Gerechtigkeit in der Wirtschaftspolitik und -ethik. Implikationen lokaler und globaler Trends


Seminararbeit, 2020

52 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abbildungsverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Motivation und Zielsetzung
1.2 Methodik und Forschungsplan.

2. Gerechtigkeitstheorie in der Literatu
2.1 Begriffsdefinition und Einführung
2.2 Übersicht über ausgewählte Gerechtigkeitstheorien.
2.2.1 Die Anspruchstheorie Robert Nozicks
2.2.2 Die liberale Gesellschaft nach Hayek
2.2.3 Verwirklichungschancen nach Amartya Sen
2.2.4 John Rawls` Schleier des Nichtwissens

3. Implikationen lokaler und globaler Trends
3.1 Demografische Entwicklungen.
3.1.1 Konsequenzen für den Arbeitsmark
3.1.2 Beurteilung von Rentensystemen im Kontext der Demografie
3.2 Zunehmende Ressourcenknappheit und Klimawande
3.3 Globalisierung
3.4 Wachsende materielle Ungleichhei

4. Empirische Primärforschung
4.1 Erhebungsmethodik
4.2 Auswertungsmethodik
4.3 Ergebnisse und Deutung

5. Schlussbetrachtung

III. Verzeichnis der Anhänge

IV. Anhänge und Materialien

V. Literaturverzeichnis

I. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Normen der Gerechtigkeit, Quelle

Abbildung 2: Probleme intertemporaler Betrachtung

Abbildung 3: Übersicht über Gerechtigkeitstheorien

Abbildung 4: Prognostizierte demografische Entwicklung in Deutschland

Abbildung 5: Gini-Koeffizient verschiedener Länder 2015

Abbildung 6: Konstrukt Onlinefragebogen

Abbildung 7: Frage nach der Situiertheit zukünftiger Generationen

Abbildung 8: Priorisierung von Paradigmen.

II. Abkürzungsverzeichnis

Art. Artikel

bzw. beziehungsweise

ca. circa

DDR Deutsche Demokratische Republik

etc. et cetera

EU Europäische Union

Ifo Informations- und Forschungsstelle für Wirtschaftsbeobachtung

KOF Konjunkturforschungsstelle, Schweizer Forschungsinstitut der ETH Zürich

MS Microsoft

OECD Organization for Economic Cooperation and Development

UN United Nations

u.a. unter anderem

z.B. zum Beispiel

z.T. zum Teil

1. Einleitung

1.1 Motivation und Zielsetzung

Wohl kein anderer Begriff wird über alle Länder und Kulturen auf der einen Seite so ubiquitär verwendet, ist auf der anderen Seite aber so polymorph wie der der Gerechtigkeit. Keine Ideologie, keine Religion aber auch kein Staat ist denkbar, ohne zumindest eine Aussage darüber zu treffen, was Gerechtigkeit bedeutet. Viele gesellschaftliche Gruppen definieren sich sogar über [LK1] diese oder setzen ihre eigene Interpretation von Gerechtigkeit absolut, um sich von anderen zu differenzieren. Seit jeher existieren deshalb auch ethische und philosophische Diskurse darüber, was Gerechtigkeit bedeutet. Seit der ersten wissenschaftlichen Auseinandersetzung, auf welchen Zeitpunkt diese auch immer zu datieren ist, dürfte sich die Thematik jedoch wenig simplifiziert haben. Aus ökonomischer Sicht lässt sich die Problemstellung jedoch auf den ersten Blick derlei vereinfachen, dass hier nur das gerechte „Verteilen von Gütern“ im Mittelpunkt der Betrachtungen steht. Auf den zweiten Blick lässt sich dieser Mittelpunkt aber wohl nicht losgelöst von anderen Facetten der Gerechtigkeit finden. Auf Basis dieser Überlegungen werden die Entwicklungen der Gegenwart wie der Klimawandel, die Auswirkungen der Globalisierung, aber vor allem auch die demographischen Veränderungen zunehmend beachtenswerter und werfen gleichwohl Fragen intertemporaler Natur auf, die wahrscheinlich nie dringlicher sowie schwieriger zu beantworten waren als heute. Wie soll die wachsende Weltbevölkerung ernährt werden, ohne Ressourcen auszubeuten und damit die Startbedingungen unserer Nachkommen zu unterminieren? Wie kann der in den letzten Jahrzehnten erworbene Wohlstand erhalten oder sogar gesteigert werden, ohne zukünftige Generationen zu belasten? Diese Arbeit kann nicht den Anspruch erheben, Lösungen für komplexe, konkrete intertemporale Fragestellungen wie diese zu liefern. Ziel ist es vielmehr, die Komplexität der inter- und intragenerationellen Gerechtigkeit aufzuzeigen und die Bedeutung der daraus resultierenden notwendigen wirtschaftspolitischen und -ethischen Entscheidungen zu untermauern. Auf allzu philosophische sowie mikroökonomische Begründungsansätze wird hingegen weitestgehend verzichtet. Auch diverse soziologische Gesichtspunkte wie der Status-quo hinsichtlich der Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern, verschieden Rassen oder Religionen sind von den hiesigen Betrachtungen abzugrenzen. Unabhängig aller Komplexität wird die Motivation und Faszination der Thematik durch Rousseau sehr einfach auf den Punkt gebracht: „Es liegt tief in unserer Seele ein angeborenes Prinzip der Gerechtigkeit und der Tugend, nach dem wir unsere Handlungen und die der anderen beurteilen, ob sie gut oder böse sind“. (Rousseau, zitiert nach Breyer/Kolmar 2014, S. 27) Diese vorliegende Arbeit zielt jedoch weniger auf eine bipolare Ergebnisfindung- und Interpretation ab. Vielmehr wird in Kapitel zwei zunächst eine theoretische Fundierung vorgenommen, welche sowohl erste begriffliche Definitionen des Gerechtigkeitsbegriffs als auch eine Erläuterung ausgewählter Theorien umfasst. Außerdem fließen hier bereits Deutungen mit ein, welche den Bezug zum intertemporalen Kontext herstellen. Konkrete prädispositive Trends, welche ethische und ökonomische Entscheidungen aktuell und in der Zukunft beeinflussen, werden im dritten Kapitel aufgezeigt. Die Evidenz für die Betrachtung dieser Entwicklungen wird anhand belastbarer Daten, Studien und sonstigen Sekundarquellen festgestellt. Die Forschungsfrage für den praktischen Teil in Kapitel vier stellt sich somit darin, in wie fern Menschen am Wohle zukünftiger Generationen interessiert sind und welche Gerechtigkeitsparadigmen hierbei vorherrschend sind.

