Nach der Gründung des neuen Österreichs nach dem Ersten Weltkrieg wagte niemand, die Unabhängigkeit des neuen Staates zu billigen, aber einige Schriftsteller begannen, über die Eigenschaften der Deutschösterreicher in der gefallenen Monarchie zu schreiben.
William M. Johnston unterscheidet zwischen den drei Arten von Aufsätzen, die in den 1920er Jahren geschrieben wurden: Die erste Art Aufsatz wollte den österreichischen Typus legitimieren, die zweite ihn bauen und die letzte satirisch beschreiben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Hugo von Hofmannsthal – Die Bedeutung unseres Kunstgewerbes für den Wiederaufbau
2 Robert Musil – Buridans Österreicher
3 Hans Prager – Der Österreicher
4 Oskar Schmitz – Initiator des Schlagwortes
5 Hugo Hassinger – Die Menschen österreichischer Art
6 Ernst Lissauer – Die Spiritualisierung der Landschaft Österreichs
7 Felix Braun – Die Landschaft
8 Das Österreichertum in den ersten Jahrzehnten der Republik
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Konstruktion und Wahrnehmung des „österreichischen Menschen“ in den 1920er Jahren anhand der Werke sieben ausgewählter Schriftsteller. Dabei wird analysiert, wie diese Autoren die österreichische Identität, die Beziehung zur Landschaft und das Verhältnis von Kultur und Politik in der jungen Ersten Republik konzeptionell neu zu deuten versuchten.
- Analyse des Diskurses über die „österreichische Eigenart“ in der Zwischenkriegszeit.
- Untersuchung der Wechselwirkung zwischen Landschaftswahrnehmung und kultureller Identität.
- Darstellung der Spannungsfelder zwischen staatlicher Kulturpolitik und privater kultureller Entwicklung.
- Vergleich unterschiedlicher Schriftsteller-Positionen zur österreichischen Identität (z. B. Hofmannsthal, Musil, Prager).
Auszug aus dem Buch
3 Hans Prager – Der Österreicher
Hans Prager schrieb in seinem Aufsatz „Der Österreicher“, dass die Darstellung der Menschen und einer Landschaft eine Aufgabe sei, die den Denker anzieht, die aber wissenschaftlich nicht genau zu lösen ist. Prager sprach von der Seele eines Menschen, der in jener Landschaft lebt, und dass die Fülle seines Lebens nur in der Realität verstanden werden könne, in der einzigartige Lebenskräfte ein- und ausströmen. Prager stellte die Frage, wie ein Österreicher beschrieben werden könne, da sich das Leben in Österreich von anderen Staaten unterscheide. Prager definierte Österreich als einen Staat, der sich von Marchfeld bis zum Bodensee erstreckte. Er sagte aber auch, dass Österreich einst an Russland, die Türkei und die Schweiz gegrenzt habe und auch Bayern umfasste. Prager behauptete, dass der Österreicher in eine seltsame Kette von Ereignissen verwickelt sei, und das fange damit an, dass der Österreicher gleichzeitig in zwei seelischen Regionen lebe. Die eine sei die reale und zeitgenössische Welt, die in Bezug auf die Landschaft und Politik klar definiert, besiedelt und lebendig sei. Die zweite sei das schwarz-gelbe Österreich, das in der historischen lebe und als Realität in den Köpfen der meisten Einwohner Österreichs noch präsent sei.
So vermische sich in der gleichen Seele eine bereits mythisch gewordene Geschichte mit einer lebendigen Gegenwart, die noch ohne Geschichte ist, was laut Prager innere Spannungen hervorruft und die Tragödie des österreichischen Menschen verursache und bestätige. Prager schrieb, dass Österreich ein weiteres Schicksal habe, das vernachlässigt werde; dieses Schicksal sei Wien und es stelle sich die Frage, wie diese Stadt aufgrund ihrer offensichtlichen Stärke nicht in der Lage war, sich wie andere Städte auszudehnen? Prager antwortete, dass Österreich und Wien nicht nur diese einzigartige Situation nicht aufrechterhalten und stärken konnten, sondern dass das alte Österreich immer mehr geschwächt und schließlich zerstört wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in den Diskurs über den „österreichischen Menschen“ in den 1920er Jahren und die verschiedenen Aufsatztypen laut William M. Johnston.
