Die Analyse bietet einen Einblick wie Umweltökonomie auf den Themenbereich Weltraumschrott angewendet werden kann. Das Thema Weltraumschrott wird ökonomisch betrachtet, um so ein Problemverständnis aufzubauen und konstruktive Lösungsmöglichkeiten vorzuschlagen. Das sich die Problematik des Weltraumschrotts in Zukunft noch verstärken wird gilt unter Experten als sicher. Mit Space X oder Blue Origin drängen sich immer mehr private Anbieter auf dem Weltraummarkt. Diese haben vor allem ein Ziel – die Kostenreduktion.
In den letzten zehn Jahren hat sich die Menge des in der Erdumlaufbahn fliegende Weltraumschrott mehr als verdoppelt. Jeden Tag werden laut NASA circa ein bis zwei Tonnen Umweltschrott emittiert. Auch die European Space Agency hat das Problem erkannt und warnt vor einer erheblicher Gefährdung von Astronauten. Eine besondere Gefahr geht dabei nicht nur durch das steigende Schrottvolumen, sondern vor allem durch einen möglichen Schneeballeffekt aus.
Dabei koaliert Weltraumschrott mit Weltraumschrott. So wird durch die Zersplitterung ein exponentiell steigender Anzahl an Schrotteilen produziert. Dies könnte die staatliche und kommerzielle Nutzung des Orbits irreversibel beeinträchtigen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Bedeutung des Themas
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise
2 Anwendbarkeit Umweltökonomik
2.1 Weltraumschrott - Neues Thema mit bekanntem Problem
2.2 Dreieck der Nachhaltigkeit
2.3 Weltraum Allmende
2.4 Prisoner Dilemman und Trittbrettfahrer Problematik
2.5 Fazit zur Anwendbarkeit
3 Vorliegen von Marktversagen
3.1 Informationsverteilung
3.2 Güterart
3.3 Externalität
3.4 Marktmacht
3.5 Fazit zum Vorliegen von Marktversagen
4 Instrumente der Marktregulierung
4.1 Verbote (Prohibitiv)
4.2 Coase-Theorems (Eigentumslösung)
4.3 Zertifikathandel (Mengenlösung)
4.4 Pigou-Steuer (Preislösung)
4.5 Fazit Instrumente der Marktregulierung
5 Fazit und Ausblick
5.1 Privatisierung
5.2 Leap-Frog
5.3 Zukünftige Forschung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die ökonomischen Hintergründe von Weltraumschrott, um ein tieferes Verständnis für die Problematik zu entwickeln und umweltökonomische Lösungsansätze zu bewerten. Dabei steht die Analyse der Anwendbarkeit klassischer Theorien auf den Weltraum sowie die Identifizierung von Marktversagen und geeigneten Regulierungsmechanismen im Mittelpunkt.
- Anwendung umweltökonomischer Konzepte (Allmende, Marktversagen) auf Weltraumschrott.
- Untersuchung von Marktversagen durch Informationsasymmetrie, Externalitäten und Marktmacht.
- Evaluation von Regulierungsoptionen wie Verboten, Eigentumsrechten, Zertifikaten und Pigou-Steuern.
- Analyse der Rolle der Privatisierung und technologischer Innovationen (Leap-Frog) in der Raumfahrt.
- Entwicklung von Empfehlungen für eine international abgestimmte Politik zur Weltraumreinhaltung.
Auszug aus dem Buch
3.3 Externalität
Als externen Effekt (Externalität) bezeichnet man die unkompensierte Auswirkungen ökonomischer Entscheidungen auf Dritte. Externalitäten sind positive oder negative Auswirkungen die niemand bezahlt oder für die niemand einen (angemessenen) Ausgleich erhält. Dementsprechend werden sie auch nicht in das Entscheidungskalkül des Verursachers einbezogen und entweder zu viel (negativ Effekte) oder zu wenig (positive Effekte) verursacht. Externe Effekte geben einen starken Hinweis zum Vorliegen von Marktversagen, da keine markteffiziente Menge produziert wird. So kommt es zu einer falschen Allokation von Ressourcen (Princen, 2001). Drei Voraussetzungen müssen erfüllt sein:
- Ein Akteur trägt nicht alle verursachten Kosten selbst.
- Private und gesamtwirtschaftliche Kosten und Nutzen unterscheiden sich.
- Auswirkung ökonomischen Handelns auf die Wohlfahrt (unbeteiligten) Dritter.