1.2 Methodik und Forschungsplan

Für diese Arbeit wurden [LK2] die Daten und Informationen in erster Linie durch Beobachtungen erhoben. In Kapitel zwei wird dazu eine eingehende Literaturrecherche und -analyse durchgeführt. Um ein belastbares und verständliches Theoriengerüst zu schaffen, werden die Texte zunächst, in Anlehnung an Mayring, qualitativ untersucht (vgl. Mayring 2019, S. 3). Die Inhaltsanalyse hat in Kapitel zwei sowohl zusammenfassenden als auch strukturierenden Charakter. Ein explizierender Charakter lässt sich jeweils dann feststellen, wenn in der vorliegenden Arbeit ein statisches Theoriengerüst um den intertemporalen Aspekt erweitert wird. Diese Vorgehensweise wird besonders beim oft zitierten Buch von Breyer und Kolmar gewählt. Im dritten Kapitel werden die exemplarischen intertemporalen Problemstellungen mitunter quantitativ untermauert. Dabei erheben die getroffenen Aussagen nicht den induktiven Anspruch auf weltweite Validität. Eine hinreichende Reliabilität kann mit Berufung auf Quellen wie dem Statistischen Bundesamt oder die OECD aber gleichwohl klar festgestellt werden. Weitere Sekundarquellen sind durch diverse Fachzeitschriften, u.a. auffindbar über EBSCO, gegeben. Durch diese wissenschaftsbasierte Erhebungsmethodik wird ein positives Ergebnis einer etwaigen Gütediskussion indiziert. Gleichwohl besteht die Einschränkung, dass bestimmte Institute wie ifo oftmals lediglich volkswirtschaftliche Kennzahlen ohne intertemporalen, gesellschaftspolitischen oder ethischen Bezug erheben. Eine Operationalisierung durch eine Primärforschung findet im vierten Kapitel statt. Durch eine Onlineumfrage mit heterogener Skalierung der Fragen, werden Aspekte der vorangegangenen Ausführungen standardisiert abgefragt. Hierzu wird eine induktive Kategorienbildung nach Mayring implementiert, um potenziell divergierende Einstellungen unter den Befragten zu clustern. (vgl. Mayring 2019, S. 3) Die Validität der Stichprobe wird hierbei durch das Treffen diverser Einstellungen (IP-Kontrolle, Ausschluss nachträglicher Änderungen) maximiert. Die resultierenden Aussagen werden im vierten Kapitel und der Schlussbetrachtung quantitativ sowie qualitativ, unter Berücksichtigung der Einschränkungen der Umfrage, ausgewertet und gedeutet.

2. Gerechtigkeitstheorie in der Literatur

Um einen Zugang zum Thema zu finden und selbiges einzugrenzen ist es unerlässlich, zunächst begriffliche Abgrenzungen vorzunehmen. Außerdem muss darauf hingewiesen werden, dass bei Diskussionen rund um Gerechtigkeit der Blickwinkel aus dem argumentiert wird, entscheidend ist. In der wissenschaftlichen Sekundärliteratur findet sich ein breites Spektrum philosophischer, juristischer oder politischer Abhandlungen, die über den Kern und Umfang der vorliegenden Arbeit hinausgehen. Zweifelsfrei ist diese Abgrenzung aufgrund der Ganzheitlichkeit des Themas und den daraus resultierenden Rückkopplungen zwischen den Fachgebieten jedoch nicht trennscharf. Primär wird aber eine Perspektive aus der nach wissenschaftlichen Maßstäben noch relativ jungen, wirtschaftsethischen Blickrichtung eingenommen. (vgl. Abend 2016, S. 45) Diese muss wiederum basierend auf Sekundärliteratur aufgebaut werden, um die Herangehensweise bei der explorativen Befragung zu begründen und abzuleiten.

