Funktionsanalyse des Lexems "krass" als Interjektion der Jugendsprache


Hausarbeit, 2020

16 Seiten, Note: 1,7

Johann Faust (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fragestellung und Hypothese

3. Theoretischer Teil
3.1 Interjektionen und Jugendsprache
3.2 Das Lexem krass

4. Empirischer Teil
4.1 Methode
4.2 Korpus-Recherchesystem: DGD
4.3 Suchsyntax und Analysemethode
4.4 Quantitative Analyseergebnisse
4.5 Qualitative Analyse
4.6 Resümee

5 Fazit und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Die Sprache kann der letzte Hort der Freiheit sein.“1 Diese Charakterisierung der Sprache stammt von Heinrich Theodor Böll, einem der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit. Gegenwärtig wird die Freiheit und Wandelbarkeit der Deutschen Sprache in der medialen Diskussion wiederholt aufgegriffen und vielfach im Kontext eines drohenden Sprachverfalls kritisiert. Seit den 1960er-Jahren wurde die Deutsche Umgangssprache insbesondere durch die Migration von Gastarbeitern stark beeinflusst. Auch die Erfindung des Internets und die Entwicklung sozialer Medien haben dazu beigetragen, dass zahlreiche Begriffe aus Ethnolekten und der Jugendsprache generationsübergreifend wahrgenommen werden.

Die vorliegende Arbeit konzentriert sich in diesem Kontext auf ein jugendsprachliches Phänomen und wird eine Funktionsanalyse des Lexems krass als Interjektion der Jugendsprache untersuchen. Hierbei wird die Analyse jedoch keine qualitative Beurteilung oder Bewertung des Begriffes abgeben, sondern lediglich die unterschiedlichen Funktionsmöglichkeiten der Interjektion krass und deren vielfältige Nutzung in der gesprochenen Sprache darstellen und empirisch analysieren.

Die empirische Analyse wird anhand des Korpus-Recherchesystems DGD realisiert, welche eine ausführliche Korpusdatenbank für Gesprochenes Deutsch zur Verfügung stellt und demnach eine solide wissenschaftliche Grundlage darstellt. Dabei beschränkt sich die Analyse lediglich auf Sprachteilnehmer, die ab dem Jahr 1988 geboren wurden, da es sich bei dem Lexem krass um einen primär jugendlichen Sprachausdruck handelt. Insbesondere werden die grammatikalischen Besonderheiten des Lexems krass dargestellt und die jeweiligen Gesprächskontexte ausführlich analysiert, um daraus Funktionsvariationen des Wortes ableiten zu können.

Vorerst wird die Fragestellung und die Hypothese der Arbeit systematisch erörtert, ehe anschließend sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse zu den Themengebieten der Interjektion und der Jugendsprache dargestellt werden. Daraufhin wird in der empirische Analyse erst die Arbeitsmethode erläutert, um dann eine detaillierte Korpusanalyse vollziehen zu können. Zum Schluss werden die Forschungsergebnisse zusammengefasst und in den Zusammenhang der Fragestellung eingeordnet.

2. Fragestellung und Hypothese

Die konkrete Fragestellung dieser Arbeit lautet: „Welche speziellen Funktionsweisen der Interjektion krass sind in Gesprächssituationen signifikant erkennbar und in welchem Kontext treten sie auf?“. Demnach soll geprüft werden, ob bei der Analyse des Begriffes ein gewisser Unterton herrscht, der zu unterschiedlichen Funktionen in Gesprächen führt. Wird der Ausdruck krass lediglich dazu genutzt, um eine Aussage des Gesprächspartners zu bestätigen oder abzulehnen? Oder kann die Interjektion den Zweck einer kontextabhängigen, multifunktionalen Gesprächsreaktion erfüllen?

Die Hypothese ergibt sich im Grunde aus der Fragestellung. Es ist zu erwarten, dass das Lexem krass nicht isoliert betrachten werden kann und die jeweilige Bedeutung und Funktion des Begriffes vom Kontext der Gesprächssituation abhängt.

