Anodonta cygnea. Die Große Teichmuschel

Ein wissenschaftlicher Überblick


Fachbuch, 2020

17 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Zielsetzung und Aufbau dieser Arbeit

2 Allgemeines zur Art Anodonta cygnea
2.1 Einordnung im Tierreich
2.1.1 Weitere Bezeichnungen von Anodonta cygnea
2.2 Aussehen
2.2.1 Organe
2.2.1.1 Sinnesorgane
2.3 Lebensraum
2.3.1 Verbreitungsgebiet
2.4 Lebensweise
2.4.1 Perlen(-herstellung)
2.5 Ernährung
2.6 Fortpflanzung
2.6.1 Symbiose mit dem Bitterling
2.7 Alter
2.8 Natürliche Feinde

3 Anodonta cygnea und der Mensch
3.1 Haltung durch den Menschen
3.1.1 Dauerhafte Haltung im Gartenteich
3.1.1.1 Überwinterung im Gartenteich
3.1.1.2 Überwinterung im Aquarium
3.1.2 Dauerhafte Haltung im Aquarium
3.2 Anodonta cygnea als Mahlzeit
3.3 Gefährdung
3.4 Schutzmaßnahmen zur Erhaltung der Art
3.5 Schadstoffe
3.5.1 Analyse Gewässergüte

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Lars Müller ist Gewässerwart und Angler. Im Anschluss an die staatliche Fischereischeinprüfung absolvierte er erfolgreich den Lehrgang zum „Gewässerwart“. Er publiziert intensiv im Bereich der Malakozoologie. Sein Schwerpunkt sind Süßwassermuscheln.

1 Einleitung

1.1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Die Große Teichmuschel (Anodonta cygnea) ist eine der wichtigsten Süßwassermuschelarten Europas. Aufgrund ihrer Rolle als Gewässerreiniger wird sie von Fischwirten, Gewässerwarten, Anglern und Biologen gleichermaßen geschätzt und ist ein gern gesehener Gast in jedem Gewässer.

Ziel dieser Arbeit ist es, umfassende Informationen über die Große Teichmuschel zu vermitteln.

Hierfür werden zunächst allgemeine Fakten zur Art gegeben, unter anderem über Aussehen, Lebensweise und Fortpflanzung.

Anschließend wird die Beziehung zwischen Anodonta cygnea und dem Menschen betrachtet. Hier wird die Thematik der Haltung im Aquarium und im Gartenteich, aber auch die Gefährdung der Großen Teichmuschel angesprochen.

Ein zentraler Schwerpunkt dieser Arbeit ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie der weitere Bestandsrückgang verhindert werden kann und welche Schutzmaßnahmen getroffen werden müssen, um auch in Zukunft Anodonta cygnea in den Gewässern vorzufinden.

Die Publikation endet mit einem kurzen Fazit.

2 Allgemeines zur Art Anodonta cygnea

2.1 Einordnung im Tierreich

Die Art Anodonta cygnea gehört zur Gattung der Teichmuscheln (Anodonta) und zur Familie der Fluss- und Teichmuscheln (Unionidae). Die Unionidae sind eine Familie in der Ordnung der Süßwassermuscheln (Unionida). Diese Ordnung Unionida gehört zur Klasse der Muscheln (Bivalvia).

Die Klasse der Muscheln ist eine Klasse im Tierstamm der Weichtiere (Mollusca).

Weitere Klassen im Tierstamm der Weichtiere sind die Klasse der Schnecken (Gastropoda) und die Klasse der Tintenfische (Coleoidea).

2.1.1 Weitere Bezeichnungen von Anodonta cygnea

Die Große Teichmuschel wird auch als „Schwanenmuschel“ oder „Weiher-Muschel“ bezeichnet.

An-Odonta ist griechisch und bedeutet „ohne Zähne“, cygnea leitet sich vom Wort cygnus ab (lat.: Schwan).1

2.2 Aussehen

Die Große Teichmuschel kann eine Länge von 26 Zentimetern erreichen.2 Am häufigsten sind Exemplare zwischen 12 und 20 Zentimetern Länge, bei einer Höhe von 6 bis 12 Zentimetern.3

Das Verhältnis von Länge zu Höhe ist etwa 3:1.4

Die Muschelschale besteht aus zwei hälftigen Klappen, die durch ein Schlossband (Ligament) verbunden sind. Darüber hinaus werden die Klappen mit Hilfe von zwei inneren Schließmuskeln zusammengehalten.5

Anodonta cygnea hat keine Seitenzähne am Muschelschloss.6 Darauf verweist auch der wissenschaftliche Name der Muschel, „Anodonta“, was übersetzt „die Unbezahnte“ bedeutet.

