Diese Arbeit beschäftigt sich mit den bundesweit geltenden Rahmenpläne (RP), die einen empfehlenden Charakter haben und den Anspruch verfolgen, die Pflegeausbildung bundeseinheitlich zu gestalten.
Es wird zunächst auf die formale Gestaltung der RP eingegangen, bevor Aussagen zum Entstehungsprozess getroffen werden. Im Anschluss wird die pädagogische Orientierung bzw. didaktisch-methodische Gestaltung der generalistischen Pflegeausbildung, sowie die Art und das Ausmaß der Festlegungen und deren Begründungszusammenhang thematisiert. Es folgen die Organisation der generalistischen Pflegeausbildung und eine zusammenfassende Bewertung der pädagogischen Orientierungsfunktion der RP.
Im zweiten Teil der Arbeit wird die Relevanz der Interprofessionalität in der Pflege untersucht. Den Abschluss bilden Vorschläge für die Revision der RP hinsichtlich der Interprofessionalität.
Inhaltsverzeichnis
1. Analyse des Ordnungsmittels „Rahmenpläne der Fachkommission nach § 53 PflBG (2019)“
1.1 Formale Gestaltung
1.2 Aussagen zum Entstehungsprozess der RP
1.3 Pädagogische Orientierung bzw. didaktisch-methodische Gestaltung der generalistischen Pflegeausbildung
1.4 Art und Ausmaß der Festlegungen und deren Begründungszusammenhang
1.5 Organisation der generalistischen Pflegeausbildung
1.6 Zusammenfassende Bewertung der pädagogischen Orientierungsfunktion der RP
2. Interprofessionalität
2.1 Relevanz der Interprofessionalität in der Pflege
2.2 Interprofessionalität in den RP
2.3 Vorschläge für die Revision der RP hinsichtlich der Interprofessionalität
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie dem Bundesministerium für Gesundheit im August 2019 veröffentlichten „Rahmenpläne der Fachkommission nach § 53 PflBG“ einer kritischen Analyse zu unterziehen. Dabei wird insbesondere untersucht, wie formal, didaktisch und strukturell die generalistische Pflegeausbildung gestaltet ist und welche Rolle das Thema Interprofessionalität innerhalb dieser neuen Ordnungsmittel einnimmt.
- Kritische Analyse der formalen und didaktischen Struktur der neuen Rahmenpläne
- Untersuchung der Entstehungsprozesse und pädagogischen Kernkonzepte
- Evaluation des Stellenwerts von Interprofessionalität im pflegerischen Alltag
- Diskussion der praktischen Umsetzbarkeit und der Herausforderungen für die Pflegeausbildung
- Formulierung von Empfehlungen für zukünftige Revisionen der Rahmenpläne
Auszug aus dem Buch
1.3 Pädagogische Orientierung bzw. didaktisch-methodische Gestaltung der generalistischen Pflegeausbildung
Folgende didaktischen Konzepte bilden den Kern der RP:
• Kompetenzorientierung
• „Entwicklungslogik“ bzw. spiralförmiges Curriculum
• damit eng verbunden die Handlungsorientierung als Sonderform der Situationsorientierung
• Pflegeprozess als Grundstruktur
• vorbehaltene Tätigkeiten
Schauen wir uns diese didaktischen Kernstücke der RP mal der Reihe nach an:
Kompetenzorientierung: Die Zeiten, in der man mit drei oder vier Kompetenzen durchs pflegerische Berufsleben gelangte, sind nun wohl endgültig vorbei. Lauber hatte noch 2012 die berufliche Handlungskompetenz in drei Kompetenzen zerlegt, die Fach- und Methodenkompetenz, die Sozialkompetenz und die personale Kompetenz (vgl. Lauber 2012, zit. n. Schewior-Popp 2017, S. 40). Nun aber bestimmen die Anlagen 1 – 4 der PflAPrV die Kompetenzen, die die Lernenden im Laufe ihrer Ausbildung erwerben sollen. Laut PflAPrV sollen die SuS bis zur Zwischenprüfung nach zwei Ausbildungsdritteln 78 Kompetenzen erworben haben (Anlage 1); die Pflegefachpersonen sollen über 84 Kompetenzen verfügen (Anlage 2) und die Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen sowie die Altenpfleger/innen über jeweils 85 Kompetenzen (Anlage 3 & 4). Dabei sind die Kompetenzen so formuliert, so dass man sie auch als Zielsetzungen verwenden könnte. Die Kompetenzen aus den Anlagen der PflAPrV tauchen in den RP wieder auf, und zwar zugeordnet zu den curricularen Einheiten, zu denen sie thematisch passen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Analyse des Ordnungsmittels „Rahmenpläne der Fachkommission nach § 53 PflBG (2019)“: In diesem Kapitel wird das Dokument formal und inhaltlich untersucht, wobei die Struktur, der Entstehungsprozess und die didaktischen Grundkonzepte kritisch beleuchtet werden.