Ziel dieser Arbeit wird sein, die monotone Wahrnehmung von jugendsprachlichen Phänomenen anhand eines Beispiels zu erweitern und die Komplexität von der gesprochenen Sprache, insbesondere der Jugendsprache, darzustellen.

3. Theoretischer Teil

Im folgenden theoretischen Abschnitt werden vorerst in Kapitel 3.1 Forschungsgrundlagen zu den Interjektionen und der Jugendsprache erläutert. In Kapitel 3.2 folgt eine theoretische Beschreibung des Lexems krass mit einer Wortdefinition und entsprechenden grammatikalischen Besonderheiten.

3.1 Interjektionen und Jugendsprache

Durch die Erfindung des Internets und der außerordentlichen Präsenz von sozialen Medien nehmen insbesondere Interjektionen eine immer wichtigere Rolle in der Chat- und face-to-face-Kommunikation ein. Primär geben Interjektionen den jeweiligen Gesprächspartnern die Möglichkeit ihren Gefühlen und Emotionen Ausdruck zu verleihen und diese zu verbalisieren. In der gesprochenen Sprache können Interjektionen vorwiegend durch eine unterschiedliche Innotation eines Begriffes oder durch diejeweilige Körpersprache nuanciert werden (vgl. Fr^czyk 2011, S.235).

Da Interjektionen vorrangig in der Umgangssprache Vorkommen und aufgrund ihrer komplexen Klassifizierung schwer zu strukturieren sind, hat die sprachwissenschaftliche Forschung die Interjektionen in ihrer Grammatikbeschreibung häufig vernachlässigt. Zudem gibt es Unklarheiten darüber, ob Interjektionen eine Wortklasse bilden oder als eine spezifische Bedeutungseinheit definiert werden sollen. Beispielsweise werden Interjektionen in der Duden Grammatik als eine Subklasse der Partikeln aufgeführt und im Duden Universalwörterbuch als Gesprächspartikel beschrieben. Andere Quellen klassifizieren sie wiederum als eine Subklasse von Satzäquivalenten. Das Wort Interjektion leitet sich ursprünglich aus dem lateinischen Wort interiectio ab und kann als „Zwischenwort“ oder als „Dazwischenwerfen“ übersetzt werden. Sprachwissenschaftlich werden Interjektionen als syntaktisch isolierte Begriffe, sogenannte Ausrufewörter oder auch Empfindungswörter, definiert. Wichtig hierbei ist, dass die Interjektionen unflektierbar sind und deshalb nicht konjugiert oder dekliniert werden können. Sie übernehmen die Funktion eines Satzes und werden deshalb auch als satzwertige Äußerung beschrieben. Primär werden Interjektionen in der gesprochenen Sprache oder in der Chatsprache genutzt und treten in der geschriebenen Hochsprache des Deutschen kaum auf. Die Position von Interjektionen ist meistens am Anfang oder am Ende eines Satzes. Auch können Interjektionen alleine stehen und als sogenannter Einwortsatz Vorkommen (vgl. Frqczyk 2011, S.236-238).

In der Bedeutungsanalyse von Interjektionen ist die Kontextabhängigkeit elementar, da die jeweilige Bedeutung einer Interjektion immer von dem entsprechenden Gesprächskontext abhängt und variierbar ist. Dabei haben Interjektionen keinen propositionalen Gehalt, sondern eine illokutionäre Funktion und sind demnach immer auf ein kommunikatives Ziel ausgerichtet. Beispielsweise können Interjektionen eine polyfunktionale Bedeutung und Emotion besitzen oder sie können auch lediglich Gespräche strukturieren und als Rückmeldepartikel wahrgenommen werden (vgl. Frqczyk 2011, S.240-241). Auf eine detailliertere Subklassifizierung und Erläuterung soll an dieser Stelle verzichtet werden, da dies für die vorliegende Arbeit nicht weiter relevant ist. Auch werden die unterschiedlichen Arten von Interjektionen nicht im Detail beschrieben, da sich die Untersuchung lediglich auf das Lexem krass beschränkt und eine entsprechende Einordnung im empirischen Abschnitt dieser Arbeit noch ausführlich diskutiert wird.

