Wie erreichen YouTuber, dass Menschen ihre Videos aufrufen und diesen folgen? Zu welchen ästhetischen Mitteln greifen sie? Welche technischen Möglichkeiten schöpfen sie aus? Stellvertretend an Videobeispielen des Let’s Players "HandOfBlood" werden die Mittel analysiert, die er verwendet, um möglichst viele Aufrufe seiner Videos zu erzielen. Zunächst werde hierfür die Serialität und die Ästhetik seiner Videos erläutert. Anschließend geht der Autor auf die medientheoretischen Konzepte von Theatralität und Performativität ein und bezieht diese auf die Videos von "HandOfBlood". Abschließend werden die Funktion des YouTubers selbst und seiner Fangemeinschaft behandelt.
Seit der Gründung von YouTube im Februar 2005 hat sich das Videoportal stetig weiterentwickelt. Aufgrund der mitunter großen Bedeutung und der hohen Reichweite, die vom Medium YouTube ausgehen kann, sollte ein genauerer medienwissenschaftlicher Blick sowohl auf die Videoclips selbst als auch auf das Medium als Ganzes geworfen werden.
Dinge wie Angebotsvielfalt, Einschaltquoten und Konkurrenzkampf lassen sich mittlerweile auch auf YouTube finden. Anstelle von Einschaltquoten entscheiden auf YouTube die Anzahl der Aufrufe, wie viel Geld YouTuber verdienen. Das führt innerhalb der Plattform YouTube zu einem Konkurrenzkampf – verschiedene YouTuber, die Videos ähnlichen Inhalts produzieren, möchten jeweils so viele Aufrufe und Fans wie möglich gewinnen. So gibt es eine Vielzahl von Let’s Player, die sich selbst während dem Spielen von Videospielen filmen und damit eine große Anzahl von Aufrufen erreichen. Damit ihre Videos Erfolg haben, ist Zuschauerbindung elementar für viele YouTuber. Mit verschiedenen Mitteln muss es den Produzenten der Videos gelingen, sich von der Konkurrenz, die ähnliche Inhalte produziert, abzuheben und viele Aufrufe zu generieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung – YouTube: Relevanz und Zuschauerbindung
2. Analyse der Videos des YouTubers „HandOfBlood“
2.1. Serialität und Ästhetik
2.2. Performativität und Theatralität
2.3. Personenkult und Community
3. Fazit
4. Literaturverzeichnis
4.1. Medienverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die medienwissenschaftlichen Strategien der Zuschauerbindung auf der Videoplattform YouTube am Beispiel des YouTubers „HandOfBlood“. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, welche ästhetischen Mittel und performativen Strategien eingesetzt werden, um die Bindung des Publikums zu intensivieren und sich innerhalb eines kompetitiven Marktes zu differenzieren.
- Bedeutung von Serialität und ästhetischer Konsistenz im YouTube-Kontext
- Einsatz von Theatralität und Performativität zur Inszenierung von Identität
- Methoden zur Durchbrechung der "Vierten Wand" und Etablierung eines Wir-Gefühls
- Die Rolle des Personenkults und die Interaktion mit der Fangemeinschaft
- Strategien zur Differenzierung gegenüber konkurrierenden Content-Produzenten
Auszug aus dem Buch
2.1 Serialität und Ästhetik
Ein wichtiges Instrument der Zuschauerbindung ist die Serialität. Es existieren viele wissenschaftliche Theorien darüber, dass sich Rezipient*innen nach etwas Gewohntem, nach etwas Vertrautem und nach Sicherheit sehnen. Michaela Wünsch zitiert etwa den britischen Anglisten Richard Dyer: „,It’s clear that humans have always loved seriality‘“ (Wünsch 2010, S. 191). Demnach gebe es eine große Lust an der Wiederholung und an der Fortsetzung. Auch der amerikanische Philosoph Stanley Cavell war dieser Auffassung - ein „Serien-Episoden-Prinzip“ (195) biete exakt diese Stabilität und Gewohnheit:
[...] In der weiteren Beschäftigung mit meiner These des Seriellen im Fernsehen lasse ich mich vor allem von der Intuition leiten, dass Wiederholungen und Wiederkehr in Soap Operas eine bedeutende Beziehung zu denen in Episodenserien haben und dass daher Wiederholung und Wiederkehr eine Art Anspruch sind, dessen Erfüllung das Fernsehen von all seinen Formaten fordert (ebd.).