Die zwei Muschelklappen der Schale sind jeweils dünnwandig, breit, eierförmig und gelb bis braun gefärbt.7

Ober- und Unterrand der Muschelschale verlaufen fast parallel.8 Innen ist die Muschel stark perlmuttglänzend.9

Die Muschelschale besteht aus Calciumcarbonat (CaCO3).10

2.2.1 Organe

Zu den wichtigsten Organen der großen Teichmuschel zählen Niere, Herz, Magen und Darm. Alle Organe sind sehr klein.11

Die Niere filtert Giftstoffe, „das Herz pumpt sauerstoffreiches Wasser zu den Organen“12, im Magen wird die aufgenommene Nahrung mit Hilfe von Verdauungssäften, die aus der Verdauungsdrüse stammen, zu einem Brei verdaut. Im Darm werden der Nahrung die Nährstoffe entzogen und die Abfallstoffe zur Ausströmöffnung geleitet, von wo sie ins Wasser abgegeben werden.13

2.2.1.1 Sinnesorgane

Anodonta cygnea hat trotz eines fehlenden Kopfes eine Vielzahl an Sinnesorganen. So reagiert sie auf Berührungen, Licht und kann ihre Nahrung schmecken.14 Das Nervensystem besteht aus „zwei Nervensträngen, die zentral von einem Nervenknoten ausgehen“15.

2.3 Lebensraum

Anodonta cyanea bevorzugt Stillwasser, zum Beispiel Seen, Teiche und Baggerseen. „In größeren Fließgewässern lebt sie allenfalls in strömungsarmen Buchten“16. Schnell strömende Flüsse und Bäche meidet sie.

2.3.1 Verbreitungsgebiet

Da die Große Teichmuschel (Anodonta cygnea) häufig mit der Gemeinen Teichmuschel verwechselt wird (Anodonta anatina), ist das genaue Verbreitungsgebiet nicht bekannt.

Definitiv kommt die Art in Mittel- und Nordeuropa vor, genauso wie in Teilen Südfrankreichs, im gesamten Donaugebiet und in Zentralgriechenland bis hin zum Kaukasus.17

2.4 Lebensweise

Die Große Teichmuschel lebt am und im Grund des Gewässers. Mithilfe eines Fußes verankert sie sich im Untergrund.18 Dieser Fuß wird zwischen den Schalen hervorgeschoben und ermöglicht es der Muschel, sich langsam im und über den Schlamm fortzubewegen.19

Die Muscheln filtern das Wasser, um Nahrung aufzunehmen.

Bei Gefahr werden Fuß, Ein- und Ausströmöffnung eingezogen, die Atmung eingestellt und die Schalen fest verschlossen.20

2.4.1 Perlen(-herstellung)

Die Große Teichmuschel zählt nicht zu den Perlenmuscheln. Eine Perle wird man nicht in ihr finden.21

2.5 Ernährung

Die Große Teichmuschel besitzt zwei Öffnungen, die auch als Siphos bezeichnet werden.22

Wasser wird über die Einströmöffnung eingestrudelt und es werden kleine Nahrungsteilchen an den Kiemen aufgefangen, die zur Mundöffnung gelangen.

Das durchsiebte Wasser wird durch die Ausströmöffnung wieder ausgegeben. Als Nahrung dienen Detrius (Reste abgestorbener Tiere und Pflanzen), Plankton und Algen.23

Pro Stunde kann Anodonta cygnea 40 Liter Wasser, das heißt vier große, volle Wassereimer filtern.24

2.6 Fortpflanzung

Die Große Teichmuschel ist zwittrig.25 Umstritten ist, ob es rein männliche Tiere gibt. Die Muschel wird ab dem fünften Lebensjahr geschlechtsreif.26

Es werden bis zu „600.000 Eier“27 produziert, welche im Sommer „in den Kiemen befruchtet werden“28. Die Larven überwintern in den Kiemen.29 Im Frühjahr (Januar bis April) werden die 0,35 Millimeter großen Glochidien (schmarotzende Larven) ins Wasser abgegeben. Diese haften sich an der Haut oder in den Kiemen von Wirtsfischen an.30 Mit Hilfe eines 15 Millimeter langen Haltfadens und eines Hakens halten sie sich an ihrem Wirt fest.31 Als Wirtfische kommen unter anderem „Bachforelle, Regenbogenforelle, Brachse, Elritze, Güster, Hasel, Laube, Nerfling, Rotfeder, Flussbarsch, Zander, Hecht, Mühlkoppe, Dreistachliger Stichling“32, Bitterling und Karpfen in Frage. Bevorzugter Wirtsfisch ist der Bitterling.

