Der russische Partisanenkampf im Zweiten Weltkrieg - Struktur und Wirkung


Seminararbeit, 2005

15 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Hauptteil

Die SU im Krieg und die Haltung der sowjetischen Führung

Die Zivilbevölkerung zwischen Befreier und Besatzer

Der Partisanenkampf

Der Partisanenkrieg am Beispiel Weißrussland
- Aufgaben der weißrussischen Partisanen
- Folgen für die Wirtschaft
- Die russische Großoffensive

Fazit

Bibliographie

Einleitung

Der Partisanenkrieg im Hinterland der Deutschen war ein wichtiger Punkt im deutsch – sowjetischen Krieg 1941 – 1945 und nahm in dessen Verlauf nach und nach große Dimensionen an. Der Partisanenkampf hat in der russischen Geschichte vielfache Vorbilder und wurde von den Marxisten als selbstverständlich angenommen. Schon Lenin und Trotzki wollten die Partisanen und die Rote Armee vereinheitlichen und sie zu einen funktionierenden Machtmittel der Bolschewiki machen. Dem liegt die kommunistische Grundüberzeugung zugrunde, dass im Falle eines Krieges nicht nur die Rote Armee, sondern eben das ganze Volk kämpfen werde. Zur Zeit der Stalinistischen Säuberungen hörten jedoch größtenteils alle Vorbereitungen auf, denn auch viele Partisanenführer der Revolution fielen den Säuberungen zum Opfer. Ein weiterer wichtiger Grund war wohl auch die Militärdoktrin des Offensivkrieges, wonach im Falle eines Krieges die Handlungen sofort auf das Territorium des Feindes zu verlagern seien. Somit sah man keine Notwendigkeit für Partisanenverbände mehr.

Da der Partisanenkampf im Zweiten Weltkrieg doch wieder als ein Mittel zur Kriegsführung der Sowjets eingesetzt wurde, stellt sich die Frage nach den Gründen.

Ist der Partisanenkrieg ein unerlässliches Mittel in der Abwehr von Bedrohung für den sowjetischen Staat? Davon ausgehend, dass dies der Wahrheit entspricht, lässt sich schlussfolgern, dass die Partisanen für die Rote Armee von entscheidender Wichtigkeit sind.

Im Zuge dieser Abhandlung soll nun erarbeitet werden, ob die russischen Partisanen des Zweiten Weltkriegs schlachtenentscheidend, oder sogar kriegsentscheidend waren.

Da es sich um eine sehr umfangreiche Thematik handelt, die unzählige Ansätze zur Betrachtung bietet, werde ich mich hauptsächlich auf das Gebiet Weißrussland beschränken.

Eine kritische historische Darstellung über den Partisanenkampf ist nicht zu finden. Das größte Problem bei der Bearbeitung dieses Themas ergibt sich aus den sehr unterschiedlichen Darstellungen auf deutscher und sowjetischer Seite. Unwiderlegbare Aussagen können somit nicht gemacht werden.

Jedoch soll versucht werden, sowohl Werke russischer als auch deutscher Autoren heranzuziehen.

Doch ist die Geschichte der sowjetischen Partisanenbewegung bis heute noch relativ wenig erforscht. Zum einen waren bis 1990 russische Quellen nicht zugänglich, zum anderen bedarf eben die sowjetische Darstellung einer genaueren Prüfung.

Bei den Darstellungen, die das Gebiet Weißrussland betreffen, werde ich mich weitestgehend auf die Dokumentation von Bogdan Musial stützen, da sie nicht nur die aktuellste ist, sondern auch als die intensivste Arbeit gilt.

Die Sowjetunion im Krieg und die Haltung der sowjetischen Führung

Nach dem Überfall der Deutschen am 22. Juni 1941 antwortete die sowjetische Führung durch eine Wendung an das patriotische Gefühl und mit der Ausrufung des Großen Vaterländischen Krieges. „ Genossen, Bürger, Brüder und Schwestern!... In den vom Feind okkupierten Gebieten müssen Partisanenabteilungen zu Pferd und zu Fuß gebildet und Diversionsgruppen geschaffen werden zum Kampf gegen die Truppenteile der feindlichen Armee, zur Entfachung des Partisanenkrieges überall und allerorts... Das Ziel dieses vaterländischen Volkskrieges gegen die faschistischen Unterdrücker..“1 Diese Ansprache hatte etwas völlig Neues. Zum ersten Mal wandte sich Stalin nicht nur an das Proletariat und die Parteimitglieder, doch die gewählten Worte entsprachen der Situation und Atmosphäre. Die Sowjetunion, ein Vielvölkerstaat mit teilweise sehr ablehnenden Bevölkerungsteilen, war gezwungen, einen einheitlichen Kampf gegen die nationalsozialistischen Deutschen zu führen.

