"Les rites de passage". Initiation im Christentum


Hausarbeit, 2016

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eine Theorie: Arnold van Genneps 'Les rites de passage'

3. 'Les rites de passage': Initiation im Christentum
3.1. Taufe
3.2. Erstkommunion
3.3. Firmung und Konfirmation

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Hausarbeit befasst sich mit der Frage, inwiefern Taufe, Erstkommunion, Firmung und Konfirmation in die Kategorie der Initiations- und Übergangsriten gehören, welche Arnold van Gennep in seinem Werk 'Les rites de passage' darstellt.

Zur hinreichenden Beantwortung der Fragestellung muss zunächst dargelegt werden, um wen es sich bei der Persönlichkeit Arnold van Gennep handelt. Im daran anschlie­ßenden Schritt wird seine zugrunde liegende Theorie in ihren Kernpunkten erläutert.

Den Hauptteil dieser Ausarbeitung bilden die christlich-religiösen Handlungen, die ein­leitend aufgezählt wurden. Jeder Feierlichkeit ist ein eigenes Unterkapitel zugeordnet, in dem seine wesentlichen Aspekte erklärt werden. Eine Ausnahme bilden hierbei Firmung und Konfirmation, die sich aufgrund ihrer Nähe zueinander ein Kapitel teilen.

Mit der Erklärung, der christlichen Zeremonien ist es jedoch nicht getan. Der wesentli­che Punkt wird es sein, ihre Sinngebung mit van Genneps Theorie in Bezug zu setzen. Erst dadurch ist es zu erfahren, wie die Fragestellung dieser Hausarbeit beantwortet werden muss.

Von der gesamten Betrachtung und Erforschung ausgeschlossen, sind Trauung und Be­stattung, trotz der naheliegenden Annahme, dass auch sie potenzielle Kandidaten für christliche Initiations- und Übergangsriten wären. Der Grund dafür liegt darin, dass der Schwerpunkt dieser Hausarbeit auf Riten liegt, die zur religiösen Mündigkeit führen. In diesem Zusammenhang erscheint die Entscheidung, die Taufe zu erläutern zunächst als unverständlich. Die Taufe ist allerdings Grundvoraussetzung für die Teilnahme an den anderen rituellen Handlungen.

Am Ende der Arbeit steht dann das Fazit mit zusammenfassender Auswertung zu den Ergebnissen, der formulierten Frage. Des Weiteren sollen im Fazit einige Ausblicke auf die zukünftige Entwicklung der genannten Zeremonien des Christentums gegeben wer­den.

Ebenfalls beigefügt, sind ein Literaturverzeichnis und eine Eidesstattliche Erklärung, über die Abfassung dieser Arbeit.

2. Eine Theorie: Arnold van Genneps ’Les rites de passage’

Arnold van Gennep war ein französischer Ethnologe, der von 1873 bis 1957 lebte. Seine heute populäre Monografie 'Les rites de passage' veröffentlichte er im Jahr 19091. Zu seinen Lebzeiten wurde er für dieses Werk von den anderen französischen Gelehrten je­doch nicht anerkannt. Allen voran der renommierte Soziologe Emile Dürkheim2. Dieser war mit van Genneps Ausarbeitungen nicht konform, weil sich dieser nicht an die bishe­rigen Normen und gängigen Theorien hielt. Van Gennep bevorzugte nämlich einen eher religionsethnologischen anstelle von einem religionssoziologischen Ansatz3. Dabei sind die Trennungslinien, aber sehr unscharf, weil beide Herangehensweisen eng beieinander liegen. Der ausschlaggebende Punkt war also vielmehr, dass Arnold van Gennep sein Forschungsfeld derart herausragend klassifizierte und kategorisierte, dass er seine Kol­legen übertrumpfte. Auch heute gilt van Genneps 'Les rites de passage' als ein überaus bedeutendes Grundlagenwerk der Religionsethnologie.

Doch was war es eigentlich, das van Gennep erforschte? Der Titel seines Buches verrät es: Übergangsriten.

Seine Untersuchungen dazu gliederte er in vier erkennbare Schritte. Zum Ersten wäre das, die angesprochene Klassifizierung und Kategorisierung der Riten, die folgenderma­ßen aussieht: Schwangerschaft und Niederkunft Geburt und Kindheit Initiationsri­ten Verlobung und Heirat Bestattung4. Van Gennep hat die Riten demnach lebens­zyklisch gegliedert. Wobei die Initiationsriten herausstechen, da ihnen kein Lebensstadi­um zugeteilt ist. Man kann es allerdings erahnen, da sie zwischen Geburt und Kindheit, sowie Verlobung und Heirat eingeordnet sind. Daher wird ihr Zeitpunkt im Leben offen­sichtlich die Pubertät sein.