Die Glochidien ernähren sich vom Gewebe des Fisches, der Wirt kommt hierbei nicht zu Schaden.33 Die parasitären Larven bleiben so lange an die Flossen oder Kiemen gehaftet, bis sie sich zu kleinen Muscheln entwickelt haben.34 Das sind in der Regel 10 Tage bis 4 Wochen, abhängig von der Wassertemperatur.35 Nun fallen sie zu Boden, vergraben sich im Schlamm und setzten dort ihre Entwicklung fort.36

2.6.1 Symbiose mit dem Bitterling

Der Bitterling dient für die Glochidien als Wirt, legt dafür aber seine Eier in der Muschelschale ab. In dieser können die kleinen Bitterlinge heranwachsen, geschützt vor Fressfeinden. Sind die Bitterlinge groß genug, öffnet die Große Teichmuschel ihre Schale und entlässt die Bitterlinge.37

Große Teichmuschel und Bitterling profitieren also voneinander und sind ein Abbild für eine perfekte Symbiose im Tierreich.

2.7 Alter

Anodonta cygnea kann in seltenen Fällen ein Alter von 30 Jahren erreichen.38 Üblich ist aber ein Alter von ca. 10 Jahren.

2.8 Natürliche Feinde

Häufig werden die Bisamratte (Ondatra zibethicus) und die Biberratte (Myocastor coypus) als die großen natürlichen Feinde der Großen Teichmuschel genannt. Beide Arten sind aber vorrangig Pflanzenfresser und fressen höchstens in Ausnahmefällen Muscheln, wenn sie nicht genügend pflanzliche Nahrung finden.39 Darüber hinaus fressen auch große Karpfen Teichmuscheln. Die Fische stupsen eine auf dem Gewässergrund liegende Muschel an, sodass diese zunächst ihre Schale fest verschließt, später aber den Fuß herausstreckt. Dieser wird von den Karpfen gepackt.40

Auch Waschbären und Otter können Muscheln knacken und verspeisen.41

3 Anodonta cygnea und der Mensch

3.1 Haltung durch den Menschen

3.1.1 Dauerhafte Haltung im Gartenteich

Die Haltung von Anodonta cygnea im Gartenteich ist durchaus möglich, da die Art pflegeleicht ist. Wichtig ist das Wasservolumen. Pro Großer Teichmuschel sollten mindestens 120 Liter zur Verfügung stehen, um eine ausreichende Nahrungszufuhr zu gewährleisten. Allerdings ist nicht die reine Wassermenge entscheidend, sondern die im Wasser enthaltenen Nahrungsbestandteile, die von der Muschel herausgefiltert werden. Daher sollte der Teich über genügend Wasserpflanzen besitzen, damit so auch genügend pflanzliche Schwebestoffe im Wasser sind.42 Vorwiegende Nahrung der Großen Teichmuschel ist Detritus, das heißt organische Stoffe aus sich zersetzender Pflanzen. Darüber hinaus dienen pflanzliches und tierisches Plankton als Nahrung, genauso wie Algen (Blaualgen, Grünalgen).43

Die Teichmuschel ist für den gesamten Gartenteich von Nutzen, da sie rund um die Uhr das Wasser filtert und so dafür sorgt, dass das Wasser klar und sauber bleibt. Ausgewachsene Exemplare können pro Stunde 40 Liter filtrieren.44 Ein starker Filter ist nicht nötig und entzieht Anodonta cygnea die Nahrung. Ideal ist ein Gartenteich ohne technischen Filter. Die Ausscheidungen der Muscheln dienen Pflanzen als Dünger.45

Wichtig ist ein schlammiger oder sandiger Boden, der es den Muscheln ermöglicht, sich einzugraben bzw. den Schlamm/Sand zu durchwühlen.46

Die Große Teichmuschel sollte nur in Teichen ohne Fische gehalten werden. Ansonsten parasitieren die Muschellarven in der Haut und den Kiemen der Fische, da das für die Metamorphose von Larve zu Muschel zwingend notwendig ist.47 Das ist zwar nicht schädlich für die Fische, dennoch sollten zu viele Muscheln im Teich vermieden werden, gerade wenn er nicht sehr groß ist. Ohne Wirt verenden die Larven und es kommt zu keinem Anstieg der Population von Großen Teichmuscheln im Gewässer.