Nun werden noch einige wichtige Charakteristika der Jugendsprache erläutert, da es sich bei dem Begriff krass, um einen Ausdruck der Jugendsprache handelt und dies für die bevorstehende Analyse relevant ist.

Die Forscher nutzen unterschiedliche Beschreibungen für die Jugendsprache. So wird diese teilweise als Sondersprache, Gruppensprache oder auch als Varietät angesehen. Insbesondere der starke Einfluss von Medien, beispielsweise aus der Musik- und Filmbranche, ist häufig zu beobachten (vgl. Chun 2007, S. 5-8). Die Jugendlichen fokussieren sich in ihrem Sprachgebrauch vorrangig auf die kommunikativen Zusammenhänge und weniger auf die sprachstrukturellen Aspekte. Dementsprechend wird der wissenschaftliche Fokus dieser Arbeit immer auf der Gesprächskultur der Jugendlichen liegen und nicht auf dem Jargon, den sie nutzen. Folglich wird dies zu einer wissenschaftlichen Perspektiverweiterung führen und jugendsprachliche Phänomene nicht systematisch als Normverfall der bürgerlichen Gesprächskultur diskreditieren. Das eröffnet der Analyse einen vorbehaltlosen Rahmen, die kommunikativen Verhaltensstrukturen der Jugendlichen in ihrer gesamten Bedeutungsdimension zu verstehen (vgl. Schmidt 2005, S.85-87).

Interessant ist hierbei, welche Merkmale und Strukturen in der Jugendsprache signifikant herausragen. Jugendliche verstoßen bewusst gegen kulturgeschichtlich etablierte Sprachregeln, beispielsweise durch den Einsatz von Nebenkommunikationen und der daraus resultierenden Vernachlässigung eines aufgabenorientierten Sprachgebrauchs; auch ist ein ständiger Fokuswechsel bei der Kommunikation von Jugendlichen zu beobachten (vgl. Schmidt 2005, S.92-93). Oft werden Ausdrücke aus dem normalen Sprachgebrauch komprimiert, was zu einer Abkürzung und Knappheit der Begriffe führt. Zu beobachten sind syntaktische Reduktionen und Kontraktionen von Silben, sowie ständige Unterbrechungen und ein systematisches Dazwischenreden der Gesprächspartner. Längere Monologe sind demnach selten vorzufinden, da eine Gruppenzugehörigkeit der Jugendlichen diese Redeknappheit erfordert und die Sprachteilnehmer in die Gruppe integriert (vgl. Schmidt 2005, S.96-97).

Vermehrt sind auch das Auftreten von Ethnolekten in der Jugendsprache zu beobachten. Insbesondere das sogenannte „Türkendeutsch“ wird von Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund häufig angewendet. Begriffe, die in diesen Ethnolekten entstehen, machen sich oftmals auch in dem Sprachgebrauch der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund bemerkbar (vgl. Androutsopoulos 2001, S. 2-5). So ist das Lexem krass ein besonders häufig verwendeter Begriff im lexikalischen und diskursorganisatorischen Bereich der Jugendlichen mit Migrationshintergrund, wird jedoch auch von anderen Jugendgruppen kontinuierlich genutzt. Dabei dient das Lexem krass primär als Verstärker und evaluativer Kommentar (vgl. Dirim / Auer 2004, S. 209). Die kontextbezogene Nutzung und die Konnotation der Interjektion krass soll in den folgenden Abschnitten empirisch untersucht werden.

[...]


1 Verein Deutsche Sprache e.V. Dortmund: https://vds-ev.de/literatur/literarisches/sprueche-und-zitatezur-deutschen-sprache/, Zugriff am 20.02.2020.

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Details

Titel
Funktionsanalyse des Lexems "krass" als Interjektion der Jugendsprache
Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
16
Katalognummer
V540634
ISBN (eBook)
9783346146526
ISBN (Buch)
9783346146533
Sprache
Deutsch
Schlagworte
funktionsanalyse, lexems, interjektion, jugendsprache
Arbeit zitieren
Johann Faust (Autor), 2020, Funktionsanalyse des Lexems "krass" als Interjektion der Jugendsprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540634

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