass krass ein multifunktionales, kontextabhängiges Werkzeug der Jugendsprache ist.
Schlüsselwörter
Jugendsprache, Interjektion, krass, Korpusanalyse, DGD, Gesprächssituation, Sprachvarietät, Kommunikationsanalyse, Lexem, Sprachgebrauch, kontextabhängig, Sprachwissenschaft, Partikeln, Mehrsprachigkeit, Diskurs
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die sprachliche Funktion des Wortes krass als Interjektion innerhalb der gesprochenen Jugendsprache auf Basis korpuslinguistischer Daten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der linguistischen Einordnung von Interjektionen, der Charakteristik jugendsprachlicher Kommunikation und der empirischen Auswertung realer Gesprächsdaten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die multifunktionale Verwendung des Ausdrucks krass in verschiedenen Gesprächssituationen zu entschlüsseln und zu zeigen, dass die Bedeutung primär vom Kontext abhängt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine empirische Korpusanalyse unter Verwendung des „Datenbanksystems für gesprochenes Deutsch“ (DGD) durchgeführt, inklusive quantitativer und qualitativer Auswertungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Interjektionen und Jugendsprache sowie in einen ausführlichen empirischen Teil mit methodischer Beschreibung und Transkript-Analysen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Jugendsprache, Korpuslinguistik, Interjektionen, krass und Gesprächsanalyse.
Warum wurde das Wort „krass“ als Untersuchungsgegenstand gewählt?
Das Wort krass ist ein sehr häufig verwendeter, diskursiv flexibler Begriff, der sich besonders gut eignet, um die Komplexität und den Wandel der Jugendsprache zu illustrieren.
Welche Erkenntnis liefert die qualitative Analyse der Transkripte?
Die Analyse zeigt, dass krass je nach Kontext als bewertendes Urteil, Ausdruck von Erstaunen oder neutrales Rückmeldesignal eingesetzt werden kann.
Wird durch die Ergebnisse der Sprachverfall kritisiert?
Nein, die Arbeit vermeidet eine wertende Sichtweise auf jugendsprachliche Phänomene und betrachtet diese stattdessen als eigenständige, komplexe Sprachvarietät.
- Arbeit zitieren
- Johann Faust (Autor:in), 2020, Funktionsanalyse des Lexems "krass" als Interjektion der Jugendsprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540634