Ideal sind zur Haltung von Anodonta cygnea somit große, fischarme Teiche mit sandigem oder schlammigem Grund und vielen Wasserpflanzen. Je größer und naturnaher der Gartenteich ist, umso besser.

3.1.1.1 Überwinterung im Gartenteich

Zum Anschauen werden Große Teichmuscheln häufig an den flachen Rand des Gartenteichs gesetzt. Hier wird meistens nicht bedacht, dass sich Teichmuscheln kaum bewegen. Im Winter frieren die flachen Zonen des Ufers häufig komplett zu.

Die ideale Lösung ist es, vor Winterbeginn einen Eimer mit mindestens 20 Zentimeter Schlamm oder Sand zu füllen und Anodonta cygnea hineinzusetzen. Am Eimer wird eine Schnur befestigt. Nun wird der Eimer samt der Muscheln nach unten ins tiefe Wasser gelassen, wo er in einer Tiefe von mindestens 80 Zentimeter verweilt. Der Sand/Schlamm ist eine hervorragende Wärmedämmung.

Im Frühjahr wird der Eimer mithilfe des Seils aus dem Wasser gezogen und die Muscheln können wieder ins seichte Wasser gesetzt und beobachtet werden.48

3.1.1.2 Überwinterung im Aquarium durch Umsiedelung vom Gartenteich

Grundsätzlich ist es auch möglich, die Teichmuschel/n im Aquarium zu überwintern. Hier gelten grundsätzlich die gleichen Anforderungen wie für die dauerhafte Haltung im Aquarium (siehe 2.1.2). Die Umsiedelung sollte vor Wintereinbruch erfolgen, spätestens wenn die Wassertemperatur 5 Grad Celsius beträgt.49

3.1.2 Dauerhafte Haltung im Aquarium

Die dauerhafte Haltung der Großen Teichmuschel im Aquarium ist problematisch und auch nicht üblich. Das Aquarium müsste eine Größe von mindestens 120 Litern haben. Häufig werden Große Teichmuscheln in zu kleine Aquarien gesetzt und verenden, da sie verhungern. Auch in großen Aquarien müssen Anodonta cygnea häufig zusätzlich gefüttert werden, der Aufwand hierfür ist enorm.50

Zerriebenes Trockenfutter wird von Muscheln häufig nicht aufgenommen, sondern wieder ausgestoßen. Besser geeignet sind Algensuspensionen und gelöste, frische Hefe. Es ist sinnvoll, die Muschel/n für die Fütterung in ein zweites Becken zu setzen, um die Verunreinigung des Hauptbeckens zu vermeiden.51

Zwingend notwendig ist eine Sand-/Schlamm-/ oder feine Kiesschicht am Grund des Aquariums von mindestens 20 Zentimetern Höhe. Auch Wasserpflanzen sind zwingend erforderlich.

Die Vergesellschaftung mit Garnelen, Schnecken und anderen Muscheln ist kein Problem. Große Krebse könnten Anodonta cygnea allerdings knacken.52

Stirbt eine Große Teichmuschel, gibt es einen üblen Verwesungsgeruch.53 Auch das spricht gegen die Haltung im Aquarium.

3.2 Anodonta cygnea als Mahlzeit

Muscheln spielten als Nahrungsmittel schon immer eine bedeutende Rolle für den Menschen. So gibt es Belege dafür, dass schon vor 165.000 Jahren Muscheln von Menschen als Nahrung konsumiert wurden.

