„Wer zum ersten Mal einen Blick in das BGB1 wirft, wird enttäuscht sein. Die Sprache ist antiquiert, die Sätze sind kompliziert und die Begriffe abstrakt. Der Laie hat Schwierigkeiten das Gemeinte zu verstehen. Das BGB erhebt auch gar nicht den Anspruch, anschaulich und volkstümlich zu sein: es spricht nicht zum Bürger, sondern zum Juristen; es ist von Juristen für Juristen gemacht.“ (Bürgerliches Gesetzbuch 2002, S. XI). Die Sprache in Rechtstexten ist zwar Allgemeinsprache, weist aber Besonderheiten auf, die für den Laien zum erschwerten Verstehen beim Lesen - von beispielsweise Gesetzen - führen. Diese Hausarbeit soll sich mit der juristischen Sprache auseinandersetzen. Außerdem soll erklärt werden, in wieweit es sich bei der Rechtssprache um Texte der Fachsprache handelt. Es soll weiterhin darauf eingegangen werden, wie der professionelle Umgang mit Gesetzestexten durchgeführt wird und wie die Sprachwissenschaft der Rechtsprache gegenüber steht. Analysiert wird außerdem der § 622 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB).
1 Bürgerliches Gesetzbuch
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
1 Sprachwissenschaftliche Betrachtung von Fachsprache
1.1 Definition von Fachsprache
1.2 Zuordnung der Rechtssprache in die Fachsprache
1.3 Juristische Auslegung von Gesetzestexten
2 Analyse des § 622 BGB
2.1 Textualität und Textkohärenz
2.2 Grammatikalische Besonderheiten und besondere Formulierungen im § 622 BGB
II Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die linguistische Einordnung der Rechtssprache als Fachsprache und beleuchtet die besonderen Anforderungen an das Textverständnis juristischer Regelungen. Anhand des § 622 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) wird analysiert, wie sprachliche Merkmale wie Kohärenz, Intertextualität und spezielle grammatikalische Strukturen die Anwendung und Auslegung von Gesetzestexten prägen.
- Definition und Merkmale von Fachsprachen in der Sprachwissenschaft
- Methoden der juristischen Auslegung von Gesetzestexten
- Analyse der Textkohärenz und Intertextualität am Beispiel des § 622 BGB
- Untersuchung grammatikalischer Besonderheiten in Rechtstexten
- Diskussion des Paradoxons der Rechtssprache als „Sonderfall“ der Fachsprache
Auszug aus dem Buch
1.1 Definition von Fachsprache
In der Sprachwissenschaft wird sich intensiv mit der Fachsprachenforschung auseinandergesetzt. Neben erschienener Literatur, wurde die Thematik auf nationalen und internationalen Tagungen, Konferenzen sowie Symposien behandelt (vgl. Fluck 1991, S. 9). Es handelt sich außerdem um einen Gegenstand der Sprachwissenschaft, der in vielfältiger Weise und auch in den Medien öffentlich diskutiert wird (Möhn/Pelka 1984, S. 1).
Sicherlich wird in der Literatur auch behauptet, dass es für die Fachsprache keine anerkannte Definition gibt: „Der Terminus Fachsprache ist, so einfach gebildet und so verständlich er zu sein scheint, bis heute nicht gültig definiert.“ (Fluck 1991, S. 11). Dies wird aufgrund der Tatsache behauptet, das Fachsprache als Gegensatz zur Gemeinsprache gesehen wird und diese selber nicht ausreichend definiert sei (vgl. Fluck 1991, S. 11). Dabei gibt es zahlreiche Varianten für Definitionen, die auch in der Sprachwissenschaft als Grundlage genutzt werden2.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der verständlichen Sprache in Gesetzestexten ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Rechtssprache linguistisch einzuordnen und den § 622 BGB zu analysieren.
1 Sprachwissenschaftliche Betrachtung von Fachsprache: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Fachsprachenforschung, definiert die Fachsprache und diskutiert kritisch, inwieweit die Rechtssprache als solche klassifiziert werden kann.
1.1 Definition von Fachsprache: Hier werden verschiedene wissenschaftliche Ansätze zur Begriffsbestimmung von Fachsprache dargelegt und die Abgrenzung zur Gemeinsprache problematisiert.
1.2 Zuordnung der Rechtssprache in die Fachsprache: Dieses Kapitel prüft, ob die Rechtssprache die Kriterien einer Fachsprache erfüllt, wobei insbesondere der „Sonderstatus“ und die paradoxe Natur der juristischen Sprache erörtert werden.
1.3 Juristische Auslegung von Gesetzestexten: Hier werden die vier klassischen juristischen Auslegungsmethoden – grammatisch, systematisch, historisch und teleologisch – vorgestellt.
2 Analyse des § 622 BGB: Der Hauptteil konzentriert sich auf die praktische linguistische Untersuchung des § 622 BGB hinsichtlich seiner Textstruktur und Kohärenz.
2.1 Textualität und Textkohärenz: Dieses Kapitel untersucht, wie der gewählte Paragraph durch Verknüpfungen und textsortentypische Merkmale als kohärenter Text konstituiert wird.
2.2 Grammatikalische Besonderheiten und besondere Formulierungen im § 622 BGB: Hier werden syntaktische Auffälligkeiten wie die ausschließliche Verwendung von Aussagesätzen, Passivkonstruktionen und der Einsatz von Modalverben analysiert.
II Schlusswort: Das Schlusswort fasst die Erkenntnis zusammen, dass die Rechtssprache als „Sonderfall der Fachsprachen“ zu betrachten ist, da sie trotz ihrer Fachsprachlichkeit auf die Gemeinsprache zurückgreift.
Schlüsselwörter
Rechtssprache, Fachsprache, BGB, Textkohärenz, Linguistik, juristische Auslegung, Gesetzestext, § 622 BGB, Gemeinsprache, Intertextualität, Grammatik, Sprachwissenschaft, Rechtsbeistand, Normhaftigkeit, Fachsprachenforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die juristische Sprache aus sprachwissenschaftlicher Sicht und untersucht, ob und wie diese als Fachsprache einzuordnen ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Definition von Fachsprachen, die juristische Auslegungslehre und die linguistische Analyse konkreter Gesetzestexte anhand des BGB.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Dilemma der Rechtssprache – ihre Nähe zur Gemeinsprache bei gleichzeitigem Fachsprachencharakter – zu beleuchten und den Aufbau eines spezifischen Paragraphen linguistisch zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die deskriptive linguistische Textanalyse sowie die Auseinandersetzung mit fachwissenschaftlicher Literatur zur Fachsprachenforschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil steht die Analyse des § 622 BGB im Fokus, insbesondere hinsichtlich seiner Textkohärenz, Intertextualität sowie grammatikalischer und syntaktischer Besonderheiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Rechtssprache, Fachsprache, Textkohärenz, juristische Auslegung, Gesetzestext und Linguistik.
Warum wird § 622 BGB als Fallbeispiel gewählt?
Der Paragraph dient als exemplarisches Beispiel für einen Gesetzestext, um sowohl die äußere Struktur (Paragraphen, Absätze) als auch innere Kohärenzmerkmale (Thema-Rhema-Gliederung, Passivkonstruktionen) detailliert zu untersuchen.
Ist die Rechtssprache laut Autorin nun eine Fachsprache?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass es sich um einen „Sonderfall der Fachsprachen“ handelt, da die Sprache zwar dem juristischen Fachbereich dient, aber auf gemeinsprachlichem Wortgut basiert.
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- Annika Fischer (Author), 2003, Analyse von Rechtstexten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54100