Im zweiten Schritt erläutert Arnold van Gennep die Funktion der Riten im Allgemeinen, bevor er spezifisch auf die Riten im Einzelnen eingeht. Ihre allgemeine Aufgabe besteht für ihn darin, dass sie die Dynamik des gesellschaftlichen Lebens abschwächen, oder bestenfalls kontrollieren, sodass die Ordnung der Gesellschaft weiterhin klar strukturiert ist und aufrechterhalten werden kann. Alle Übergänge und Brüche im Leben sind für ihn nämlich eine Gefahr der statischen Gesellschaftsordnung. Die Übergangsriten sind also eine soziale Notwendigkeit, um dieser Gefahr entgegenzuwirken5.

Die Funktion der Initiationsriten soll nun aber noch etwas genauer betrachtet werden.

Vielfach besteht die Annahme, dass die Initiationsriten mit dem Lebensabschnitt der Pu­bertät zusammenfallen. So wurde es auch einige Zeilen zuvor vom Verfasser dieses Tex­tes vermutet und aus der Kapitelgliederung van Genneps Buches hergeleitet. Der deut­sche Ethnologe und Historiker Heinrich Schurtz ist gleichfalls dieser Ansicht, ebenso wie sein amerikanischer Kollege Hutton Webster5. Ihre Aussagen werden jedoch vehe­ment von van Gennep dementiert. Initiation ist nicht zwingend festzusetzen in den Zeit­punkt der Pubertät. Vielmehr gilt es zwischen 'physiologischer Pubertät', sowie 'sozialer Pubertät' zu unterscheiden6. Die 'physiologische Pubertät' tritt bei jedem Menschen in einem anderen Alter ein. Ihr Ende markiert der erste Samenerguss beim Mann und die erste Menstruation bei der Frau. Ab diesen Zeitpunkt sind Mann und Frau zeugungsfä­hig. Allerdings gibt es - wie bereits genannt - große Altersschwankungen dabei, wann diese körperlichen Ereignisse eintreten7. In jedem Fall lässt sich aber festhalten, dass 'physiologische Pubertät' immer an die Geschlechtsreife gebunden ist. Sie markiert den körperlichen Übergang von Kindheit zu Adoleszenz8. 'Soziale Pubertät' meint hingegen die geistige Reife, die das Individuum dazu befähigt in die bestehende Gemeinschaft seiner Gesellschaft aufgenommen zu werden. Mündigkeit ist hierbei das entscheidende Wort9.

Der dritte von Arnold van Genneps vier Gliederungspunkten in 'Les rites de passage' ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Übergangsriten aufzuzeigen. Gemeinsam­keiten oder wenigstens Ähnlichkeiten finden sich vor allem in Initiationsriten und zwar institutions- und kulturübergreifend. Als Beispiel nennt er die vielen gleichen Aspekte bei der Initiation in Geheimbünde oder die Ordination eines Schamanen10. Dennoch überwiegen ansonsten die Unterschiede bei Übergangsriten sehr deutlich. Aus van Gen­neps Sicht sind zwei Trennungen für alle Gesellschaften charakteristisch. Zum einen die geschlechtliche Trennung zwischen Männern und Frauen und zum anderen die Tren­nung zwischen Profanem und Sakralem11. Zudem listet er noch weitere Trennungen auf, die ihm etwas spezieller und komplexer erscheinen. Dazu gehören die Unterscheidun­gen in Religionszugehörigkeit, Kaste, Berufs- und Altersgruppe, Familie und territoria­ le Einheit12. Den Aspekt, den er aber am allerwichtigsten empfindet, bezeichnet er als 'räumlichen Übergang'13. Dieser kann sowohl trennend als auch verknüpfend gesehen werden. Die trennende Tendenz äußerst sich in der räumlichen Trennung, was bedeutet, dass 'räumlicher Übergang' ganz wörtlich gemeint ist. Van Gennep denkt dabei bei­spielsweise an Ghettos, Kinderstuben, oder Frauenzimmer, die man durch einen be­stimmten Übergangsritus verlässt14. Der verbindende Punkt dabei ist, dass diese Vorstel­lung von räumlichen Übergang bei jeder halbwegs zivilisierten Kultur gleich sei15. Au­ßerdem sei es durch diejeweils vorherrschenden Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Übergangsriten am leichtesten, die bestimmte Kultur zu erkennen, die man vor sich hat16.