Auch heute sind Muscheln nach wie vor geschätzte Speisen. Insbesondere Miesmuscheln, Austern und Venusmuscheln sind in der Gastronomie von Bedeutung.54

Die Große Teichmuschel sollte nicht verzehrt werden. Die Muscheln verbringen den Großteil ihres Lebens im Schlamm. Zwar geistern im Netz immer wieder Zubereitungsformen umher (z.B. „Teichmuscheln mit Zwiebelcayenne“), diese sollten aber nicht berücksichtigt werden, zumal die Große Teichmuschel unter Artenschutz steht. Ein User eines Angelforums bringt die Sache auf den Punkt, indem er von „Klärwerke[n] der Gewässer“55 spricht, die auch „große Mengen an Schwermetallen und Pestiziden in sich einlagern“56.

3.3 Gefährdung

Die Art gilt als stark gefährdet und steht unter Naturschutz. „In Österreich wird die Große Teichmuschel auf der Roten Liste bedrohter Tierarten mit Gefährdungsstufe 2 (Stark gefährdet) angeführt.“57

In keinem Fall darf sie aus der Natur entnommen und in ein Aquarium oder einen Gartenteich gesetzt werden. Stattdessen sollten Große Teichmuscheln in einem seriösen Tierladen oder Onlineshop erworben werden.58

Zwar ist Anodonta cygnea ein hervorragender Angelköder, dennoch ist auch die Verwendung als Köder aufgrund des Gefährdungsgrades zu unterlassen.

Die Gründe für den Rückgang der Art sind vielfältig: „fehlende Wirtsfische“59 in manchen Gewässern, „Nahrungsmangel“60, genauso wie zunehmende Gewässerverschmutzungen. Darüber hinaus verdrängen eingeschleppte Arten, wie zum Beispiel die Chinesische Teichmuschel (Sinanodonta woodiana), die einheimischen Muschelarten. So breitet sich die aus Fernost stammende, zu den invasiven Arten gehörende Muschel in Bayern aus.61

3.4 Schutzmaßnahmen zur Erhaltung der Art

Ein wichtiger Schritt den Bestandsrückgang von Anodonta cygnea zu verhindern, ist es, die weitere Ausbreitung der Chinesischen Teichmuschel (Sinanodonta woodiana) und anderer invasiver Arten in Europa zu verhindern. Umso schneller diese Eindämmung passiert, desto besser. Je mehr und je weiter sich die ausländischen Arten verbreiten, umso aufwendiger und kostspieliger wird es, diese wieder los zu werden.

Es muss eine kontinuierliche Aufklärung über die Wichtigkeit und Bedeutung der Art Anodonta cygnea bzw. die Klasse der Muscheln stattfinden. Die Wissensvermittlung sollte unter anderem in den Lehrgängen der Fischereivereine zur Fischereiprüfung geschehen. Erkennen viele Personen die Wichtigkeit von Muscheln im Ökosystem an, werden weniger Tiere aus der Natur entnommen, die dann in einem Aquarium oder Gartenteich landen und der Natur fehlen. Sollen Teich- oder andere Muschelarten privat gehalten werden, müssen diese über seriöse Anbieter erworben werden.

Jeder Angler muss auch über den Artenschutz der Süßwassermuscheln informiert sein, sodass keines der Weichtiere als Köder eingesetzt wird.

Genauso gilt es, Gewässerverschmutzungen zu vermeiden und für saubere Gewässer zu sorgen.

Daher ist es auch in Zukunft von großer Wichtigkeit, angehende Angler im Zuge des Fischereilehrgangs intensiv über Gewässerschutzmaßnahmen und Hegemaßnahmen zu unterrichten. Die Teilnehmer achten dadurch darauf, ihre Angelplätze sauber zu hinterlassen und tragen darüber hinaus ihr Wissen an Laien/Nichtangler weiter. Angler können und müssen hier zu Vorbildern im Artenschutz werden, bzw. sind es teilweise bereits.

Saubere Gewässer kommen nicht nur den Süßwassermuscheln zu Gute, sondern allen Fischarten, darunter auch den begehrten Forellen, Zandern und Hechten, aber auch dem Bitterling. Gerade der Schutz dieser Fischart ist wichtig, da davon auch die Große Teichmuschel aufgrund der Symbiose beider Arten profitiert.

Begradigungen von Flüssen sind im Hinblick auf den Schutz der Art möglichst zu unterlassen. Die Große Teichmuschel lebt in Flüssen lediglich in den strömungsarmen Bereichen. Durch Begradigungen entfallen diese und die Fließgeschwindigkeit erhöht sich, Anodonta cygnea findet keinen geeigneten Lebensraum mehr.