2.1 Begriffsdefinition und Einführung

Bei Argumentationen rund um die intertemporale Gerechtigkeit, werden stets Gerechtigkeitsniveaus von früher lebenden mit denen von in der Zukunft lebenden Menschen verglichen. (vgl. Tremmel 2003, S. 32) Mit der intertemporalen Betrachtung wird also ein langer zeitlicher Horizont assoziiert, während ein temporaler Vergleich eher kurzfristiger Natur ist. (vgl. Tremmel 2005, S. 5) Natürlich sind zeitliche Maßstäbe dabei immer relativ, was eine zusätzliche nähere Definition des chronologischen Vergleichs notwendig macht. Der Begriff der Generation bzw. der Generationengerechtigkeit scheint bei genauerer Betrachtung noch definitionsbedürftiger und problematischer zu sein. Weshalb Termini wie „soziale Generation“ oder „familiäre Generation“ im Folgenden nicht differenziert werden und vielmehr auf einen intuitiven Generationenbegriff abgehoben wird. Zweifelsohne bleibt aber der Gerechtigkeitsbegriff als solcher das Desidarat der wissenschaftlichen Abhandlungen. Hier geraten unterschiedliche Normen in Konflikt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Normen der Gerechtigkeit, Quelle: eigene Darstellung, vgl. Lumer 2003, S. 105.

So schlüssig die miteinander konkurrieren Normen auf den ersten Blick sein mögen, so schnell stoßen sie bei genauerer Betrachtung an ihre Grenzen. Obgleich Descartes beim Gut des menschlichen Verstandes eine nach der Zuschreibung gerechte Verteilung identifiziert. Demnach ist „nichts auf der Welt so gerecht verteilt wie der Verstand. Denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe“. (Descartes, zitiert nach Breyer/Kolmar 2014, S. 27) Würde man dieser zugegebenermaßen eher blasphemischen als wissenschaftlichen basierten Aussage folgen, ergäben sich hier beispielsweise aus temporaler Sicht keine Probleme bei der Verteilungsgerechtigkeit des menschlichen Verstandes. Dies träfe auch aus intertemporaler Perspektive zu, wenn die Annahme der Unveränderlichkeit des menschlichen Wesens in Bezug auf seine (ggf. verzerrte) intellektuelle Selbstreflektion als erfüllt gelten kann. Auf weiterführende Ausführungen und definitorische Abgrenzungen zu den klassischen Vertragstheorien und der Vertragsethik, welche eher staatstheoretischer Natur sind, wird an dieser Stelle verzichtet. (vgl. Ryan 2018, S. 646ff) Aus wirtschaftsethischer Sicht sind besonders das Leistungs- und das egalitaristische Prinzip sowie das Bedürfnisprinzip von Interesse, wobei besonders bei Letzteren eine intertemporale Betrachtung lohnenswert erscheint. Während egalitäre Ansätze jedoch die Frage nach der konkreten Umsetzung und der notwendigen Informationsbasis aufwerfen, bleibt beim Leistungsprinzip das definitorische Problem der Beurteilung von Leistungen. Nach der klassischen und neoklassischen Theorie kann davon ausgegangen werden, dass die Preise für Leistungen am effizientesten auf einem Markt gebildet werden können. (vgl. Treu 2010, S. 182) Gemäß der ökonomischen Theorie wird durch die Erfüllung des ersten Hauptsatzes der Wohlfahrtsökonomik ein Pareto-Optimales Ergebnis durch das Vorhandensein privater Güter, einer perfekten Eigentumsordnung und einem Marktgleichgewicht bei vollkommener Konkurrenz erreicht. (Breyer/Kolmar 2014, S. 154) Fraglich bleibt aber, ob durch striktes Anwenden des Leitungsprinzips und der abgeleiteten Paradigmen der freien Marktwirtschaft unter Annahme erschöpflicher Ressourcen eine als gerecht empfundene intertemporale Allokation resultieren kann. Im intertemporalen Kontext muss die Pareto-Optimalität also insofern erweitert werden, als dass sie sich auf alle in der Zukunft lebenden Menschen beziehen muss. Die Beurteilung Verteilungsgerechtigkeit verlangt dagegen stets eine normative Komponente. Besonders muss auch auf die Schwierigkeit einer ex ante Beurteilbarkeit hingewiesen werden, welche aber besonders bei Implementierung staatlichen Maßnahmen zur Änderung des status-quo vorausgesetzt wird. (vgl. Hufe/Peichl/Söckli (2018), S. 197) Aufgrund des angedeuteten Variantenreichtums und der komplexen Facetten des Gerechtigkeitsbegriffs bleiben die Ausführungen auf einzelne Aspekte begrenzt. Folgende charakteristische Probleme der intertemporalen Perspektive prägen aber grundsätzlich die Argumentationen und die Bearbeitung des Themas generell und können zum Teil nur durch das Setzen von Annahmen und Einschränkungen ausgeschaltet werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Probleme intertemporaler Betrachtung, Quelle: Eigene Darstellung, vgl. Tremmel S. 12-13