Der vierte und letzte Punkt, der Arnold van Genneps Werk gliedert, ist es, bestimmte Abfolgeordnungen der Riten aufzuzeigen. Er selbst hat für 'Les rites de passage' den le­benszyklischen Ansatz gewählt. Also die Phasen die von der Geburt bis zum Tod linear aufeinanderfolgen. Allerdings bemerkt er auch, dass es natürlich Völker gibt, bei denen der Lebensverlauf nicht linear, sondern kreisförmig ist. Alle Individuen durchlaufen da­bei immer wieder die gleiche Serie von Übergängen17: Vom Leben zum Tod und vom Tod wieder zum Leben. Als Beispiel wäre dafür 'Samsara' bei den Hindus zu nennen. Des Weiteren wird die Abfolge menschlicher Übergangsriten bei vielen Gruppen mit kosmischen Übergängen in Beziehung gesetzt18. Ein bekanntes Beispiel ist die Ausrich­tung von Ostern nach dem darauffolgenden Sonntag des ersten Frühlingsmondes.

Van Genneps wichtigste Unterteilung - die den bisherigen vier Gliederungsschritten so­gar noch übergeordnet ist - sei nun erst ganz zum Schluss genannt, damit sie für die nachfolgenden Ausführungen am präsentesten bleibt: l.Trennungsriten ('rites de sépara­tion'), 2.Umwandlungsriten ('rites de marge'), 3.Wiedereingliederungsriten ('rites d'agré­gation')20.

3. ’Les rites de passage’: Initiation im Christentum

Die Übergangs-/Initiationsriten sind nach dem linearen Lebensverlauf des Menschen geordnet. Demnach so, wie auch Arnold van Gennep in seiner Theorie zu den 'Rites de passage' verfährt.

Es ergibt sich die Reihenfolge: Taufe, Erstkommunion, Firmung und Konfirmation.

3.1. Taufe

Die Taufe gehört zu den christlichen Sakramenten. Ein Sakrament ist eine sichtbare Handlung, die auf eine unsichtbare Wirklichkeit verweist, nämlich auf die Wirklichkeit Gottes19. Man kann also sagen, dass ein Sakrament nichts anderes ist, als ein Ritus, um den Glauben an Gott äußerlich erkennbar zu machen. Doch ist ein Sakrament gleichsam auch ein Initiations- und Übergangsritus? Für die Beantwortung dieser Frage, soll im Folgenden nun das Sakrament der Taufe erläutert werden.

Die Ursprünge der Taufe leiten sich aus dem Neuen Testament her. Bei jedem der vier Apostel findet sich eine Bibelstelle, die über die Taufe Jesu durch Johannes berichtet20. Johannes trug den Beinamen 'Der Täufer', was darauf hinweist, dass diese Handlung et­was sehr Besonderes war21. Die Wichtigkeit der Taufe äußert sich deshalb auch in vielen bedeutenden Faktoren. Zum einen war sie der Startpunkt für das öffentliche Wirken Jesu22. Darüber hinaus verspricht die Taufe Vergebung der Sünden vor Gottes Gericht und die Gabe des Heiligen Geistes23. Der letzte maßgebliche Faktor ist außerdem, dass die Taufe die Aufnahme in die christliche Gemeinde bedeutet. Paulus betont den „Zu­sammenhang von Taufe und Gemeinde als 'Leib Christi'“. „Die Taufe verbindet unter­schiedliche Menschen unterschiedslos zu 'einem Leib'“24. Die Gemeindebildung geht also überhaupt erst aus der Taufe hervor. Zudem ist sie nicht nur die zwingende Voraus­setzung, um zur Gemeinde der Christen zu gehören, sondern auch dafür, um selbst in seinem Inneren ein Christ zu sein. Der Umkehrschluss ist, dass nur Menschen, die an Christus glauben, getauft werden durften27. Darum geschah die Taufe damals vermutlich meistens erst im Erwachsenenalter25, da Säuglinge noch keinen nachweisbaren Glauben haben können. Dennoch gibt es auch einige Bibelverse, die auch auf eine Säuglingstaufe hindeuten26 und somit sehr widersprüchlich sind. Daraus abzuleiten wäre es nämlich, dass die Taufe ein Geschenk Gottes und der christliche Glaube - den das Kind wie ge­nannt noch nicht haben kann - keine Voraussetzung ist27. Relativiert wird dies jedoch durch die heutige kirchenrechtliche Notwendigkeit, bei der sich Eltern und/oder Paten stellvertretend für das Kind zum christlichen Glauben bekennen müssen. Bekennen sie sichjedoch nicht, oder sind sie keine Mitglieder der christlichen Kirche, dann bleibt nur noch das Eintreten eines Gemeindemitglieds als letzte Lösung für die Ermöglichung der Taufe des Kindes28. Überidies besteht die Verpflichtung für diejeweiligen Stellvertreter, das Kind im christlichen Glauben zu erziehen, sodass es diesen bei der Firmung oder Konfirmation selbständig bekennt29.