3.5 Schadstoffe und gefährliche Substanzen für Anodonta cygnea

Ammonium (NH4+) Ammoniak (NH3) und Nitrit (NO2-) sollten im Wasser nicht nachweisbar sein.

Nitrat (NO3-) sollte eine Grenze von 100 Milligramm pro 1 Liter Wasser nicht langfristig überschreiten. Gerade für die Haltung von Großen Teichmuscheln im Aquarium ist das Wissen darüber, welche Stoffe für die Teichmuscheln schädlich sind, von großer Bedeutung. Werden Ammonium, Ammoniak oder Nitrit im Aquarium nachgewiesen, bzw. ist der Wert für Nitrat zu hoch, muss zwingend ein Wasserwechsel durchgeführt werden.62

3.5.1 Analyse Gewässergüte

Grundsätzlich ist Anodonta cygnea sehr gut als Bioindikator geeignet. Findet man eine große Teichmuschel, kann man auf eine gute Wasserqualität schließen.

Zahlreiche komplett geöffnete, d.h. tote Teichmuscheln sind dagegen ein Warnhinweis für den Gewässerwart.

4 Fazit

Die Große Teichmuschel nimmt eine entscheidende Rolle bei der Gewässerreinhaltung ein und ist daher ein wertvoller Bestandteil jedes Gewässers.

Aus vielfältigen Gründen ist die Art bedroht, die teils menschlicher, teils biologischer Natur sind.

Zum Schutz der Art ist es unerlässlich, die Sauberhaltung von Gewässern sicherzustellen und die weitere Ausbreitung von invasiven Arten wie der Chinesischen Teichmuschel zu verhindern bzw. zu verlangsamen.

Literaturverzeichnis

Internetquellen:

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Sebald, Christian: Eindringlinge aus Fernost breiten sich in Bayern aus, in: Süddeutsche Zeitung, URL: https://www.sueddeutsche.de/bayern/invasive-art-eindringling-aus-fernost-breitet-sich-in-bayern-aus-1.3530458 (Zugriff am 30.07.2019)

Wilstermann-Hildebrand, Maike: Muscheln, URL: http://www.heimbiotop.de/muscheln.html (Zugriff am 08.08.2019)

Buchquellen: Nagel, K.-O.: Große Teichmuschel Anodonta cygnea (Linnaeus, 1758), in: HMUKLV & Hessen-Forst Fena (Hrsg): Atlas der Fische Hessens – Verbreitung der Rundmäuler, Fische, Krebse und Muscheln, Wiesbaden, 2015

[...]