1 Hugo von Hofmannsthal – Die Bedeutung unseres Kunstgewerbes für den Wiederaufbau: Analyse von Hofmannsthals Plädoyer für ein „kultiviertes Bäuerliches“ und eine staatliche Kulturpolitik zur Identitätsstiftung.
2 Robert Musil – Buridans Österreicher: Untersuchung von Musils Kritik an der fehlenden österreichischen Kultur und seiner Sicht auf die komplizierte Identitätssuche des Österreichers.
3 Hans Prager – Der Österreicher: Auseinandersetzung mit Pragers These von der „tragischen Sichtweise“ und der seelischen Spaltung des Österreichers zwischen historischem Erbe und Gegenwart.
4 Oskar Schmitz – Initiator des Schlagwortes: Betrachtung von Schmitz’ „Übernationalismus“ und seinen Versuchen, das österreichische Wesen mittels Typologien von den Deutschen abzugrenzen.
5 Hugo Hassinger – Die Menschen österreichischer Art: Analyse von Hassingers Konzept des „Kulturmenschen“ als multiethnischem Vermittler in einem krisengeschüttelten Mitteleuropa.
6 Ernst Lissauer – Die Spiritualisierung der Landschaft Österreichs: Darstellung von Lissauers Wahrnehmung der organischen österreichischen Kultur und ihrer tiefen Verwurzelung in der Landschaft.
7 Felix Braun – Die Landschaft: Untersuchung von Brauns Verbindung zwischen den österreichischen Charakterzügen und der spezifischen Geografie des neuen Staates.
8 Das Österreichertum in den ersten Jahrzehnten der Republik: Synthese der Autorenpositionen zur Trennung von Kultur und Politik sowie zur Entwicklung einer österreichischen Identität außerhalb staatlicher Förderung.
Schlüsselwörter
Österreich, österreichischer Mensch, Identität, 1920er Jahre, Kulturgeschichte, Nationalbewusstsein, Landschaft, Politik, Hugo von Hofmannsthal, Robert Musil, Hans Prager, Oskar Schmitz, Zwischenkriegszeit, Kulturpolitik, Österreichertum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Konstruktion des „österreichischen Menschen“ in den Schriften namhafter Autoren während der 1920er Jahre und hinterfragt, wie diese versuchten, eine nationale Identität für die junge Erste Republik zu definieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentral sind die Themenbereiche nationale Identität, die Rolle der Landschaft für das kulturelle Selbstverständnis, das Verhältnis von Kultur und Politik sowie die Auseinandersetzung mit der deutschen Nachbarschaft.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Neuinterpretation der österreichischen Identität nach dem Ende der Monarchie durch literarische und essayistische Texte aufzuzeigen und die verschiedenen Konzepte der Autoren gegenüberzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine diskursanalytische Untersuchung, die auf der hermeneutischen Interpretation ausgewählter literarischer und politischer Quellen der 1920er Jahre basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich in chronologisch und thematisch gegliederten Kapiteln der Analyse der spezifischen Positionen sieben ausgewählter Autoren, darunter Hofmannsthal, Musil, Prager, Schmitz, Hassinger, Lissauer und Braun.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „österreichischer Mensch“, Identität, Kulturgeschichte, Landschaftswahrnehmung und das Spannungsfeld zwischen der Ersten Republik und dem kulturellen Erbe der Monarchie charakterisiert.
Wie bewerten die Autoren die Rolle Wiens im Vergleich zum restlichen Österreich?
Autoren wie Prager und Schmitz betrachten Wien als das kulturelle Zentrum, dessen Strahlkraft jedoch in einem Spannungsverhältnis zur Provinz steht, wobei Wien als notwendiger Ankerpunkt für die Wahrnehmung des österreichischen Wesens diskutiert wird.
Inwiefern spielt die Unterscheidung zwischen dem „deutschen“ und dem „österreichischen“ Menschen eine Rolle?
Viele der untersuchten Autoren (besonders Schmitz und Hofmannsthal) nutzen diese Abgrenzung, um die spezifische „österreichische Eigenart“ – etwa durch den Kontrast von Intellektualität versus Barock oder Individualität versus Gemeinschaftlichkeit – hervorzuheben.
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- Anonym (Autor), 2020, Der "österreichische Mensch" und die "österreichische Kultur" als politisches Programm, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/541046