2.2 Übersicht über ausgewählte Gerechtigkeitstheorien

Nachdem bereits einige Grundbegriffe, Normen, Determinanten und Zusammenhänge der intertemporalen Gerechtigkeit definiert oder tangiert wurden, scheint es nun essenziell, zunächst einen strukturierten Überblick über die Kategorien und ausgewählte Theorien der Gerechtigkeit zu geben. Dabei wird schnell klar, dass hier keine einfache Lösung postuliert werden kann. Auf der abstrakten Ebene können sogar verteilungsrelevante Zustände in Frage gestellt werden, die sich beispielsweise für Menschen einer bestimmten kulturelle Prägung habitualisiert haben und welche ihnen so selbstverständlich erscheinen. (vgl. Breyer/Kolmar 2014, S. 28) Die nachfolgenden Ausführungen möchten nicht dem Anspruch einer theoretischen Begründung auf der Metaebene genügen, sondern dienen vielmehr dazu, theoretische Grundlagen für spätere Analysen des ethisch-gesellschaftlichen Status-quo zu schaffen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Übersicht über Gerechtigkeitstheorien, Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung Breyer/Kolmar 2014, S. 29.

Wie die Abbildung zeigt, können der oft getätigten Unterscheidung zwischen konsequentialistischen und deontologischen Ansätzen noch weitere Differenzierungen durchgeführt werden. Im Folgenden werden die Theorien der umrahmten Wissenschaftler kurz beschrieben. Den Ansätzen ist jeweils gemein, dass sie einer qualitativen Basis und einer verbundenen Wertung entspringen. Welfaristische, mathematischen Theorien, die vor allem im Frankreich des 18. Jahrhunderts ihren Ursprung haben und beispielsweise von Arrow weiterentwickelt wurden, werden hier nicht näher betrachtet. (vgl. Sen 2012, S. 103) Sie werden im temporalen Kontext noch komplexer als sie in der statischen Analyse ohnehin schon sind und verlieren zusätzlich an Aussagekraft.

2.2.1 Die Anspruchstheorie Robert Nozicks

Dem deontologischen Dogma folgend führt Nozick in seinem Hauptwerk „Anarchy, State, and Utopia“ aus, dass nur gerecht sein kann, was rechtmäßige Grundlage hat .(vgl. Shearmur 2006, S.33) Dabei liegt Nozick mit seiner Argumentation nicht weit entfernt von John Locke und dem Schöpfer der als Prototyp für deontologische Ethik geltenden Schriften, Immanuel Kant. (vgl. Breyer/Kolmar 2014, S. 31) Die Ansichten von Nozick sind sehr liberalistisch, da sie den Pluralismus betonen und das Recht eines jeden Individuums in den Vordergrund stellen, die eigenen Zielen zu folgen. Interessant sind auch die Konsequenzen dieser Postulate. Wenn eine gerechtfertigte Transaktion nur im Falle einer rechtmäßigen Aneignung von Gütern (Gerechtigkeit beim Erwerb) oder eines freiwilligen Tausches (Gerechtigkeit beim Überlassen) vorliegt, sind beispielsweise unfreiwillige Transferzahlungen illegitim. (vgl. Gregori 1979, S. 18) Daraus folgt Nozicks Plädoyer für einen Nachtwächterstaat, der sich, außer bei der Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicherheit, nicht in die Belange seiner Bürger einzumischen hat. Aus intertemporaler Sicht ist besonders interessant, dass durch die genannten Prämissen auch eine Steuer auf vererbtes Vermögen nicht gerechtfertigt ist. Dieses Thema wird in der Arbeit später noch aufgegriffen werden. Die Schwäche des Ansatzes liegt in dessen Unvollständigkeit hinsichtlich der initialen Aneignung der Güter, was schlussendlich einen infiniten Regress induziert. (vgl. Breyer/Kolmar 2014, S. 39) Eine interessante Tatsache stellt die räumliche und zeitliche Verbindung zum ebenfalls in Harvard wirkenden John Ralws dar. (vgl. Shearmur 2006, S. 34) Das Werk Nozicks lässt sich hinsichtlich der Rawls`schen Theorie und dessen Fiktion vom Schleier des Nichtwissens mindestens als kritisch, wenn nicht gar in einigen Punkten als diametral opponierend interpretieren.

