Wie weit muss man für seinen Glauben gehen? Wird man von Gott bestraft, wenn man ihm nicht dient, wie es ihm gebührt? Mit diesen Fragen befasst sich die Hausarbeit anhand des Liedes" Des tages dô ich daz kriuze nam" des Minnesängers Reinmar der Alte.
Religion und Glauben spielten seit jeher eine große Rolle für den Menschen. Doch darf man an Gottes Weg zweifeln? Gerade zu den Zeiten der Kreuzzüge im Mittelalter, in der das Heilige Land Gottes aus den Händen der sogenannten ungläubigen Muslime befreit werden sollte, beschäftigten diese Fragen die Menschen. So auch das lyrische Ich im Lied Reinmars des Alten "Des tages dô ich daz kriuze nam". Darin geht es um den inneren Konflikt eines Ritters, der sich bereits Gottes Weg verpflichtet hat, aber dennoch Zweifel hegt. Reinmar gestaltet im Vergleich zu anderen Kreuzliedern, etwa Walter von der Vogelweides Palästina-Lied, seine Lieder nicht als Abschiedsklagen, sondern als moralisch-religiöse Verse. Er stellt eine bereits getroffene Entscheidung infrage, zweifelt am vollkommenen "Dienst an Gott" und der "Notwendigkeit des Kreuzzuges".
Die Arbeit beginnt mit der Übersetzung und einem Kommentar des besagten Gedichts, darauf folgt eine philologische Analyse bezüglich Überlieferung, Aufbau, Sprache und Rhetorik. Im weiteren Verlauf wird im Rahmen einer literaturhistorischen Betrachtung genauer auf Inhalt und dabei besonders auf die Personenkonstellation des Werkes eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Philologische Analyse: 'Des tages dô ich daz kriuze nam'
2.1 Übersetzung & Kommentar
2.2 Aufbau
III. Literaturhistorische Betrachtung
3.1 Personenkonstellation
3.2 Der Weg zur saelde
IV. Fazit
V. Bibliographie
5.1 Primärliteratur
5.2: Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das Kreuzlied 'Des tages dô ich daz kriuze nam' von Reinmar dem Alten, um den inneren Konflikt eines Kreuzritters zwischen seiner religiösen Verpflichtung gegenüber Gott und seinen irdischen Zweifeln an der Sinnhaftigkeit des Kreuzzuges zu untersuchen.
- Philologische Untersuchung von Sprache, Aufbau und Rhetorik des Liedes
- Analyse der Personenkonstellation und der Rolle des lyrischen Ichs
- Deutung der Begriffe "saelde" (Seelenheil) und "vröide" (irdische Freude)
- Untersuchung des Kreuzritterideals und des christlichen Opfergedankens
- Diskussion über die Allgemeingültigkeit der Entscheidungsproblematik
Auszug aus dem Buch
3.2 Der Weg zur saelde
Zu Beginn steht immer die metaphorische Handlung der Kreuznahme durch das lyrische Ich. Dabei entschließt es sich, mit dem Kreuzfahrerheer ins Heilige Land zu ziehen und den christlich-politischen Zielen zu dienen. Dies ist immer mit einem "Abschied von Freunden" verbunden. Um das Heilsziel zu erreichen, muss sich der Ritter Gott völlig und bedingungslos unterwerfen. Diese Aufopferung geht zurück auf das christliche Ideal des Opfergedankens, der vor allem in den Hauptregeln des Benediktinerordens verankert ist. Diese ursprünglich für Mönche gedachten Regeln, unter anderem "Gehorsam, Besiegen des Eigenwillens und Beherrschtheit im Reden (..) werden später auf die höfisch-ritterliche Haltung übertragen" und sind bezeichnend für Kreuzritter, die als neuer Typus des kämpfendes milites christiani ihrer Aufgabe nachkommen.
Im Kreuzlied ist dabei jedoch fast immer ein innerer Konflikt zu sehen, wenn das lyrische Ich sich von dieser Ordnung lösen will und Zweifel an der völligen Unterwerfung hegt. Schlussendlich aber strebt ein jeder Kreuzritter nach der saelde Gottes und passt seine innere Haltung an. Denn "die innere Bereitung (...) ist unlöslich mit der (...) Opferbereitschaft für das Land Gottes als Voraussetzung für den Lohn verbunden."