1 Vgl. o. V., 2012, Die große Teichmuschel oder Schwanenmuschel

2 Vgl. Energie- und Umweltagentur NÖ (Hrsg.), o. J., Internetquelle

3 Vgl. o. V., Große Teichmuschel oder Schwanenmuschel oder Weiher-Muschel (Anodonta cygnea), Internetquelle

4 Vgl. Groß, o. J., Internetquelle

5 Vgl. o. V., Muschelschale, Internetquelle

6 Vgl. Groß, o. J., Internetquelle

7 Vgl. INTERAQUARISTIK.de (Hrsg.), o. J., Internetquelle

8 Vgl. Groß, o. J., Internetquelle

9 Vgl. LERNHELFER (Hrsg.), o. J., Internetquelle

10 Vgl. Fratzl (Hrsg.), Musterkristalle in der Muschel, Internetquelle

11 Vgl. o. V., Große Teichmuschel oder Schwanenmuschel oder Weihermuschel (Anodonta cygnea)

12 o. V., Große Teichmuschel, Internetquelle

13 Vgl. o. V., Große Teichmuschel, Internetquelle

14 Vgl. Landesverband Sächsischer Angler (Hrsg.), o. J. Internetquelle

15 o. V., Große Teichmuschel, Internetquelle

16 Nagel, 2015, S. 401

17 Vgl. Gartenteich Ratgeber (Hrsg.), o. J., Internetquelle

18 Vgl. Robin Wood (Hrsg.), o. J., Internetquelle

19 Vgl. Naturschutzbund (Hrsg.), o. J., Internetquelle

20 Vgl. o. V., Große Teichmuschel oder Schwanenmuschel oder Weiher-Muschel (Anodonta cygnea), Internetquelle

21 Vgl. Gernot, 2013, Internetquelle

22 Vgl. Landesverband Sächsischer Angler (Hrsg.), o. J., Internetquelle

23 Vgl. o. V., Große Teichmuschel oder Schwanenmuschel oder Weiher-Muschel (Anodonta cygnea), Internetquelle

24 Vgl. Landesverband Sächsischer Angler (Hrsg.), o. J., Internetquelle

25 Vgl. Gartenteich Ratgeber (Hrsg.), o. J., Internetquelle

26 Vgl. Nagel, 2015, S. 401

27 o. V., Große Teichmuschel, Internetquelle

28 o. V., Große Teichmuschel, Internetquelle

29 Vgl. o. V., Große Teichmuschel, Internetquelle

30 Vgl. Bayerisches Landesamt für Umwelt (Hrsg.), 2012, Internetquelle

31 Vgl. o. V., Große Teichmuschel, Internetquelle

32 Bayerisches Landesamt für Umwelt (Hrsg.), 2012, Internetquelle

33 Vgl. Rücker, 2009, Internetquelle

34 Vgl. o. V., Entschlammung des Waldsees, Internetquelle

35 Vgl. o. V., Große Teichmuschel, Internetquelle

36 Vgl. o. V., Entschlammung des Waldsees, Internetquelle

37 Vgl. Böttcher, 2014, Internetquelle

38 Vgl. Nagel, 2015, S. 401

39 Vgl. Kuhnt, o. J., Internetquelle

40 Vgl. o. V., Muscheln/Teichmuscheln im Winter, Internetquelle

41 Vgl. o. V., Plündern Waschbären die Gretenberger Teiche, Internetquelle

42 Vgl. o. V.: Teichmuscheln im Gartenteich Haltung von A - Z, Internetquelle

43 Vgl. MÜRITZEUM (Hrsg.), o. J., Internetquelle

44 Vgl. o. V., Teichmuschel – Anodonta cygnea, Internetquelle

45 Vgl. o. V., Große Teichmuschel (Anodonta cygnea), Internetquelle

46 Vgl. MÜRITZEUM (Hrsg.), o. J., Internetquelle

47 Vgl. Gartenteich Ratgeber (Hrsg.), o. J., Internetquelle

48 Vgl. o. V., Teichmuscheln im Aquarium und Gartenteich – wie überwintern?, Internetquelle

49 Vgl. o. V, Teichmuscheln im Aquarium und Gartenteich – wie überwintern?, Internetquelle

50 Vgl. o. V., Teichmuschel: Lebensraum und Haltung, Internetquelle

51 Vgl. Wilstermann-Hildebrand, 2009, Internetquelle

52 Vgl. INTERAQUARISTIK.de (Hrsg.), o. J., Internetquelle

53 Vgl. o. V., Teichmuschel: Lebensraum und Haltung, Internetquelle

54 Vgl. Biologie Seite (Hrsg.), o. J., Internetquelle

55 o. V., Teichmuschel essen?, Internetquelle

56 o. V., Teichmuschel essen?, Internetquelle

57 Vgl. Naturschutzbund (Hrsg.), 2016 + 2017 Große Teichmuschel (Anodonta cygnea), Internetquelle

58 Vgl. Muschel King (Hrsg.), o. J., Internetquelle

59 Vgl. Naturschutzbund (Hrsg.), 2016 + 2017 Große Teichmuschel (Anodonta cygnea), Internetquelle

60 Vgl. Naturschutzbund (Hrsg.), 2016 + 2017 Große Teichmuschel (Anodonta cygnea), Internetquelle

61 Vgl. Sebald, 2017, Internetquelle

62 LfL Fischerei (Hrsg.), o. J., Internetquelle

17 von 17 Seiten

Details

Titel
Anodonta cygnea. Die Große Teichmuschel
Untertitel
Ein wissenschaftlicher Überblick
Autor
Jahr
2020
Seiten
17
Katalognummer
V541181
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anodonta cygnea, Große Teichmuschel, Muschel, Gewässerwart, Weichtier, Gewässerschutz, Muschelschutz, Gewässerkunde, Conchologie, Conchologe, Malakologie, Malakologe, Zoologie, Biologie, Artenschutz, Leben im Wasser, Leben im Teich, Gewässer, Saubere Gewässer
Arbeit zitieren
Lars Müller (Autor), 2020, Anodonta cygnea. Die Große Teichmuschel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/541181

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