2.2.2 Die liberale Gesellschaft nach Hayek

Die von Hayek prononcierte „Anmaßung von Wissen“ ist gleichbedeutend mit seiner Argumentation für eine marktbasierte Wirtschaft, deren Ergebnis allerdings in einzelnen Fällen korrigiert werden darf. (vgl. Streit 2014, S. 382) Da nur jedes Individuum seine eigenen Bedürfnisse perfekt kennt, sind die Kosten für eine gezielte Planung der Wirtschaftsaktivitäten zu hoch. Wichtiges Element dieser Theorie ist die Gleichheit der Freiheitsrechte für alle Bürger, die durch die Übertragung des Zwangsmonopols1 auf den Staat geschützt werden sollen. (vgl. Breyer/Kolmar 2014, S. 41) Aus intertemporaler Perspektive lässt diese Theorie zumindest die Möglichkeit offen, ein mögliches Marktversagen zu beheben. Die Hürden für einen derartigen Eingriff lägen aber wohl relativ hoch, da die Entscheidungsträger von heute genauso wenig über die Bedürfnisse der nächsten Generation wissen, wie über die ihrer Zeitgenossen und eine Abschätzung selbiger nicht nur unendlich teuer, sondern sogar unmöglich wäre. Auf der anderen Seite hebt Hayek den Prozess der kulturellen Evolution des Menschen hervor. Ein hieraus resultierender Diskurs zwischen den Individuen könnte beispielsweise eine veränderte Präferenzstruktur zur Folge haben, aus der wiederum ein neues Marktgleichgewicht oder eine hinreichende Begründung für ein benötigtes Korrektiv folgen könnte. (vgl. Breyer/Kolmar 2014, S. 40) Das Argument, dass das Überlassen der Zwangsrechte an den Staat und die Einhaltung dessen Regeln eine freie Entscheidung darstellen, die etwa durch Auswandern verhindert werden kann, kann zusätzlich als Argument für einen gewissen staatlichen Gestaltungsspielraum ins Feld geführt werden.

2.2.3 Verwirklichungschancen nach Amartya Sen

Zentraler Aspekt der Beurteilung Gerechtigkeit bei Sen sind die Verwirklichungschancen des Individuums. Rein monetäre Kriterien sind demnach aus mehreren Gründen ein schlechter Maßstab für die Beurteilung von Gerechtigkeit. Zum einen aufgrund der Schwankungen, welchen das Einkommen vieler Menschen unterworfen ist. Zum anderen, weil ein bloßes abstellen auf direkt in Geld messbare Faktoren ein unvollständiges Ergebnis indizieren. (vgl. Kuklys 2005, S. 11) Da sich Menschen in ihren Bedürfnissen unterscheiden, muss eine Aussage über den Wohlstand auch unterschiedliche, multivariate, individuelle Gesichtspunkte inkludieren. (vgl. Kuklys 2005, S. 5) Auch kritisiert Sen den Nutzenbegriff der Wirtschaftswissenschaften als unscharf, da verschiedene Gesichtspunkte wie Glück, Lebenssinn etc. darunter subsumiert werden können. (vgl. Breyer/Kolmar 2014, S. 44) Vielmehr sollten die Verwirklichungschancen des Individuums zur Bewertung herangezogen werden. (vgl. Kuklys 2005, S. 17) Hierin lässt sich die konsequentialistische Grundphilosophie von Sen erkennen und mannigfaltige intertemporale Interpretationsspielräume identifizieren. Es können zwar niemals Aussagen über eine etwaige Erhöhung der Gesamtwohlfahrt getroffen werden, da die Nutzen der Individuen unvergleichbar sind und Sen den nicht-Welfaristen zugeordnet wird. Jedoch kann angenommen werden, dass sich die individuellen Verwirklichungschancen im letzten Jahrhundert im Durchschnitt für alle Individuen zum Positiven verändert haben. Ginge man davon aus, dass zukünftige Generationen durch den menschlich verursachten Klimawandel oder übermäßigem Ressourcenverbrauch geringere Verwirklichungschancen haben, ließen sich hier Argumente für eine intertemporale Ungerechtigkeit nach Sen finden.