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Kreuzlieder ein und beschreibt den inneren Konflikt des lyrischen Ichs in Reinmars Werk als moralisch-religiöse Auseinandersetzung.
II. Philologische Analyse: 'Des tages dô ich daz kriuze nam': Dieses Kapitel bietet eine detaillierte Übersetzung des Liedes sowie eine Analyse seiner formalen Struktur als variierte Kanzonenstrophe.
2.1 Übersetzung & Kommentar: Hier werden die einzelnen Strophen übersetzt und sprachliche sowie inhaltliche Aspekte, wie die Bedeutung von 'huoten' oder die Verwendung des Konjunktivs, erläutert.
2.2 Aufbau: Dieser Abschnitt befasst sich mit der metrischen Struktur des Liedes, den Hebungszahlen und den verwendeten Kadenzen.
III. Literaturhistorische Betrachtung: Das Kapitel beleuchtet die inhaltliche Tiefe des Werkes, insbesondere die Rollen der genannten Akteure und das Streben des Ritters.
3.1 Personenkonstellation: Hier wird der Widerstreit des lyrischen Ichs mit seinen personifizierten Gedanken und die Anrufung der Mutter Gottes untersucht.
3.2 Der Weg zur saelde: Dieses Kapitel analysiert das christliche Ritterideal der Selbstaufopferung und das Streben nach dem Seelenheil im Kontext des Kreuzzuges.
IV. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Zweifel an getroffenen Entscheidungen ein menschliches Grundphänomen darstellen und Reinmars Botschaft über das Mittelalter hinaus Gültigkeit besitzt.
V. Bibliographie: Dieses Kapitel listet die für die Arbeit verwendete Primär- und Sekundärliteratur auf.
5.1 Primärliteratur: Auflistung der Quellenausgabe des Liedes.
5.2: Sekundärliteratur: Verzeichnis der wissenschaftlichen Fachliteratur und Wörterbücher.
Schlüsselwörter
Reinmar der Alte, Kreuzlied, Mittelalter, Kreuzzug, Philologie, Minnesang, saelde, Seelenheil, vröide, lyrisches Ich, Ritterideal, Kanzonenstrophe, Codex Manesse, Glaubenszweifel, moralisch-religiöse Lyrik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer philologischen und literaturhistorischen Analyse des mittelhochdeutschen Kreuzliedes 'Des tages dô ich daz kriuze nam' von Reinmar dem Alten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind der innere Konflikt eines Kreuzritters zwischen irdischen Versuchungen und religiöser Pflichterfüllung sowie die damit verbundene ethische Entscheidungssituation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Widerstreit des lyrischen Ichs mit seinen Zweifeln sowie die moralische Bedeutung des Kreuzzuges und der persönlichen Entscheidung für Gott wissenschaftlich zu durchleuchten.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die philologische Textanalyse (Übersetzung, Kommentar, metrische Untersuchung) sowie die literaturhistorische Kontextualisierung unter Einbeziehung zeitgenössischer Wertvorstellungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in eine philologische Untersuchung der Sprache und Form des Gedichts sowie eine literaturhistorische Betrachtung der handelnden Personen und des Ideals der 'saelde'.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Reinmar der Alte, Kreuzlied, saelde (Seelenheil), vröide (Freude), Kanzonenstrophe und die mittelalterliche Opferbereitschaft.
Warum spielt die Anrufung der Jungfrau Maria eine zentrale Rolle für das lyrische Ich?
Die Anrufung Marias dient dem lyrischen Ich als Schutzsuche in einem Moment, in dem es seine eigenen, zweifelnden Gedanken nicht mehr kontrollieren kann und um seine 'saelde' fürchtet.
Welche Bedeutung kommt der 'Kanzonenstrophe' im Kontext dieser Analyse zu?
Die Einordnung als variierte Kanzonenstrophe dient dazu, die formale Komplexität und die rhythmische Struktur des Liedes präzise zu fassen und von anderen Lyrikformen abzugrenzen.
- Quote paper
- Christopher Muhler-Carrera (Author), 2011, "Des tages dô ich daz kriuze nam'" von Reinmar dem Alten. Philologische und Literaturhistorische Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/541217