Zwar hat Cavell diese These für das Fernsehen formuliert, jedoch lässt sie sich auch auf Videobeiträge auf YouTube übertragen. Denn nicht nur in Soap Operas gibt es Wiederkehr. Auch in zusammenhängenden Videos bauen YouTuber*innen immer wieder auf wiederkehrende Elemente. Das können ästhetische Elemente sein, die in allen Teilen einer Videoreihe zu sehen sind, oder gleiche Rahmenbedingungen wie eine identische oder ähnliche Länge aller Videos. Wiederholung und Wiederkehr bieten den Rezipient*innen etwas Vertrautes, da sie Gewohnheiten und feste Abläufe in der Regel aus ihrem eigenen Alltag kennen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung – YouTube: Relevanz und Zuschauerbindung: Das Kapitel erläutert die gesellschaftliche Bedeutung von YouTube und die Notwendigkeit für Content-Creator, durch gezielte Zuschauerbindung im wachsenden Konkurrenzkampf zu bestehen.
2. Analyse der Videos des YouTubers „HandOfBlood“: Dies ist der Hauptteil der Arbeit, in dem die Kanäle und Videos exemplarisch hinsichtlich ihrer formalen und inszenatorischen Gestaltung untersucht werden.
2.1. Serialität und Ästhetik: Es wird analysiert, wie durch wiederkehrende visuelle und strukturelle Elemente eine Bindung zum Zuschauer aufgebaut und ein Wiedererkennungswert geschaffen wird.
2.2. Performativität und Theatralität: Dieser Abschnitt beleuchtet, wie der YouTuber durch Rollenspiel und Inszenierung neue Wirklichkeiten und Erzählstränge jenseits des reinen Spielgeschehens kreiert.
2.3. Personenkult und Community: Das Kapitel betrachtet die Bedeutung der realen Persönlichkeit des YouTubers und den wechselseitigen Austausch mit den Fans zur Festigung der Community-Bindung.
3. Fazit: Die Ergebnisse der Untersuchung werden zusammengeführt und der medienwissenschaftliche Stellenwert der analysierten Bindungsstrategien eingeordnet.
4. Literaturverzeichnis: Hier werden alle verwendeten wissenschaftlichen Quellen und mediale Referenzen systematisch aufgelistet.
4.1. Medienverzeichnis: Ein spezielles Verzeichnis der herangezogenen YouTube-Videos und digitalen Quellen.
Schlüsselwörter
YouTube, Zuschauerbindung, HandOfBlood, Serialität, Ästhetik, Performativität, Theatralität, Personenkult, Let's Play, Medienwissenschaft, Internettheater, Fan-Interaktion, Digitale Medien, Inszenierung, Community-Management
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Mechanismen, mit denen YouTuber ihre Zuschauer langfristig an ihren Kanal und ihre Videoreihen binden, wobei der Fokus auf medienwissenschaftlichen Konzepten liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf Serialität, ästhetischer Gestaltung, performativen Inszenierungen sowie der Rolle des Personenkults in digitalen Spielkulturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifischen Mittel zu identifizieren, mit denen der YouTuber „HandOfBlood“ seine Reichweite ausbaut und eine loyale Fangemeinde generiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine medienwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die unter anderem Konzepte von Erika Fischer-Lichte und Knut Hickethier auf die Videoproduktion anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert konkret, wie Serialität, theatrale Elemente und die Interaktion mit der Community in der „Thief Simulator“-Videoreihe zur Zuschauerbindung beitragen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind unter anderem Zuschauerbindung, Serialität, Performativität, Inszenierung und digitale Spielkulturen.
Wie unterscheidet sich „HandOfBlood“ von anderen Let’s Playern?
Der Autor argumentiert, dass „HandOfBlood“ sich durch das bewusste Einbauen fiktiver, extra-diegetischer Elemente und eine ritualisierte Inszenierung seiner Person von Konkurrenten abhebt.
Welche Rolle spielt das „Durchbrechen der Vierten Wand“?
Es dient dazu, eine direkte, persönliche Verbindung zum Zuschauer aufzubauen und ein Gemeinschaftsgefühl zu etablieren, das über das bloße Beobachten des Spielgeschehens hinausgeht.
- Arbeit zitieren
- Daniel Zander (Autor:in), 2019, Wie generiert man YouTube-Aufrufe? Strategien zur Rezipientenbindung am Beispiel des YouTubers "Hand of Blood", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/541226