2.2.4 John Rawls` Schleier des Nichtwissens

Nicht nur das von Rawls verfasste und 1971 erschiene Werk „A Theory of Justice“ beinhaltet eine Reihe von wissenschaftlich und gerechtigkeitstheoretisch kontrovers diskutierten Ansätzen. Rawls Ansätze werden auch für eine Reihe von zum Teil auch gegenläufigen Strömungen als Argumentationsbasis verwendet. Klare Argumente für eine kontraktualistische Gesinnung erbring Rawls selbst, indem er seine Schriften als Verallgemeinerung der Vertragstheorien von Locke und Kant einordnet. (vgl. Roudaut, M. 2018, S. 45) Im begründungstheoretischen Sinne ist Rawls jedoch kein Kontraktualist, weil er dem strikten kontraktualistischen Dreischritt zwar folgt, diesen jedoch nur für einen größeren Begründungszusammenhang instrumentalisiert. (vgl. Breyer/Kolmar 2014, S. 50) Dieser besteht wiederum darin, die Individuen in einen fiktiven Urzustand des Nichtwissens über ihre eigenen Fähigkeiten und ihre Stellung in der Gesellschaft zu bringen. In diesem ist es laut Rawls möglich, einen durch Diskurse gefestigten, fairen Grundkonsens zu generieren, der durch Institutionen gefestigt und sichergestellt wird. (vgl. Roudaut, M. 2018, S. 47) Hierbei liegt deshalb eine konsequentialistische Theorie vor, da die möglichen Konsequenzen verschiedener Verteilungen von Einkommen, Vermögen aber auch Fähigkeiten durch das vorgeschlagene Verfahren in den Vordergrund gerückt und zur Disposition gestellt werden. Interessant ist die enge Korrespondenz zu dem als universellen Gerechtigkeitsgrundsatz bezeichneten und in Art. 3 Abs. 1 des deutschen Grundgesetzes zementierten Gesetz „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“. (Grundgesetz 1949/2015 Art. 3 Abs. 1) Aus intertemporaler Sicht ließe sich der Schleier des Nichtwissens insofern verdichten, als dass die Individuen auch zusätzlich keinerlei Informationen über die Zeit haben, in die sie hineingeboren werden. So würden diese nach Rawls die Rahmenbedingungen derlei gestalten, dass diese für alle Generationen gerecht wären. So ließen sich anders als z.B. Hayek zwar Eingriffe in den Markt und resultierende veränderte Gleichgewichte problemlos rechtfertigen, jedoch stößt das Modell mit dem technischen Fortschritt an seine Grenzen. Rahmenbedingungen müssten in regelmäßigen Abständen neu ausgehandelt werden, sodass sich der Schleier des Nichtwissens de facto nur auf einen nicht definierten Zeitraum erstrecken würde. Gerechtigkeit nach Rawls ließe sich bei Indifferenz verschiedener Individuen hinsichtlich der von ihnen präferierten Zeitepoche oder Generation postulieren, in welche sie hineingeboren werden.

3. Implikationen lokaler und globaler Trends

Definitorisch ist zunächst zu klären, ab wann ein globaler Trend mit Auswirkungen auf die Verteilungsgerechtigkeit oder das Gerechtigkeitsempfinden vorliegt. Hier wird davon ausgegangen, dass eine Entwicklung genau dann global ist, wenn sie sich über einen hinreichenden Zeithorizont für eine signifikante Anzahl an Ländern über den ganzen Globus hinweg bestätigt hat oder die Auswirkungen global sind. Dabei sind verschiedene Trends nicht losgelöst voneinander zu betrachten und deshalb auch nicht als rein binär, also positiv oder negativ zu bewerten. Auch können sich aus intertemporaler Perspektive Entwicklungen, die in Richtung Vergangenheit noch mit einer positiven Rückkopplung auf Aspekte der Gerechtigkeit assoziiert waren, in der Zukunft umkehren. Namentlich ist nicht definierbar, ab wann etwa die Grenzkosten der Globalisierung die Grenzerlöse übersteigen und der weltweite Handel durch den Ressourcenverbrauch und die resultierenden Emissionen als ein externer Effekt tituliert werden kann. (vgl. Breyer/Kolmar 2014, S. 168)

3.1 Demografische Entwicklungen

Um einen Bezug der demografischen Entwicklung auf die intertemporale Gerechtigkeit herzustellen, kann aus der Perspektive dreier Wirkungsrichtungen argumentiert werden. Die erste bezieht sich auf den Arbeitsmarkt, die zweite auf die Verteilungsfrage in einem Sozialstaat und die dritte auf die Verfügbarkeit von Ressourcen und verbunden ökologische Gesichtspunkte. Die beiden ersten Aspekte sind eher lokal zu betrachten, die Frage nach der Ressourcenverfügbarkeit ist in einer global verflochtenen Welt eher aus international Sicht zu behandeln und rechtfertigt eine eingehendere Untersuchung als sie dieser Stelle möglich ist. Migration als Folge von Ungleichgewichten auf den lokalen Arbeitsmärkten resultierend aus demografischen Gegebenheiten werden an dieser Stelle ebenfalls nicht weiter betrachtet. Bei der folgenden Darstellung der Altersstrukturen in Deutschland (Abbildung 4) wurde für das Jahr 2060 eine moderate Annahme für die Geburtenhäufigkeit, die Lebenserwartung sowie den Wanderungssaldo angenommen. Die globale demografische Singularität manifestiert sich in der Tatsache, dass ein um 1960 geborener Mensch sogar Chancen gute hat in seiner Lebenszeit eine Verdreifachung der Erdbevölkerung zu erleben. Lebten im Jahr 1960 noch ca. drei Milliarden Menschen auf der Erde, werden es im Jahr 2040 wohl erstmals neun Milliarden und im Jahr 2060 laut Prognosen zehn Milliarden sein. (United Nations 2019) Hier zeigt sich die enge Verflechtung zwischen der Demografie und dem ebenfalls intertemporal relevanten Problem der Ressourcenverfügbarkeit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Prognostizierte demografische Entwicklung in Deutschland, Quelle: https://service.destatis.de/bevoelkerungspyramide/#!y=2060&v=2.