In praktischer Durchführung ist für die Taufe entscheidend, dass sie im Bezug zur Trini­tät steht. Die Worte: 'Ich taufe dich im Namen des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes' müssen fallen30. Daraufhin muss der Kopf des zu Taufenden drei Mal mit Wasser begos­sen werden31 32. Das Wasser ist dabei ein Zeichen sowohl für das Leben, als auch für den Tod:

„Ohne Wasser gibt es kein Leben und im Wasser können Menschen zu Tode kommen. Die Sintflut brachte Gottes Gericht über die Sünde der Menschen. Noah aber fand Gnade und -wurde errettet aus der Flut. So soll im Wasser der Taufe alles, -was uns -von Gott trennt, untergehen. Aus dem Wasser der Taufe soll der neue Mensch auferstehen, der mit Christus lehr"' “.

Nach dem Übergießen mit Wasser, wird die Taufkerze am Altar entzündet. Das Feuer dieser Kerze hat ebenfalls eine eminente Symbolik. Es steht dafür, das Christus das Licht des Lebens ist:

„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der -wird nicht -wandeln in Finsternis, sondern -wird das Licht des Lebens haben 33 “.

[...]


1 van Gennep, Arnold: Übergangsriten (Les rites de passage). Frankfurt am Main und New York: Cam­pus Verlag 1981.

2 van Gennep, Arnold: Übergangsriten (Les rites de passage).

3 Hock, Klaus: Einführung in die Religionswissenschaft. 4. Auflage. Darmstadt: WBG 2011. S. 121.

4 van Gennep, Arnold: Übergangsriten (Les rites de passage).

5 van Gennep, Arnold: Übergangsriten (Les rites de passage). S. 70.

6 Ebd. S.71f.

7 Ebd.

8 Ebd.

9 lOEbd. S. 73.

10 Ebd. S. 182.

11 Ebd. S. 181.

12 van Gennep, Arnold: Übergangsriten (Les rites de passage). S. 181.

13 Ebd. S. 184.

14 Ebd.

15 Ebd.

16 Ebd. S. 183.

17 Ebd. S. 186.

18 Ebd.

19 Hahn, Udo: Sakramente. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2001 (= Gütersloher Taschenbücher 686: Grundbegriffe Christentum). S. 16.

20 Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers. Revidierte Fassung 1984. Stuttgart: Deutsche Bibel­gesellschaft 1985. Mt 3, 13-17; Mk 1, 9-11; Lk 3, 21f.; Joh 1, 32-34.

21 Hahn, Udo: Sakramente. S. 20.

22 4Ebd. S. 21.

23 Ebd. S. 20.

24 Ebd. S. 22.

25 Hahn, Udo: Sakramente. S. 22.

26 Die Bibel. 1. Kor 1,16; Apg 18,8.

27 Hahn, Udo: Sakramente. S. 23.

28 Ebd. S. 26.

29 Ebd.

30 Ebd. S. 30.

31 Ebd.

32 Ebd.

33 Die Bibel nach Joh 8,12.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
"Les rites de passage". Initiation im Christentum
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Religionswissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in die Religionswissenschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V541075
ISBN (eBook)
9783346147912
ISBN (Buch)
9783346147929
Sprache
Deutsch
Schlagworte
initiation, christentum
Arbeit zitieren
Roman Luigi Spallina (Autor), 2016, "Les rites de passage". Initiation im Christentum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/541075

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