„Die sowjetische Führung reagierte nicht nur, indem sie großrussische Traditionen pflegte, sondern auch, indem sie selbst nationalistische Kategorien übernahm.“2

Stalin setzte eine gewaltige Propagandamaschine in Gang, um die Bevölkerung zu mobilisieren. In allen öffentlichen Einrichtungen, wie beispielsweise Museen und Krankenhäusern, wurden Radios installiert, um das Volk über öffentliche Bekanntmachungen zu informieren. Auf dem Land wurden Lesehütten eingerichtet, in denen die Neuigkeiten verlesen wurden. Zudem setzte die Führung Propagandazüge ein, deren Waggons zu Kinos oder Druckereien umfunktioniert wurden.

Die Zivilbevölkerung zwischen Besatzer und Befreier

„Die Russen litten unter Stalins totalitärer Herrschaft, doch angesichts der Menschenverachtung, die die deutschen Invasoren ihnen entgegenbrachten, erschien vielen der Bolschewismus als das geringere Übel.“3 Dies entspricht sicherlich der Realität, hat jedoch keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit und steht auch nicht für alle Gebiete der Russischen Föderation. Nicht die Rote Armee, sondern die Partisanenverbände waren für die Bevölkerung die Präsenz der Partei. Insbesondere in den westlichen besetzten Gebieten empfand die Bevölkerung die deutschen Soldaten als Befreiung von Zwangskollektivierung und Deportation. So kam es sogar häufig vor, dass Partisanen oder versprengte Rotarmisten an die Deutschen verraten wurden. Doch die Bevölkerung der besetzten vor allem ländlichen Gebiete befand sich ab dem Frühjahr 1942 in einer echten Zwangslage. Zum einen war stets die deutsche Wehrmacht präsent, die ihre Ziele über eine kollektivierte Gegenwehr erreichen wollte. Sie verpflichteten die Dorfältesten zur Meldung von sogenannten Ortsfremden. Würde eine deutsche Einheit überfallen, müsste das ganze Dorf dafür zur Rechenschaft gezogen werden. „Für jeden Angriff wird ein Haus des Dorfes, beginnend mit dem Haus des Bürgermeisters, abgebrannt.“ lautete ein Befehl der Kommandanten.4

Auf der anderen Seite standen die Partisanenverbände, die nicht weniger gewalttätig mit der Bevölkerung umgingen. Sie verpflichteten die Ortschaften zur Nahrungsmittelabgabe. Sie überfielen die Dörfer und töteten die Dorfältesten. Für die Bevölkerung bedeutete dies stets im Reaktionsfeld beider Seiten zu stehen. Bei Verweigerung der Versorgung der Partisanen reagierten diese mit Gewalt. Andererseits musste bei Unterstützung der Verbände mit einer Vergeltung von deutscher Seite gerechnet werden.

Auch Propaganda gehörte zu den Aktivitäten der Partisanen, besonders in Weißrussland. Das Ziel war eindeutig definiert. Zum einen sollte die Bevölkerung an den Sieg der Roten Armee glauben, zum anderen vor Kollaboration gewarnt werden. Denn es wurde der Bevölkerung klargemacht, dass die Sowjetführung mit Volksverrätern kein Erbarmen zeigen würde. Außerdem nutze man die Propaganda zum Aufruf für den Kampf gegen den Faschismus.

[...]


1 Rede Josef Stalins am 03.07.1941 um 06.30 Uhr im Moskauer Rundfunk

2 Nolte, Hans-Heinrich: Russland – UDSSR. Geschichte-Politik-Wirtschaft. Hannover 1991.

3 Healey, Tim: Life on the Home Front. Deutsche Ausgabe. Stuttgart 1997.

4 Klein, Peter: Zwischen den Fronten. Die Zivilbevölkerung Weißrusslands und der Krieg der

Wehrmacht gegen die Partisanen, in: Quinkert, Babette (Hrsg.): „Wir sind die Herren dieses

Landes“. Hamburg 2002.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der russische Partisanenkampf im Zweiten Weltkrieg - Struktur und Wirkung
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Geschichte)
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V54065
ISBN (eBook)
9783638493451
ISBN (Buch)
9783638947749
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Partisanenkampf, Zweiten, Weltkrieg, Struktur, Wirkung
Arbeit zitieren
Katrin Spott (Autor), 2005, Der russische Partisanenkampf im Zweiten Weltkrieg - Struktur und Wirkung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54065

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