2. Interprofessionalität: Dieses Kapitel erörtert die Bedeutung der interprofessionellen Zusammenarbeit in der Pflege, analysiert deren explizite Darstellung in den Rahmenplänen und bietet konkrete Verbesserungsvorschläge für zukünftige Überarbeitungen.
Schlüsselwörter
Pflegeausbildung, Rahmenpläne, PflBG, Interprofessionalität, Kompetenzorientierung, Curriculumentwicklung, Handlungsfähigkeit, Pflegeprozess, Berufsreform, Pflegewissenschaft, Ausbildungsqualität, Bildungsplanung, Fachkommission, Kompetenzbereiche, interprofessionelles Team
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die im August 2019 veröffentlichten Rahmenpläne für die generalistische Pflegeausbildung in Deutschland hinsichtlich ihrer Struktur, didaktischen Ausrichtung und Einbindung des Konzepts Interprofessionalität.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die formale Gestaltung der Rahmenpläne, deren didaktische Fundierung (z.B. Kompetenzorientierung, Entwicklungslogik), die Organisation der Ausbildung sowie die Rolle und Potenziale der interprofessionellen Zusammenarbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist eine kritische Bewertung der neuen Rahmenpläne, um zu verstehen, wie diese die Ausbildung der Pflegefachpersonen bundesweit prägen und wo bei der Umsetzung oder inhaltlichen Tiefe Nachbesserungsbedarf besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Dokumentenanalyse der offiziellen Rahmenpläne und der zugrunde liegenden gesetzlichen Bestimmungen (PflBG, PflAPrV), ergänzt durch Literaturrecherchen und Erkenntnisse aus Fachfachtagungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der formalen und pädagogischen Aspekte der Rahmenpläne sowie eine spezifische Untersuchung zur Relevanz und Umsetzung der Interprofessionalität in der Pflege.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist primär durch Begriffe wie Generalistische Pflegeausbildung, Rahmenpläne, Kompetenzorientierung, Interprofessionalität und Curriculumentwicklung geprägt.
Wie bewertet der Autor die „Entwicklungslogik“ innerhalb der Rahmenpläne?
Der Autor steht diesem Konzept skeptisch gegenüber und bezeichnet es als „Monsterwort“, das von einem einseitigen Fortschrittsglauben geprägt ist und die komplexen, oft nicht-linearen Lernprozesse des Menschen zu stark vereinfacht.
Welche Rolle nimmt der Pflegende laut den Rahmenplänen im Team ein?
Dem Pflegenden wird innerhalb des interprofessionellen Teams vor allem die Rolle des Vermittlers und Fürsprechers der Patienten zugeschrieben.
Warum ist Interprofessionalität laut Autor bereits „nichts Neues“?
Der Autor argumentiert, dass eine enge Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen in der Praxis längst etabliert ist (z.B. Austausch mit Physiotherapeuten, Ärzten), auch wenn der Begriff selbst erst in jüngerer Zeit stärker in den Fokus wissenschaftlicher Diskurse gerückt ist.
- Quote paper
- Markus Hieber (Author), 2020, Analyse der Rahmenpläne für die generalistische Pflegeausbildung in Hinblick auf Interprofessionalität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540899