3.1.1 Konsequenzen für den Arbeitsmarkt

Aufgrund der Altersstruktur in Deutschland scheint eine Abnahme der absoluten Zahl der Erwerbs-tätigen in Deutschland unumgänglich. So wird davon ausgegangen, dass der Anteil der Menschen zwischen 20 und 67 Jahren von 62,5% im Jahr 2018 auf bis zu 53,8% im Jahr 2060 sinken könnte. (vgl. Statistisches Bundesamt 2019, S. 9) Hiermit ginge auch eine drastische Reduzierung des Potenzials an erwerbsfähigen Menschen einher. Da wohl auch die absolute Anzahl an erwerbstätigen Personen sinken wird, muss die Produktivität der verbliebenen Arbeitskräfte ceteris paribus steigen, um ein gleichbleibendes BIP pro Kopf zu finanzieren. Manche Studien berechnen die Wachstumseinbußen in Bezug auf das BIP pro Kopf für die Schweiz, wo ähnliche demografische Effekte zu beobachten sind, auf bis zu 11%. (vgl. Bill-Körber/Eichler 2019, S. 35) Effekte wie der zunächst noch positive Produktivitätseffekt aus der Alterung der Arbeitskräfte bis ca. zum Jahr 2033 oder der Nachfrageeffekt der Alterung auf Konsum und Bau sind hier sogar schon eingepreist. Nach dem Modell würden die negativen Wachstumseffekte der Demografie noch bis zum Jahr 2065 überwiegen. (vgl. Bill-Körber/Eichler 2019, S. 36) Durch hohe Zuwanderungsraten sowie die Erhöhung des Rentenalters im Jahr 2040 und eine höhere Erwerbsbeteiligung könnte der Effekt zwar reduziert werden, jedoch stünde noch immer ein Wachstumsverlust von über 8% des BIP pro Kopf zu Buche. (vgl. Bill-Körber/Eichler 2019, S. 36) Die als die „Millenials“ bezeichneten Jahrgänge zwischen ca. 1981 und 2000 fanden und finden so zu Beginn ihres Arbeitslebens eine Wirtschaft in gutem Zustand vor, dieser wird aber unter den gegebenen Voraussetzungen für sie schwieriger zu halten oder sogar auszubauen sein. (vgl. Blain 2008, S.13) Diese Situation lässt sich auf andere Länder in Europa übertragen. (vgl. Murphy, S. 278) An dieser Stelle wirft sich aus gerechtigkeitstheoretischer Sicht die Frage nach der ungeklärten indirekten Reziprozität dieser historisch bisher einmaligen Konstellation auf, die im nächsten Abschnitt diskutiert wird.

3.1.2 Beurteilung von Rentensystemen im Kontext der Demografie

Wie im zweiten Kapitel angedeutet gibt es schon grundsätzliche Auffassungen dahingehend, ob und wie Transferzahlungen eingeführt, umgesetzt und gerechtigkeitstheoretisch begründet werden können. Dementsprechend vielfältig sind auch die Ausgestaltungen der Rentensysteme in verschiedenen demokratischen Staaten. Während Länder wie Australien, Großbritannien, die Niederlande, Canada oder Island eine weitestgehend beitragsunabhängige Einheitsrente implementiert haben, setzen andere Staaten auf eine Grundrente, die sich proportional mit dem in die Rentenkasse eingezahlten Betrag erhöht. Darunter Länder wie Frankreich, Schweden, Belgien, Tschechien oder Finnland. (vgl. Breyer/Hupfeld 2009, S. 369) In der Schweiz, Island oder auch den USA steigen die Renten unterproportional zu den eingezahlten Beiträgen. (vgl. Breyer/Hupfeld 2009, S. 369) Natürlich sind die einzelnen Systeme trotzdem unterschiedlich, von der konkreten Ausgestaltung des Sozial- bzw. Arbeitsrecht abhängig und müssten in einer detaillierteren Ausführung einzeln betrachtet werden. Jedoch lassen sich bereits durch diese kurze Differenzierung unterschiedliche zugrundeliegende Paradigmen differenzieren. Der Einheitsrente liegt tendenziell das Bedarfsprinzip zugrunde. Dieser wird außerdem mit dem libertären Gedanken verknüpft, dass jeder Bürger darüber hinaus selbst entscheiden kann, wie darüber hinaus für das Alter vorgesorgt werden kann. In einem 1992 mit US-amerikanischen Studenten und unter dem Rawlsschen Schleier des Nichtwissens durchgeführten Experiment zur Verteilung von Einkommen, wurde mit Abstand das Prinzip der „Maximierung des Durchschnittseinkommens bei Gewährung eines Mindesteinkommens“ präferiert. (vgl. Breyer/Kolmar 2014, S. 49) Dieses Versuchsergebnis kann unter der Einschränkung der kulturellen Prägung der Studenten und der fehlenden Aussage über die Zahlungsmodalitäten für das Rentensystem auch als Plädoyer für das dargestellte Rentensystem interpretiert werden.