In Bezug auf Weltraumschrott wird deutlich, dass es für den einzelnen Marktteilnehmer nicht entscheidungsrelevant ist wie viel Weltraumschrott sein Satellit emittiert. Er trägt somit quasi keine der Kosten durch die Emission selbst. Beispielsweise stellt der von China durchgeführte Anti-Satelliten Test und der dadurch verursachte Weltrauschrott wie im Jahr 2007 keine Entscheidungsrelevanz für das Projekt selbst dar, obwohl sich der Weltraumschrott um fast 50% erhöhte (Covault, 2007). Der Weltraumschrott selbst stellt aber eine massive Gefahr für andere Satelliten da und erhöht so die gesamtwirtschaftlichen Kosten. Das bedeutet im Klartext, dass der umherfliegende Weltraumschrott andere Satelliten treffen und so beschädigen oder sogar zum Absturz bringen kann. Dies entspricht der klassischen Definition von negativen externen Effekten, denn alle drei Kriterien werden erfüllt. Besonders kontrovers ist, dass der Großteil der Weltraumschrottemission durch einfache Maßnahmen verhindert werden könnte. Dies geschieht derzeit aber nicht, da kein Anreiz zur Emissionsvermeidung für die Marktteilnehmer vorliegt. So liegt die emittierte Menge deutlich über dem Marktoptimum.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des zunehmenden Weltraumschrotts ein und definiert das Ziel sowie die Vorgehensweise der Projektarbeit.
2 Anwendbarkeit Umweltökonomik: Dieses Kapitel prüft, ob klassische umweltökonomische Konzepte wie das Allmende-Problem und die Spieltheorie auf die Situation im Weltraum übertragen werden können.
3 Vorliegen von Marktversagen: Es wird analysiert, ob im Bereich der Weltraumschrott-Emission ein Marktversagen vorliegt, basierend auf Kriterien wie Informationsverteilung, Güterarten, Externalitäten und Marktmacht.
4 Instrumente der Marktregulierung: Dieses Kapitel diskutiert verschiedene regulatorische Ansätze wie Verbote, Eigentumsrechte, Zertifikate und Steuern hinsichtlich ihrer Eignung für das Problem.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, empfiehlt die Pigou-Steuer als Lösungsansatz und wirft einen Blick auf zukünftige Entwicklungen und Forschungserfordernisse.
Schlüsselwörter
Weltraumschrott, Umweltökonomik, Marktversagen, Externalitäten, Allmende-Problem, Gefangenendilemma, Pigou-Steuer, Emissionszertifikate, Raumfahrtindustrie, Privatisierung, Kessler-Syndrom, Nachhaltigkeit, Weltraumpolitik, Regulatorik, Kosteneffizienz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ökonomischen Betrachtung von Weltraumschrott als umweltpolitisches Problem und untersucht, wie umweltökonomische Theorien zur Bewältigung der steigenden Verschmutzung im Orbit beitragen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Anwendbarkeit umweltökonomischer Modelle auf den Weltraum, die Identifizierung von Marktversagen durch Externalitäten und Marktmacht sowie die Evaluierung verschiedener Regulierungsmechanismen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die umweltökonomischen Hintergründe des Problems Weltraumschrott zu ermitteln, ein Verständnis für das Marktversagen zu schaffen und konstruktive, ökonomisch fundierte Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Einordnung und Analyse umweltökonomischer Prinzipien, inklusive spieltheoretischer Überlegungen, um die Problematik in einen wissenschaftlichen Gesamtkontext zu setzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Prüfung der Anwendbarkeit ökonomischer Theorien, die empirische und theoretische Analyse des Marktversagens anhand verschiedener Kriterien sowie die kritische Diskussion konkreter Marktregulierungsinstrumente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Weltraumschrott, Marktversagen, Externalitäten, Allmende-Problem, Kessler-Syndrom, Pigou-Steuer und Privatisierung der Raumfahrt.
Warum wird die Pigou-Steuer als geeignetere Lösung als der Zertifikathandel vorgeschlagen?
Die Arbeit schlägt die Pigou-Steuer vor, da sie bei der bestehenden hohen Marktmacht der Anbieter weniger negative Auswirkungen hat als ein Zertifikathandel und bereits von einzelnen Staaten unabhängig von internationalen Abkommen implementiert werden könnte.
Welche Bedeutung hat das Kessler-Syndrom in diesem Zusammenhang?
Das Kessler-Syndrom beschreibt eine Kollisionskaskade, die bei einer hohen Dichte an Objekten im Orbit zu einer unkontrollierbaren Zunahme von Weltraumschrott führt, was die Notwendigkeit von Regulierungen massiv unterstreicht.
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- Anonym (Autor), 2020, Externe Effekte durch Weltraumschrott. Eine umweltökonomische Betrachtung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/541193