Systemen mit einer unterproportionalen Rentensteigerung liegt primär auch eine redistributiver Gedanke zugrunde. Dagegen wird in Deutschland oft vom Grundprinzip der Teilhabeäquivalenz gesprochen. (vgl. Breyer/Hupfeld 2009, S. 372) Dieses Prinzip ist dem Leistungsprinzip näher als dem Bedürfnisprinzip und spricht jedem Beitragszahler einen Auszahlungsbetrag gemäß seiner Einzahlungshöhe zu. Allerdings ist das propagierte Ziel der intergenerativen Verteilungsneutralität genauso verletzt wie das Prinzip der Aufrechterhaltung der Einkommenshierarchie, da vor allem die Lebenserwartungen verschiedener Bevölkerungsgruppen unterschiedlich sind. (vgl. Breyer 2013, S. 117) Ein weiteres Problem ist die zeitliche Dimension der Beitragseinzahlungen, welche aufgrund divergierende Beitragssätze auch unterschiedliche Rentenansprüche indizieren kann. (vgl. Breyer 2013, S. 117) Im Detail wurde das deutsche Rentensystem immer wieder reformiert, jedoch lässt u.a. sich kritisch hinterfragen, ob die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren gerecht ist. (vgl. Fehr 2014, S. 4) Auch das Verwenden des Rentenniveaus als Indikator für ein generationengerechtes Rentensystem kann an dieser Stelle angezweifelt werden, obwohl dieser Begriff sogar im Sozialgesetzbuch Einklang findet. (vgl. SGB VI, §154 Abs. 3) Um das Nettorentenniveau aufrechtzuerhalten, d.h. die Renten nach Steuern weiterhin gleich stark wie die Löhne steigen zu lassen, werden in Zukunft extreme Belastungen auf die Generation der Millenials zukommen. Berechnungen gehen davon aus, dass der Rentenversicherungsbeitragssatz selbst bei einem Absinken des Rentenniveaus auf knapp über 40% im Jahr 2060 um ca. 5% steigen müsste, um die Renten aus der Kasse zu finanzieren. (vgl. Fenge 2019, S. 6) Aus dieser Argumentation heraus lassen sich die Beitragssenkungen der vergangenen Jahre ebenso wenig nachvollziehen wie die Forderungen aus diversen politischen Lagern das Rentenniveau gar anzuheben und für einen langfristigen Zeitraum festzuschreiben. Es bleibt festzuhalten, dass Rentensysteme intertemporal hoch komplexe Konstrukte sind, die nicht nur auf ihren Grundsätzen und Gerechtigkeitsannahmen fußen, sondern primär auch Bedürfnisse wie das langfristige Vertrauen oder Transparenz befriedigen müssen. Ihre Ausgestaltung hängt wiederum von komplexen demokratischen Wechselwirkungen ab, deren negative Nebenaspekte sicherlich in der kurzfristigen Ausrichtung oder dem Abzielen der Politik auf demografisch zahlenmäßig überlegene Jahrgänge und Generationen existieren. Aus Sicht der Gerechtigkeitstheorie kann der Fokus der deutschen Rentendebatte als konsequentialistisch geprägt bezeichnet werden. Das System als solches fände weder durch Nozick noch von Hayek ausschließlich Zuspruch. Auch aus der Perspektive von Rawls ist die Situation kritisch zu beurteilen. Eine integrale Interpretation könnte das Ergebnis liefern, dass es zumindest unsicher ist ob die heute junge Generation wirklich eine faire Möglichkeit besitzt ihren Nachkommen eine Welt zu überlassen, die nach Rawls als Äquivalent zu der ihr überlassenen steht. (vgl. Rawls 1971, S. 257) Diese fast schon philosophische Frage findet auch im nächsten Kapitel explizit Einklang.

[...]


1 nicht immer lag das Handelsrecht in staatlicher Hand. Die Lex Meracatoria zur Durchsetzung von Verträgen und Eigentum wurde in Europa erst nach und nach auf den Staat übertragen (vgl. Breyer/Kolmar 2014, S.355).

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Gerechtigkeit in der Wirtschaftspolitik und -ethik. Implikationen lokaler und globaler Trends
Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
52
Katalognummer
V540672
ISBN (eBook)
9783346170330
ISBN (Buch)
9783346170347
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gerechtigkeit, implikationen, trends, wirtschaftspolitik
Arbeit zitieren
Marcel Spiegelhalter (Autor), 2020, Gerechtigkeit in der Wirtschaftspolitik und -ethik. Implikationen lokaler und globaler Trends, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540672

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